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Donnerstag, 29. Oktober 2020

26.-29.10. - Verdon-Schlucht Nord- und Ostseite (La Palud-sur-Verdon, Castellane)

 26.10. Regen- und Reisetag La Palud-sur-Verdon

Am Morgen prasselten die Regentropfen aufs Dach – damit hatten wir allerdings schon gerechnet. Ganz gemütlich frühstückten wir unsere Milchbrötli, da wir heute kein frisches Brot hatten. Dann packten wir unsere Sachen zusammen, bezahlten den Camping (sowohl WLAN als auch die Stromkosten wurden uns erlassen – sehr nett!) und fuhren dann ins nächstgrössere Städtchen Riez, um uns dort im Intermarché wieder mit dem Nötigsten einzudecken. Es hatte extrem viele Leute und als wir zur Kasse kamen, stand da hinter uns ein uraltes Fräueli, das nicht verstehen wollte, warum sie nach uns an der Reihe ist. Zudem hielt sie überhaupt nichts von einem Sicherheitsabstand und die Maske trug sie unten am Kinn. Aber lamentieren konnte sie gut!

Wir fuhren anschliessend weiter durch die engen Kurven der Verdon-Schlucht, nach La Palud-sur-Verdon. Dort angekommen sahen wir schon ein paar geschlossene Campingplätze, also fanden wir es am einfachsten, wenn wir in der Touristeninformation nachfragen, welche Campingplätze denn geöffnet hätten. Die dortige Dame brauchte eine halbe Ewigkeit, ehe sie mir zwei Campingplätze nennen konnte – einer davon 6km ausserhalb von La Palud und der andere (der Camping Bourras) ziemlich zentrumsnah. Den schauten wir uns dann auch gleich mal an. Eine kleine Sanitäranlage mit zwei Klos und zwei Duschen, ein paar wenige Rasenplätze, die aber abgesperrt waren und ein etwas längerer Schotterplatz, an dessen Ende ein uralter Bus stand. Die Rezeption war ebenfalls ein altes Holzhäuschen, das abgesperrt war, aber es stand ein Schild draussen, dass man sich einen Platz suchen sollte, wenn die Rezeption nicht besetzt sei und dass es sich um einen sehr ruhigen Campingplatz handle. Da weit und breit sonst keine anderen Camper zu sehen waren (und der Platz ist wirklich überschaubar…), waren wir uns auch nicht so sicher, ob wir da bleiben können bzw. wollen.

So fuhren wir nochmals zurück ins „Zentrum“ von La Palud, wo wir den Camper auf einen Parkplatz stellen, auf dem schon einige andere Camper standen. Dort bleiben wollten wir aber auch nicht, da man da Tür an Tür mit den anderen stand. Es gab dann erst einmal Käffchen und Tarte des Alpes und anschliessend, als der Regen endlich aufhörte, machten wir noch einen Spaziergang zu einem anderen Campingplatz, der aber auch geschlossen hatte. So fuhren wir dann wieder zurück zum Camping Bourras und blieben dort auf dem Schotterplatz stehen. Später kam dann noch ein Vater mit seinen zwei Mädchen dazu, die ihre Zelte aufstellten. Ebenfalls kam eine Horde Spanier, die aber nur die Anlage zum Kochen und Essen brauchten. Anschliessend fuhren sie wieder.

Da wir beide recht müde waren, gings schon vor 22 Uhr ins Bett. Mit Schlafen war allerdings nichts, der Wind hatte ziemlich stark angezogen und blies nur so um unser Büssli! Um 22:20 Uhr hörten wir ein Auto auf den Platz kommen. Jemand schrie rum und ich dachte, es handle sich um einen Streit zwischen zwei Personen. Jedoch war es nur ein Typ, der total wütete. Irgendwie suchte er etwas in seinem Auto, das er aber nicht finden konnte. Sein Kofferraum war auch total zugemüllt mit Kartons und leeren Glasflaschen. Während er alles auf den Boden warf, schrie, fluchte und tobte er rum. Mehrmals kickte er gegen sein Auto und irgendwann warf er sich ins Gras und hämmerte mit den Händen auf den Boden. Die Türen schlug er auf und zu, als gäbe es kein Morgen und von Zeit zu Zeit setzte er sich ins Auto, schloss die Tür und schrie sich die Seele aus dem Leib. Ich fand das alles ziemlich beunruhigend. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so ausgerastet ist. Er brüllte und brüllte und irgendwann setzte er sich ins Auto und fuhr wieder weg. Zum Glück ohne unseren Bus zu touchieren! Er muss dann Richtung La Palud gefahren sein, auf jeden Fall hörten wir ihn sicher weitere 30 Minuten rumbrüllen. Bei jedem Auto, das ich anschliessend gehört hatte, dachte ich, er komme zurück, aber das war zum Glück nicht der Fall. Trotzdem war an Schlaf nicht zu denken, zu unruhig war ich und auch der Wind zerrte und riss am Aufstelldach. Gegen 01:15 Uhr habe ich dann aufgegeben. Ich machte das Aufstelldach zu und krabbelte zu Harald – einen Stock tiefer war es dann doch um einiges angenehmer!

