Die Nacht war kalt und lange. Sehr kalt um genau zu sein.
Außentemperatur am Pass war bei ca. -3°C am Morgen und die Innentemperatur im
Bus nicht viel höher. Unser Wasser war aber noch flüssig :-P Ich wollte eigentlich
aus dem Fenster schauen um das Wetter zu prüfen, doch konnte nichts erkennen.
Erst als ich mit dem Finger über die Scheibe fuhr, merkte ich, dass sie innen
total vereist war. So kalt war es also. Etwas widerwillig schälte ich mich aus
meinem warmen Schlafsack heraus, um die Standheizung zu aktivieren. Hätte ich
doch die Fernbedienung mitgenommen. Naja.
Schon nach kurzer Zeit wurde es wohlig warm im Bus und Manu
kroch auch aus ihrem warmen Schlafsack zu mir herunter und wir fingen an mit frühstücken.
Alle paar Minuten griffen wir aber dann zu den alten Geschirrtüchern und
wischten die Fenster innen trocken, denn langsam taute alles auf und wir sahen
auch wieder ins Freie. Und schon nach kurzer Zeit war der Bus eigentlich wieder
abgetaut und die Sonne kam auch schon über die Berge, sodass wir die Standheizung
ausschalten konnten und von der Sonne gewärmt wurden. Ökoheizung quasi. Wir
packten dann langsam zusammen und fuhren los in Richtung Passo Falzarego, wo
unsere Tour für heute starten sollte.
Auf der Hinfahrt wurde reichlich an den Straßen gebaut und
wir mussten ab und zu an Baustellen ausweichen. Bei einer fuhr ich gleich bei
rot durch, hatte ich das irgendwie nicht so ganz verstanden, warum ich dort
stehen bleiben sollte an der Ampel. Es waren ja auch zwei Spuren zu befahren.
Naja, beim Gegenverkehr wartete ich aber dann doch brav, bis alle 3 Autos
vorbei waren, dann fuhr ich wieder weiter.
Am Pass angekommen, zeigte das Thermometer draußen 2°C an. Die
Sonne war stark und Wind gab es kaum. So entschieden wir uns für die südseitige
Kletterei auf den Hexenstein – Sas de Stria. Wir parkten am Pass, richteten
unser Zeug zusammen und packten noch jeweils eine zusätzliche Jacke ein. Zudem
montierten wir die Stirnlampen am Helm. Komisch eigentlich bei strahlendem
Sonnenschein. Doch unser Zustieg verlief heute etwas extravagant durch einen
ca. 500m langen Kriegsstollen, der vor über 100 Jahren gegraben wurde. Quer
durch den Berg. Einstieg auf der einen Seite, Ausstieg fast direkt bei der Route
der Südwand.
Mir graut es eigentlich immer vor solchen Sachen. Ich mag
enge Räume oder Stollen, Bergwerke oder Höhlen nicht, hatte ich wohl als Kind
einmal eine schlechte Erfahrung damit gemacht. Deshalb war mein Adrenalinspiegel
im Stollen extrem hoch und mein Puls gefühlt auf 180. Manu genoss das
anscheinend etwas, dass ich etwas verängstigt durch dieses Loch im Berg lief. Sie
machte dann aber Gott sei Dank einen Schritt schneller und so kamen wir doch bald
aus dem Loch wieder raus. Endlich. Freier Himmel, Sonne, frische Luft. Und nach
wenigen weiteren Metern standen wir direkt beim Einstieg zur Kletterroute.
Wir richteten uns her und seilten uns an. Jacken usw.
blieben erstmals im Rucksack, denn es war schön warm und so konnten wir die
leichten Seillängen an der Südkante des Hexensteins richtig genießen. Auch Manu
konnte das dann, nachdem ich ihr versprochen hatte, etwas mehr Sicherungen zu
legen also nur 3 Stück auf 40 Meter. So arbeiteten wir uns zügig nach oben und
schon bald standen wir beim „interessanten Durchschlupf“, einem riesigen verklemmten
Block in einer Rinne, unter dem die Route durchging bzw. hinter dem sogar noch
der Standplatz war.
