Samstag, 13. Juli 2024

13.07.2024 - Téte entre Deux Sauts (2.727m)

Nach dem Regentag war wieder etwas mehr Bewegung angesagt. Das Wetter hatte sich in der Nacht gebessert und es war komplett klar.

Schon recht früh war Manu wach und weckte dann auch mich, damit wir zeitig los konnten, musste ich doch um spätestens 15 Uhr an der Talstation der Mont Blanc Skyway Bahn sein, um mit Roman in die Hochtourenwoche zu starten. So frühstückten wir gleich und packten zügig unser Zeugs zusammen, um dann nach Lavachey aufzubrechen, von wo aus auch unsere Wanderung startete.

Wir gingen den unteren Teil des Weges wie tags zuvor, passierten die Bonatti Hütte und betraten dann aber schon bald Neuland. Von Malatra Damon aus ging es dann immer das Tal entlang in Richtung Col Entre Deux Sauts. Über diesen Pass führte auch das Trailrunning Rennen, welches schon im Gange war, die Helfer waren schon bereit für die Läufer, die am Pass gerne verpflegt werden wollten.

Wir bekamen leider nichts, konnten dafür aber auch weiter vom Pass zum Gipfel gehen, der uns atemberaubende Aussichten auf den Mont Blanc sowie die ganze Grandes Jorasses gab. Wir genossen das Panorama entsprechend und machten ein paar Fotos, bevor wir uns wieder ab ins Tal machten.

Am Pass kamen nun schon die ersten Läufer des Rennens an, weshalb wir dann immer wieder ausweichen mussten, doch schon nach ca. einem Kilometer trennten sich unsere Wege wieder. Die Läufer nahmen noch einen Gipfel mit, bevor sie weiter untem im Tal wieder auf unsere Route trafen.

Wir genossen noch lange die Aussicht auf die weißen Riesen bevor wir dann endgültig ins Tal abstiegen, musste ich doch noch alles für die Hochtouren packen und herrichten. Manu war etwas wehmütig, verständlicherweise, wenn das Wetter so schön war und man doch gut den ganzen Tag hätte in der Höhe verbringen können. Doch auch sie musste noch weiter nach Bern fahren, weshalb sie auch nicht so unglücklich war.

Während ich packte, hockte sich Manu in den Schatten und las ein wenig, bevor wir dann gegen 14 Uhr in Entreves an der Seilbahn eintrafen und sich somit unsere gemeinsamen Ferien dem Ende zuneigten.

Harald







Donnerstag, 11. Juli 2024

11.07.2024 - Mont Tresenta (3.609m)

Unser Tag startete etwas früher, hatten wir doch eine lange Tour vor uns und vor allem steilere Schnee und Firnpassagen, wo der Schnee fest sein sollte. So klingelte der Wecker schon um 5 Uhr. Es wurde schon Tag und bereits im ersten Morgenlicht starteten wir unsere Tour.

Wie schon voriges Jahr ging es entlang des Weges Nr. 1 zum Rif. Emanuele Vittorio auf 2.735m, welches wir nach 1h40min Gehzeit erreichten, und das trotz der schweren Rucksäcke und klobigen Wanderschuhe.

Die Hütte ließen wir aber links liegen und folgten den Steigspuren hoch zur Moräne, welche vom Gletscher der Montcorve Gruppe geformt wurde. Auf dieser Anhöhe ging es dann vorbei am Cairforon in Richtung Col del Gran Paradiso. Fast am Ende des Talschlusses zweigte unser Aufstiegsweg zum Gipfel des Monte Tresentas ab.

Anfangs noch sehr flach, begingen wir die Firnfelder ohne Steigeisen. Auf ca. 3.100m steilen diese dann aber auf und wir zogen die Eisen an und setzten auch den Helm auf, bröckelte auf der anderen Seite doch immer etwas herunter. Da wir guten Trittfirn hatten und teils eine alte Spur, gingen wir seilfrei. Auch Manu fühlte sich wohl.