Manu


27.10. Biketour nach Le Chiron (1902m)

Nach dieser sehr kurzen Nacht war ich in der Früh überhaupt nicht ready zum Aufstehen. Trotzdem musste es sein, da wir uns für den heutigen Tag eine längere Biketour ausgesucht hatten. Wir frühstückten (mit einem extrastarken Kaffee) und packten dann zusammen. Wir wollten zwar am Abend wieder zurückkommen, jedoch den Bus nicht auf diesem abgelegenen Platz zurücklassen. Als wir losfuhren, wackelte eine alte Dame daher, die einkassieren wollte. Ich erklärte ihr, dass wir am Abend wieder zurückkommen würden und so liess sie uns fahren. Wir fuhren nur kurz nach La Palud rein und begannen von dort dann unsere Bikerunde. Los gings ziemlich steil, dann flachte es zum Glück ab und dann ging die Strasse mal hinauf, mal hinunter. In der Ferne konnten wir die Ruinenstadt Châteduneuf les Moustieres ausmachen, unser Weg führte aber hinunter und über den Fluss Le Bau, ehe es wieder hinaufging, bis zur Kapelle St. Pierre in Les Chauvets. Von dort führte ein Wanderweg in 6km auf den Gipfel. Wir entschieden uns aber, der Strasse mit den Bikes zu folgen, da wir wussten, dass die Strasse ebenfalls bis auf den Gipfel führt. Im Nachhinein gesehen wären wir wohl besser und schneller dran gewesen, wenn wir zu Fuss die 700 Höhenmeter bewältigt hätten!

Die Strasse wandelte sich von Asphalt zu Schotter und es war etwas mühsam zum Treten. Hoch gings bis zum Col des Abbes, um anschliessend nochmals 100 Höhenmeter runterzudüsen, bis dann der Weg zum Gipfel abzweigte. Von dort aus waren es dann aber noch weitere 10 Kilometer, die sich der Weg nach oben schlängelte. Teilweise gut zu befahren, teilweise einfach nur kräfteraubend und mühsam. Und nicht nur der Weg zehrte an unseren Kräften, sondern der teils starke und eisige Wind! Die Zehen waren kalt, die Finger fast taub, so kämpfen wir uns Meter für Meter hinauf! Dafür war die Landschaft wunderschön in all ihren Herbstfarben!

Nach 3h20min erreichten wir den 1902m hohen Chiran. Obwohl es nur 1300 Höhenmeter waren, war ich total erschöpft. Immerhin waren es bis dahin bereits 27km. Auf dem Gipfel steht ein Observatorium, in dessen Windschatten wir dann kurz rasteten und unsere Jause assen. Wir hatten einen wunderbaren Ausblick auf die schneebedeckten Bergen des Nationalparks Mercantour und auch auf die Italienischen Alpen! Wir zogen dann an, was wir dabeihatten und dann gings wieder den Berg hinunter. Anstrengend wars und durchgerüttelt wurden wir. So war ich froh, als wir dann endlich die asphaltiere Strasse erreicht hatten. An der gings dann wunderschön und auch gemütlich entlang bis kurz vor Rougon. Von dort aus gings dann zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Nochmals 200 Höhenmeter hiess es den Berg hinaufzustrampeln. Die Erleichterung war gross, als wir zurück beim Auto waren – gut 62.5km und 1750 Höhenmeter lagen hinter uns! Froh waren wir dann auch über die heisse Dusche auf dem Campingplatz. Nach uns kamen übrigens einige andere „Camper“, die sich einfach eine Gratisdusche gönnten und dann wieder fuhren. Muss anscheinend dafür bekannt sein, dass es hier Klos und Duschen gibt und kaum je jemand hier ist, der einkassiert…

So stehen wir wieder alleine auf dem Platz, ausser der anderen Familie mit dem Zelt, die sind auch noch da.

