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Freitag, 23. Oktober 2020

19. bis 21.10. - Nationalpark “Les Calanques” - Teil 3

Serie "Les Calanques"

Klettern in Morgiou: Sektor „Crête St. Michel – Grand Dièdre“

Nach dem langen „Spaziergang“ durch die Calanques vom Tag zuvor wollten wie wieder an den Fels und dieses Mal wieder Mehrseillängen klettern. Die Wahl fiel wieder auf Morgiou, denn der Sektor war für uns gut zu erreichen, denn wir mussten nicht durch Marseille durch und konnten das Auto getrost am Parkplatz der Universität abstellen.

Los ging es also wieder von dort in Richtung Col de Sugiton. Unser Plan war es, im Sektor „Crête St. Michel“ zu klettern, welcher genau über dem Sportklettersektor „Shangri La“ ist. Wir sollten also den Zustieg dieses Mal deutlich leichter finden. Und so war es dann auch. Die Pfade zur Wand waren in diesem Falle gut und schon bald standen wir unter den Routen, wie auch schon zwei andere Kletterer. Wir suchten noch den Einstieg unserer Route, die wir klettern wollten. Dabei „half“ uns dann einer der Kletterer und meinte, die Route sei genau drei Linien rechts von ihrer Route. Wir zählten also und schauten noch kurz die Topo an, um die Route „La Chaloupée“ zu klettern.

Nach der Stärkung mit einem Biber ging es dann los. Doch irgendwie zog die Route entgegen der Zeichnungen in der Topo etwas nach rechts. Sie sollte aber gerade nach oben gehen. Abzweiger hatte ich keinen verpasst. Ich wunderte mich also am Stand darüber, dass von dort dann andere Routen wegführten – es sollte nur eine Linie nach oben sein. Also schauten wir mal genauer nach und siehe da, ich bin die falsche erste Länge geklettert. Also querte ich oben noch zum richtigen Stand und Manu kam dann nach. Wenigstens war die erste Seillänge dann schön zu klettern und kaum abgegriffen, wohl auch, weil sie etwas schwieriger ist also die richtige erste Seillänge. Die nächsten drei Seillängen waren dann durchaus schöne und lohnende Kletterei an leicht geschmiertem Fels. Vor allem die letzten zwei Seillängen hätten sie aber zusammenlegen können, da diese recht kurz sind.

Vom Ausstieg ging es dann zuerst nach oben auf das Plateau. Hier wird viel abgegangen von den einzelnen Routen, denn üblicherweise sind diese so stark frequentiert, dass abseilen kaum oder nur schwer möglich ist bzw. zu gefährlich wäre. Im linken Wandteil befindet sich eine Abseilroute, die alle verwenden sollen. Wir machten uns also auf die Suche danach und hatten anfangs so etwas unsere Mühe einen Abseilstand zu finden. Doch wer suchet der findet. Zwei Mal 40 Meter abseilen bis an den Wandfuß – den Rest kletterten wir sowieso schon oben durch leichtes Gelände ab.

Was bei guten Verhältnissen eigentlich ein Klacks ist – also das Abseilen über eine 40m 7a Route die überhängend ist – stellte sich hier als schwieriges Unterfangen heraus. Denn der Wind hat hier ein Wörtchen mitzureden. Ich ging als erster runter und hatte die Seile schön aufgeworfen wie immer dabei. Als ich die Kante erreichte warf ich diese dann ab und konnte dann nur noch leise fluchen. Genau in diesem Momente kam recht zügiger Wind und verwehte die Seile ums Eck, direkt in ein paar Sträucher. Also musste ich zuerst mal so weit wie möglich ab, dann frei hängend mich an den Seilen zum Busch ziehen und diese befreien. Die zwei Seile waren dann natürlich nicht mehr knotenfrei und so musste ich noch in Kleinstarbeit den „Sauhaufen“ zuerst lösen, bevor es weiter runter ging. Manu kam dafür dann zügig nach. Beim Abziehen warteten wir dann extra auf einen guten Moment und hofften auf keinen oder nur schwachen Wind und so ging es dann auch ganz gut. Wenig später standen wir endlich wieder am Wandfuß.

