Ich wollte unbedingt in den Dolomiten klettern gehen, weshalb wir uns noch zwei Klettereien aussuchten. Eine davon war die Ostwand der Rotwand in der Rosengartengruppe: die Route Rizzi.
Bewertet sind die 11 SL mit ca. 5+, aber sagen wir mal einem Dolomiten 5er.
Wir packten schon am Vorabend alles zusammen und fuhren dann morgens gleich nach dem Zahlen (was noch dauerte) auf zum Karerpass. Von dort nahmen wir gemütlich den Sessellift zur Paolinahütte, was uns ein paar hundert Höhenmeter sparte und vor allem Zeit. Wir wussten, dass wir in der Ostwand ca. bis 12:30 Sonne hatten und so wollten wir früh einsteigen und die schwierigen Längen im unteren Wandbereich flott hinter uns bringen, noch in der Sonne.
Von der Hütte wanderten wir entlang des Weges zur Rotwandhütte und von dieser weiter in Richtung Zigoladenpass. Bevor wir dann in den bekannten Weg vom Samstag trafen, machten wir einen steilen Abstecher direkt unter die Ostwand der Rotwand. Die Wand war von weitem schon groß, aber je näher wir kamen, desto größer wurde die Wand. Den Einstieg fanden wir dann gleich, war dieser doch recht einfach gelegen bei einem Doppelturm.
Nur der Zustieg zum Einstieg war dann etwas ungünstig. Ein Gewitterregen hatte einen großen Graben zwischen uns und dem originalen Einstieg hinterlassen. Wir hätten blöd über Schutt und Geröll in den Graben abklettern und rutschen müssen und dann auf der anderen Seite wieder hochsteigen. So entschieden wir uns, gleich direkt die erste Seillänge (ein 3er) auszulassen und ein Band etwas höher in die Wand zu queren zum ersten Stand, was dann auch gut ging.
Von dort folgten wir dann immer den roten Schlaghaken. Anfangs war die Orientierung noch einfach, da von der Topo her gut vorgegeben war, wo man gehen sollte. Bänder, Rampen, Verschneidungen, Rinnen. All dies fand man anfangs einfach. Nur die Haken fand man nicht so einfach. So kostete mich das viel Zeit, da ich die Haken schon noch finden wollte, um etwas zu hängen. Später konzentrierte ich mich dann eher auf das Legen von mobilen Sicherungsmitteln und weniger auf die 2 Haken pro Seillänge.
Die Schlüssellänge war dann für uns die 3te Seillänge. Eine lange Verschneidung hoch, ca. 40m. Bewertet mit 5+, aber nur mit ein paar alten Schlingen drinnen. Den Rest musste man selbst legen. Die Seillänge ging aber recht zügig und schon bald konnte ich den Südtiroler-Stand bauen und Manu nachholen. Die eigentlichen Schwierigkeiten für uns (oder mich) kamen danach.
Die nächste Seillänge führte über eine Platte und eine kurze Rampe in eine nächste Platte. Dort sollte die Route zuerst leicht nach rechts führen und später links zurück. Ich geriet aber weiter nach links und sah keine roten Standplatzhaken mehr. Ansonsten waren alle Standplätze der Route immer mit roten Schlaghaken erkenntlich. So zog ich einfach irgendwie weiter nach oben und fand einen Stand, aber keine roten Haken daran. Falscher Stand also. Zurück im brüchigen Gelände wollte ich auch nicht mehr und ich hatte schon lange Zeit vergeudet. Also holte ich Manu nach. Während sie kletterte, erkundete ich die Umgebung und sah dann nach einigen Verrenkungen etwa 10m rechts von mir den richtigen Stand, zu dem dann Manu direkt stieg und mich nachsicherte.
All das kostete Zeit und die Sonne war schon raus aus der Wand, nur wir noch nicht. Es folgte eine längere Seillänge, wo ich wieder den Stand nicht korrekt fand bzw. den einzigen Haken am Weg nicht als solchen identifizierte. Ich war dann im Nirgendwo und kletterte ein paar Meter zurück zu einem guten Zacken, an dem ich dann Stand machte und Manu nachholte. Der Standplatz förderte ihr Wohlbefinden gar nicht und nachdem die nächste SL nur ein 2er war mit etwas Gehgelände, stieg sie sogar vor und holte mich dann zum letzten Standplatz nach.
Von dort kam die Ausstiegslänge. Eine 4+ Stelle über eine Platte und dann eine Rampe nach oben. Endlich, das Kreuz in Sicht und flaches Gelände, fast Gehgelände. Ich hielt Ausschau nach einem Zacken oder guten Rissen, sodass ich einen Stand bauen konnte, fand aber lange nichts. Ich ging fast die ganzen 60m aus und fand dann erst einen guten Block. Von dort holte ich Manu nach, die noch so erleichtert war, als wir endlich am Gipfelkreuz waren und sie sich wieder entspannen konnte.
Nach einer kurzen Jause eilten wir dann den Normalweg ab zurück zur Bahnstation, denn wir hatten Hin- und Retourfahrt gekauft. Kurz vor 17:30 Uhr kamen wir dann dort an und fuhren gemütlich wieder mit der Bahn ab zum Pass. Was für eine Kletterfahrt! Definitiv spannend.
