Die Nacht am Camping war erholsam und wir standen gemütlich um 07:30 Uhr auf. Heute konnten wir direkt vom Camping los - was wir auch gegen 9 Uhr machten. Ziemlich steil ging es den Weg 615 hinauf - entlang des Flussbettes des Ruf de Vallacia, der aber um diese Jahreszeit ausgetrocknet ist.
Nach gut 500 Höhenmetern erreichten wir das Bivaccio Zeni. Weiter gings den Wanderweg entlang - Harald voraus, ich schnaufte hinterher. In einer Kurve legte Harald einen Halt ein, schaute hinauf und sagte: "Sooo schön", ehe er mich vorbeiliess. Ich wollte weiter und hielt aber noch in selben Moment inne, da nur ein paar Meter vor mir entfernt ein Steinbock auf dem Weg lag und uns beobachtete. Sogleich schimpfte ich mit Harald, dass er mich doch vorwarnen hätte können, da ich mich schon ein wenig erschreckt hatte. Er hatte ihn aber bis dahin gar nicht gesehen gehabt. Der Steinbock wartete, bis wir ein paar Fotos gemacht hatten, dann zottelte er gemächlich davon und wir setzten unseren Weg fort.
Kurz darauf waren wir beim Einstieg des Klettersteiges "Franco Gadotti", montierten unsere Klettersteigausrüstung und los gings hinauf gen Gipfel. Nach einer weiteren Stunde erreichten wir den ersten Gipfel des heutigen Tages, den 2446m hohen Sas da le Doudesc. Wir bestaunten das schöne Panorama auf die Rosengartengruppe, gingen dann aber zügig weiter, da bereits ein kalter Wind von Südwesten über die Gipfel zog.
Über den Sas Aut (2555m) und den Sas de la Luna (2431m) ging es weiter. Teils versichert, teils einfach auf Steigen und teils auf normalen Wegen. Der nächste höhere Gipfel war die Punta de Vallaccia mit 2637m. Auf der anderen Talseite sahen wir bereits die "Bergvagabundenhütte", ein weiterer Stützpunkt unserer heutigen Tour. Es sollte aber noch einige Zeit vergehen, bis wir dort waren!
Entlang des Alta Via Bruno Federspiel ging es auf den Malivern (2630m), wo wir unsere Jause assen. Meinerseits wäre geplant gewesen, dass wir gegen 15 Uhr die Bergvagabundenhütte erreichen, um dann noch weiter dem historischen Klettersteig Bepi Zac zu folgen. Jausenzeit war um 14 Uhr und die Bergvagabundenhütte noch immer in weiter Ferne. Nach der kurzen Rast ging es weiter auf den Spiz de Ricoleta (2500m) und dann stand nochmals ein 200m Gegenanstieg auf den Spiz de Tariciogn (2647m) an. Langsam wurde mir bewusst, dass mein heutiger Plan nicht aufgehen wird. Wir kamen langsamer vorwärts als geplant, da doch viele Stellen versichert waren und es immer rauf und runter ging. Schliesslich erreichten wir die letzte Erhebung vor der Vagabundenhütte - die 2582m hohe Punta Alochet. Wir bestaunten noch einmal die Umgebung - landschaftlich einfach eine geniale Tour! Nun ging es 50 Höhenmeter zur Bergvagabundenhütte runter. Mittlerweile war es 15:30 Uhr. Wir hatten schon über 2000 Höhenmeter zurückgelegt und auch einige Kilometer. Bei meiner geplanten Gratweiterwanderung wären mindestens 400 Höhenmeter und etliche Kilometer dazugekommen. So war es für mich okay, dass wir von der Bergvagabundenhütte ins Tal abstiegen - aber nicht auf dem Normalweg, sondern wir stiegen über den Klettersteig Gino Badia ins Pieftal ab. Von dort gings weiter ins Valle dei Monzoni und schliesslich zurück zu unserem Camping. Es war kurz vor 18 Uhr, als wir den Camping erreichten. Nach über neun Stunden Gehzeit, 23 Kilometern und 2350 Höhenmetern war die Pizza und das Bier am Abend mehr als verdient.
Manu
| Rosengarten in der Morgensonne |
| Unser tierischer Freund am Weg |
| Wunderschöne Fernsichten überall hin |
| Links hinten die Langkofelgruppe |
| Blick zur Marmolada Südwand |
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