Da der Tag noch jung war und unsere Finger noch nicht müde, suchten wir beim Mittagessen eine neue Route, die wir klettern wollten. Die Wahl fiel dabei auf „Les Mordus“. Eine Route, deren erste Seillänge zwar nur eine 6a ist, aber mit 40 Meter sehr lang und somit der Seilzug gegen oben hin recht groß wird. Genau das bekam ich dann auch zu spüren. Die Kletterei war sehr schön in dieser Länge, doch je höher ich kam, desto mehr musste ich aufpassen, beim Klippen der Exen nicht aus der Wand gezogen zu werden, da das Seil so schwer wurde bzw. hing. Danach folgten noch weitere drei Seillängen, wobei die direkt anschließende 6a viel zu leicht war und die 5c+ danach viel zu leicht bewertet wurde. Vielleicht sind diese also vertauscht worden?

Oben angekommen entschieden wir uns dieses Mal für den Fußabstieg. Auch diesen mussten wir zuerst einmal finden, schafften es aber recht bald und so ging es doch zackig zurück zum Wandfuß, wo wir unsere sieben Sachen in die Rucksäcke packten und langsam zurück nach Auto wanderten, vorbei an einer riesigen Gruppe Pensionisten (ca. 25+), die im Gänsemarsch den gesamten Weg 6a blockierten und anscheinend schwerhörig waren, um uns von hinten kommen zu hören. Auch das freundliche „Bonjour“ von uns half dabei wenig, erst lautes Reden überzeugte sie dann doch auf die Seite zu gehen. Sonst würden wir jetzt wohl noch dort wandern :-P

Vom Parkplatz zurück ging es dann vorbei am großen Intermarché in Carnoux um unsere Vorräte wieder zu befüllen. Dabei entdeckten wir dann noch Manus geliebten „Muscat“ – ein süßlicher Dessertwein – aus Lunel und so wanderten auch ein paar Flaschen davon in den Einkaufswagen. Ob diese nun alle im Bus Platz finden werden, oder wir sie direkt trinken müssen … ?

Harald

Spezielles Feeling in den Calanques.

Die Schwierigkeiten bewegten sich vor allem in der ersten Route im Genussbereich. Einfach schön und abwechslungsreich.

Die zweite Route startete mit einer 40m 6a - Seilzug vorprogrammiert.

Obwohl sie kraftig und auch teils technisch war, kämpfte sich Manu super durch.

TOP!


Klettern in Morgiou: Sektor „Crête St. Michel – Polka“

Da uns das Kletterfieber dank des super Felsen vom Vortag so richtig gepackt hatte, beschlossen wir, auch am heutigen Tag wieder im Sektor Crête St. Michel klettern zu gehen – diesmal im ganz rechten Wandteil. Den Zustieg kannten wir ja schon und so waren wir recht zügig beim Einstieg.

Zum Starten wählten wir eine Route mit zwei Seillängen, von denen die erste rund 25m und mit 5c bewertet war und die zweite dann 35m und 6a. Die Felsqualität war toll und die Klettermeter ein Traum! Einziges Manko war, dass der Wind auffrischte und es vor allem im Stand recht zügig war. Abgeseilt haben wir dann über die Route – mit dem 60m Seil ging es sich bis auf den Boden aus! Und beim Abziehen des Seiles hatten wir Glück, da der Wind gerade eine Pause einlegte.

Wir beschlossen anschliessend, die Route „Les cheminées“ zu machen, die etwas vom Wind geschützt und weiter links gelagert war. Da die erste Seillänge nur eine 5a war, habe sogar ich mich mal in den Vorstieg gewagt :-D. Die Route war dann aber ziemlich beschissen, viel kreuz und quer und an Büschen vorbei. Der Stand war dann auch nicht dort, wo er laut Topo hätte sein sollen und so hatte ich am Ende einen ziemlichen Seilzug drauf. Nach gut 40m erreichte ich aber den Stand und beim Seilnachziehen kam ich so richtig ins Schwitzen! Gut, dass Harald anschliessend die 5c+ und die 6a wieder vorstieg! Die 5c+ war dann wohl der Namensgeber der Route, weil es einen Kamin hochging. Genau die Art von Kletterei, die ich so gerne mag… :-/  Nach dessen Ausstieg gabs eine Passage durchs Gebüsch. Auch die letzte Seillänge war nur kurz lustig, als es an grossen Löchern vorbei nach oben ging. Die zweite Hälfte der Seillänge bestand dann auch wieder durch Zickzack-Kletterei am Gebüsch vorbei. Da hier keine Abseilpiste eingerichtet war (was eigentlich verständlich ist), wollten wir erst versuchen, zu dem Stand zu gelangen, den wir bei den letzten zwei Seillängen genutzt hatten und wo wir wussten, dass wir mit einem Mal Abseilen bis auf den Boden kommen. Jedoch war es für mich zu scary, dorthin zu gelangen. Nach endlosem Hin und Her sind wir dann auf den Wanderweg und über diesen zurück zum Einstieg der Route gewandert.

