Unsere Idee vom Vortag wollten wir jetzt in die Tat umsetzen. Und so radelten wir um 8 Uhr los zur Talstation der Bahn. Von dort ging es um 8:30 Uhr mühelos rauf auf ca. 2600m, von wo aus wir die Tour starteten. Mit uns gingen auch zwei Bergführer mit Gästen los, also waren wir notfalls nicht alleine im Gletscher.
Schon nach wenigen hundert Metern zogen wir an den anderen vorbei, sind wir doch jetzt schon gut akklimatisiert. Zuerst einem Pfad, später ein paar Steinmännchen folgend ging es zum Sulden Ferner, den wir auf ca 2800m betraten. Wir seilten uns rasch an und dann zog Manu los auf der Suche nach einem günstigen Weg hoch.
Den ersten Aufschwung nahmen wir direkt, da die Spaltenzone danach gut sichtbar und aper war. So konnten wir dort gut ins nächste Becken gehen. Einer sehr langen Längsspalte folgten wir dann etwas steiler nach oben, um an deren oberem Ende über die noch vorhandenen Brücken zu queren und danach wieder gutes Terrain zu erreichen. Ab ca. 3100m war der Gletscher dann meist noch firnbedeckt und man sah die alten Spuren. Die Suche hatte also ein Ende.
Schon bald standen wir dann in der Janinger Scharte zwischen Schrotterhorn (3.386m) und der Suldenspitze (3.376m). Da wir so nah waren, gingen wir noch zum Mittelgipfel des Schrotterhorns auf ca. 3.370m bevor wir den Schlussanstieg zur Suldenspitze machten.
Dort angekommen hatten wir gerade Glück und die Wolken lockerten sich etwas. Wir machten ein paar Fotos und stiegen dann in Richtung Casati Hütte ab. Doch schon nach wenigen hundert Metern querten wir direkt auf den Langenferner zu, da dieser auch aper ist und wir somit unsere Route gut einsehen konnten. Am Gletscher seilten wir dann wieder an, gingen aber kurz, da alles komplett blank war und jede Spalte sichtbar.
Im Abstieg zum Eisseepass sahen wir dann Dinge, die vor gut 100 Jahren dort hochgebracht wurden. Geschichtlich gesehen ist es ein Horror was hier geschah, als sich im Ersten Weltkrieg Italiener und Österreicher dort oben an der Front gegenüberstanden und erbittert kämpfen mussten. Im Winter kämpften sie mehr ums Überleben wegs des vielen Schnees und der Kälte, die Stellungen mussten gehalten werden. So kann man diesen armen Leuten von damals keinen Vorwurf machen, wie viel Müll sie hinterlassen haben. Heutzutage, wenn der Gletscher so aper ist wie jetzt, kommt vieles wieder hervor. Dort liegen wohl einige Tonnen Müll herum. Blechbüchsen. Kabel. Stacheldraht. Holz. ....
Wir stiegen vom Gletscher aus und entledigten uns unserer Steigeisen, nur um sie kurz darauf wieder anziehen zu müssen, denn ein letztes Eisfeld unter dem Pass hält sich noch tapfer und ohne Eisen zu queren ging einfach nicht. Vorbei an den Resten der Halleschen Hütte steuerten wir den Eisseepass an und stiegen dann dem Rücken entlang auf zur Eisseespitze, die wir bis jetzt nur vom Winter kannten, wo sie aber jeweils ihrem Namen alle Ehre machte.
Wir legten eine Rast ein und genossen die Aussicht, denn das Wetter war gerade recht gut. Der Blick ins Martelltal zu den Gletschern ließ uns nicht kalt. Fast nichts mehr da davon :-(
Nach der Pause ging es dann zurück über den Stecknerweg zur Bahnstation. Der Weg ist sogar teils versichert, da er doch ausgesetzt ist. An der Bahn angekommen konnten wir nach ca 1000hm doch stolz auf unsere Tour sein.
Wir freuten uns dann auf die Fahrt ins Tal und sausten mit den Bikes zurück zum Camping. Da hätte Manu noch fast ein alter Rentner über den Haufen gefahren, da er ohne zu schauen auf die Straße bog. Zum Glück sah Manu das früh genug und fuhr gleich mal auf die andere Straßenseite.
Nach dem Auftrocknen des Materials gabs wie immer ein paar Runden Rummy vor dem Abendessen, aber im Bus, da das Wetter nicht mehr so beständig war.
Harald
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| Am Suldenferner. Die Bäche flossen. |
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| Endlich gequert und im Firn. |
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| Kurz vor der Janinger Scharte. |
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| Blick zur Suldenspitze. |
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| Schrotterhorn Hauptgipfel (ein Bruchhaufen) und die Kreilspitze (schattig) dahinter. |
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| Juhee. Am Gipfel. Und die Königsspitze zeigt sich. |
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| Casati mit Langenferner und Zufallspitzen sowie Cevedale dahinter. |
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| Es tut weh - in doppelter Hinsicht :-( |
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| Keine Steine: Dosen |
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| Blick zurück zur Aufstiegsroute quer durch den Gletscher. |
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| Eisseespitze mal in "kurzen Hosen" und ohne Daunenjacke. |
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| Gleich geschafft: Blick zurück |