Mit einem kurzen Unterbruch im Blockgelände konnten wir aber dem Firn- bzw. Schneefeld bis auf etwa 3.450m folgen, was enorm Zeit und Kraft sparte. Für die letzten 150hm verstauten wir die Eisen und folgten den Steigspuren im losen Schutt und Geröll bis zum Gipfel. Hier hieß es aufpassen.

Schon nach 4h25min standen wir am Gipfel. Viel früher als gedacht. So konnten wir uns gemütlich ein Plätzchen im Windschatten suchen und unsere Jause genießen, während wir dem regen Treiben am Gran Paradiso folgten. Was für eine Ameisenstraße 🤣 Und wir komplett alleine. Die Fernsicht erlaubte uns Ausblicke zum Monte Viso und in die Dauphine mit dem Barre d'Ecrins, dem südwestlichsten 4000er der Alpen, den wir vor x Jahren besteigen konnten.

Manu drängte dann auf den Abstieg, mussten wir doch die Firnfelder wieder ab und wir wollten nicht gerade versumpfen. Zuerst folgten wir wieder dem Steig im Blockgelände, bevor wir dann mühelos und knieschonend im Firn und Schnee absteigen konnten. So erreichten wir schon nach kurzer Zeit wieder den Wandfuß, wo wir alles verstauten und uns auf den Weg in Richtung Rifugio machten.

Bei diesem legten wir dann auch Halt ein, tranken etwas und aßen einen Kuchen, bevor es dann wieder ab ins Tal ging. Der Wind hatte nun angezogen und war teils stürmisch, was auch der Kellner auf der Hütte merkte, als ihm die Salami und der Speck vom Jausenbrett flogen, als er es servierte 🤣

Beim Bus angekommen trockneten wir unsere Ausrüstung, was flott ging. Ich schärfte meine Steigeisen nach, werden diese denn nächste Woche noch gebraucht. Danach gab es einen Apèro und am Abend Pizza, die wir uns beim Campingmarkt bestellt haben.

Harald












Mittwoch, 10. Juli 2024

10.07.2024 - Mont Giansana (3.047m)

Auch für den heutigen Tag hatten wir wieder etwas Kleineres geplant - waren die Beine doch noch immer schwer und das Wetter eher durchzogen angesagt. Nichtsdestotrotz wollten wir die Höhenakklimatisation vorantreiben, daher beschlossen wir, den schon vom Vorjahr bekannten Mont Giansana zu besteigen.

Bereits um 07 Uhr vom Baustellenlärm geweckt, gabs eine halbe Stunde später das Frühstück. Da es ein wenig bewölkt war, liessen wir uns viel Zeit, um dann gegen 09 Uhr zu starten. Die Wanderung führte uns zuerst zu der Schutzhütte Seyvaz, bei der wir eine grössere Wandergruppe überholten. In etlichen Serpentinen schlängelte sich der Pfad durch bunte Blumenwiesen bis auf den Grand Collet, dem Pass auf 2832m. Letztes Jahr stiegen wir durch die Nordostflanke auf den Grat des Mont Giansana, dieses Jahr lag noch Schnee drin und nur mit den Trekking-Schuhen hatte ich darauf keine Lust. Also gings vom Pass weg direkt auf den Grat, immer den Steinmännchen folgend. 

Ca. 50 Meter vor dem Gipfel beäugte uns eine Bergziege skeptisch, bevor sie fauchend in die Flanke abstieg. Kurz darauf war dann auch klar, warum. Direkt auf dem Weg zum Grat versteckte sich ein Kitz, das dann ebenfalls Reissaus nahm. Da plagte mich sogleich das schlechte Gewissen, welches sich erst beruhigte, als Geiss und Kitz wieder vereint waren. 

Wenige Minuten später erreichten wir dann den 3047m hohen Mont Giansana. Hier machten wir kurz Jausenpause, ehe es zurück in den Pass ging. Von dort wollte ich dann noch auf die gegenüberliegende Seite hoch, auf den 2996m hohen Cime de la Roley. Auch hier hiess es wieder über Blockgelände zu kraxeln und so kamen wir langsamer voran, als geplant. Dennoch standen wir nach 35min auf dem Gipfel. Ich hoffte, nord- oder westseitig absteigen zu können, aber das Gelände sah nicht besonders vielversprechend aus! Also Rückzug! Jedoch mussten wir nur wenige Höhenmeter absteigen, bevor wir in die Flanke ausweichen konnten, um von dort diretissima auf den Wanderweg abzusteigen. Es fing dann sogar kurzzeitig an zu regnen! Aber kaum hatten wir unsere Goretex-Jacken an und die Rucksäcke regenfest verpackt, war das Intermezzo auch schon wieder vorbei.

