Freitag, 13. Oktober 2023

13.10.2023 - Civetta (3.220m)

Die Civetta (3.220m) wollte heute von uns bestiegen werden :-) Unabhängig fanden Harald und ich diese Gipfeltour im Internet und so war es schnell beschlossene Sache, dass wir diese 1900 Höhenmeter in Angriff nehmen wollten. Der Campingplatz war der ideale Ausgangsort für diese Tour, da wir direkt von hier aus starten konnten. 

Gestartet sind wir um 08:40 Uhr. Erst ging es kurz einer breiten Forststrasse entlang, ehe der Wanderweg schmal und steil wurde. Durch den Wald ging es zügig hinauf in Richtung Rifugio Coldai. Wir folgten dann aber nicht dem Wanderweg zum Rifugio, sondern querten unterhalb der Torrione delle Zioliere auf einem mit Steinmännchen markierten Pfad aufwärts. Wir mussten zuerst ein wenig querfeldein, bis wir diesen Pfad gefunden hatten. Dann ging es aber recht zügig aufwärts, bis wir schliesslich wieder auf den markierten Wanderweg trafen. Dem folgen wir dann und querten unterhalb der Torre di Coldai, der Torre die Alleghe, der Torre die Valgrande und dem Pan di Zucchero, bis wir schliesslich nach 2h20min den Einstieg des Klettersteiges "Alleghesi" auf 2365m erreichten. 

Wir montierten unsere Klettersteigausrüstung und los gings - wow! Was für ein genialer Klettersteig! Zwar teilweise etwas abgegriffen, aber 95% kletterbar, das heisst, das Seil dient wirklich nur der Sicherung und geklettert wird im Fels! Nach circa zwanzig Minuten feinster Kletterei kamen wir auf eine ungesicherte Querung. Ich ging schon mal über das Band und sicherte mich am nächsten Stahlseil, als ich plötzlich Harald rufen hörte: "Nein! Nein! Nein!" Ich schaute zurück und sah nur, wie er nach unten schaute. Er fluchte und sagte mir, er müsse zurück, die Kamera holen. Die Kamera hat er immer am Rucksack über einen Klettverschluss fixiert. Nun war er mit der Kamera hängen geblieben und somit hatte es den Reissverschluss geöffnet und die Kamera machte einen Abflug! Harald versuchte noch, die Kamera aufzufangen, aber da er in dem Moment bereits ungesichert war, musste er das mit Vorsicht machen. Er hörte, wie es "plopp, plopp, plopp" machte - dann war Stille. Somit also die Annahme, dass die Kamera nicht bis an den Wandfuss gefallen ist! Harald kletterte also wieder ab, meinte allerdings zu mir, ich solle schon einmal weitergehen, was ich aber nicht gemacht habe. Erst hörte ich Harald schimpfen, weil die Kamera nicht dort war, wo er sie vermutet hatte, aber dann hatten wir doch Glück im Unglück und die Kamera lag auf einem Vorsprung - noch etwas weiter, und sie wäre wahrscheinlich endgültig weg gewesen! Und wundersamerweise funktionierte sie sogar noch! Das Gehäuse hat zwar einen leichten Schaden, aber sonst geht alles einwandfrei - und das nach einem Sturz von circa 20 Metern! 

Nachdem dieser "Schock" überwunden war, setzten wir unseren Weg fort. Immer weiter ging es hinauf - erst noch in der Sonne, gegen oben hin dann im Schatten. Wir brauchten fast die angegebene Zeit (3h15min), aber auch nur, weil wir praktisch alles frei kletterten, was natürlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Nach 5h30min waren wir dann am Gipfel. Die Aussicht war auch von hier wieder gewaltig! Den Gipfel teilten wir mit einem weiteren Via-Ferrata-Begeher, der etwas vor uns eingestiegen war. 

Nach der verdienten Jause und einigen Fotos ging es dann an den Abstieg. Erst ging es über ein paar steile Schrofen zum Rifugio Torrani auf 2984m. Von dort ging es dann weiter in Richtung Tal - teils Passagen waren versichert und ich war gar nicht einmal so traurig, dass ich mein Klettersteigset noch anhatte und auch benutzen konnte! Konzentration war angesagt! Wir sprachen dann noch mit zwei Einheimischen, die an uns vorbeizogen (ohne Ausrüstung - nicht einmal einen Helm hatten sie auf...) und ich war froh, als wir dann auf einer Höhe von 2440m die Klettersteigausrüstung in den Rucksack packen konnten Dann ging es mühsame 200 Höhenmeter im Geröll hinunter, ehe wir auf den normalen Wanderweg trafen.

Dem entlang folgten wir dann zurück ins Tal und auf den Campingplatz. Zurück beim Bus zeigte meiner Uhr 8h35min an, 16 Kilometer und 1910 Höhenmeter. Eine äusserst schöne Tour! Ich stellte mich dann auch gleich unter eine heisse Dusche (die am Vortag nur lauwarm war) und Harald ging noch einkaufen, damit wir ein Abendessen und ein Frühstück hatten :-) Dann stiessen wir mit einem Tegernsee-Bier auf den Tag an fielen dann abends "hundsnudelfertig" ins Bett!

Manu

Die mächtige Ostwand der Civetta. Über den rechten Pfeiler zieht der Klettersteig nach oben.


Kurz vor dem Einstieg. Jetzt sieht man den Pfeiler schön frei, über welchen der Steig nach oben zieht.


Klettergenuss pur!


Blick zum Monte Pelmo (Vordergrund). Hinten links der Monte Cristallo.


Blick zum Falzarego und den Tofanengipfel.





Der Monte Pelmo im Abendlicht.


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