Donnerstag, 12. Oktober 2023

12.10.2023 - Marmolada (3.343m)

Haralds Wunsch war es, mal auf dem höchsten Gipfel der Dolomiten zu stehen - der Punta Penia in der Marmoladagruppe. Da die Bedingungen dank des milden Herbstwetters recht gut waren und auch noch kein Neuschnee auf dieser Höhe lag, planten wir die Besteigung für diesen Donnerstag.

Um 07:00 Uhr klingelte der Wecker, um 08:00 Uhr kauften wir uns noch frische Brötchen für die Jause und dann fuhren wir los zum Lago di Fedaia unterhalb des Marmolada-Massivs. Unterhalb des alten Korblifts, der seit 2019 ausser Betrieb ist (und dessen Bergstation 2020 von einer Lawine zerstört wurde), schlängelte sich der Weg nach oben. Wir verliessen den Hüttenzustieg dann Richtung Westen und erreichten alsbald das Toteisfeld unterhalb der Sforcèla de la Marmolada. Steigeisen montierten wir noch nicht, war das Eisfeld doch hauptsächlich von Schutt überdeckt. Wenn man gut aufpasste, konnte man so ohne Probleme das Eisfeld queren. Nur einmal hat es mich rausgenommen, da bin ich aber auf einen Stein gestanden, der mit Wassereis überzogen war - schlecht geschaut! Weiter gings steil bergan über Eis und Schutt bis zum Beginn des Klettersteigs Hans-Seyffert-Weg auf 2840m, wo wir unsere Klettersteigausrüstung montierten. Über den Westgrat ging es so gut 450 Höhenmeter hinauf. Der Steig war gut versichert (inklusive viel Eisen), aber auch ziemlich abgegriffen. Trotzdem war es ein Erlebnis! Kurz vor dem Gipfel kamen wir dann auch in die Sonne! Die letzten 100 Höhenmeter vor dem Gipfel ging es noch die schuttbedeckte Flanke hinauf. Dort lag etwas Neuschnee, welchen wir aber gut umgehen konnten. Nach 3h30min befanden wir uns am höchsten Punkt der Dolomiten - der Punta Penia oder auch der Königin der Dolomiten! Was für eine Aussicht! 

Ganz alleine genossen wir die herrliche Rundsicht, bevor wir uns an den Abstieg machten - davor graute es mir schon ein wenig, wusste ich doch, dass wir über den Normalweg absteigen wollten, der über den Marmoladagletscher führt. Und ich seit dem Gwächtenhorn ein Gletscherspalten-Trauma habe... 