Zügig stiegen wir zu den Ruinen von Grand Collet auf 2409m ab, um anschliessend entlang des Flusses Doire du Nivolet zurück nach Le Pont abzusteigen. Wie schon im Vorjahr zog sich der Weg gefühlt endlos vor sich hin! Nach 6h45min, 14.5km und 1300hm waren wir glücklich von unserer "kleinen" Wanderung zurück und hatten sogar mal Zeit, unsere müden Muskeln auszudehnen.

Im Anschluss wurden sie mit einer riesigen Portion Nudeln wieder aufgepeppelt!

Manu

Dienstag, 9. Juli 2024

09.07.2024 - Mont Colmet (3.024m)

Nach dem sehr langen Tag gestern wollten wir etwas Kürzeres machen, vor allem aber auch weniger Höhenmeter und Distanz. Somit blieben gar nicht so viele Möglichkeiten offen, wollte ich mich doch auf einer größeren Höhe bewegen. Zudem wollten wir uns von La Thuile weiterbewegen und so lag der Mont Colmet fast direkt am Weg. Manu kannte den Berg zwar schon, hatte sie ihn doch voriges Jahr schon erklommen, doch auch für sie war es okay, den Grat nochmals zu begehen.

Da zum Einkaufen tags davor keine Zeit mehr war, stiefelte ich morgens zum Laden und besorgte uns mal Brot und Joghurt für das Frühstück sowie etwas für die Gipfeljause. Das Frühstück war also entsprechend später angesetzt und wir kamen erst nach 9 Uhr los. Kurz vor 10 Uhr konnten wir dann aber am Pass mit hunderten anderen, die alle zum Lac d'Arpy gingen, starten.

Schon nach wenigen Minuten bogen wir zum Colle Della Croce ab, von wo aus dann der Wanderweg weiterführt, immer dem Grat entlang, bis zu einer alten verlassenen Hütte, die früher von Minenarbeitern verwendet wurde. Von da an hieß es dann "Sentioro Alpinistico" ... also ein alpiner Weg über den Grat zum Gipfel.

Meist konnten wir dem Grat immer direkt folgen, nur selten mussten wir in die Flanken ausweichen, was dann aber etwas Gespür für die Route bzw gute Augen für die Steinmännchen brauchte. Auf knapp 2.800m hätten wir einen Turm wohl auch direkt überklettern können, doch war die Umgehung sogar mit gelben Punkten markiert. Auf dieser fanden wir dann auch einen Skistock. Diesen steckte ich dann so ein, dass er gleich als Wegweiser dient. Kurz darauf sahen wir auch den zweiten, der schon zum "Skistockmann" umfunktioniert wurde. 🤣

Die letzten Höhenmeter waren dann teils lustige Kraxelei und teils im Block zu gehen. Auf 3.020m angekommen - auf der Cima Nord - inspizierten wir kurz unseren Abstieg und folgten dann aber weiter dem Grat zum Hauptgipfel. Dieser musste dann noch erklettert werden und somit kam das Seil doch noch zum Einsatz. Auf der Cima Sud auf 3.024m machten wir dann Pause und genossen die Aussicht.

Nachdem wir abgeklettert und alles Zeugs inkl. gefundener Leichtsteigeisen wieder im Rucksack verstaut waren, gings in den Sattel zwischen den Gipfeln und von dort nordseitig rutschend im Schneefeld ab. Bis auf ca. 2.600m konnten wir so abrutschen, was uns sehr entgegen kam. Danach querten wir entlang des Lago Di Pietra Rossa in den Wanderweg, den wir vom Sonntag kannten. Auch dort konnten wir einige Höhenmeter rutschend vernichten, bevor wir wieder unten am Lac d'Arpy ankamen. Von diesem ging es dann fast eben zurück zum Pass, wo unser Auto stand.

