Durch die Tage davor waren wir schon recht gut akklimatisiert und fühlten uns bereit für größere Sachen. Schon lange auf der Liste der Skitouren im Martelltal stand die Überschreitung der Köllkuppe. Der Plan war, die Köllkuppe in südlicher Richtung ins Trento abzufahren und unter den Veneziaspitzen zu queren, um über die Dritte Veneziaspitze wieder anzusteigen und auf deren Nordseite wieder ins Martelltal abzufahren.
Da dies eine längere Tour ist, planten wir einen etwas früheren Start und konnten so leider nicht mehr das tolle Frühstück im Hotel genießen. Wir bekamen aber ein Thermosfrühstück und konnten uns so ganz gut verpflegen. Zum Schluss kam sogar Hermann und brachte uns noch frische Sachen an den Tisch.
Um 7:34 Uhr starteten wir vom Parkplatz in Hintermartell, wo wir noch so knapp einen Parkplatz ergatterten. Es war Freitag und der erste richtig schöne Tag nach dem Schlechtwetter. Zudem war die Lawinenwarnstufe recht gering und so pilgerten hunderte Leute in Richtung Cevedale und Zufallspitzen oder anderen Gipfeln.
Wir gingen unser Tempo und erreichten nach gut 1:35h die Martellerhütte, welche wir links liegen ließen. Von dort weg sahen wir riesige Gruppen am Fürkeleferner unter der Zufallspitzen und auch auf den Anstiegen zu den Drei Kanonen. Es waren hunderte, die dort nach oben zogen. Zum Glück waren wir recht alleine unterwegs am Weg zur Köllkuppe. Wir hatten zwar hier und da kleinere Gruppen am Weg, aber nie große Menschenmengen.
Am Hohenferner angelangt machten wir etwas Pause und genossen die Aussicht zum Cevedale und den Zufallspitzen sowie dem Dreigestirn Königspitze-Zebru-Ortler. Dann liefen wir wieder weiter in Richtung der Scharte, die uns auf den ersten Gipfel führen sollte.
Der Gletscher war so gut eingeschneit, wie wir es noch nie gesehen hatten. Keine Spalte, kein blankes Eis. Auch die anderen Ferner in der Umgebung sahen gleich aus. Die Steilstufe unter der Zufallspitze, die sonst häufig blank ist, war dick eingeschneit. Was für Bedingungen! Wir kamen sogar mit den Skiern bis auf den Gipfel der Köllkuppe. Ansonsten muss man normal am Ende des Gletschers die Ski kurz abnehmen und über Geröll tragen, um auf den Grat zu gelangen, der zum Gipfel führt. Nicht so heuer.
Nach 3:25h standen wir am Gipfel der Köllkuppe und genossen eine traumhafte Rundumsicht ins Martelltal, auf den Ortler, in die Dolomiten sowie in die Brentagruppe und die Adamellogruppe. Was für eine Aussicht! Da es aber schon sehr warm war am Gipfel und wir südseitig abfahren und wieder aufsteigen mussten, packten wir rasch unsere sieben Sachen und machten uns für die Abfahrt parat.
Manu fuhr dann als erstes die steile Rinne ab, die schon sehr weich war. Unten zogen wir dann etwas weiter als notwendig ins Tal und stoppten auf knapp 3.050m, wo wir einen sicheren Platz hatten und wieder auffellten. Zudem konnten wir uns stärken, bevor es los in Richtung Dritte Veneziaspitze ging.
Die Sonne war erbarmungslos und brannte vom Himmel. Nur mehr mit dem Shirt ging es weiter nach oben. Nach gefühlt einer Ewigkeit kamen wir dann endlich auf der 3.356m hohen Dritten Veneziaspitze an. Gemeinsam dort oben mit uns war eine Gruppe von 5 Tirolern, die wir an den folgenden Tagen auch noch öfters sehen sollten.
Bei Windstille und Plusgraden auf über 3.300m genossen wir die Aussicht etwas länger und stärkten uns nochmals, bevor es dann anfangs über einen kurzen Felsgrat und später nordseitig auf den Schranferner ging. Von dort konnten wir endlich mit den Skiern runtersausen. Die Bedingungen am Gletscher waren sogar durchaus gut. Gepresster Pulver, der gut zu fahren war.
Wir folgten dem Schranferner und fuhren dann den steilen Durchschlupf direkt in Richtung eh. Hotel Paradiso ab. Weiter unten wurde der Schnee dann entsprechend tief und unsere Skier bremsten höllisch. Durch die Plimaschlucht zurück ging es dann zum Auto, welches wir total fertig aber glücklich und sicher erreichten. Was für eine Tour! Landschaftlich sehr zu empfehlen.
Harald
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| Im Anstieg zur Martellerhütte: die Zufallspitzen in der Sonne. |
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| Am Hohenferner angekommen eröffnet sich das Panorama zum Ortler. |
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| Fürkeleferner unter der Zufallspitze. Heute gut besucht. |
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| Der Dunst trübt die Sicht zwar etwas, aber dennoch schön. vlnr: Königspitze, Zebru, Ortler. |
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| Manu am Gipfel der Köllkuppe am Tanzen. |
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| Ein kleines Gipfelkreuz gibt es auch auf der Köllkuppe (3.330m) |
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| Gegenanstieg zur Dritten Veneziaspitze mit der Brentagruppe und der Cima Presanella im Hintergrund. |
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| Steil war die Flanke und wir froh, als wir draußen waren bei der Hitze. |
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| Nochmals eröffnet sich das Panorama. |
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| Dritte Veneziaspitze (3.356m) |
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| Im Abstieg zum Schranferner. |
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| Abfahrt am Ferner mit dieser Aussicht, was für ein Traum! |
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