Wir sind nun gespannt, wie sich die Lage in Frankreich weiterentwickelt, da wir heute von einem möglichen Lockdown gelesen haben. Das würde natürlich unsere ganzen Pläne über den Haufen werfen. Wir hoffen das Beste und werden morgen nochmals eine ausgiebige Tour machen!

Manu

Unser Ziel: der Gipfel des Le Chiron

Wunderschöne Herbstfarben überall.


Nach dem Sattel überraschte uns diese Aussicht in Richtung Mercantour.

Manu kämpft sich die letzten Meter hoch über die teils sehr steile und ruppige Straße.


Oben lag noch Reif am Boden. Unten der See von den Tagen davor.

Das Mini-Observatorium.


28.10. – Hike & Bike: Sentier Blanc Martel

Da unsere geplante Tour recht lange ist, also zumindest auf der Karte so scheint, starteten wir etwas früher in den Tag. Schon um 6:30 Uhr klingelte heute der Wecker, denn wir mussten den Bus abreisebereit machen und dann erstmals die Bikes zu jenem Punkt bringen, wo unsere Wanderung endet, um dann mit dem Auto zum eigentlichen Ausgangspunkt zu fahren. Erstmals war es morgens so kalt, dass wir beim Frühstück die Standheizung laufen ließen, damit wir es wohlig warm hatten.

So brachen wir nach den morgendlichen Ritualen schon vor 8 Uhr auf und fuhren die Passstraße von La Palud-sur-Verdon in Richtung Castellane, bis wir den großen Parkplatz auf der Höhe des Aussichtspunkts „Point Sublime“ erreichten. Da dort gerade eine größere Baustelle ist, fuhren wir etwas weiter und ketteten unsere Bikes inkl. Helme etwas weiter unten an einen Baum. Bei frischen 0,5°C auf der Passhöhe stiegen wir dann wieder ins wohlig warme Auto und fuhren wieder zurück nach La Palud, um dort auf die Aussichtsstraße „Route des Crêtes“ abzuzweigen. Kurvig ging es dahin bis wir das „Chalet de la Maline“ erreichten, den Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Dort zogen wir uns um und ab gings in den Canyon runter. Zuerst mussten wir einige hundert Meter absteigen, bevor wir am Flusslauf des Verdon angekommen waren. Dort ging dann der landschaftlich wunderschöne „Sentier Blanc Martel“ los, immer flussaufwärts in Richtung unserer Bikes. Mal rauf, mal runter, immer in schönen Wäldern oder entlang des Flusslaufes ging es dahin. Angegeben ist die ganze Wanderung mit etwa 15km und einer Gehzeit von ca. 6 Stunden. Deswegen planten wir auch etwas mehr Zeit ein. Aber der Weg ist größtenteils gut zu gehen und so kamen wir ob der vielen Fotopausen doch gut voran und waren schon bald am Aussichtspunkt über „la Mescla“ angekommen. Von dort sieht man in die enge Kehre, die der Fluss macht und hat sowohl nach Norden als auch nach Westen einen guten Blick in den Canyon.

Von diesem Aussichtspunkt ging es dann recht spektakulär abwärts über unzählige Stiegen, die dort in den steilen Fels gebaut wurden. Im Tal unten angekommen machten wir eine Rast und genossen die Sonne und die Windstille. Richtig angenehme Temperaturen waren es hier im Canyon, nicht so wie tags zuvor am Gipfel des Le Chiran, wo uns der kalte Wind um die Ohren pfiff.

Von nun an folgte der Weg dem Flusslauf nach Norden. An dieser Stelle ist der Canyon recht breit und somit auch links und rechts teils bewaldet, was sich nun im Herbst in einem wunderschönen Farbenspiel abzeichnet. Doch nicht nur für Herbstfreunde gab es hier allerhand zu sehen. Als sich dann links über uns die ersten massiven Felstürme erhoben, an denen so manche Top-Kletterer Geschichte geschrieben haben (Güllich etc.), sahen wir auch 3 gespannte Slacklines (Highlines), auf denen sich die Akrobaten versuchten. Ab und zu drang auch ein Schrei nach unten, oder es war wohl mehr ein Fluchen, wenn sie von der Line gefallen waren.

Vorbei an mächtigen Felswänden, die gespickt sind mit Kletterrouten jenseits der Schwierigkeitsgrade, die ich zu klettern vermag, schlängelte sich der Weg weiter gen Norden. Fast gegen Ende der Wanderung kam dann noch ein kleines Highlight auf uns zu: ein ca. 650m langer Tunnel, der in den Fels geschlagen wurde. Durch diesen stockfinsteren Tunnel geht der Weg weiter, es gibt keine andere Möglichkeit. Eine Stirnlampe ist also durchaus von Vorteil und eine Jacke tut auch so ihre Dienste. Am Ende des Tunnels, wo der Canyon extrem schmal ist, schlängelt sich dann ein kleiner Weg wieder nach oben zum Parkplatz am „Source du Merlet“.

