Sonntag, 7. April 2024

07.04.2024 - Suldenspitze (3.376m) und Eisseespitze (3.230m)

Es war wieder ein warmer Tag angekündigt, also starteten wir wieder früher. 5 Uhr Frühstück im Dunkeln. Danach rascher Aufbruch nach Hintermartell - wir wollten einen Parkplatz ergattern, denn es war Sonntag. Wundersamerweise war der Parkplatz aber bei weitem nicht so überfüllt wie an den Tagen davor. Wir konnten also gut parken und dann gleich loslaufen.

Wieder gab es einige Cevedale/Zufallspitzen-Aspiranten, die schon am Parkplatz mit all dem Gletscherzeugs bewaffnet (Gurt, Karabiner, Eisschrauben, Schlingen, Reepschnüre, ...) losliefen. Warum auch immer man das ganze Zeugs 3-4h lang am Gurt baumeln haben will, bis man auf den Gletscher kommt (also in ihrem Tempo). Zudem bringen Eisschrauben wohl kaum etwas, wenn das Eis des Gletschers mehrere Meter tief eingeschneit ist.

So zogen wir an diesen vorbei und wunderten uns wieder, warum denn eigentlich alle mit Stirnlampen liefen. Es war kurz nach 6 Uhr morgens und es war schon recht hell. Naja, leere Batterien sind vielleicht leichter auf den Gipfel zu tragen wie volle. Wir zweigten bald nach rechts ab und stiegen steil empor ins Madritschtal, wo wir alsbald auf unsere fünf Tiroler Kollegen treffen sollten. Sie haben sich als Abschlusstour die Hintere Schöntaufspitze ausgesucht. Vielleicht nicht gerade die schönste Tour im Tal. 

Der angekündigte ungetrübte Sonnenschein ließ sehr lange auf sich warten. War am Morgen doch sehr viel Saharastaub in der Luft, trübte dieser gemeinsam mit Schleierwolken die Sonne recht. Zum ersten Mal musste ich mir sogar meinen Windstopper anziehen, denn der Wind machte es kalt. 

Gut 2:35h brauchten wir ins Madritschjoch auf 3.125m, wo wir uns stärkten und dann zum ersten Mal abfellten und nach Sulden abfuhren - also in Richtung Schaubachhütte. Die Pisten in Sulden waren hervorragend - auch sehr gut durchgefroren. Die Rippen der Pistenrauben waren so hart gefroren, dass es laut ratterte, wenn wir genau darüberfuhren. Zudem gab dies eine ungewollte Fußreflexzonenmassage, die schon beinahe schmerzte. Nach wenigen Minuten kamen wir auf Höhe der Schaubachhütte an, wo schon die ersten Leute von der Seilbahn heranströmten, um ebenfalls auf die Suldenspitze (oder weiter) zu gehen.

Wir fellten auf und reihten uns anfangs in den Entenmarsch ein. Am Gletscher angekommen zogen wir dann aber etwas davon und überholten so einige Gruppen. Zudem gingen wir nicht entlang der "Autobahn", sondern zogen etwas weiter rechts entlang nach oben, weg von all den Gruppen. So kamen wir recht gut durch und hatten eigentlich ein recht einsames Erlebnis am Ferner. Die Ausblicke zur Königspitze entschädigten sowieso für alles. Der Gletscher an sich war so gut eingeschneit, dass man eigentlich überall gehen konnte - keine Spalte zu sehen, auch nicht mal ansatzweise.

Oben hin mussten wir noch kurz auf den Grat aussteigen und dann etwas steiler zum Gipfel hoch, doch auch dies war kein Problem. So kamen wir dann in unter zwei Stunden auf den Gipfel, von wo aus wir einen traumhaften Blick hatten. Geplant war der Gipfel ca. um 12 Uhr - es war gerade mal 11 Uhr. Wir waren viel zu schnell. Und das Wetter am Morgen spielte uns in die Karten. Da es weniger Sonne gab und diffus war, firnten die Hänge nicht so schnell. Somit war für Manu klar: wir könnten doch noch die Eisseespitze anhängen, wenn wir schon mal dort oben sind.

Also fellten wir rasch ab, aßen und tranken etwas und fuhren dann über den Rücken in Richtung Casatihütte ab, um dann recht scharf nach links direkt auf den Langenferner abzubiegen. Diesen fuhren wir in recht gutem Schnee bis ca. 3.000m ab, wo wir dann querten und uns unter die Eisseespitze navigierten. 

Noch ein Mal fellten wir auf und stiegen die 200Hm nach oben zum Gipfel der Eisseespitze. Eigentlich wollte Manu dies ja nur, damit wir die 2000Hm vollmachten, denn auf der Suldenspitze hatten wir ja "nur" 1.820Hm gemacht. Wir kamen recht fertig am Gipfel an - die Sonne und Hitze machten uns extrem müde. So genossen wir nur kurz die Aussicht, tranken unsere letzten Getränke und machten uns parat für die Abfahrt durch das lange Tal in Richtung Zufallhütte, wussten wir doch, dass dort einige flache Passagen auf uns warten würden, die wir wohl schieben müssten bei diesen Temperaturen.

Unterhalb des Langenferners querte ich dann recht hoch rechts in den Hang unter den Inner Kofel und blieb so etwas in den Schattenhängen, wodurch ich recht gut höhehaltend bis weit raus ins Tal kam und später mit viel Schuss sogar fast ohne Anschieben bis an die Kuppe kam, von wo weg es wieder steiler nach unten ging. Manu wählte die Variante "5 Schwünge im Firn mehr" und musste dafür unten im Tal länger anschieben, bis sie bei mir war. Danach zogen wir gemeinsam durch das restliche Tal nach vorne und mussten wieder den kleinen Gegenanstieg vor der Zufallhütte machen.

An dieser angekommen, gönnten wir uns ein alkoholfreies Weizenbier und eine Nudelsuppe bzw. einen Kaiserschmarren. Das tat gut nach dieser Tour. Nach ca. sieben Stunden standen wir dann wieder beim Auto, mehr als 2.050Hm in den Beinen. So war dann der Kuchen im Hotel verdient und die Sauna lockerte später die Muskeln etwas auf.

Harald

Start um kurz nach 6 Uhr: der Morgen grüßt in Rot.

Und durch den Staub in der Luft war die Stimmung ganz speziell.

Die Madritschspitze strahlt schon in der Sonne für uns.

Aber am Himmel zeigen sich noch viele Schleierwolken und Staub.

Am Madritschjoch angekommen.

Abfahrt auf den harten Pisten von Sulden zur Schaubachhütte.

Klein aber fein. Das Skigebiet von Sulden hat einen Bonuspunkt: die Aussicht :-)

Wieder aufgefellt geht es los zur Suldenspitze.

Immer unter der Königspitze vorbei.


Suldenspitze (3.376m) mit der Königspitze im Hintergrund.

Wiederaufstieg zur Eisseespitze. Im Hintergrund Zufallspitzen und Cevedale.

Gipfel der Eisseespitze auf 3.230m.


Blick von der Eisseespitze zu Königspitze, Zebru und Ortler.

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