Im Nachhinein gesehen, wären wir wohl besser dran gewesen, wenn wir bei der ersten Route noch die Nachbarrouten geklettert wären – zwar mit Wind, dafür aber ohne Gestrüpp! Zu diesem Schluss kam auch Harald, der dann den restlichen Tag ziemlich grumpy deswegen war. Doch immerhin waren wir in der zweiten Route windgeschützt :-)

Zum Abschluss des Tages gab es eine erste Probe des Muscat-Weines, der von mir das Prädikat ausgezeichnet bekommt, und Quenelles (eine Art Schupfnudel aus Kartoffel-Teig Natur, mit Käse oder Pesto gemacht) mit Burger-Patties.

Manu


35m 6a Genusskletterei! Die zweite Seillänge war wirklich wunderschön.

Da kommt Manu wieder runter. 60m am Stück abseilen macht Spaß.


Wandern in „Les Calanques“ rund um Sormiou

Der Mittwoch war angekündigt als sehr windiger Tag. Und wie der Wetterbericht damit recht hatte! Schon früh am Morgen hatte es so starke Böen dabei, dass ich dachte, Manu tanzt oben im Aufstelldach, so sehr wackelte der Bus. Wir frühstückten dann ganz gemütlich, richteten unsere Pausenbrote zusammen, und brachen auf in Richtung Luminy zu unserem schon bekannten Parkplatz.

Von dort ging es zuerst in Richtung Mont de Luminy und weiter zum Col de Morgiou, bevor wir quasi wieder abstiegen und auf der anderen Seite zum le Baou Rand aufstiegen. Viel Auf und Ab war es ja nicht, aber auch so summierten sich die Höhenmeter. Weiter ging es zum Col des Escourtines und dann ab in Richtung Sormiou. Oben noch teils vom Wind etwas geschützt, blies uns der Wind nun voll ins Gesicht. Die Bucht von Sormiou ist NW-SO ausgerichtet und der Wind kam heute aus SO. „In your face“ sagt man dazu auch 😉 In Sormiou gingen wir zum „Strand“, von dem eigentlich nichts zu sehen war, so stark war der Wellengang und die Flut zu diesem Zeitpunkt.

Wir setzten also recht zügig den Weg fort um auf der anderen Seite der Bucht auf die Crête de Morgiou zu kommen. Dort waren wir zumindest wieder teilweise vom Wind geschützt und so aßen wir dann auch zwischendurch einen Riegel und tranken etwas. Am Pass der Crête angekommen sahen wir dann in der Karte, dass es am Ende des Gratweges noch einen kleinen Abzweiger wieder runter nach Morgiou gibt – genau was wir suchten. Also gingen wir der Crête entlang, immer so auf einer Höhe von 200m über dem Meer in Richtung SO – genau gegen den Wind. Im vordersten Teil, wo man auf das offene Meer schaut, war der Wind dann recht stark. Glücklicherweise drehten wir dann aber nach links ab und stiegen fast bis auf Meereshöhe ab, um dann einem kleinen Pfad entlang zurück nach Morgiou und dessen Hafen zu gelangen.

Das kleine Fischerdörfchen ließen wir bald hinter uns und stiegen nun wieder auf in Richtung Col de Sugiton, um dann in den bereits bekannten Weg 6a zu kommen, der uns unter den Wänden der Crête St. Michel wieder zurück nach Luminy führte.

