Montag, 20. September 2021

7 Churfirsten "by fair means"

Schon seit wir uns kennen sprachen wir davon, einmal die 7 Churfirsten "by fair means" in einem Tag machen zu wollen. Also alle Gipfel der Churfirstenkette an einem Tag zu erwandern, ohne Seilbahnen in Anspruch zu nehmen.

Am 08. September war es dann soweit. Das Wetter passte perfekt: nicht zu kalt, nicht zu warm, die Tageslänge passte noch hervorragend und wir waren in guter Verfassung - also trainiert genug dafür.

So stellten wir den Wecker auf 3:30 Uhr und fuhren um 4:15 Uhr von daheim los. Um kurz vor 5 Uhr starteten wir dann von Starkenbach auf gut 900m los in Richtung Selun bzw. erstmals Alp Selun. Rasch gewannen wir mit unseren Stirnlampen bewaffnet an Höhe und schon bald erreichten wir die Alp auf Vorderselun. Dort erkannten wir dann, dass schon andere Gipfelaspiranten vor uns waren - weit vor uns um genau zu sein. Die ersten leuchteten bereits im Gipfelbereich herum, manche waren kurz darunter. 

Wir wollten uns dadurch nicht stressen lassen und behielten unser Tempo bei, welches wir bewusst ganz niedrig angelegt hatten, um die sieben Gipfel auch zu schaffen. Wir wollten nicht das ganze Pulver schon bei den ersten paar Gipfel verschießen. So kam es dann, dass wir auf halber Höhe des Gipfelanstiegs zum Selun mit den meisten anderen Wanderern kreuzten. Am Selun genossen wir dann kurz nach sieben Uhr (7:04) einen schönen Sonnenaufgang - und das ganz alleine.

Lange Zeit verweilten wir nicht am Gipfel und so ging es bald schon wieder bergab zu unseren Rucksäcken auf ca. 1700m, welche wir vor dem Gipfelaufstieg dort positioniert hatten. Das war wohl auch ein Schlüssel zum Erfolg. Wir hatten kleine Wasserflaschen dabei und viele Riegel und nahmen jeweils auf den Gipfel nur eine Flasche und ein paar Riegel mit. Der restliche Rucksack blieb immer "im Tal". Somit sparten wir einiges an Gewicht und konnten die Aufstiege rasch machen.

Nachdem wir die Rucksäcke wieder hatten, machten wir die Querung zur Alp Torloch, wo wir dann die Rucksäcke bis auf ca. 1900m mitnahmen. Denn dort ca. konnte man recht gut höhehaltend zum Gipfelaufstieg des Brisi queren. Zuvor mussten wir aber noch auf den Frümsel rauf. Dieser Aufstieg war recht steil und auch sonst nicht ohne, da er teilweise etwas rutschig war. Doch schon um 8:37 Uhr standen wir am Gipfel des Frümsel und hatten bereits 10.4km und 1850 Höhenmeter in den Beinen. Ein paar Fotos, ein paar Schlucke Wasser und einen Riegel später ging es wieder ab ins Tal. Dort wartete der Rucksack auf uns.

Die Querung vom Frümsel zum Brisi war dann lustig - zumindest für mich. Teils über Schroffen und über Fels ging es querfeldein zum Wanderweg, der zum Gipfel des Brisi führt. Dort platzierten wir wieder unsere Rucksäcke und stapften los in Richtung Gipfel, welchen wir schon 10:12 Uhr erreichten. 2325 Höhenmeter und 13.41km hatten wir schon in den Beinen und legten nun eine etwas längere Pause ein. Auch alle anderen Aspiranten pausierten dort länger. Wir genossen kurz die Aussicht und quatschten etwas bevor wir dann schon vor allen anderen den Abstieg antraten. Schon am dritten Gipfel der sieben hatten wir also alle anderen überholt. Unten bei den Rucksäcken angekommen sahen wir, dass nun auch andere auf unsere Taktik setzten und die Rucksäcke deponierten.