Dort war es dann kalt und ich zog mir meinen Pulli an. Manu
kam dann nach und ich stieg rasch weiter, damit sie nicht länger im kalten Loch
stehen musste. Schon standen wir auch vor der letzten Seillänge, eine kurze
steile Wand, leider nordseitig. Die Finger waren dann bald klamm und mit kalten
Fingern kann man schlecht einschätzen, wie gut Griffe wirklich sind. So ist man
sowieso schon etwas mehr angespannt als sonst und wenn dann noch ein „Idiot“
mit einer Drohne an einen heranfliegt und das Summen/Brummen der Drohne störend
wirkt, zuckt man gleich mal aus. Hätte ich eine Schrotflinte dabei gehabt, das
Ding wäre in 1000 Stücken vom Himmel gefallen. Ich fuchtelte mit den Armen und
schrie ein paar Mal laut (der Pilot musste doch am Gipfel stehen), dass der
Vollidiot doch abhauen sollte, dann verzog sich die Drohne.
Ich kletterte rasch weiter zum Gipfel. Erstens, weil ich
kalte Finger hatte, und zweitens, weil ich vielleicht noch den Drohnenpiloten
sehen wollte, um ein paar Höflichkeiten mit ihm auszutauschen. Leider war dort
aber niemand. Schade irgendwie, vielleicht aber auch besser. Ich machte Stand
an einem großen Block und Manu kam ebenfalls in die Sonne nach. Wir wärmten uns
am Gipfel, genossen die Aussicht und schossen die Seile wieder auf, ehe wir
wieder rasch den Abstieg in Angriff nahmen. Zurück ging es rasch über den
Normalweg. So standen wir nach weniger als 4h wieder beim Auto.
Während wir unser Zeug verstauten und unsere Jause aßen,
planten wir schon den Nachmittag. Wir fuhren noch auf die andere Seite des
Passes zurück und stiegen dort dann zum Klettersteig de Alpini zu – quasi der
Hochgebirgstruppe des italienischen Heeres. Der gesamte Steig bekommt viel
Sonne ab und so konnten wir dort noch bis spät in den Abend hinein südwestseitig
Sonne tanken.
Der Einstieg war etwas abgeschmiert und glattpoliert, was
nicht gerade förderlich für die Laune von Manu war. Nach wenigen Metern aber
wurde der Steig besser und man konnte fast alles frei klettern. So machten wir
dann rasch Höhe und genossen die wärmende Sonne und die Aussicht auf die Cinque
Torri auf der anderen Talseite. Nach ca. 1:25h standen wir dann am Col dei Bos
und bestaunten die umliegenden Gipfel, ehe wir uns wieder an den Abstieg
machten. Wir hatten beide langsam Hunger.
Zurück beim Auto fuhren wir rasch hoch zum Pass in der
Hoffnung, die kleine Bar hätte noch offen und wir könnten noch ein paar Panini
abstauben, vor allem für das Frühstück von Manu am nächsten Morgen, denn wir
planten wieder eine Nacht am Pass, um eine letzte Tour von hier starten zu
können. Leider hatte die Bar schon zu, wie auch alles andere drum herum. So stellten
wir uns an ein ruhiges Plätzchen und fingen an, unser Zeug zu sortieren, bevor
es eine gefinkelte Speisenfolge als Abendessen gab.
Ein leichtes Nudelsüppchen, gefolgt von Rösti mit Nichts,
und als Nachtisch einen Kaiserschmarren. Mehr gab unsere Bordküche leider nicht
mehr her. Und Reis mit Tomatensauce wäre nicht so der Hammer gewesen. Aber es
hat satt gemacht und so können wir gestärkt in unsere Schlafsäcke kriechen. Wir
hoffen auf eine nicht allzu kalte Nacht, wissen aber schon, wie wir den Bus am
Morgen wieder abtauen können.
Harald
| Ca. 500m im Stollen. |
![]() |
| Für mich war das dann nicht so spaßig. |
| Manu im Nachstieg an der Südkante. |
| Schöner, gestufter Fels. Genusskletterei. |
![]() |
| Hallo! Traumhafte Kletterei. |
| Interessanter Durchschlupf. |
| Am Gipfel mit Blick zum Piz Boe (links) und der Puez-Geisler Gruppe (rechts). |
| Abstieg durch die oberen Stellungsgräben. |
| Vorbei am ehemaligen Militärspital zum Klettersteig. |
| Am Pass haben sie schon die Schneekanonen getestet. Dürften funktionieren. |
| Blick zur nächsten Tour: der Piza Sud. |


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