26.10. Regen- und Reisetag La Palud-sur-Verdon
Am Morgen prasselten
die Regentropfen aufs Dach – damit hatten wir allerdings schon gerechnet. Ganz
gemütlich frühstückten wir unsere Milchbrötli, da wir heute kein frisches Brot
hatten. Dann packten wir unsere Sachen zusammen, bezahlten den Camping (sowohl
WLAN als auch die Stromkosten wurden uns erlassen – sehr nett!) und fuhren dann
ins nächstgrössere Städtchen Riez, um uns dort im Intermarché wieder mit dem
Nötigsten einzudecken. Es hatte extrem viele Leute und als wir zur Kasse kamen,
stand da hinter uns ein uraltes Fräueli, das nicht verstehen wollte, warum sie
nach uns an der Reihe ist. Zudem hielt sie überhaupt nichts von einem
Sicherheitsabstand und die Maske trug sie unten am Kinn. Aber lamentieren
konnte sie gut!
Wir fuhren
anschliessend weiter durch die engen Kurven der Verdon-Schlucht, nach La Palud-sur-Verdon.
Dort angekommen sahen wir schon ein paar geschlossene Campingplätze, also fanden
wir es am einfachsten, wenn wir in der Touristeninformation nachfragen, welche
Campingplätze denn geöffnet hätten. Die dortige Dame brauchte eine halbe
Ewigkeit, ehe sie mir zwei Campingplätze nennen konnte – einer davon 6km
ausserhalb von La Palud und der andere (der Camping Bourras) ziemlich
zentrumsnah. Den schauten wir uns dann auch gleich mal an. Eine kleine
Sanitäranlage mit zwei Klos und zwei Duschen, ein paar wenige Rasenplätze, die
aber abgesperrt waren und ein etwas längerer Schotterplatz, an dessen Ende ein
uralter Bus stand. Die Rezeption war ebenfalls ein altes Holzhäuschen, das
abgesperrt war, aber es stand ein Schild draussen, dass man sich einen Platz
suchen sollte, wenn die Rezeption nicht besetzt sei und dass es sich um einen
sehr ruhigen Campingplatz handle. Da weit und breit sonst keine anderen Camper
zu sehen waren (und der Platz ist wirklich überschaubar…), waren wir uns auch
nicht so sicher, ob wir da bleiben können bzw. wollen.
So fuhren wir nochmals
zurück ins „Zentrum“ von La Palud, wo wir den Camper auf einen Parkplatz
stellen, auf dem schon einige andere Camper standen. Dort bleiben wollten wir
aber auch nicht, da man da Tür an Tür mit den anderen stand. Es gab dann erst
einmal Käffchen und Tarte des Alpes und anschliessend, als der Regen endlich
aufhörte, machten wir noch einen Spaziergang zu einem anderen Campingplatz, der
aber auch geschlossen hatte. So fuhren wir dann wieder zurück zum Camping
Bourras und blieben dort auf dem Schotterplatz stehen. Später kam dann noch ein
Vater mit seinen zwei Mädchen dazu, die ihre Zelte aufstellten. Ebenfalls kam
eine Horde Spanier, die aber nur die Anlage zum Kochen und Essen brauchten.
Anschliessend fuhren sie wieder.
Da wir beide recht
müde waren, gings schon vor 22 Uhr ins Bett. Mit Schlafen war allerdings
nichts, der Wind hatte ziemlich stark angezogen und blies nur so um unser
Büssli! Um 22:20 Uhr hörten wir ein Auto auf den Platz kommen. Jemand schrie
rum und ich dachte, es handle sich um einen Streit zwischen zwei Personen.
Jedoch war es nur ein Typ, der total wütete. Irgendwie suchte er etwas in
seinem Auto, das er aber nicht finden konnte. Sein Kofferraum war auch total
zugemüllt mit Kartons und leeren Glasflaschen. Während er alles auf den Boden
warf, schrie, fluchte und tobte er rum. Mehrmals kickte er gegen sein Auto und
irgendwann warf er sich ins Gras und hämmerte mit den Händen auf den Boden. Die
Türen schlug er auf und zu, als gäbe es kein Morgen und von Zeit zu Zeit setzte
er sich ins Auto, schloss die Tür und schrie sich die Seele aus dem Leib. Ich
fand das alles ziemlich beunruhigend. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so
ausgerastet ist. Er brüllte und brüllte und irgendwann setzte er sich ins Auto
und fuhr wieder weg. Zum Glück ohne unseren Bus zu touchieren! Er muss dann
Richtung La Palud gefahren sein, auf jeden Fall hörten wir ihn sicher weitere
30 Minuten rumbrüllen. Bei jedem Auto, das ich anschliessend gehört hatte,
dachte ich, er komme zurück, aber das war zum Glück nicht der Fall. Trotzdem
war an Schlaf nicht zu denken, zu unruhig war ich und auch der Wind zerrte und
riss am Aufstelldach. Gegen 01:15 Uhr habe ich dann aufgegeben. Ich machte das
Aufstelldach zu und krabbelte zu Harald – einen Stock tiefer war es dann doch
um einiges angenehmer!
