Donnerstag, 27. August 2020

26.08. - Weissmies 🚶‍♀️🗻

Obwohl wir bereits um 4 Uhr aufstehen mussten, war es eine erholsame Nacht - nach dem gestrigen Tag schliefen wir beide tief und fest! So waren unsere Energiespeicher in der Früh wieder gefüllt, erst recht nach dem Frühstück! Wir liessen uns Zeit, da wir wussten, dass wir bis zum Gletscher circa 60min Zustieg hatten und wir uns nicht im Dunkeln durchs Spaltenlabyrinth kämpfen wollten. Um 04.50 Uhr wanderten wir in stockdunkler Nacht los in Richtung Hohsaas. Nur hin und wieder sahen wir den Lichtschein anderer Seilschaften, die unterwegs waren. Obwohl wir den Tag ganz gemütlich angingen, war nur eine Seilschaft vor uns, die wir beim Einstieg in den Gletscher einholten. Wir packten Pickel, Steigeisen und Seil aus und während wir uns bereit fürs Eis machten, kamen noch weitere Seilschaften nach. Irgendwie wollte aber keine zuerst in den Gletscher einsteigen und sozusagen den 'Guide' spielen. So übernahmen wir diese Rolle. Der 'Weg' war recht einfach und teils mit Steinmännchen markiert. 
Auf dem Eisfeld in der Spaltenzone
Weg gefunden!

Nach nicht einmal 15min verliessen wir den grossen aperen Spaltenteil und kamen in den Firn, wo bereits eine deutliche Spur den Weg anzeigte. Der folgten wir dann, hin und wieder mussten wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen und Spalten umgehen. Das Gelände wurde immer steiler und wir wechselten vom langen aufs kurze Seil - nun gab Harald das Tempo an! Es ging durch den Gletscherbruch, was sehr eindrücklich war!
Durch den Gletscherbruch

Da der Gletscherbruch schon zu gross war und es kaum ein Durchkommen gegeben hätte, haben die Saastaler Bergführer eine Holzleiter installiert und den Weg ausgeschaufelt! 
Weiter gings Richtung Gipfel, immer wieder mussten Spalten überquert oder auch kurze Blankeisstellen gemeistert werden. Der Wind frischte immer mehr auf und wurde teilweise so stark, dass ich kaum noch stehen konnte! 
Juhui, endlich Sonne
Bald geschafft...
Auf 4000m :-)


Aber wir bissen uns durch und erreichten kurz nach 8.30 Uhr den 4017m hohen Gipfel. Eisig wars! Harald zog sich noch seine Daunenjacke an, dann gab es ein schnelles Gipfelfoto und schon machten wir uns an den Abstieg! 
Ausblick auf unsre gestrige Tour
Ein schnelles Gipfelfoti...

...und es geht wieder runter!

Nach den ersten 50 Höhenmetern kam die erste Herausforderung - schon im Aufstieg war es nicht so einfach. Wir mussten eine Spalte queren, bei der nur noch eine kleine Schnee/Eisbrücke war, die aber gut gehalten hat. Anschliessend war für mehrere Schritte Blankeis. Harald und ich besprachen, dass wir an der Stelle für den Abstieg eine Eisschraube als Sicherung verwenden. Als wir an besagte Stelle kamen, hat schon eine andere Seilschaft im Aufstieg eine Eisschraube gelegt, die wir verwenden konnten. So waren wir ziemlich schnell über die Stelle, worüber ich nicht traurig war, da ich recht fror. Weiter gings Schritt für Schritt talwärts. Noch immer waren andere Seilschaften im Aufstieg! 
Kurz vor der Holzbrücke machten wir eine kurze Pause, um entgegenkommende Seilschaften passieren zu lassen. Da kam uns ein Asiate entgegen, alleine, neue Nepalschuhe, die er nicht geschnürt hat und während er an uns vorbeiläuft, verliert er ein Steigeisen (Aluminium, wohlbemerkt...). Harald machte ihn darauf aufmerksam, dass er doch seine Schuhe zuschnüren soll, da er dann besseren Halt habe. Sein Kommentar war nur "Danke, aber es geht so ganz gut." Wir haben nur den Kopf geschüttelt... 
Für uns gings dann runter bis an den Rand des Gletschers, wo wir die erste längere Pause einlegten und noch den Flaschenzug und die lose Rolle übten, für den Fall eines Spaltensturzes...etwas spät, aber Wiederholung schadet nie!
Zurück bei der Weissmieshütte, im Hintergrund das Jägihorn, unsere morgige Tour

Zurück in der Weissmieshütte holten wir unsere Sachen ab, welche wir nicht mit auf den Gipfel genommen haben, und wanderten runter zur Station Kreuzboden, wo wir uns ins Restaurant setzten und unsere leeren Mägen vollschlugen!
Dann gönnten wir uns noch einen besonderen Spass, und zwar legten wir die letzten 900 Höhenmeter mit einem Monster-Trotti zurück! Zuerst hatte ich Mühe mit dem Gleichgewicht, aber es wurde immer besser und ich auch immer schneller! 


Nach circa 3/4 der Strecke passierte das Unglück! Harald hat sich in einer Kurve von der Schönheit der Berge ablenken lassen und sah darum das entgegenkommende Auto zu spät! Obwohl er wusste, dass die Vorderbremse sehr stark eingestellt war, drückte er reflexartig beide Bremsen. Das Vorderrad blockierte sofort und Harald machte einen Salto und kam vor dem Auto zu liegen. Sofort hielt er sich fluchend die Hand und ich malte mir alle möglichen Szenarien aus, welche Knochen er sich alle gebrochen haben könnte. Aber Glück im Unglück, es ist 'nur' eine Schürfwunde am rechten Handballen und ein beleidigtes Handgelenk. Der Autofahrer war übrigens erst so geschockt, dass er sich überhaupt nicht regte, aber als er aus seiner Starre erwachte, war er ganz hilfsbereit, aber ein Desinfektionsmittel hatte er auch nicht dabei. 
Wir stiegen dann wieder auf unsere Trottis und legten den restlichen Weg eher gemütlich zurück. 
Zurück beim Auto gings dann schnell zum Coop und dann auf einen Campingplatz, wo wir uns die notwendige Dusche gönnten! Und nun gönnen wir uns etwas zu essen und ein Bierchen! Prost!

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