Montag, 8. Juli 2024

08.07.2024 - Téte du Rutor (Testa del Rutor) 3.486m

Nach der langen Tour vom Vortag wollten wir nicht allzu früh aufstehen und unseren Muskeln etwas mehr Entspannung geben. Zudem konnten wir sowieso nicht vor 8 Uhr aus dem Camping fahren. So klingelte der Wecker erst um 7 Uhr, erst, weil das für diese Tour wohl etwas spät ist. Naja. Was solls. Wir frühstückten und packten unser Zeugs, sodass wir um 8 Uhr fahren konnten.

Mit dem Auto ging es dann einige Kilometer weiter ins Tal nach La Joux auf 1.601m, unserem Startpunkt für die Tour. Manu kannte einen Teil des Weges bis zur Hütte (Rif. Deffeyes) auf ca. 2.480m schon, weshalb sie ordentlich Gas gab. Vorbei an unzähligen wunderschönen und extrem mächtigen Wasserfällen (alle Flüsse führen hier zur Zeit sonderlich viel Wasser) ging es Serpentine um Serpentine höher. Der Blick weitete sich und plötzlich gingen wir mit dem Mont Blanc im Rücken. Wie schön 😊

Nach 2h15min kamen wir an der Hütte an und machten einen kurzen Fotostopp vor dem Gletscher bzw. dem Lago Verde inferiore. Wunderschön spiegelte sich die Grand Assaly im Wasser. Vom See aus folgten wir dem normalen Wanderweg in Richtung Passo di Planaval, der an sich auch schon eine rechte Tour ist, muss man denn schon ein gutes Stück über Altschnee, versicherte Stellen und später etwas Gletscher gehen.

Wir verließen diesen Weg auf knapp 2.750m und zweigten dort zum Gletscher des Rutors ab. Der Übergang war etwas mühsam, mussten wir doch ein steiles Schneefeld queren, wo ausrutschen keine Option war. Also kamen die Steigeisen und das Seil halt gleich zum Einsatz. Später erreichten wir dann gemütlich den Gletscher auf ca. 2.800m. Von dort aus lagen also noch fast 700hm vor uns, und das größtenteils auf einem flachen Gletscher.

Und so verging die Zeit und wir stiegen langsam höher. Den Puls wollten wir nicht nach oben treiben, war die Tour doch zur Akklimatisation gedacht. Langsam spürten wir auch die Höhe, doch letzten Endes nahm uns dann die letzte Kuppe vor dem Gipfel den Atem restlos. Noch sooo weit. 11.8km hatte ich auf der Uhr. Geschätzt hatte ich grob 12km in eine Richtung. Das Biwak bzw. der Gipfel lagen aber noch weit vor und über uns (ich schätzte noch 1km, womit ich weit daneben lag).

Augen zu und durch. Von wegen Spalten mussten wir sowieso nicht Angst haben, auch wenn wir spät dran waren, sind die Gletscher denn auch hier dick eingeschneit. Also stiegen wir höher. Das ging auch bis zum Biwak und von dort aus zum Anfang des Grates gut, war der Gletscher doch nordseitig und somit noch eher fester Schnee drauf. Aber oben war der Schnee schon sehr weich. Die letzten 150hm kosteten somit mehr Kraft und Zeit. Laufend brach ich beim Spuren durch.

Aber nach ca. 6h10min standen wir dann doch am höchsten Punkt. Die Aussicht entschädigte dann für viele Mühen. Die gesamte Mont Blanc Gruppe lag direkt vor uns in brachtvollem Sonnenschein. Was für eine Aussicht, was für schöne Berge. So schmeckte die Gipfeljause umso besser.

Doch allzulange währte die Idylle nicht. Wir mussten ja wieder ab. Die obersten 300hm gings zügig rutschend in knapp 10min ab, hinauf dauerte das gefühlt Stunden :-P Danach folgten wir bis etwa 3.050m unseren Spuren, bevor wir dann nach Westen über den flachen Gletscher bis zu seinem untersten Eisfeld abstiegen. Das ging meist gemütlich. Nur einmal musste Manu einigen Querspalten ausweichen.

An einem der unzähligen Gletscherseen machten wir dann 15min Pause, ließen die Steigeisen trocknen und verstauten all das Zeugs. Dabei konnten wir im noch halb gefrorenen See immer wieder die Spiegelung des Mont Blancs sehen.
Da wir jetzt schon anders abgestiegen sind als wir rauf sind, mussten wir einen steilen Weg durch Blockgelände und später polierten Granitwänden nehmen. Was eigentlich lässig war, weil man direkt neben dem Wasserfall abkletterte, war für Manu nicht mehr so lustig, hatten wir doch schon 2.000hm und über 20km in den Beinen und die Konzentration war auch nicht mehr so da.

So stiegen wir sehr vorsichtig dort ab und staunten dann unten am Wandfuß nicht schlecht über die Route und den Wasserfall. Nun waren wir am Wanderweg, der uns zurück ins Tal führte. Noch ca. 800hm trennten uns vom Auto. Unsere Motivation war aber nicht mehr so hoch. So kamen wir eher schleppend voran.

Mühsam wurde der Weg unten weiter dann, als wir auf die Aufstiegsroute trafen, war der Weg doch großteils mit Steinplatten ausgelegt. Super für die Knie nach schon 1.600hm Abstieg 😝

Wir schafften aber auch diesen Teil des Weges noch gut und kamen um 19:20 Uhr beim Auto an. 11h10min, 2.000hm und 27.8km ... was für ein langer Tag. Was für Erlebnisse und Ausblicke. Die Tour war es absolut Wert, denn so einen Blick auf die umliegenden Berge erhascht man so wohl selten.

Die Nudel und das Bier schmeckten dann umso besser und die Dusche war eine Wohltat.

Harald













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