Manu
27.10. Biketour nach Le Chiron
(1902m)
Nach dieser sehr
kurzen Nacht war ich in der Früh überhaupt nicht ready zum Aufstehen. Trotzdem
musste es sein, da wir uns für den heutigen Tag eine längere Biketour
ausgesucht hatten. Wir frühstückten (mit einem extrastarken Kaffee) und packten
dann zusammen. Wir wollten zwar am Abend wieder zurückkommen, jedoch den Bus
nicht auf diesem abgelegenen Platz zurücklassen. Als wir losfuhren, wackelte
eine alte Dame daher, die einkassieren wollte. Ich erklärte ihr, dass wir am
Abend wieder zurückkommen würden und so liess sie uns fahren. Wir fuhren nur
kurz nach La Palud rein und begannen von dort dann unsere Bikerunde. Los gings
ziemlich steil, dann flachte es zum Glück ab und dann ging die Strasse mal
hinauf, mal hinunter. In der Ferne konnten wir die Ruinenstadt Châteduneuf les
Moustieres ausmachen, unser Weg führte aber hinunter und über den Fluss Le Bau,
ehe es wieder hinaufging, bis zur Kapelle St. Pierre in Les Chauvets. Von dort
führte ein Wanderweg in 6km auf den Gipfel. Wir entschieden uns aber, der
Strasse mit den Bikes zu folgen, da wir wussten, dass die Strasse ebenfalls bis
auf den Gipfel führt. Im Nachhinein gesehen wären wir wohl besser und schneller
dran gewesen, wenn wir zu Fuss die 700 Höhenmeter bewältigt hätten!
Die Strasse wandelte
sich von Asphalt zu Schotter und es war etwas mühsam zum Treten. Hoch gings bis
zum Col des Abbes, um anschliessend nochmals 100 Höhenmeter runterzudüsen, bis
dann der Weg zum Gipfel abzweigte. Von dort aus waren es dann aber noch weitere
10 Kilometer, die sich der Weg nach oben schlängelte. Teilweise gut zu
befahren, teilweise einfach nur kräfteraubend und mühsam. Und nicht nur der Weg
zehrte an unseren Kräften, sondern der teils starke und eisige Wind! Die Zehen
waren kalt, die Finger fast taub, so kämpfen wir uns Meter für Meter hinauf!
Dafür war die Landschaft wunderschön in all ihren Herbstfarben!
Nach 3h20min
erreichten wir den 1902m hohen Chiran. Obwohl es nur 1300 Höhenmeter waren, war
ich total erschöpft. Immerhin waren es bis dahin bereits 27km. Auf dem Gipfel
steht ein Observatorium, in dessen Windschatten wir dann kurz rasteten und
unsere Jause assen. Wir hatten einen wunderbaren Ausblick auf die
schneebedeckten Bergen des Nationalparks Mercantour und auch auf die
Italienischen Alpen! Wir zogen dann an, was wir dabeihatten und dann gings
wieder den Berg hinunter. Anstrengend wars und durchgerüttelt wurden wir. So
war ich froh, als wir dann endlich die asphaltiere Strasse erreicht hatten. An
der gings dann wunderschön und auch gemütlich entlang bis kurz vor Rougon. Von
dort aus gings dann zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Nochmals 200
Höhenmeter hiess es den Berg hinaufzustrampeln. Die Erleichterung war gross,
als wir zurück beim Auto waren – gut 62.5km und 1750 Höhenmeter lagen hinter
uns! Froh waren wir dann auch über die heisse Dusche auf dem Campingplatz. Nach
uns kamen übrigens einige andere „Camper“, die sich einfach eine Gratisdusche
gönnten und dann wieder fuhren. Muss anscheinend dafür bekannt sein, dass es
hier Klos und Duschen gibt und kaum je jemand hier ist, der einkassiert…
So stehen wir wieder
alleine auf dem Platz, ausser der anderen Familie mit dem Zelt, die sind auch
noch da.
Wir sind nun gespannt,
wie sich die Lage in Frankreich weiterentwickelt, da wir heute von einem
möglichen Lockdown gelesen haben. Das würde natürlich unsere ganzen Pläne über
den Haufen werfen. Wir hoffen das Beste und werden morgen nochmals eine
ausgiebige Tour machen!
Manu
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Unser Ziel: der Gipfel des Le Chiron
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Wunderschöne Herbstfarben überall.
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Nach dem Sattel überraschte uns diese Aussicht in Richtung Mercantour.
