Nach dem gestrigen, doch anstrengenden Tag, sollte es heute etwas Gemütlicheres werden. Die Idee mit der Ferrata auf die Tabarettaspitze, mit welcher wir zuerst geliebäugelt haben, verwarfen wir ziemlich schnell, als wir die nähere Beschreibung lasen: Einer der schwierigsten Klettersteige Italiens, bei dem viel Armkraft und Ausdauer essenziell sind. Anders gesagt, man zieht sich am Stahlseil hoch, während die Schuhe in der glatten Wand irgendwie nach Reibung suchen. Das ist nicht nach meinem Geschmack und so fiel unsere Wahl auf den Pederfick. Den Namen fand ich schon immer lustig und nun wollte ich ihn auch einmal besteigen.
Der Wetterbericht versprach tolles Bergwetter, erst gegen Abend sollte die Gewittergefahr ansteigen. Nichtsdestotrotz starteten wir unsere Tour um 07:45 Uhr. Zügig gings zur Kälbereralm hinauf, wo uns bereits die ersten Sonnenstrahlen begrüssten - es sollten auch nicht die letzten des heutigen Tages sein! Gegenüber strahlte der Ortler in voller Pracht - was für ein Ambiente!
Weiter gings gemütlich zur Stieralm, bevor unsere doch recht müden Schenkel gefordert wurden - steil und weglos ging es für 600m den Berg hinauf, bis wir das 2839m hohe Stiereck erreichten und somit auch den Grat, der uns zum Pederfick führen sollte. Diesem folgten wir dann und irgendwann wurde aus den Tiersteigen ein Trampelpfad und dann ein markierter Wanderweg. Warum die Markierungen nicht bereits ab dem Stiereck erkennbar waren, ist mir ein Rätsel! Wie dem auch sei, wir setzten unseren Weg fort und nahmen unterwegs noch kraxelnd zwei "Türmchen" mit, einerseits den 3008m hohen Stierkopf und andererseits den unbenannten Punkt mit ca. 3060m. Blockgelände wechselte sich mit Schutt und Geröll ab - ein weiterer in sich zusammenfallender Berg!
Nach gut drei Stunden erreichten wir das Gipfelkreuz des Pederficks. Wir genossen die tolle Aussicht, obwohl mittlerweile bereits viele Quellwolken die Fernsicht trübten. Nach einer kurzen Rast gingen wir noch auf den gegenüberliegenden Hauptgipfel, der doch gut drei Meter höher ist als der Gipfel mit dem Kreuz!
Um nicht den gleichen Weg zweimal nehmen zu müssen, setzten wir unsere Wanderung entlang des Grates weiter fort - nur um kurze Zeit später steil ins Razoital abzusteigen. Wieder gings erst über Blockgelände für mich mühsam und streng hinunter, während Harald vor mir wie ein Gämsli leichtfüssig von Stein zu Stein balancierte. Zum Glück änderte sich das Gelände zunehmend, je weiter wir ins Tal stiegen, und im steilen Grashang kam auch ich schneller voran. Beide waren wir froh, als wir endlich die Pfadspuren neben des ausgetrockneten Rio Razoi erreichten und sich unser Weg somit spürbar abflachte. Wir legten noch einmal eine kurze Rast ein, bevor wir unsere Wanderung fortsetzten. Alsbald erreichten wir den markierten Wanderweg und nun hiess es nur noch, die letzten Kräfte für den Rückweg nach Sulden zu mobilisieren. Nach 6h30min, 16km und 1450hm erreichten wir unseren Stellplatz und freuten uns auf einen chilligen Nachmittag.
Manu
Ps: Fotos sind unsortiert
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