Dort angekommen machten wir nochmals eine größere Pause und aßen unsere Pausenbrote, denn auf uns wartete nun noch ein kurzer Aufstieg zu den Bikes und dann eine kleine Fahrradtour zurück zum Auto – etwa 16 Kilometer und 400 Höhenmeter auf und ab. Wir setzten uns auf die Bikes und genossen zuerst einmal die drei Kilometer Abfahrt vom Pass in Richtung La Palud, bevor es von dort wieder aufwärts ging. Den Teil der Strecke kannten wir ja schon vom Vortag. Danach ging es wie am Morgen über die Aussichtsstraße zurück zum Auto. Obwohl es noch einige Kilometer und Höhenmeter waren, verging die Zeit schnell, denn die Aussicht und das Panorama dort sind grandios.

Am Auto angekommen packten wir die Bikes auf den Fahrradträger und zogen uns um, um danach zur Touristeninformation in La Palud zu fahren, denn dort gab es Internet. Wir wollten die Lage prüfen. Vorerst mussten wir uns damit vertrösten, dass die Rede von Macron erst am Abend um 20 Uhr über die Bühne gehen wird, und erst dann genau bekannt sein wird, welche weiteren Maßnahmen Frankreich im Kampf gegen das Virus setzen wird. Wir packten also unsere Sachen zusammen, hofften das Beste und setzten unsere Reise fort nach Castellane, etwas weiter im Osten des Nationalparks. Von dort wollen wir in den nächsten zwei Tagen Touren machen, um dann am Samstag weiter nach Nizza fahren zu können.

Harald

PS: Am Camping in Castellane hatten wir kein Internet und wir haben kein Radio gehört. Wir wollten die Nachrichten auch nicht hören.





Unzählige Treppenstufen.



Kletterwände wohin das Auge reicht.





Im 650m langen Tunnel: finster wars.




Angekommen am Ende der Schlucht. Hier gehts rechts rauf zum Aussichtspunkt und dem Parkplatz.



29.10. – Bike & Hike: Sommet du Teillon (1.893m)

Nach einer sehr guten und langen Nacht (wir schliefen richtig aus), erwartete uns ein schöner Morgen, der nicht allzu kalt war. Wie am Vorabend noch geplant, packten wir unsere Sachen für eine Bike & Hike Tour zusammen und starteten direkt am Campingplatz. Zuerst ging es aber zur Touristeninformation hier in Castellane, denn auch dort gab es gratis Internet. Wir wollten nun doch wissen, was „Mr. President“ am Vorabend so erzählt hat. Das Internet dort war aber so dermaßen langsam und die Verbindung so schlecht, dass wir nur die wichtigsten Dinge prüften und lasen: Lockdown per 29.10. um Mitternacht, alles macht zu, komplexe Ausgangsbeschränkungen. Somit war unsere Stimmung etwas getrübt. Wir prüften dann noch die Seiten der Schweizer Behörden und sahen dann, dass auch diese aktualisiert worden sind. Neue Einreiseregeln, neue Maßnahmen auch in der Schweiz. Auch die Nachrichten vom Süden machten keinen guten Eindruck: Spanien ruft den Notstand aus, um sich die Option für einen Lockdown offen zu halten.

Viel konnten wir dann in dieser Situation sowieso nicht machen. Um uns nicht den ganzen Tag vermiesen zu lassen, strampelten wir dann los mit den Bikes in Richtung „La Garde“, einem kleinen Dörfchen ca. 5 Kilometer von Castellane entfernt. Von dort startete unsere geplante Wanderung auf den 1.893m hohen „Sommet du Teillon“, der eine wunderschöne Aussicht haben soll. Ironischerweise sieht man von dort bei guter Sicht und dem Mistral-Wind bis nach Korsika.

Die wenigen Kilometer mit dem Bike hatten wir gleich hinter uns gebracht und so sattelten wir um auf die Wandersachen. Ca. 5 Kilometer und 980 Höhenmeter sind es von La Garde auf den Gipfel. Der Weg verläuft schön in Wäldern oder über Wiesen und führt unter imposanten Felswänden vorbei. Je höher wir kamen, desto frischer wurde es und der Wind kam dazu. Schon bald mussten wir dann die Windstopper anziehen und vom Sattel bis zum Gipfel kam dann wirklich ein zügig kalter Wind entgegen. So waren wir dann froh, dass wir am Gipfel einen windarmen Platz gefunden hatten, wo wir eine Pause einlegen konnten und die Aussicht bis nach Italien genossen. Korsika sahen wir heute nicht, dafür war es zu dunstig.