Alles in allem waren wir dann doch fast 4 Stunden unterwegs und legten 13 Kilometer und an die 1000 Höhenmeter zurück. Für diese Umgebung also keine schlechte Leistung. Aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist 😉

Es ging dann zurück zum Camping, wo wir uns umparkten. Wir wollten etwas näher am WLAN sein, da es auf unserem Stellplatz nicht funktionierte. Die nächsten Tage wollten geplant werden und das geht am besten doch mit dem Laptop bzw. dem Handy, wenn man Internet hat. Wetter prüfen, Fahrzeiten checken, Campingplätze und ob diese offen haben, Corona-News lesen, Einreisebestimmungen, Ausreisebestimmungen. Vor allem die letzteren Punkte nehmen mittlerweile recht viel Zeit in Anspruch. Nach Spanien dürften wir „vielleicht“ noch, aber auch vielleicht nicht. Ob wir dann zurück nach Frankreich ohne Quarantäne kommen, ist fraglich. Viele Dinge müssen jetzt berücksichtigt werden. Am Ende des Abends hatten wir einige Optionen erarbeitet und wollten noch eine Nacht darüber schlafen, um dann am Morgen beim Frühstück spontan zu entscheiden, wohin es weiter gehen soll.

Die Nacht war dann aber etwas kurz, da wir gegen 22 Uhr neue Nachbarn bekamen. Mit einem großen Wohnmobil stellten sich vier Franzosen neben uns, die abends noch lautstark diskutierten – außerhalb des Campers. Sie rauchten, tranken und schrien herum und nicht nur mir missfiel dies. Um 23:45 Uhr habe ich sie dann höflichst auf Englisch angesprochen und ihnen kurz – in meiner mitteilungsbedürftigen Art – erörtert, dass es auch noch andere Leute auf der Welt (= Camping) gibt, die schlafen wollen. Antwort gab es keine. Vielleicht haben sie mich also nicht verstanden, aber sie haben geschnallt, dass ich sauer war, zumindest war es danach ruhig … bis am frühen Morgen …

Harald

Stürmische See am Strand von Sormiou. Warum heute wohl keine Leute im Wasser sind?

Sie will schon wieder klettern und testet den Felsen.

Die Bucht von Sormiou mit der kleinen Siedlung. An den Klippen links draußen sind unzählige Routen eingebohrt, wo man sich aber zuvor abseilen muss. Im Führer steht: "auf Wind und Wellengang achten" :-D

Blick auf die Crête St. Michel und die Sektoren von den Tagen davor.

Die Bucht von Morgiou.

Das kleine Dörfchen Morgiou und die Crête St. Michel im Hintergrund.

Donnerstag, 22. Oktober 2020

16. bis 18.10. - Nationalpark “Les Calanques” - Teil 2

Serie "Les Calanques"


Klettern in En Vau: Sektoren „Sirènes“ und „Grande Aiguille“

Heute wollten wir ´den´ Kletterspot der Calanques genauer unter die Lupe nehmen – schöne Buchten, Strände und Felsen, von denen man einen wunderschönen Ausblick auf das Meer haben sollte!

Gestartet sind wir mit unseren Bikes – es war uns immer etwas unsympathisch, unseren Camper auf irgendwelchen entlegenen Parkplätzen abzustellen. Von vor zwei Tagen wussten wir bereits, wohin wir fahren mussten. Vom Parkplatz aus gings diesmal aber weiter, einen breiten Schotterweg entlang. Bei einer Abzweigung entschieden wir uns für den „kürzeren“ Weg zu der Bucht „En Vau“, den wir als Bikeroute in einer Topo gefunden hatten. Für uns war es ein Rätsel, wie man dort je mit einem Bike hätte fahren sollen! Glattpolierte Felsen, Wurzeln, grosse Steine – für uns hiess es also, das Bike zu tragen oder zu schieben! So gings dann runter zu der Bucht „Port Pin“, wo wir unsere Bikes festmachten und dann zu Fuss weitergingen. Nach ca. 45min erreichten wir die Bucht „En Vau“, wobei wir noch auf dem Plateau standen und erst einmal runter zum Strand mussten. Laut Karte musste es einen Weg geben und so ging die Suche los. Nach einem ersten Verhauer war ich nicht mehr so glücklich, aber Harald fand dann doch noch den richtigen (und markierten) Weg und über teilweise glattpolierte Felsstufen ging es teils kraxelnd und teils rutschend zum Strand hinunter. Von dort aus konnten wir das gigantische Klettereldorado auf beiden Seiten der Schlucht ausmachen!

