Nach den heftigen Regenfällen vom Samstag startete der Sonntag zumindest auf der Seite vom Ortler mit Hangwolken. In Richtung Angelus war das Wetter von Anfang an gut. Mit den schweren Rucksäcken (Hochtourenzeugs war dabei) ging es gemütlich zur Düsseldorfer Hütte, wo wir früher als gedacht ankamen.
Nach einer kurzen Pause stapften wir weiter in Richtung Angelus. Schon bald wurde aus dem Wanderweg ein Pfad zwischen Felsblöcken, teils markiert. Wir folgten den gelb-roten Streifen und kamen zügig bis zum ersten Steilaufschwung, der sogar mit Stahlseilen versichert ist. In lustiger Blockkletterei mit Blick zur Nordwand der Vertainspitze ging es dann auf den oberen Gratabschnitt, der wieder deutlich einfacher und vor allem trockener war. Vorbei am Angelusferner ... oder eher den Resten davon ... ging es dann steil aufwärts zum Gipfelgrat, über welchen wir alsbald das extravagante Gipfelkreuz erreichten.
Alleine waren wir dort nicht. Es herrschte viel Betrieb. Aber es war ja auch Sonntag und der Angelus ist auch als Tageswanderung gut machbar. Selbst wir brauchten mit all dem Gerümpel nicht mal 4h von Sulden hoch. Wir plauderten ein wenig mit den Leuten und ich fragte einen Einheimischen, wie der Übergang von der Angelusscharte auf den Laaser Ferner sei, da wir weiter auf die Vertainspitze wollten. Er konnte uns dazu keine so rosigen Auskünfte geben. Loose. Brüchig. Schotter. Nicht mehr lohnend. Er macht es nicht mehr.
So war unser Gipfelglück gerade etwas getrübt, wollten wir doch die Überschreitung machen. Hätten also gleich x Kilo an Ausrüstung im Tal lassen können und leicht gehen. Steigeisen. Seil. Gurt. Schlingen usw.
Naja. Was solls. Alles Training. Kurze Pause am Gipfel.
Als wir da so saßen, kam jemand über den Vorgipfel vom Angelus rein, der zackig war. Wir wunderten uns ein wenig, von wo er kam, denn dort gibts keinen Wanderweg. Und schon war er wieder weg und ging ab in Richtung Angelusscharte.
Wir packten zusammen und stiegen auch mal am Grat ab und wollten sehen, wohin er ging. In der Scharte angekommen steuerte er nach links auf den Ferner zu und kurze Zeit später stapfte er unten schon um den Felskopf herum in Richtung Grat zur Vertainspitze. Man hörte zwar ein paar Steine, die er abtrat, aber nicht so schlimm.
Wir stiegen also auch ab und wollten uns das mal selbst anschauen. Und es war wirklich nicht so schlimm. Halt Geröll. Lange dort aufhalten sollte man sich nicht, also zügig ab und raus auf den Ferner, weg von der Wand.
Kurze Zeit später kraxelten wir auch schon wieder über Block- und Geröllhalden hoch zur Scharte zum Grat auf die Vertainspitze. Das war noch der mühsamste Teil. Vor allem der Aufstieg durch eine Rinne unmittelbar vor dem Grat. Am Grat fanden wir dann auch die gelben Markierungen wieder, die im Tourenführer erwähnt sind. Ab dort ist der Grat bis zum Gipfel eine anregende Kraxelei im max. II Grat. Sogar Manu hatte Spaß daran und das Seil blieb wieder im Rucksack.
Um 14 Uhr kamen wir dann auf dem Gipfel der Vertainspitze an und genossen die Aussicht und unsere Jause. Die Gletscherwelt im Marteltal, an der Königsspitze sowie am Ortler sieht makaber aus - sehr traurig das Ganze. Alles aper. Alles braun oder schwarz. Schmelzwasserbäche ohne Ende. Und das zu einer Zeit, wo normalerweise noch 1m Schnee das Eis schützt. Ciao Gletscher :-(
Nach der Rast kam der mühsamste Teil. Durch Blockgelände, teils auf Pfaden usw. ging es ab ins Rosimtal, vorbei am Rosimferner. Unten weiter wurde der Weg noch anspruchsvoll für einen "Wanderweg", da er über das schuttbedeckte Blankeis des Gletschers führte. Aber auch das ging rasch vorbei und so standen wir um kurz nach 16 Uhr an der Kanzelbahn, die uns die letzten 450hm zu Tal brachte. Unser Füße dankten uns nach ca. 2080hm Aufstieg und 1600hm Abstieg dafür.
Harald
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