Nach einem Einkauf in Morgex ging es für uns weiter nach Le Pont auf 1.950m. In diesem kleinen Kaff gibt es einen Campingplatz und man kann gute Tagestouren machen, so zB auch den Gran Paradiso, den wir voriges Jahr als Tagestour bestiegen haben.

Harald










Montag, 8. Juli 2024

08.07.2024 - Téte du Rutor (Testa del Rutor) 3.486m

Nach der langen Tour vom Vortag wollten wir nicht allzu früh aufstehen und unseren Muskeln etwas mehr Entspannung geben. Zudem konnten wir sowieso nicht vor 8 Uhr aus dem Camping fahren. So klingelte der Wecker erst um 7 Uhr, erst, weil das für diese Tour wohl etwas spät ist. Naja. Was solls. Wir frühstückten und packten unser Zeugs, sodass wir um 8 Uhr fahren konnten.

Mit dem Auto ging es dann einige Kilometer weiter ins Tal nach La Joux auf 1.601m, unserem Startpunkt für die Tour. Manu kannte einen Teil des Weges bis zur Hütte (Rif. Deffeyes) auf ca. 2.480m schon, weshalb sie ordentlich Gas gab. Vorbei an unzähligen wunderschönen und extrem mächtigen Wasserfällen (alle Flüsse führen hier zur Zeit sonderlich viel Wasser) ging es Serpentine um Serpentine höher. Der Blick weitete sich und plötzlich gingen wir mit dem Mont Blanc im Rücken. Wie schön 😊

Nach 2h15min kamen wir an der Hütte an und machten einen kurzen Fotostopp vor dem Gletscher bzw. dem Lago Verde inferiore. Wunderschön spiegelte sich die Grand Assaly im Wasser. Vom See aus folgten wir dem normalen Wanderweg in Richtung Passo di Planaval, der an sich auch schon eine rechte Tour ist, muss man denn schon ein gutes Stück über Altschnee, versicherte Stellen und später etwas Gletscher gehen.

Wir verließen diesen Weg auf knapp 2.750m und zweigten dort zum Gletscher des Rutors ab. Der Übergang war etwas mühsam, mussten wir doch ein steiles Schneefeld queren, wo ausrutschen keine Option war. Also kamen die Steigeisen und das Seil halt gleich zum Einsatz. Später erreichten wir dann gemütlich den Gletscher auf ca. 2.800m. Von dort aus lagen also noch fast 700hm vor uns, und das größtenteils auf einem flachen Gletscher.

Und so verging die Zeit und wir stiegen langsam höher. Den Puls wollten wir nicht nach oben treiben, war die Tour doch zur Akklimatisation gedacht. Langsam spürten wir auch die Höhe, doch letzten Endes nahm uns dann die letzte Kuppe vor dem Gipfel den Atem restlos. Noch sooo weit. 11.8km hatte ich auf der Uhr. Geschätzt hatte ich grob 12km in eine Richtung. Das Biwak bzw. der Gipfel lagen aber noch weit vor und über uns (ich schätzte noch 1km, womit ich weit daneben lag).

Augen zu und durch. Von wegen Spalten mussten wir sowieso nicht Angst haben, auch wenn wir spät dran waren, sind die Gletscher denn auch hier dick eingeschneit. Also stiegen wir höher. Das ging auch bis zum Biwak und von dort aus zum Anfang des Grates gut, war der Gletscher doch nordseitig und somit noch eher fester Schnee drauf. Aber oben war der Schnee schon sehr weich. Die letzten 150hm kosteten somit mehr Kraft und Zeit. Laufend brach ich beim Spuren durch.

Aber nach ca. 6h10min standen wir dann doch am höchsten Punkt. Die Aussicht entschädigte dann für viele Mühen. Die gesamte Mont Blanc Gruppe lag direkt vor uns in brachtvollem Sonnenschein. Was für eine Aussicht, was für schöne Berge. So schmeckte die Gipfeljause umso besser.