Für uns ging es noch circa 300 Meter rein in die Schlucht, ehe wir unsere westseitige Route namens „Moitié – Moitié“ ausmachen konnten. Die Route bestand aus vier Seillängen mit der maximalen Schwierigkeit von 5c – also Genussklettern pur! Und obwohl die Region dort anscheinend so beliebt sein soll, war der Fels grösstenteils griffig und die Route toll zum Klettern! Inklusive super Aussicht auf das Meer und die Bucht! Nach den vier Seillängen hiess er erst einmal, aufs Plateau aufzusteigen und dann den gleichen Weg wie schon einmal wieder runter zum Strand. Unsere Rucksäcke waren nämlich beim Routeneinstieg deponiert. Wir entschieden uns noch für eine zweite, kürzere Seillänge auf die Grande Aguille – auch hier wieder toller Fels und super Aussicht! Da diese Route direkt neben dem Wanderweg liegt, wurden wir mehrmals von anderen Wanderern beobachtet und teils auch fotografiert! Am Ende der drei Seillängen konnten wir uns einmal abseilen und dann ganz gemütlich zum Einstieg zurückmarschieren.

Anschliessend packten wir unsere Sachen zusammen – es war auch schon wieder 16 Uhr! – und über einen einfachen Wanderweg ging es zurück zu unseren Bikes. Ich weigerte mich, den gleichen Weg zurückzunehmen, wie wir gekommen sind und so nahmen wir einen kurzen Umweg in Kauf, dafür konnten wir durchgehend fahren und waren zeitlich gesehen um einiges schneller als bei der Hinfahrt! Nach einem kurzen Stopp im U-express, wo wir uns mit Essen eindeckten, ging es zurück zum Campingplatz – der nächste Tag wollte geplant und eine Partie Rummy gespielt werden!

Manu 

Ambiente unten in der Bucht von "En Vau".

Ausblicke beim Klettern. Fast überall Felsen mit Routen drinnen, dahinter das offene Meer.

Mal anders als in den Alpen. Irgendwie schön :-)


Auf das "Zipfi" sind wir dann geklettert.



Manu beim Abseilen.



Am Rückweg: das Cap Canaille wird langsam rötlich gefärbt, wenn die Sonne tiefer steht.

Die Bucht am Port Pin.


Klettern in Morgiou: Sektor „Shangri-La“

Nachdem am Vortag unser Kletterherz wieder höhergeschlagen hatte, wollten wir nun einen weiteren Sektor auskundschaften. Laut Meteo sollte es schön und warm und vor allem windstill sein – perfekte Bedingungen also! Aber es war Samstag und somit werden wir wohl nicht die einzigen in der Wand sein! Darum entschieden wir uns für einen Sportkletterspot, wo es viele Routen in unserem Schwierigkeitsgrad gibt und somit auch die Möglichkeit, anderen Klettern auszuweichen.

Diesmal war der Kletterspot zu weit entfernt, um mit dem Bike hinzufahren. Also fuhren wir mit unserem Büssli zur Universität Luminy, wo es einen grossen Parkplatz gibt, der auch rege genutzt wird! Von dort marschierten wir dann los – die Wanderkarte in der einen, der Kletterführer in der anderen Hand. An den Weggabelungen machten wir meistens kurz Halt, um uns zu orientieren. So kam dann ein netter Trailrunner-Franzose auf die Idee, uns zu helfen, den richtigen Weg zu finden, obwohl er auch keine Ahnung hatte, wohin wir eigentlich müssen. Aber der Weg 6a klingt doch gut!? Also los! Aber weit und breit kein Felsenbogen zu sehen, durch den wir eigentlich zu der Wand hätten kommen sollen! Also doch nicht 6a? Nochmals im Buch geblättert – der Weg 7 wars! Zurück zur Kreuzung, den Weg 7 entlang runter – und schon standen wir fast auf Meereshöhe! Das war zu weit! Also wieder zurück nach oben und irgendeine der Abzweigungen nehmen, die eigentlich gar keine ist! Wieder teilten und gabelten sich die Pfadspuren, aber immerhin fanden wir dann den Felsenbogen und somit auch die Wand, an der sich schon ein paar Kletterer austobten. Der linke und rechte Sektor war belegt, also nahmen wir den mittleren.