Im Abstieg nahmen wir dann eine andere Route zurück nach La Garde, um nicht zwei Mal denselben Weg gehen zu müssen. Da es bei unserer Ankunft in La Garde noch recht früh war, entschlossen wir uns, eine Mountainbike-Route von La Garde aus weiter zu machen, die uns mit etwas Umweg zurück nach Castellane führte.

Als „très difficile“ beschrieben, ging die Tour über noch verbleibende 400 Höhenmeter und 16 Kilometer zurück. Die Höhenmeter oder die Dauer der Tour konnten also nicht den Schwierigkeitsgrad ausmachen. Anfangs war die Route größtenteils einfach und verlief entlang von normalen Fahrstraßen und durch kleine, fast ausgestorbene Dörfchen. Doch schon bald veränderte sich das Bild etwas und wir sahen, was „très difficile“ bedeutet. Wir standen vor einem steilen Weg nach unten, der unfahrbar war. Große Blöcke, loser Schotter, ausgewaschen, einfach nicht fahrbar. Dort „bremsten“ wir unsere Bikes nach unten und mussten selbst schauen, dass wir nicht gleich am Hintern landeten. Ironie an der Sache: wir machten den Weg entgegen der eigentlich empfohlenen Fahrtrichtung – normal muss man dort also RAUF – sprich man trägt die Bikes dort hoch.

Danach wurde es wieder einfacher und wir konnte Forststraßen entlangfahren. Bald darauf hätten wir beinahe noch die falsche Richtung eingeschlagen und wären auf der falschen Seite des Sattels abgefahren und nicht nach Castellane. Doch Manu erkundigte sich noch bei einem Wanderer, der ihr dann übermütig und sehr genau und ausführlich erklärte, wohin wir mussten. Gut wars aber dennoch. So haben wir uns einigen Ärger erspart. Wir sausten dann einer normalen Straße ab zurück nach Castellane.

Hier angekommen fuhren wir zum Camping. Alles soweit noch normal. Die Holländer sind noch hier, andere Franzosen sind noch hier und unsere Wäsche hing auch noch 😊 Wir duschten und setzten uns anschließend für ein Rummy und den Apéro ins Auto. Erst danach gingen wir zur Rezeption und fragten nach der Lage der Nation. Dann musste uns der Inhaber leider erklären, dass wir heute die letzte Nacht in Frankreich verbringen werden – der Camping muss zusperren und wir sind quasi nur noch geduldet. Alles macht zu und wir haben somit keine Möglichkeit mehr, nach Korsika zu fahren, denn auch die Reisefreiheit innerhalb des Landes soll eingeschränkt und kontrolliert werden. Klar könnten wir jetzt dennoch die Reise antreten – wer soll uns schon kontrollieren – aber das widerstrebt uns auch, wenn das ganze Land total still steht und man eigentlich nur aus dringenden Gründen seine Wohnung verlassen soll. Wie sollen wir dann rechtfertigen, täglich in den Bergen unterwegs zu sein?

Für uns geht also die Reise in Frankreich hier zu Ende. Auf der einen Seite sind wir traurig darüber, nicht noch die letzten Tage hier in Verdon verbringen zu können und anschließen weiter nach Korsika zu können. Auf der anderen Seite sind wir aber auch froh und glücklich darüber, dass wir in den letzten Tagen und Wochen so viele schöne neue Plätze hier entdeckt haben, die wir sonst nie besucht hätten. Korsika haben wir auf Ende Oktober verschoben, weil dann die Herbstferien der Franzosen zu Ende gehen und wir es somit ruhiger dort gehabt hätten. Nun gehen auch unsere Ferien hier zu Ende und wir werden den Rückweg antreten (müssen). Eine Flucht nach vorne nach Spanien ist zurzeit auch wenig ratsam. Vorerst ist also die Schweiz unser Ziel, zumindest mal über die Grenze und einreisen, solange wir es noch dürfen. Was wir in der Schweiz nun genau machen werden, ist noch offen.