Doch allzulange währte die Idylle nicht. Wir mussten ja wieder ab. Die obersten 300hm gings zügig rutschend in knapp 10min ab, hinauf dauerte das gefühlt Stunden :-P Danach folgten wir bis etwa 3.050m unseren Spuren, bevor wir dann nach Westen über den flachen Gletscher bis zu seinem untersten Eisfeld abstiegen. Das ging meist gemütlich. Nur einmal musste Manu einigen Querspalten ausweichen.

An einem der unzähligen Gletscherseen machten wir dann 15min Pause, ließen die Steigeisen trocknen und verstauten all das Zeugs. Dabei konnten wir im noch halb gefrorenen See immer wieder die Spiegelung des Mont Blancs sehen.
Da wir jetzt schon anders abgestiegen sind als wir rauf sind, mussten wir einen steilen Weg durch Blockgelände und später polierten Granitwänden nehmen. Was eigentlich lässig war, weil man direkt neben dem Wasserfall abkletterte, war für Manu nicht mehr so lustig, hatten wir doch schon 2.000hm und über 20km in den Beinen und die Konzentration war auch nicht mehr so da.

So stiegen wir sehr vorsichtig dort ab und staunten dann unten am Wandfuß nicht schlecht über die Route und den Wasserfall. Nun waren wir am Wanderweg, der uns zurück ins Tal führte. Noch ca. 800hm trennten uns vom Auto. Unsere Motivation war aber nicht mehr so hoch. So kamen wir eher schleppend voran.

Mühsam wurde der Weg unten weiter dann, als wir auf die Aufstiegsroute trafen, war der Weg doch großteils mit Steinplatten ausgelegt. Super für die Knie nach schon 1.600hm Abstieg 😝

Wir schafften aber auch diesen Teil des Weges noch gut und kamen um 19:20 Uhr beim Auto an. 11h10min, 2.000hm und 27.8km ... was für ein langer Tag. Was für Erlebnisse und Ausblicke. Die Tour war es absolut Wert, denn so einen Blick auf die umliegenden Berge erhascht man so wohl selten.

Die Nudel und das Bier schmeckten dann umso besser und die Dusche war eine Wohltat.

Harald













Sonntag, 7. Juli 2024

07.07.2024 - Becca Pouegnenta (2.825m)

Je länger der Tag, desto schöner sollte es werden! So beeilten wir uns in der Früh nicht besonders - sollte die Fahrt von unserem Camping nahe Etroubles nach Cogne, wo wir die nächsten paar Tage verbringen wollten, doch nur 1.5h dauern. 
Bereits beim Taleingang zum Valle di Cogne kamen uns einige leere LKWs entgegen, was uns ein wenig verwunderte. Wenige Kilometer später erfuhren wir auch den Grund - die Strasse nach Cogne wurde vor ein paar Tagen aufgrund heftiger Unwetter zerstört. Es gab kein Durchkommen! 

So mussten wir spontan eine Planänderung machen. Da ein primäres Ziel war, hoch zu schlafen, um Haralds Akklimatisierung zu begünstigen, entschieden wir uns, die Nacht in La Thuile zu verbringen, wo wir letztes Jahr am Ende unseres Aufenthalts bereits verweilten. Aber unterwegs sollte es noch eine kleine Tour werden - um zu schauen, wie es so mit dem Schnee aussieht. Vom Tal aus sah es nämlich nach mächtig Schnee aus - ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr! 

So checkten wir kurz unsere Wanderkarte, was es auf dem Weg nach La Thuile so gäbe - und entschieden uns, von Arpy aus auf die Becca Pouegnenta zu starten. Gegen 11 Uhr gings dann auch los - erstes Ziel war der Lac d'Arpy. Seelenalleine waren wir zu Beginn unterwegs - kein Wunder, denn wie wir später sahen, war der Wanderweg gesperrt. Eine Brücke war dem reissenden Fluss zum Opfer gefallen! Also nicht wirklich, wir konnten ohne Probleme über die Brücke balancieren, die nur in der Mitte einen Knick ins Wasser gemacht hatte.