Direkt am Gipfel montierten wir die Steigeisen für die ersten 100 Höhenmeter, die bis zum Einstieg eines A/B-Klettersteiges führten. Der Firn war super zum Gehen und wir legten die Höhenmeter ziemlich schnell zurück. Für den Klettersteig verräumten wir die Steigeisen wieder. Der Klettersteig war recht einfach und wäre noch einfacher gewesen, hätte er direkt beim Gletscher geendet. Hat er aber nicht. Circa fünf Meter oberhalb des Gletschers war einfach Schluss. Erstes Mal Panik. Aber Harald hat es souverän gelöst und mich mit dem Seil auf den Gletscher abgelassen und sich dann selber zu mir abgeseilt. So standen wir also am Gletscher. Wir montierten die Steigeisen und rüsteten uns mit Schlingen, Seil, Eisschrauben und Pickel aus. Die ersten paar Höhenmeter sind wir dann so runtergestapft. Der Gletscher war komplett aper und zu Beginn recht steil! In der Routenbeschreibung steht etwas von 40°, aber ich glaube, bei uns war es doch etwas steiler... Wir fanden eine alte Spur, der wir nach rechts folgten, aber kurze Zeit später standen wir bereits vor der ersten Spalte. Zweites Mal Panik. Ich wollte auf keinen Fall in einem Spaltenlabyrinth enden, also querten wir zurück nach links, obwohl wir von oben her gesagt haben, wir dürfen auf keinen Fall nach links queren, da dort der Gletscher glänzt - also eisig ist! Ich wollte aber einfach nur weg von den Spalten. Im Nachhinein gesehen war das wahrscheinlich eine schlechte Entscheidung. Zu Beginn war es noch okay, dann wurde es aber extrem steil und eisig. Drittes Mal Panik, diesmal aber so richtig. Meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Zum Glück bewahrte Harald die Ruhe. Eisschrauben war angesagt! Schraube setzen, 20 Meter ab. Schraube setzen, nachsichern. Harald liess mich ab, ich fixierte mich/uns, dann pickelte Harald auf den Frontzacken zu mir. Das Spiel wiederholten wir einige Male. Der Gletscher war nicht einfach nur aper, sondern war von einem spiegelglatten Wassereis überzogen. Einmal war ich kurz davor, die Nerven zu verlieren, da ich kein Ende in Sicht sah. Ich fühlte mich dem Gletscher komplett ausgeliefert. Aber es nützte nichts, wir mussten ja weiter! Endlich erreichten wir eine Stelle, an der der Gletscher nicht mehr so steil war. Nun hiess es zu queren. Hier wechselten Harald und ich uns ab. Wieder Eisschraube setzen, jemand querte die zwanzig Meter auf Frontzacken, sicherte mit der Eisschraube und holte den andern nach, der dann gleich weiterging. Endlich kamen wir in einen Abschnitt, auf dem etwas Firn lag. Wir konnten am kurzen Seil und ohne Eisschraube weitergehen. Wir mussten noch eine oder zwei Spalten umgehen und waren dann am Ende des Gletschers angelangt. Der Gletscher war dort zwar blank, aber immerhin kein Wassereis mehr! Gut zwei Stunden (und viele, viele Nerven) hatten wir für den Gletscherabschnitt gebraucht! 

Ich war noch so froh, konnte ich Steigeisen und Pickel in den Rucksack packen (bzw. in Haralds Rucksack, da mein 8 Liter-Rucksack dafür doch zu klein ist...) und über glattgeschliffene Felsen den Weg in Richtung Ghiacciaio-Hütte antreten. Weg war es zwar keiner, aber alles besser als Eis unter den Füssen zu haben! Bei der Hütte machten wir eine kurze Pause. Dann ging es weiter, an der zerstörten Korbliftstation und der ebenfalls zerstörten Pian dei Fiacconi-Hütte vorbei zurück auf den uns bereits bekannten Weg zurück zum Auto. Nach gut acht Stunden waren wir zurück beim Auto - glücklich, aber auch ziemlich fertig (ich zumindest), 

Wir fuhren dann weiter nach Pecol auf einen Campingplatz, der glücklicherweise noch geöffnet hat! Eine Seltenheit zur jetzigen Jahreszeit! Von hier aus sollte nämlich unsere nächste Tour starten! 

Bei Pasta und Bier liessen wir den heutigen Tag noch einmal Revue passieren - und schlossen schliesslich müde unsere Äuglein! 

Manu


Der Gipfel rechts mit dem Minigletscher darunter.

Das steile Eisfeld vor dem Einstieg in den Klettersteig.



Die drei Tofanen-Gipfel.

Raus aus dem Klettersteig. Jetzt gibts noch ein paar Höhenmeter im Schutt bzw. am Schnee.

Der höchste Punkt der Dolomiten: Punta Penia (3.343m)

Der Gletscher von oben. Rechts sieht man eigentlich eine bessere Zone mit Firn.

Blick zum Langkofel (rechts) und dem Plattkofel (links).


Abstieg im Gipfelbereich auf gutem Firn bzw. Hartschnee.

Im Abstieg des Normalwegs. Der Gletscher kommt näher.

Nach kurzer Zeit war Schluss mit Lustig. Manu schraubte ;-)

War auch gut so: Wassereis und viel zu steil.


Im hinteren Teil haben wir uns nach unten geschraubt, bis es flacher wurde. Danach ging es gut über den Gletscher raus auf den Fels.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...