Au revoir et à bientôt!
Harald

PS: Wenigstens erledigt sich damit das Problem mit den Gaskartuschen. Unsere Campingaz CP 250 Ventilkartuschen sind hier nämlich durchaus schwer zu ergattern. Erst einmal konnten wir eine Kartusche ergattert. Selbst in einem großen Casino-Supermarkt, der alle Kartuschen von Campingaz führt, gab es genau unsere CP 250 nicht mehr. Drei hätten wir aber noch auf Lager :-P


Zuerst durch den schönen Wald.

Dann über weite Wiesen und Hänge zum Gipfel.






Für uns absolut unfahrbar, vor allem im oberen Teil.

Hier sieht man so viele alte und löchrige Gebäude.

Nein, nicht falsch am Platz. Der Weg zurück führte wieder durch eine Schlucht.

Die Kirche hoch über Castellane.


Sonntag, 25. Oktober 2020

23.-25.10. - Verdon-Schlucht Südseite (Les Salles-sur-Verdon)

23.10. Von Les Salles-sur-Verdon nach Moustiers-Sainte-Marie

Nach der unruhigen Nacht vor zwei Tagen am Camping in Cassis beurteilten wir die Lage noch einmal neu und verwarfen die Option mit Spanien und der Küste von Andalusien bzw. das Landesinnere um Berga und Ripoll in den Pyrenäen. Die COVID Lage in Spanien scheint noch schlimmer zu sein als in Frankreich und wir sind uns sehr unsicher darüber, ob wir bei einer Rückkehr aus Spanien dann nicht direkt zurück nach Liechtenstein in die Quarantäne müssten, wenn wir nicht mehr in Frankreich bleiben dürften.

Unsere Entscheidung fiel dann auf die Verdon-Schlucht, die nordöstlich von Marseille und Toulon gelegen ist. Bekannt vor allem durch den tiefen Einschnitt im Fels, den der Fluss hinterlassen hat, ist Verdon ein Kletter-Mekka. Kaum wo gibt es schwierigere Routen als hier zu klettern. Etwas Leichtes für uns zu finden wird also gar nicht so leicht sein.

Nachdem wir schon am Vortag angereist sind, konnten wir morgens gut ausschlafen und den Tag gemütlich beginnen. Das Wetter war nicht sonderlich gut, das wussten wir aber schon. Ich hatte dann wenigstens Zeit mich wieder einmal um ein paar Firmenangelegenheiten zu kümmern und Manu konnte ihrer Häkelsucht frönen. Gegen Mittag wurde das Wetter dann besser und wir warfen unsere Pläne, mit dem Bus zum Einkaufen zu fahren, über den Haufen und setzten auf die Fahrräder. Bevor es aber losging, stärkten wir uns noch mit einer Suppe und einem Käffchen danach, wo wir noch die letzten Kekse verputzten, die übrig waren.

Danach ging es entlang der kaum befahrenen Straße nach Moustiers-Sainte-Marie, einem kleinen Dörfchen etwa 10km von Les Salles-sur-Verdon entfernt. Dort gibt es zwei kleine Einkaufsmöglichkeiten, die wir nutzen wollten. Schon beim Hinfahren waren wir vom See und den Einblicken in die Verdon-Schlucht begeistert. Als wir dann noch das kleine Städtchen vor uns sahen, waren wir beinahe verzaubert.

Richtig malerisch liegen die Häuser am Hang, eng aneinandergebaut, enge Gassen dazwischen, ein schönes französisches Bergdörfchen also. Dahinter erhebt sich die Felswand und im tiefen Einschnitt der Schlucht ist eine kleine Kapelle in den Fels gebaut. Dort wollten wir dann auch rauf und uns das aus der Nähe anschauen. Wir stiegen die steilen Stufen nach oben und besichtigten die Kapelle und waren ganz hin und weg von der schönen Lage und dem Charme, den dieses Städtchen ausstrahlt.

Zurück im Zentrum gingen wir noch kurz zur Touristeninformation, um uns wegen ein paar Kletterrouten zu erkundigen. Sie hatten sogar einen Führer dort, aber nur einen der Südseite der Schlucht, das heißt, die Wände dort sind nordseitig ausgerichtet. Zu kalt für diese Jahreszeit und wohl auch teilweise zu schwierig für uns. Also zogen wir ohne Führer wieder ab. Danach ging es zum Einkaufen und per Rad zurück zum Camping, wo wir dann am Ende des Ausflugs doch gut 400 Höhenmeter und 25 Kilometer gemacht hatten. Das Essen war also durchaus verdient 😉

Harald

Kleines Dörfchen mit Charme und Kapelle dahinter.

Die Kirche in Moustiers-Sainte-Marie.



Schöne Stimmung über dem See.

Ein erster Blick in die Verdon-Schlucht.


