Unser Tag startete um 3:25 Uhr, nachdem wir sowieso schon munter waren. Das Frühstück war ausgiebig und sogar Manu hatte Hunger und aß. Das muss erwähnt sein, so ist sie normal nicht. Sie hat um 3:45 Uhr gefrühstückt!
Um etwa 4:15 stapften wir dann in die Dunkelheit hinaus. Bewaffnet mit Stirnlampen folgten wir dem Pfad, den wir schon tags zuvor erkundet hatten. Doch schon nach etwa 30 Minuten betraten wir Neuland. Zwei andere Seilschaften waren vor uns und so konnten wir etwas leichter den Weg finden, zumindest anfangs. Denn kurz darauf holten wir die ersten zwei ein. Auch sie hatten den GPX Track erhalten und orientierten sich damit. Die andere Dreierseilschaft war weiter voraus. Die holten wir dann am Frühstücksplatz ein.
Der Weg bis dahin war gut mit Steinmännchen markiert und jetzt gibts ein paar mehr. Dennoch war es nicht so ohne. Viel Geröll und loses Gestein. Also Vorsicht. Zum Glück wars finster, somit hat Manu nicht gesehen, wie steil es war.
Bis auf etwa 3400m gings so dahin. Dann dämmerte es langsam, was auch gut war, denn ab nun musste geklettert werden. Wir sahen den wunderschönen Sonnenaufgang, während wir etwas Tee tranken und unsere Gurte anlegten bzw. uns anseilten.
"Do kummt die Sun ... "
Die Dreierseilschaft war mit Bergführer unterwegs und die hinter uns war auch ein junges Paar. Es war aber eine lockere Atmosphäre. Kein Gegeneinander, wer zuerst in den Grat einsteigen darf, wie zB am Biancograt. Ganz im Gegenteil. Wir halfen einander und gaben einander Tipps, wo es besser geht usw.
Klettertechnisch kamen die Schwierigkeiten gleich zu Beginn. Eine Platte, gesichert mit einem Haken, den aber auch ich nicht sofort klippen konnte. Erst war beherztes Ansteigen und Festkrallen gefragt. Danach gings leichter weiter über den Grat, bis wir zur zweiten "Schlüsselstelle" kamen. Die "Höhle". Roberto meinte, es sei wie ein Tunnel, eine Höhle, ein Loch, wo man durch muss.
Und so war es. Ich musste durchrobben, der Rucksack mit dem Pickel kratzte am Fels entlang. Im Nachhinein hat Roberto gesagt, das sei der BMI Test. Wer dort nicht durchkommt, hat am Berg nichts verloren.
Am Gletscher angekommen war es schon schön hell und wir wechselten die Bereifung. Steigeisen und Pickel mussten her. Hier überliesen wir den anderen den Vortritt. Als erste Seilschaft den Weg durch die Spaltenzone suchen ist nicht fein, vor allem wenn zwei weitere folgen. Aber sie fanden einen super Weg. Der Gletscher steilte auf und schon bald waren wir auf ca. 3840m, wo man einen Felsklotz umgeht, bevor man den steilen Firngrat auf das Fletschhorn in Angriff nimmt. Es dauerte nicht mehr lange und wir kamen in die Sonne, was auch gut war, denn der Westwind frischte unangenehm auf.
Um etwa 8:20 Uhr waren wir dann am Fletschhorn auf 3986m und genossen die super Aussicht und vor allem den Windschatten auf der Südseite. Die Sonne wärmte uns dabei gut auf. Wir machten Fotos und aßen eine Kleinigkeit, bevor wir dann über den Gletscher auf der anderen Seite ins Fletschjoch abstiegen. Von dort zieht dann der schöne NNO-Grat auf das Lagginhorn.
Gut 300Hm galt es dann nochmals zu überwinden, bis wir am 4000er Gipfel des Lagginhorns standen. Der Grat ist schön zu klettern. Sehr logisch zu gehen und gut über Zacken zu sichern. Sogar Manu hatte ihren Spaß. Und wenn man in der Südostseite kletterte, war es wohlig warm. Auf der Nordwestseite wars entsprechend kalt und windig.
Knapp 2:20h nach dem Gipfel des Fletschhorns standen wir am Lagginhorn auf 4.011m. Die Aussicht war ebenfalls traumhaft, aber einsam war es nicht. Alle Seilschaften vom Südgrat und Westgrat kommend hockten schon im Windschatten. Es war richtig was los dort oben.
Den Abstieg, ca. 1300Hm bis zur Hütte, gingen wir nach einer Rast an. Doch schon bald waren wir nicht mehr so zügig unterwegs. Von oben bis unten ist der Abstieg ein reiner Geröllhaufen und man muss immer tiefe Schritte auf harten Fels machen. Das geht auf die Knie. Wir legten nochmals Pause ein und gingen danach den Rest zur Hütte ab, wo wir nach ca. 9:15h Tourdauer wieder eintrafen.
Nach dem Wechseln der Schuhe und dem Verstauen vom Material gabs dann etwas ordentliches zu essen, einen Kuchen und ein paar Runden Rummy.
Nun hoffen wir, dass wir müde genug sind, um heute gut zu schlafen. Weckzeit für morgen ist auf 4:00 angesetzt.
Schöne Träume
MaHa

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