Zum Essen ging es dann zur Frommer Alm, wo wir auch gleich die Nacht verbrachten, erlaubte uns der Wirt doch, dass wir gleich am Parkplatz bleiben durften. Nächsten Tag war sowieso von dort aus eine weitere Klettertour geplant, also sparte das Zeit.
Punta Emma - Fedele (ca. 7 SL, 5)
Nach einer guten Nacht und einem ausgewogenen Frühstück fuhren wir mit der König Laurin Bahn auf zur Kölnerhütte. Dort startete unsere eigentliche Tour für heute.
Von der Hütte folgten wir dem Weg in Richtung Santner Pass, der uns zur gleichnamigen Hütte führte. Ein anfangs einfacher Wanderweg wurde später zu einem Klettersteig durch die Westwand hin zur Hütte. Nicht sonderlich anspruchsvoll, aber dennoch nicht zu unterschätzen, vor allem mit dem ganzen Material einer Kletterei am Buckel.
Nach ca. 1:20h gelangen wir bei der Hütte an und deponierten dort unsere Klettersteigausrüstung. Diese mussten wir nun wirklich nicht auch noch mitschleppen bei unserem geplanten Abenteuer. Wir machten rasch weiter, saß uns doch etwas die Zeit im Nacken. Vom Vortag wussten wir, wie schnell die Zeit vergehen kann und man sich in der Wand verläuft. Und wir wollten wieder um 17:30 Uhr mit der Bahn ins Tal schweben.
Von der Santnerpasshütte ging es flott ab zur Gartlhütte, die malerisch vor den imposanten Vajolettürmen liegt. An diesen vorbei ging es weiter ab in Richtung Rifugio Vajolet. Kurz bevor wir dieses erreichten querten wir dann unter der Punta Emma hindurch in deren Südostwand. Auf einem Grasband gab es einen guten Steig, der uns direkt zum Einstieg lotste.
Rasch wechselten wir unsere Schuhe und seilten uns an und schon ging es los. Die Routenführung der Fedele ist eindeutig in allen Bereichen und ab und zu finden sich hier auch Schlingen an Haken, die einem den Weg weisen. Zudem sind alle Standplätze nun saniert worden und mit 2 Bohrhaken ausgerüstet, was für ein Luxus nach dem letzten Tag. Manu war deshalb auch entsprechend entspannter unterwegs und konnte die Kletterei in der Sonne auch voll und ganz genießen.
Die 5er Stellen verteilen sich auf ein paar Seillängen, wobei die Schlüsselstelle sicher der athletische Überhang ist, an dem ich mich fast verstiegen bin. Mit nur einem Friend unter mir querte ich etwas zu früh nach links auf das Dach zu und schaute mich dann nach dem Haken um, der in der Topo noch unterhalb des Daches eingezeichnet war. Nichts. Kein Haken. Dann erinnerte ich mich, dass am Luftfoto der Tour ein kleiner Zick-Zack an der Stelle eingezeichnet war, zuerst etwas weiter rechts ausholend in den hellen Fels und dann erst links zurück zum Dach. Also kletterte ich ab und startete neu durch nach rechts. Und siehe da: der Haken. Danach ging es über das Dach, wo ich danach aber auch wieder nichts fand, also musste eine Köpflschlinge als Sicherung dienen, bevor wenige Meter später der Standplatz sichtbar wurde.
Die restlichen Seillängen folgen dann einer schönen Verschneidung bzw. einem Kamin und sind Genusskletterei pur. Sogar Manu stieg dann oben raus vor. Schon nach 3:20h standen wir dann am Gipfel. Wir brauchten also weniger Zeit als im Führer angegeben und lagen toll in der Zeit für die Bahn.
Rasch richteten wir uns zusammen und suchten den Abstieg, der noch etwas Konzentration forderte. Manu war dann etwas nervös, also wir den Abseiler nicht fanden und ich zuerst nur den alten Ring in weiter Ferne erblicken konnte. Es wäre noch eine schräge Rampe zum Abklettern gewesen. Ich schloss zu Manu auf und wollte sie über einen Zacken sichern, als ich direkt über ihren Kopf den neuen Abseilstand sah. Glück gehabt. Von dort ging es dann 50m direkt ab in die Schlucht - mit viel Luft unterm Arsch. Danach folgte noch etwas Kraxelei hinunter zum Wanderweg, dem wir dann wieder nach oben zur Gartlhütte folgten, wo wir dann in der Sonne unsere Jause genossen.
Die letzten Meter hoch zur Santnerpasshütte waren dann rasch zurückgelegt und da wir so früh dran waren, ging sich sogar noch ein Apfelstrudel und ein Getränk auf der Hütte aus. Danach spurteten wir uns aber zurück zum Klettersteig, den wir nun abklettern mussten, um zurück zur Kölnerhütte und der Bahn zu kommen. Aber wir erreichten auch dieses Mal pünktlich die Bahn und konnten ab ins Tal fahren.
Fazit dieser Tour: sehr empfehlenswerte Kletterei in traumhafter und atemberaubender Kulisse der Rosengartenspitze.
Harald
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