24.10. Bike and Hike: Le Grand Margès (1.577m)

Nach dem gestrigen Regen- und Pausentag wollten wir uns heute wieder etwas auspowern. Ganz gemütlich starteten wir in den Tag. Gemütlich deshalb, weil es morgens immer eine Qual ist, sich aus dem warmen Schlafsack rauszuschälen. So fuhren wir auch erst kurz vor 10 Uhr mit unseren Bikes los. Die Sonne blinzelte bereits ein wenig hinter den Bergen hervor und wärmte uns auf, während wir die Strasse nach Aiguines hochstrampelten. Aiguines ist ein kleines, liebliches Bergdörfchen oberhalb unseres Campingplatzes. Von dort aus hatte man schon erste schöne Ausblicke auf den Lac de Sainte Croix, also den See, an dem unser Camping liegt.

In ein paar Serpentinen schlängelte sich die Strasse immer weiter hinauf, doch auf dem Col d´Illoire auf 967m war dann nach gut 10km für uns Schluss. Also zumindest, was das Biken betrifft. Wir ketteten unsere Bikes an und stiegen noch zum dortigen Aussichtspunkt hoch, um bereits die ersten Einblicke in die Gorge de Verdon zu erhalten. Anschliessend mussten wir kurz der Strasse entlangwandern, ehe ein schmaler Weg in den Wald führte, der uns kurze Zeit später zum GR99 führte. Diesem wanderten wir dann entlang in Richtung Gipfel (Le Grand Margès).

Unterwegs machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Vorgipfel des Clot de la Glacière, um noch einmal den Ausblick auf den See zu haben. Mittlerweile waren einige Wolkenfelder aufgezogen und auch der Gipfel verschwand kurzzeitig in den Wolken. Als wir dann auf dem Gipfel, der immerhin 1577m hoch ist, ankamen, war es ziemlich kalt, windig und noch immer etwas nebelig. So verschoben wir unsere Mittagspause und stiegen erst einmal ein paar Meter ab, um ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Dies war gar nicht so einfach, da alles rechterhand des Weges Militärsperrgebiet und somit das Betreten verboten ist. Unsere Brötchen wurden aber trotzdem gegessen und wir setzten unseren Weg fort. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen, aber kalt war es wegen des Windes weiterhin.

Der Weg führte mal links, mal rechts, mal hinauf, mal hinunter. Nach gut 10 Kilometern erreichten wir die Strasse. Ab diesem Punkt ging es dann wieder zurück – natürlich nicht den gleichen Weg, es sollte ja eine Rundwanderung werden! Wir wanderten einem Pfad oberhalb der Schlucht entlang. Immer wieder konnte man die steilabfallenden Felswände ausmachen. Mit den farbigen Herbstbäumen gab dies eine wunderschöne Stimmung! Der Weg hatte es auch in sich, Vorsicht war geboten, an einigen Stellen hätte ein Stolpern oder Rutschen fatale Folgen gehabt! Wir kamen aber gut vorwärts und nach weiteren 5.5 Kilometern waren wir zurück bei unseren Bikes. Die Füsse waren schon ziemlich schwer und wir waren froh, dass es mit den Bikes nun nur noch runter ging! Frisch wars aber, der Wind pfiff durch die Kleidung.

Zurück beim Camping waren wir ziemlich durchfroren. Ich freute mich auf eine heisse Dusche, doch zu früh gefreut – irgendwie gab es nur lauwarmes Wasser. Mit einem Bierchen stiessen wir auf unsere schöne Tour an (36km und 1450hm) und sind nun voller Vorfreude auf die kommenden Tage in der Verdon-Schlucht. Zu sehen und zu erleben gibt es ja so einiges!

Manu

Ersten "Gipfel" erreicht. Rückblick auf den See.

Ein Blick über die Schlucht nach La Palud-sur-Verdon und den Bergen des Mercantour Nationalparks im Hintergrund.

Blick zu den richtig hohen Bergen der Ecrins-Gruppe.

Ob man da hinten klettern kann?


25.10. Bike and Hike: Sentier de l’Imbut et Sentier Vidal

Von der zusätzlichen Stunde in der Nacht auf heute haben wir nichts gemerkt. Unser Tag startete ganz normal mit dem Sonnenaufgang, wie schon die letzten Tage auch. Heute jedoch war etwas anders am Morgen. Ich versuchte mich in einer typisch französischen Betätigung am Sonntagmorgen. Um sieben Uhr stieg ich aufs Rad und fuhr bei noch kühlen Temperaturen die ca. 2,5km ins Dörfchen Les Salles-sur-Verdon um dort beim Bäcker Brot zu kaufen, da wir keines mehr hatten und die kleinen Supermärkte hier kein Brot verkaufen. Bewaffnet mit zwei frischen Baguettes und einem Brioche (so eine Art Hefe-Kringel mit Hagelzucker drauf) ging es dann zurück zum Camper, wo Manu schon das restliche Frühstück vorbereitet hatte.