Die Sonne schien direkt in die Südwand, es war mit 18°C angenehm warm! Viel wärmer hätte es aber nicht sein dürfen, sonst wären wir noch aus der Wand gebruzzelt! Gemütlich starteten wir mit einer Route im 5ten Schwierigkeitsgrad, um uns an den Felsen zu gewöhnen. Der war super griffig und nur ganz selten geschmiert! Langsam steigerten wir die Schwierigkeiten bis zu den 6a-Routen, welche für mich nach so einer langen Kletterpause noch recht tricky waren. Vor allem die Fingerkraft lässt zu wünschen übrig! Und auch die Fingerkuppen halten nicht mehr so viel aus… Nach 10 Routen war dann Schluss. Es war ja auch schon späterer Nachmittag!

Zurück konnten wir übrigens dem Wandfuss entlanggehen und nach einer kurzen Kraxelei standen wir auf dem Weg 6a! Hätten wir uns also 20min Zustieg (bzw. Wegsuche) sparen können. Den Rückweg fanden wir dann ohne Probleme und nach 45min standen wir auch wieder beim Auto. Zurück gings nach Cassis, kochen, essen, chillen, schlafen!

Manu 

Keine Höhlenmalereien oder dergleichen, aber wieder Wegmarkierungen. Und da kennt sich einer aus? (PS: am Ende der Woche haben wir es auch verstanden)

Über der Bucht von Morgiou.

Teils ganz toller Fels wartete dort.

Der linke Teil des Sektors und der Bogen, unter dem wir durch mussten.


Bike and Hike: Quer durch die Calanques

Nach den zwei Klettertagen wollten unsere Finger geschont werden und wir entschieden uns für ein Bike und Hike durch die Calanques! Los gings vom Campingplatz mit unseren Bikes – Ziel war der Col de l´Oule. Der erste Teil des Weges kannten wir schon, der war auch okay zum Fahren, aber dann wurde es so typisch „südlich“ – mühsame Schotterwege mit grossen Steinen und kaum festem Untergrund. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man das Bike auf dem Weg halten will, vor allem, wenn es dann noch steil nach oben geht! Zum Glück wurde der Weg dann wieder besser und nach dem Col de la Gardiole wurde die Strasse auch wieder breiter und vor allem ging es abwärts! So weit, dass wir irgendwann mal anhielten und uns wunderten, wo denn dieser Col de l´Oule geblieben sei! Wieder einmal hatten wir den Weg verpasst und standen mitten im Vallon d´en Vau.

Aber es gab direkt in der Nähe einen Wanderweg, der zum Col de l´Ouie führte. Waren auch nur 100 Höhenmeter. So wanderten wir dann los, bis auf den Mont Puget (563m), der höchsten Erhebung in den Calanques, von welcher man einen guten Ausblick auf Marseille hat. Wir verweilten dort allerdings nur kurz, da unser Rundweg noch weiterführte. Ein steiler, fast alpiner Weg führte vom Mont Puget nordwestseitig runter – da wurden sogar die Hände gebraucht! Über den Col de la Candelle und den Col du Devenson ging es zurück zum Col de l´Ouie – die Höhenmeter mussten hart erkämpft werden. Viel Strecke, wenig Höhenmeter am Stück – ein ganz anderes Wandern als bei uns in den Alpen! Dafür mit wunderbaren Ausblicken auf die teils steilen Klippen und rauen Felsformationen – und natürlich dem Meer!

Wir waren dann aber schon froh, als wir nach gut 14.5km und 900hm wieder zurück bei den Bikes waren – immerhin mussten wir ja noch zurück nach Cassis fahren. Und da hiess es erst einmal, gut 200hm auf den Col de la Gardiole zurückzulegen und dann noch einige mehr bis zur Hauptstrasse draufzulegen, ehe es zügig nach Cassis abwärts ging! Nach fast 7 Stunden, 36.5km und 1500hm waren wir zurück beim Campingplatz! Keine schlechte Leistung für eine Region, deren höchste Erhebung 563m hat! Das Bier war somit verdient!

Manu

Typische Landschaft zum Wandern in den Calanques.

Viel Fels und Schotter.

Angekommen am Gipfel des Mont Puget mit Ausblick auf Marseille.

Da ging der Abstieg durch.




