Für den heutigen Tag suchten wir uns eine nordseitige Tour aus - auf die Schranspitze. Wir wollten nämlich nicht wieder um 5 Uhr aufstehen, sondern gemütlich gegen 7 Uhr frühstücken und anschliessend aufbrechen. Es hat richtig gutgetan, mal wieder etwas länger zu schlafen!
Mit schweren Beinen machten wir uns kurz nach acht Uhr auf den Weg. Der Weg entlang des Plimabaches war schon gut verspurt, aber auch etwas mühsam zu gehen. Erst als wir die Abzweigung erreichten, die zur Hängebrücke in Richtung Zufallhütte führt, wurde der Anstieg angenehmer, da wir unverspurte Passagen zum Aufsteigen nutzen konnten. Die erste Steilstufe legten wir ohne grössere Probleme zurück.
Nach der kurzen flachen Passage steilte der Hang dann auf, doch Harald legte eine gute Spur an, der Schnee war griffig und so stiegen wir mit etlichen Spitzkehren den Hang hinauf, bis wir eine weitere Ebene erreichten. Dort wartete auch die Sonne auf uns. Und die Sonne machte die Spur etwas glasig. Ich montierte kurzerhand die Harscheisen, weil für mich der Aufstieg so weniger kraftaufwendig ist. Harald spurte ohne Harscheisen weiter, was für ihn auch kein Problem war. Schon kurze Zeit später (mittlerweile waren gut zwei Stunden vergangen), erreichten wir den Schranferner. Die Harscheisen kamen wieder in den Rucksack und weiter gings über den gut eingeschneiten Gletscher. Harald hielt zielstrebig auf die Schranspitze zu, doch irgendwie liebäugelte ich schon den gesamten Aufstieg mit der Abfahrt über den Ultenmarktferner, dessen Einfahrt zwischen der Dritten und Zweiten Veneziaspitze liegt.
Diese Gletscherabfahrt ist nicht häufig möglich, da meist zu wenig Schnee liegt - so aber nicht an diesem Tag. Kurzerhand sagte ich Harald, er solle doch mal warten und erzählte ihm von meiner Idee. Und schon änderte er die Richtung, spurte nun zur Östlichen (bzw. Dritten) Veneziaspitze, welche wir bereits am Freitag bestiegen haben, jedoch von der Südseite kommend. Der Aufstieg zog sich noch ziemlich in die Länge und ich musste mich den Hang hinaufkämpfen! Endlich standen wir beim Skidepot, trugen die Ski die kurze Felsstufe nach oben und anschliessend ging es mit den Ski noch zum Gipfel auf 3.356m.
Von dort hatten wir einen guten Einblick in die Einfahrt auf den Ultenmarktferner. Zügig fellten wir ab und fuhren südseitig in einen Kessel.. Es lagen dann gut 160 Höhenmeter vor uns, die wir zügig zurücklegten, da der Hang schon recht weich war. Mein Ziel und somit die Einfahrt auf den Ferner lag rechts von uns, Harald war aber der Meinung, wir sollten noch links auf den Gipfel hinauf. Er spurte voran, immer darauf achtend, nicht zu weit an den Grat zu kommen, da die Wechte ziemlich mächtig war! Der Hang steilt nach oben hin auf, was ich nicht besonders erfreulich fand. Ca. zwei Meter, bevor der Schnee zu Ende war, löste Harald seine Ski. Er war sich unsicher, wo genau der Gipfel war und ob die Wechte bis dahin reichte. Zu Fuss stapfte er die zwei Meter nach oben, nur um zu sehen, dass er direkt am Gipfel rausgekommen ist, das "Gipfelkreuz" aber etwa zwei Meter auf der anderen Seite weiter unten war. Also zog er sich die Ski wieder an und spurte noch die letzte Spitzkehre hinauf - ich nach. Am Gipfel angekommen, realisierte ich anhand der Fussstapfen, die von der anderen Seite her hochführten, dass wir uns ja auf der Ersten Veneziaspitze (3.386m) befinden (ich dachte bis dahin, dass es die zweite sei...). Da ich mich recht unwohl fühlte - erstens war es windig, zweitens war es für mich zu ausgesetzt - machten wir nur kurz Pause und ich fuhr ziemlich schnell den Hang wieder ab, bis ich mich zwischen den beiden Veneziaspitzen befand. Von dort spurten wir dann zu Fuss auf die Zweite Veneziaspitze (3.371m), da es nur noch etwa 50 Höhenmeter waren und wir dafür nicht nochmals auffellen wollten.
Auf der Zweiten Veneziaspitze fühlte ich mich dann schon besser, da das Gipfelplateau schön flach war. Trotzdem machten wir nicht lange Pause, da es schon spät war und wir wussten, dass der Schnee vor allem in tieferen Lagen schon recht weich sein musste. So fuhren wir in den Ultenmarktferner ein und konnten dort noch einige Schwünge in windgepresstem Pulver fahren.
Uns links haltend ging es eine recht steile Rinne hinunter. Zum Glück hatte es bereits ein paar Spuren, an die wir uns halten konnten, denn eine falsche Rinne zu wählen, hätte bedeuten können, plötzlich vor einem Steilabbruch zu stehen. Aber so kamen wir gut hinunter und kamen in die Abfahrtsvariante, die viele wählten, die auf der Köllkuppe waren und dann über den Hohenferner hinunterfuhren.
Wir mussten dann noch einen ziemlich steilen Hang hinunter, der schon extrem aufgeweicht war. Der Hang war zwar komplett verspurt, aber es lag so viel Schnee, dass wir komplett versanken. Zügig schauten wir, dass wir den Hang hinter uns lassen konnten, da wir uns beide nicht besonders wohl fühlten. Uns rechts haltend kamen wir schliesslich wieder in unsere Aufstiegsspur und entlang des Wanderwegs gings zurück zum Auto.
Was für eine herrliche Tour - und wieder konnten wir zwei uns noch nicht bekannte Gipfel im Martelltal besteigen!
Manu
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| Ewiger Hatscher über den Schranferner |
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| Kurz vor dem Skidepot - Unser ursprüngliches Ziel (Schranspitze) im Hintergrund |
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| Dritte Veneziaspitze |
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| Gegenanstieg im kompletten Südhang |
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| Steil gings hoch zur Ersten Veneziaspitze |
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| Harald am Gipfel der Ersten Veneziaspitze |
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| Fussaufstieg auf die Zweite Veneziaspitze |
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| Auf der Zweiten Veneziaspitze - Rückblick auf die Erste Veneziaspitze |
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| Auf dem Ultenmarktferner |
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| Harald im Steilhang |
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