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Manu kämpft sich die letzten Meter hoch über die teils sehr steile und ruppige Straße.
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Oben lag noch Reif am Boden. Unten der See von den Tagen davor.
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Das Mini-Observatorium.
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28.10. – Hike & Bike: Sentier
Blanc Martel
Da unsere geplante Tour
recht lange ist, also zumindest auf der Karte so scheint, starteten wir etwas früher
in den Tag. Schon um 6:30 Uhr klingelte heute der Wecker, denn wir mussten den
Bus abreisebereit machen und dann erstmals die Bikes zu jenem Punkt bringen, wo
unsere Wanderung endet, um dann mit dem Auto zum eigentlichen Ausgangspunkt zu
fahren. Erstmals war es morgens so kalt, dass wir beim Frühstück die
Standheizung laufen ließen, damit wir es wohlig warm hatten.
So brachen wir nach
den morgendlichen Ritualen schon vor 8 Uhr auf und fuhren die Passstraße von La
Palud-sur-Verdon in Richtung Castellane, bis wir den großen Parkplatz auf der
Höhe des Aussichtspunkts „Point Sublime“ erreichten. Da dort gerade eine
größere Baustelle ist, fuhren wir etwas weiter und ketteten unsere Bikes inkl.
Helme etwas weiter unten an einen Baum. Bei frischen 0,5°C auf der Passhöhe
stiegen wir dann wieder ins wohlig warme Auto und fuhren wieder zurück nach La
Palud, um dort auf die Aussichtsstraße „Route des Crêtes“ abzuzweigen. Kurvig
ging es dahin bis wir das „Chalet de la Maline“ erreichten, den Ausgangspunkt
unserer Wanderung.
Dort zogen wir uns um
und ab gings in den Canyon runter. Zuerst mussten wir einige hundert Meter absteigen,
bevor wir am Flusslauf des Verdon angekommen waren. Dort ging dann der
landschaftlich wunderschöne „Sentier Blanc Martel“ los, immer flussaufwärts in
Richtung unserer Bikes. Mal rauf, mal runter, immer in schönen Wäldern oder
entlang des Flusslaufes ging es dahin. Angegeben ist die ganze Wanderung mit
etwa 15km und einer Gehzeit von ca. 6 Stunden. Deswegen planten wir auch etwas
mehr Zeit ein. Aber der Weg ist größtenteils gut zu gehen und so kamen wir ob
der vielen Fotopausen doch gut voran und waren schon bald am Aussichtspunkt
über „la Mescla“ angekommen. Von dort sieht man in die enge Kehre, die der
Fluss macht und hat sowohl nach Norden als auch nach Westen einen guten Blick
in den Canyon.
Von diesem
Aussichtspunkt ging es dann recht spektakulär abwärts über unzählige Stiegen,
die dort in den steilen Fels gebaut wurden. Im Tal unten angekommen machten wir
eine Rast und genossen die Sonne und die Windstille. Richtig angenehme Temperaturen
waren es hier im Canyon, nicht so wie tags zuvor am Gipfel des Le Chiran, wo
uns der kalte Wind um die Ohren pfiff.
Von nun an folgte der
Weg dem Flusslauf nach Norden. An dieser Stelle ist der Canyon recht breit und
somit auch links und rechts teils bewaldet, was sich nun im Herbst in einem
wunderschönen Farbenspiel abzeichnet. Doch nicht nur für Herbstfreunde gab es
hier allerhand zu sehen. Als sich dann links über uns die ersten massiven
Felstürme erhoben, an denen so manche Top-Kletterer Geschichte geschrieben
haben (Güllich etc.), sahen wir auch 3 gespannte Slacklines (Highlines), auf
denen sich die Akrobaten versuchten. Ab und zu drang auch ein Schrei nach unten,
oder es war wohl mehr ein Fluchen, wenn sie von der Line gefallen waren.
Vorbei an mächtigen
Felswänden, die gespickt sind mit Kletterrouten jenseits der
Schwierigkeitsgrade, die ich zu klettern vermag, schlängelte sich der Weg
weiter gen Norden. Fast gegen Ende der Wanderung kam dann noch ein kleines Highlight
auf uns zu: ein ca. 650m langer Tunnel, der in den Fels geschlagen wurde. Durch
diesen stockfinsteren Tunnel geht der Weg weiter, es gibt keine andere
Möglichkeit. Eine Stirnlampe ist also durchaus von Vorteil und eine Jacke tut
auch so ihre Dienste. Am Ende des Tunnels, wo der Canyon extrem schmal ist,
schlängelt sich dann ein kleiner Weg wieder nach oben zum Parkplatz am „Source
du Merlet“.