Wir blieben unserem Tempo treu und querten nach dem Brisi hinüber zum Zuestoll, der als schwierigster der Churfirsten gilt. Dort überholten uns dann zwei der anderen Aspiranten, die aber dann länger für die Orientierung benötigten. Sie glaubten uns nicht, dass sie noch weiter queren müssen. Oben rauf gibt es sogar eine kurze Kraxelei auf den Gipfel, die recht ausgesetzt ist. Wir meisterten die Passage gut und genossen wiederum die atemberaubende Aussicht vom Gipfel. Nach 2820 Höhenmetern, 16.41km und 6:56h erreichten wir um 11:48 Uhr den Gipfel.

Nur noch 3 weitere Gipfel lagen also vor uns, wobei nur noch der Aufstieg zum Schibenstoll auch wieder im Abstieg zu meistern war. Denn vom Hinderrugg musste man später nur noch zum Chäserrugg absteigen. Nach dem Abstieg vom Zuestoll querten wir entlang des Wanderweges zum Aufstieg des Schibenstolls, welcher unten rauf teils ausgesetzt ist, oben aber wunderschön zu erwandern ist. Von dort genossen wir den Ausblick auf die letzten zwei Gipfel die noch vor uns lagen. 3298hm und 19.24km lagen nun hinter uns - 8:34h waren wir bereits am Weg.

Im Abstieg bzw. Zustieg zum Hinterrug erwartete uns dann eigentlich die schwierigste Passage. Weglos musste man dort einen Hang queren und etwas über steilere Schroffen absteigen, bevor man ins Gluristal kommt um dann von dort wieder in Richtung Wanderweg zum Hinterrugg aufzusteigen. Nach gut 3500 Höhenmeter waren unsere Beine aber nicht mehr so spritzig und wir ließen uns entsprechend Zeit beim Aufstieg. Im Schlussanstieg zum Hinterrugg hinauf hatten wir dann einen tollen Ausblick auf die Churfirstenkette und waren schon happy, dass wir unser großes Projekt erfolgreich abschließen würden. Die letzten paar hundert Höhenmeter würden wir auch noch schaffen.

Nach 10:30h, 23km und 3835hm standen wir am Hinterrugg und wussten, dass wir nur noch wenige Meter hinüber bis zum Chäserrugg queren mussten, wo wir ca. 10min später auch eintrafen. 

Da wir beide noch frohen Mutes waren und unsere Beine noch nicht komplett ausgepowert waren beschlossen wir, dass wir auch den Abstieg ohne Bahn machen wollten und somit eine komplette Runde wandern. Dass auch der Rückweg dann kein Zuckerschlecken werden würde, war uns klar.

Unter der ganzen Churfirstenkette vorbei ging es via Mittelstofel und der Lochhütte zurück nach Starkenbach, wo wir nach 13 Stunden und 17 Minuten, 3906 Höhenmetern und einer Gesamtstrecke von 35.10km glücklich aber müde eintrafen und uns auf eine Pizza am Abend freuten.

Harald

Unsere "kleine" Wanderung: ca. 3900Hm und 35km waren es am Ende.

Die Dämmerung setzt ein: kurz nach der Alp Vorderselun.

Am Gipfel des Selun um 7:04 Uhr.

Blick zum Tödi und Mürtschenstock.

Die Sonne trifft uns nun auch im Tal. Kurz vor der Querung zum Frümsel.

Blick zum Frümsel.

Gipfelkreuz am Frümsel mit Blick zum Walensee.

In der Querung vom Frümsel zum Brisi.


Die letzten Meter zum Brisi.

Gipfel des Brisi: schon mehr als die Hälfte der Höhenmeter geschafft.

Rückblick auf den Frümsel.

Der Säntis und das Alpsteingebirge liegen direkt vor uns.

Im Aufstieg zum Zuestoll.

Gipfel des Zuestoll.

Blick vom Gipfel des Schibenstoll zurück zu den anderen Gipfeln.

Weglos ging es unter dem Schibenstoll ins Gluristal zum Wanderweg, der auf den Hinterrugg führt.

Die letzten Meter auf den Hinterrugg warten auf uns. Die Beine werden schwer.

Blick zurück auf die bereits erwanderten Gipfel.

Beinahe geschafft: der Gipfel des Hinterrugg ist erreicht. Nun folgt nur noch der Abstieg.

Wegweiser im Abstieg vom Chäserrugg. Ab jetzt gehts ja "nur noch bergab".

Blick auf die Gipfelkette der Churfirsten bei der Lochhütte.

Die Pizza am Abend haben wir uns jedenfalls verdient. Oder zwei ;-)

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