Samstag, 14. Oktober 2023

14.10.2023 – San Sebastiano Nord (2.488m) und Monte Tamer (2.547m)

Nach der großen Tour auf die Civetta am Vortag wollten wir etwas weniger machen und suchten uns eine vorgelagerte Gruppe im Süden aus: die San Sebastiano Gruppe. Von dort hat man einen traumhaften Blick in Richtung Monte Civetta und Monte Pelmo.

So packten wir am Morgen zusammen und fuhren zum Passo Duràn auf 1.605m. Von dort startete unsere Wanderung. Wir nahmen sicherheitshalber einen Helm mit, da man einige steile Schuttfelder queren muss und man hier nie weiß, wer über einem geht – ob Mensch oder Tier. Sicher ist sicher. Anfangs folgten wir dem Wanderweg, um in den großen Kessel des Van de Caleda zu kommen, von wo aus man schon einen Blick auf die Aufstiegsrouten erhaschen konnte.

Dort kamen wir dann auch in die Sonne und folgten dem Steiglein in die Ostflanke des San Sebastiano Nord. Dort konnte man sich entscheiden, ob man quasi link oder rechts herum auf den Gipfel geht. Wir wollten den Gipfel überschreiten, also gingen wir links. Anfangs noch recht einfach, etwas über Felsbänder absteigen, dann folgten wir einem Steig bis an eine Wand, die mit Stiften gesichert war. Wir kletterten drüber und folgten dem Weg weiter. Das Weglein wurde aber immer schmäler und ausgesetzter. Man musste Querungen an Bändern machen, wo es links von einem einfach steil abfällt und man den Boden gar nicht mehr sieht. Das war nach den Vortagen etwas zu viel für uns und wir kehrten um. Die Stelle mit den Stiften mussten wir dann etwas blöd abklettern, aber das war wohl das geringere Übel.

So standen wir nach etwa 40 Minuten wieder an der Abzweigung und folgten nun dem Weglein nach rechts, um in die Cresta Sud des Gipfels zu kommen. Von dort gelangten wir in lockerer Kletterei zum Gipfel des San Sebastiano Nord auf 2.488m. Leider hatten sich nun schon Nebel gebildet und wir hatten keinen freien Blick mehr auf die Civetta und den Pelmo, aber wir kannten die Berge ja schon.

Nach kurzer Rast machten wir uns an den Abstieg und peilten dann die Forcella La Porta an, was mit einem mühsamen Gegenanstieg in Schutt und Geröll einherging. Auf der Forcella machten wir kurz Halt und berieten uns einmal. Wir hatten schon wieder um die 1200 Höhenmeter gemacht und der Aufstieg zum Monte Tamer waren nochmals mindestens 250Hm. Zudem musste man einige Bänder queren und später etwas klettern. Manu ging dann einfach mal los, sie wollte noch auf den Gipfel und gleichzeitig etwas ihre Höhenangst auskurieren.

Der Aufstieg folgt anfangs einem sehr langen Band, welches rechts steil abfällt. Man kann dort aber gut gehen, ist es denn breit genug und bietet links auch immer guten Halt. Später folgten ein paar Querungen in steilen Rinnen, bevor wir dann vor den eigentlichen Schwierigkeiten standen: einem kurzen Felsriegel, gesichert mit einem Seil, der überwunden werden wollte. Manu war gar nicht mehr erfreut, kämpfte sich aber weiter durch.

In kurzer Kletterei ging es zuerst die Wand hoch, dann folgte eine weitere Querung, an der wir warten mussten, denn unter uns waren drei Italiener im Abstieg genau im Steinschlag von uns. Dort geht man sowieso schon wie auf rohen Eiern und dann noch so vorsichtig gehen, dass ja kein Steinchen wegrollt, … wir warteten ein paar Minuten. Danach gab es noch ein paar kleine Felsabsätze zu überklettern und schon standen bzw. saßen wir am Gipfel des Monte Tamer auf 2.547m. Das Wetter war wieder etwas besser als zuvor und so aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir uns an den Abstieg machten.

Hochkonzentriert kletterte Manu alles wieder ab und schnaufte nicht nur einmal tief durch. So waren wir alsbald wieder in der Scharte angekommen und konnten dann endlich unsere Jausenbrote verspeisen. Manu isst nicht gerne am Gipfel, wenn sie weiß, dass der Abstieg noch so herausfordernd sein wird.

Da wir nicht wieder denselben Weg zurück wollten, wie wir gekommen sind, stiegen wir nun auf der anderen Seite der Forcella ins Val Baranca ab, nicht ahnend, was uns genau erwarten würde. Zu unserer Verteidigung sei zu sagen, dass wir die Tour nur mittels einer kleinen Karte geplant haben, die die Höhenschichtlinien nicht genau zeigt :-P

Anfangs durch Schotter abrutschend, gelangten wir dann auf den Wanderweg in Richtung Baita V. Angelini, einer kleinen Hütte. Von dort quert dann der Wanderweg immer in Richtung Westen um den Bergstock zurück zum Passo Duràn. Wir gaben etwas Gas und standen schon bald bei diesem kleinen Hüttchen, wo auch ein paar Wanderer waren. Ich machte mir noch die Mühe und ging die paar Meter zurück zum Wegweiser, um zu sehen, was so alles angeschrieben ist. Ich hätte es nicht machen sollen.

Passo Duràn, 2:20h. Was? Das war für uns etwas viel. Wir waren schon wieder an die 6 Stunden unterwegs und hatten gute 1.550hm hinter uns. Wieso soll jetzt der Rückweg so lange dauern? Nach einigen Minuten gehen, wussten wir wieso: rauf, runter, rauf, runter, …. So ging es endlos weiter. Immer wieder folgte eine kleine Lücke oder Übergang mit einem Abstieg danach. Es dauerte Ewigkeiten, bis wir an der Forcella Val Baranca ankamen, der für uns laut Karte zumindest höchste Punkt, bevor es nur noch bergab zum Pass gehen sollte. Getäuscht. Rauf, runter, … so ging es weiter. Und so wurden es am Ende wieder 1700hm und einige Kilometer, ehe wir am Pass ankamen und das Auto wiedersahen.

Da es nun schon spät war, änderten wir unsere Pläne. Wir fuhren nicht wie geplant nach Süden in die Palagruppe, sondern wieder zurück zum Camping in Pecol, der noch den letzten Tag offen hatte. Am Weg dorthin versorgten wir uns noch mit ein paar Lebensmitteln und genossen dann eine heiße Dusche und das Abendessen am Campingplatz, ehe wir uns müde in die Schlafsäcke verkrochen.

Harald



Ein schönes Brockengespenst.

Am Weg zum Monte Tamer.

Schlüsselstelle im Aufstieg.



Einige Bänder zum Queren beim Abstieg.





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