Immer wieder Ausblicke in die Buchten und auf die steilen Felsklippen.

Wer von den Kletterern sich fragt: ja, auch hier sind Routen gebohrt. Nur muss man sich bei den meisten Routen zuvor abseilen.


13. bis 15.10. - Nationalpark “Les Calanques” - Teil 1

Lange ist der letzte Post her, doch wir haben uns dazu entschieden, die Tage im Nationalpark "Les Calanques" zusammenzufassen, da wir nicht immer über gutes Internet verfügten. Daraus wird nun eine Serie von drei Posts werden. Have fun reading!

Serie "Les Calanques"

Anreise nach Cassis und Klettern im “Parc des Baumettes“

Nachdem wir am Montag schon einen Teil gefahren sind, waren es am Dienstag nur noch ca. 250km bis nach Marseille bzw. Cassis und dem Nationalpark „Les Calanques“. Dennoch wollten wir aber nicht schon am ersten Tag unsere Finger noch bis spät am Abend wund klettern, weswegen wir nur kurz in den „Parc des Baumettes“ gingen, um einmal vertraut mit dem Fels und den lokalen Bewertungen zu werden.

Fazit der ersten paar Routen: unsere sechsmonatige Kletterabstinenz (bis auf wenige Ausnahmen und Gratklettereien in Schwierigkeitsgraden jenseits vom Sportklettern) machte sich bemerkbar. Die Finger schmerzten schon nach wenigen Routen und vor allem die Ausdauerkraft in den Unterarmen fehlt für härtere Sportkletterrouten, die es hier aber zu Hauf geben würde. Irgendwie schade, aber wir starten mal wieder langsam 😉

Zudem wurden wir gleich mit einem Einheimischen hier bekannt gemacht. Also nicht so direkt wie man sich das vorstellen würde, niemand hat uns vorgestellt, aber der „Typ“ war immer anwesend und um uns herum. Manchmal schwieg er, manchmal pfiff er uns ein Lied um die Ohren. Man kennt ja den Passat-Wind oder die Bora, aber wer hat schon was vom Mistral gehört? Ich (Harald) bis jetzt noch nicht. Manu kannte diesen typischen Wind in Südfrankreich schon aus ihrer Zeit in Montpellier. Und wer jetzt meint, das sei so ein leichtes Lüftchen, der hat sich getäuscht. Kräftig, teils eiskalt, einfach unangenehm halt. Für die nächsten Tage ist also neben der Temperaturanzeige im Wetterbericht auch der Wind ganz wichtig!

Nach unserem Ausflug zum Klettern ging es weiter nach Cassis, einer kleinen Stadt östlich von Marseille, direkt am Meer. Dort haben wir uns einen schönen ruhigen Campingplatz gesucht und am Platz an sich einen Stellplatz fern ab von jeglichen anderen, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten. Marseille ist ja leider einer der Hotspots in Frankreich zur Zeit und da wollen wir unsere Sozialkontakte auf jene mit der Dame beim Einchecken am Camping und die Leute im Supermarkt beschränken. Keine Lokale, kein Abendessen auswärts, nur Natur, Fels und unser Camping-Bus. Nachdem unser Platz ausgesucht war, schlenderten wir noch zum Hafen nach Cassis und flanierten dort etwas durch die leeren Gassen. Ein schönes Städtchen muss man sagen und zu normalen Zeiten sicher überlaufen mit Touristen, jetzt aber eher leer.

Harald

Der Hafen von Cassis

Noch ein schönes Städtchen am Meer.


Klettern am Port Miou: Sektor „Vallon“

Um etwas besser vertraut mit dem Fels zu werden, wollten wir zuerst hier einmal einen Sportklettersektor aufsuchen. Unsere Wahl fiel dabei auf den Sektor “Vallon” am Port Miou, ganz in der Nähe des Campingplatzes. Wir konnten also den Bus stehen lassen und radelten zum Port Miou. Von dort ging es dann zu Fuß noch etwa 10 Minuten weiter einem Pfad entlang, der eigentlich gesperrt war, wegen fallender Bäume und Steine. Einen Helm hatten wir jedenfalls dabei – sicherheitshalber.