Als wir dann beim Lac d'Arpy ankamen, war Halligalli. Alle anderen starteten auf der Passhöhe, von wo aus der See in gut einer Stunde erreichbar ist. Wir liessen die Massen hinter uns und wanderten am Westufer des Sees weiter. Der Wanderweg wäre zwar auf der anderen Seite gewesen, aber wegen des hohen Wasserstandes des Flusses, der vom Lago di Pietra Rossa in den Lac d'Arpy fliesst, war auf dieser Höhe eine Querung kaum möglich. Darum folgten wir auf unserer Seite einem Pfad und konnten dann gut 200 Höhenmeter später über ein Schneefeld auf den Wanderweg queren. Je mehr Schnee lag, desto weniger Wanderer gabs und so kam es, dass wir irgendwann die einzigen waren, die beim Lago di Pietro Rossa ankamen. Ganz unglücklich über die Mitnahme des Pickels war ich bei dem Aufstieg aber nicht!

Wir setzten unseren Weg fort auf den Col Ameran und von dort gings auf die Becca Pouegnenta (2825m) und anschliessend noch auf den 2826m hohen Nebengipfel. Es war mittlerweile 14:30 Uhr und da wir nicht den selben Rückweg machen wollten, beschlossen wir, unsere ursprünglich geplante Rundtour fortzusetzen, mit dem Wissen, dass wir nochmals 350 Höhenmeter Gegenaufstieg vor uns haben.

Wir mussten fast 1000 Höhenmeter absteigen, bevor wir endlich die Abzweigung und somit den Gegenaufstieg erreichten. Wir studierten unseren Rückweg nun doch noch genauer und mussten uns eingestehen, dass wir uns bezüglich Streckenlänge und Gegenanstiege ein wenig verschätzt hatten. Nun gabs aber nur noch die Flucht nach vorne und der hiess erst einmal 350 Höhenmeter auf den Pass zu bewältigen. Beim Aufstieg sahen wir Paradieslilien, was mich sehr freute, da ich letztes Jahr vergebens danach suchte!

Nach 40min erreichten wir den Pass und von da an wurde es richtig mühsam. Schon beim Weg hinauf musste ich genau schauen, um auf dem Pfad zu bleiben, doch beim Weg runter war irgendwann alles komplett überwachsen. So kamen wir auch nur langsam voran, mussten die Schritte doch mit Bedacht gesetzt werden. Die Motivation ging auch ziemlich schnell flöten! Irgendwann kamen wir in einen etwas besseren Wanderweg, der uns zu einem Wegweiser führte. Dort zeigte der Weg aber nur in eine Richtung, welche nicht unsere war. Nichtsdestotrotz gaben wir dem Weg eine Chance, aber nach wenigen Minuten schon mussten wir uns eingestehen, dass der Weg komplett falsch verläuft. Also wieder zurück zum Wegweiser und in die Richtung, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Aber wunderlicherweise gabs einen Pfad, dem wir folgen konnten. Bei einer Rüfe angelangt, sahen wir einen Holzwegweiser, auf dem 'Arpy' stand - inklusiver gelber Markierung. Die Freude war gross, währte aber nicht lange, da wir kurz darauf bereits wieder irgendwo im Nirgendwo standen und unseren Weg selber suchen mussten. Mal wieder...
Aber diesmal ging es nicht lange, bis wir auf einem gut ausgebauten Wanderweg trafen, auf dem wir die letzten 200 Höhenmeter zurücklegten. Und dann, ENDLICH, nach 8h20min, 22.7km und 1900hm waren wir zurück beim Auto. Soviel dazu, dass wir eine kleine Eingehtour machen wollten... 🙈

Kurz vor 20 Uhr erreichten wir den Campingplatz in La Thuile - Rezeptionszeit war bereits vorbei, aber zum Glück bekamen wir doch noch einen Platz (am rauschenden Bach). Die warme Dusche war wohlverdient und zum Abschluss des Tages gabs eine Pizza im Restaurant, das nur eine digitale Speisekarten hat (Harald musste fast verhungern, weil die Webseite mit der Speisekarte nicht richtig geladen hat - da war er nicht sonderlich amused 🤭). Aber schlussendlich waren wir beide satt und sind müde und mit vollen Mägen ins Bett gefallen!

Manu

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...