Gestärkt ging es dann wieder mit dem Rad los in Richtung Aiguines. Kurz vor dem Dorf wurden wir dann von einem Jagdhund verfolgt, der anscheinend bei einer Treibjagd in der Nähe abhandengekommen sein muss, denn er trug ein oranges Halsband und einen Funksender (oder sowas ähnliches). Nach fast einem Kilometer wurde mir dann die Sache zu blöd und ich verjagte den Hund, der dann auch recht zackig den Reißaus nahm. Das Dorf ließen wir wie auch schon gestern hinter uns und fuhren weiter der Passstraße entlang, bis wir den höchsten Punkt auf etwa 1200 Meter erreichten. Dort zogen wir unsere Pullover über und sausten etwa 6 Kilometer und 350 Höhenmeter auf der anderen Seite runter, um den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu erreichen, die übrigens ein Tipp von Manus Mama war.

Wir stellten unsere Bikes direkt an der Straße ab, wo der GR-99 diese schneidet. Denn an dieser Stelle kamen wir auch wieder zurück. Danach ging es zuerst kurz bergauf um dann oberhalb der Straße etwa 2,5 Kilometer weiter zu wandern bis zum eigentlichen Ausgangspunkt der Wanderung in die Verdon-Schlucht und dem „Sentier de l’Imbut“ bzw. anschließend dem „Sentier Vidal“.

Am großen Parkplatz angekommen stiegen wir zuerst einmal ca. 300 Höhenmeter in die Schlucht ab, bis auf fast 550m. Bis zu dieser Höhe/Tiefe hat sich der Fluss Verdon schon in die Schlucht gegraben und erstaunliche Arbeit geleistet. Der Wanderweg folgt dann immer dem linken „Flussufer“, mal rauf, mal runter, mal im Fels, mal durch den Fels. Beeindruckende Ausblicke und Blicke auf die steilen und überhängenden Wände aus Kalkgestein sind hier garantiert. Vor allem das Herz eines Kletterers schlägt hier höher, auch wenn ich nie eine 8a+ klettern werde können.

Ganz zum Schluss, wenn einen die Schlucht schon beinahe erdrücken will, weil sich der Fluss seitlich in eine Höhle eingegraben hat, öffnet sich diese wieder leicht und ermöglicht dann einen extrem steilen Aufstieg über den „Sentier Vidal“. Teils in den Fels gehauen schlängelt sich dann der Weg vom Grund der Schlucht bis zur Straße nach oben, etwa 300 Höhenmeter.

Bei unseren Bikes angekommen war die Freude über den Anblick dieser eher getrübt. Wir wussten, dass nun nicht einfach 1000 Höhenmeter Abfahrt vor uns lagen, sondern zuerst einmal noch 6 Kilometer und 350 Höhenmeter zurück bis auf die Passhöhe. Die Motivation ließ also durchaus zu Wünschen übrig. Aber wir kämpften uns durch und hatten dann umso mehr Spaß bei der Abfahrt zurück zum Camping, die dann zügig ging. Und da wir heute gleich auch noch die Primaloft-Jacken und die langen Windstopper anhatten, war es auch nicht kalt am Rad.

Hungrig wie wir waren gab es eine flotte Dusche um danach direkt zum Apero überzugehen, der heute aber nicht von Bier oder Wein, sondern von Tee begleitet wurde. Es war dann mit dem Wind am Campingplatz doch schon recht kühl. Aber die gute Laune kam zurück, schließlich hatten wir wunderschöne Einblicke in die Verdon-Schlucht erlebt und konnten stolz auf die ca. 46 Kilometer und 1650 Höhenmeter sein.

Harald



Tiefblicke bevor es ab in die Schlucht geht.

Viele sehr schöne alte Eichen gibt es hier zu bewundern.

Und andere Bäume in allen Farben im Herbst.


Ab gehts, immer tiefer runter.

Atemberaubend schön ist die Schlucht ganz unten, vor allem jetzt im Herbst.


Es nagt der Zahn der Zeit am Fels.



Wo ist Manu?

Wieder oben angekommen, noch ein letzter Blick in die Tiefe.

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

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