Die Routen im Sektor waren dann recht schön und kaum speckig. Vor allem durch die Länge der Touren (teils an die 30 Meter) stellte der Sektor ein gutes Training dar. Auch waren wir etwas vom Wind geschützt. So schafften wir dann doch 8 Routen zu je fast 30 Meter, bevor unsere Finger aufgaben und schmerzten.

Zurück ging es dann noch am „U Express“ vorbei, dem lokalen Supermarkt hier, um das Abendessen zu besorgen. Komischer Laden muss man sagen. Etwas beengt und ein eigenartiges Schutzkonzept für die Kassierer: Frischhaltefolie rund um die Kassa gewickelt und fertig ist die „Plexiglasscheibe“.

Harald





Unser Spielplatz für diesen Tag: der Sektor Vallon.


Mountainbiketour: Roquefort – La Ciotat – Cap Canaille

Der Vortag hinterließ so seine Spuren an den Fingern und deshalb entschieden wir uns für eine Tour mit dem Mountainbike, um auch etwas von der Gegend zu sehen und ein paar Höhenmeter zu „fressen“. Manu fand eine Tour online, die wir machen wollten.

So stiegen wir nach dem Frühstück auf unsere Räder und traten in die Pedale. Zuerst ging es der Straße entlang nach Roquefort und von dort über ein paar „Cols“ (Pässe) weiter. Auf einem der Pässe wollten wir zuerst die Bikes anbinden und zu Fuß noch auf einen Gipfel gehen, doch die Straße war dann so flach, dass wir nochmals umkehrten und mit den Bikes fuhren. Das war auch gut so, denn die Straße ging noch ewig so weiter. Kurz vor dem Gipfel aber stellten wir dann die Bikes ab und liefen den Rest zu Fuß, da der Weg einfach nicht mehr fahrbar war. Am Gipfel angekommen, immerhin auf 564m über Meer, sah man ein wenig aufs Meer und auf La Ciotat sowie das Cap Canaille, worüber wir zurück nach Cassis mussten.

Wir gingen zurück zu den Bikes und setzten unsere Reise fort, immer entlang des Bergrückens weiter in Richtung La Ciotat. Dort unten angekommen haben wir uns noch fast verfahren, da wir an einer Baustelle falsch gefahren sind. Von La Ciotat geht dann eine Art Panoramastraße entlang des Cap Canaille zurück nach Cassis. Diese Straße wollten wir fahren, da sie die kürzeste und wohl auch schönste Verbindung zwischen La Ciotat und Cassis ist. Nur war diese Straße aber wegen des starken Windes gesperrt und der Schranken war zu. Unsere Bikes sind aber geländegängig, und so fand sich noch ein Weg um den Schranken herum.

Glücklich darüber, dass keine Autos fuhren, strampelten wir also bergauf, dem Cap Canaille entgegen. Der Wind wurde aber mit zunehmender Höhe immer stärker. Oben machten wir dann im Windschatten etwas Pause und aßen unsere Brote, bevor wir uns auf die Abfahrt nach Cassis freuten. Aus der Freude wurde aber nichts. Der Wind legte zu und es war durchaus gefährlich und erforderte noch volle Konzentration, das Bike überhaupt auf der Straße zu halten. Ich musste zwei Mal stehen bleiben, weil es mich fast vom Rad geblasen hat. Am Ende kamen wir aber dennoch gut auf der anderen Seite an, wo wieder die Schranke geschlossen war. Hier haben wir dann das Schild etwas genauer gelesen: 135 Euro Strafe bei nicht einhalten der Sperre … na gut hat uns keiner erwischt.

Zurück ging es dann recht zügig und schon bald waren wir am Campingplatz angelangt. 50 Kilometer und doch 1300 Höhenmeter waren es am Ende der Runde. Ganz schöne Leistung fürs „Flachland“.

Harald

Ein Wanderweg zum "Gipfel".

An diese Mini-Markierungen müssen wir uns erst gewöhnen. Teils kaum sichtbar, ca. 10-15cm lang und etwa 1,5-2cm breit.

Der Ausblick vom Gipfel in Richtung La Ciotat.

"Downhill" Erlebnis am Weg nach La Ciotat.


Irgendwo am Cap: Aussicht nach Cassis und in die Calanques.

Nur die Windjacken zeigen, dass es windig war. Am Foto sieht man den Wind ja so schlecht :-P

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...