Da die Touren in der Woche davor langsam ihre Spuren
hinterließen, wollten wir es am Sonntag etwas ruhiger angehen. Auch das Wetter
war nach einem kurzen Regenschauer in der Nacht nicht so sonderlich gut. Es sollte
zwar schön werden, doch hingen am Morgen noch sehr viele Restwolken am Himmel.
So hatten wir auch keinen Stress am Morgen am Campingplatz, ehe wir uns auf den
Weg nach Norden in Richtung Passo Giau machten.
Am Weg dorthin machten wir auf der Passstraße einen Stop für
eine Wanderung. Von einer Kehre der Passstraße wanderten wir hoch in Richtung
Tabia die Zonia, einem kleinen Hochtal unter unserem Gipfel. Um unsere Rundtour
machen zu können, folgten wir von dort dem Weg in Richtung Osten direkt zum
Gipfel des Monte Verdai auf 2.492m. Der Weg dorthin war meist ein guter Wanderweg,
nur selten lagen Steine am Weg. Für uns gerade eine Neuheit in den Ferien, da
sonst alle Wanderungen eher steinlastig waren.
Vom Gipfel des Verdai folgten wir dem Grat und stiegen in
die Scharte der Forcella Ciazza ab. Dort zweigt der Weg in Richtung Monte
Cernera ab, der anfangs etwas durch den Fels geht. Dieser Teil ist mit ein paar
Seilen versichert. So wunderten wir uns nicht schlecht, dass beim Einstieg ein Schild
stand, der Weg sei gesperrt. Wir musterten den Weg und sahen, dass ein paar der
Verankerungen ausgerissen waren. Aber das war auch kein Problem, denn auch ohne
Seil kamen wir gut durch den Fels und mussten nur selten „Hand anlegen“. Weiter
oben trifft man dann wieder auf ein gutes Weglein, welches direkt zum Gipfel
führt.
Dort angekommen, genossen wir die Aussicht, denn mittlerweile
hatten sich die Nebel und Restwolken gelockert und wir sahen zum Falzarego, den
Tofanen und der Marmolada. Während wir unsere Jause aßen, schmiedeten wir den
Plan, flott abzusteigen und zum Passo Giau zu fahren und dort noch eine kurze
Wanderung anzuhängen. Das Wetter war jetzt einfach zu schön und die knapp
1000hm für den Tag zu wenig. So gingen wir rasch zurück zur Felswand, kraxelten
diese wieder ab und stiegen dann mehr oder weniger direkt wieder in den Talkessel
ab, um zum Wanderweg in Richtung Auto zu gelangen. Schon nach 3:30h waren wir
wieder zurück beim Auto und fuhren in Richtung Passo Giau.
Auf der Passhöhe angekommen, schauten wir in den Karten nach
und sahen, dass es einen kurzen Klettersteig auf den Nuvolau gab, einem kleinen
Berg direkt über der Passhöhe. Von dort konnte man dann in eine Scharte
absteigen und einen weiteren Steig auf den Averau (Anm.: für Manu immer Averna –
sei auch Italienisch, meinte sie) anhängen, bevor man westseitig wieder zurück
zum Pass queren konnte.
Kurz packten wir unsere Rucksäcke um. Für den A/B Steig
nahmen wir den Helm mit und unsere Gurte sowie eine kurze Selbstsicherung. So schwer
können die ja nicht sein. Wir stapften alsbald los in Richtung Nuvolau und
suchten dort einmal den Einstieg in den richtigen Klettersteig, fanden wir doch
zwei Zustiege und auch Klettersteige in der Karte. Nach ein paar Minuten
setzten wir unseren Weg aber zielgerichtet fort zum Steig, der uns nach oben
führen sollte.
Der leichte Steig forderte etwas Trittsicherheit, aber
Klettersteig konnte man dazu nicht sagen. Am Gipfel des Nuvolau machten wir
kurz Rast und genossen die mittlerweile grandiose und fast wolkenlose Aussicht
auf die Berge rundum. Mit dem Fernglas konnten wir auch ausmachen, dass es auf
der Civetta und der Marmolada ganz oben Schnee gegeben hat. Wohl gut für den
Gletscher und den Abstieg über den Normalweg der Marmolada, dachten wir uns.
Wir setzten unseren Weg fort und stiegen ab zum Rifugio
Averau, welches zwischen den beiden Gipfel steht. Von dort zieht sich
nordostseitig ein Steiglein zum Einstieg des kurzen Steiges hoch zum Gipfel.
Dort angekommen, legten wir unsere Gurte an und setzen die Helme auf. Manu
stieg dann ein, hänge sich im Seil ein fing an zu fluchen. Der Steig war recht
abgegriffen und poliert und da ihre Nerven in den letzten Tagen sowieso schon
überbeansprucht wurden, war das für sie zu viel. Obwohl es nur ca. 20m hoch
gewesen wären, machte ihr Kopf an dieser Stelle nicht mehr mit. Mit dem ganzen Klettersteigset
wäre es wohl kein Problem gewesen, aber nur mit der Schlinge eingehängt, fühlte
sie sich zu unsicher.
Wir diskutierten dort noch und ich bot an, ihr meine
Schlinge zu geben, da für mich diese paar Meter auch so zu klettern waren oder
ich mich einfach am Seil hochziehen konnte. Schwer war es ja wirklich nicht.
Aber sie verneinte. Ihr Kopf brauchte Pause. So ging ich noch alleine rasch auf
den Gipfel. Schon nach ca. 30m im Steig konnte man wieder alles verstauen, denn
es war Gehgelände angesagt. Schade, dass ich Manu nicht dazu überreden konnte,
es zu versuchen. Geschafft hätte sie es locker. Ich ging zügigen Schrittes hoch
zum Gipfel, machte ein paar Fotos und drehte wieder um.
Oben war alles Gehgelände, wo ich flott ging. Unten durch
den Steig entsprechend wieder vorsichtig und mit der Schlinge eingehängt. Nur
wenig später traf ich Manu dann beim Rifugio. Sie wartete im Sessellift in der
Sonne auf mich (Anmerkung: der Lift ist nicht in Betrieb 😉).
Gemeinsam gingen wir dann den Weg zurück zum Auto.
Und so war es dann wieder ein langer Tag geworden: 1750
Höhenmeter standen auf der Uhr am Ende des Tages. Obwohl wir etwas Kleines machen
wollten, wurden es dann doch ein paar Meter mehr. Aber bei diesem Wetter! Was
für ein wunderschönes Herbstwetter es doch war. Zwar kalt, aber traumhaft
schöne Fernsichten.
Da es am Pass keine Campingplätze gibt, alle Unterkünfte zu
hatten und wir nächsten Tag aber sowieso am Falzaregopass klettern wollten,
blieben wir gleich am Passo Giau stehen und genossen die letzten Sonnenstrahlen,
bevor es dann das Abendessen gab. Und da es abends auch schon kalt wurde,
testeten wir gleich wieder einmal unsere Standheizung. Fazit: sie funktioniert
noch.
Harald
| Blick zu den Zielen am Nachmittag: links der Averau, rechts der Nuvolau. |
| Blick nach Süden vom Monte Cernera. |
| Naja, wir hätten nicht gehen dürfen. |
| Nuvolau vom Passo Giau aus gesehen. |
| Die Tofanengipfel. |
| Blick zum Monte Pelmo. |
| Rechts der Averau. Links hinten die Geislerspitzen und die Puezgruppe. |
| Im Abstieg vom Averau. |
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