Dort angekommen
machten wir nochmals eine größere Pause und aßen unsere Pausenbrote, denn auf
uns wartete nun noch ein kurzer Aufstieg zu den Bikes und dann eine kleine
Fahrradtour zurück zum Auto – etwa 16 Kilometer und 400 Höhenmeter auf und ab. Wir
setzten uns auf die Bikes und genossen zuerst einmal die drei Kilometer Abfahrt
vom Pass in Richtung La Palud, bevor es von dort wieder aufwärts ging. Den Teil
der Strecke kannten wir ja schon vom Vortag. Danach ging es wie am Morgen über
die Aussichtsstraße zurück zum Auto. Obwohl es noch einige Kilometer und
Höhenmeter waren, verging die Zeit schnell, denn die Aussicht und das Panorama
dort sind grandios.
Am Auto angekommen
packten wir die Bikes auf den Fahrradträger und zogen uns um, um danach zur
Touristeninformation in La Palud zu fahren, denn dort gab es Internet. Wir
wollten die Lage prüfen. Vorerst mussten wir uns damit vertrösten, dass die
Rede von Macron erst am Abend um 20 Uhr über die Bühne gehen wird, und erst
dann genau bekannt sein wird, welche weiteren Maßnahmen Frankreich im Kampf
gegen das Virus setzen wird. Wir packten also unsere Sachen zusammen, hofften das
Beste und setzten unsere Reise fort nach Castellane, etwas weiter im Osten des Nationalparks.
Von dort wollen wir in den nächsten zwei Tagen Touren machen, um dann am
Samstag weiter nach Nizza fahren zu können.
Harald
PS: Am Camping in
Castellane hatten wir kein Internet und wir haben kein Radio gehört. Wir
wollten die Nachrichten auch nicht hören.
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Unzählige Treppenstufen.
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Kletterwände wohin das Auge reicht.
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Im 650m langen Tunnel: finster wars.
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Angekommen am Ende der Schlucht. Hier gehts rechts rauf zum Aussichtspunkt und dem Parkplatz.
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29.10. – Bike & Hike:
Sommet du Teillon (1.893m)
Nach einer sehr guten
und langen Nacht (wir schliefen richtig aus), erwartete uns ein schöner Morgen,
der nicht allzu kalt war. Wie am Vorabend noch geplant, packten wir unsere
Sachen für eine Bike & Hike Tour zusammen und starteten direkt am
Campingplatz. Zuerst ging es aber zur Touristeninformation hier in Castellane,
denn auch dort gab es gratis Internet. Wir wollten nun doch wissen, was „Mr.
President“ am Vorabend so erzählt hat. Das Internet dort war aber so dermaßen
langsam und die Verbindung so schlecht, dass wir nur die wichtigsten Dinge prüften
und lasen: Lockdown per 29.10. um Mitternacht, alles macht zu, komplexe Ausgangsbeschränkungen.
Somit war unsere Stimmung etwas getrübt. Wir prüften dann noch die Seiten der
Schweizer Behörden und sahen dann, dass auch diese aktualisiert worden sind.
Neue Einreiseregeln, neue Maßnahmen auch in der Schweiz. Auch die Nachrichten
vom Süden machten keinen guten Eindruck: Spanien ruft den Notstand aus, um sich
die Option für einen Lockdown offen zu halten. ☹
Viel konnten wir dann
in dieser Situation sowieso nicht machen. Um uns nicht den ganzen Tag vermiesen
zu lassen, strampelten wir dann los mit den Bikes in Richtung „La Garde“, einem
kleinen Dörfchen ca. 5 Kilometer von Castellane entfernt. Von dort startete
unsere geplante Wanderung auf den 1.893m hohen „Sommet du Teillon“, der eine
wunderschöne Aussicht haben soll. Ironischerweise sieht man von dort bei guter
Sicht und dem Mistral-Wind bis nach Korsika.
Die wenigen Kilometer
mit dem Bike hatten wir gleich hinter uns gebracht und so sattelten wir um auf
die Wandersachen. Ca. 5 Kilometer und 980 Höhenmeter sind es von La Garde auf
den Gipfel. Der Weg verläuft schön in Wäldern oder über Wiesen und führt unter imposanten
Felswänden vorbei. Je höher wir kamen, desto frischer wurde es und der Wind kam
dazu. Schon bald mussten wir dann die Windstopper anziehen und vom Sattel bis
zum Gipfel kam dann wirklich ein zügig kalter Wind entgegen. So waren wir dann
froh, dass wir am Gipfel einen windarmen Platz gefunden hatten, wo wir eine
Pause einlegen konnten und die Aussicht bis nach Italien genossen. Korsika
sahen wir heute nicht, dafür war es zu dunstig.
Im Abstieg nahmen wir
dann eine andere Route zurück nach La Garde, um nicht zwei Mal denselben Weg
gehen zu müssen. Da es bei unserer Ankunft in La Garde noch recht früh war,
entschlossen wir uns, eine Mountainbike-Route von La Garde aus weiter zu
machen, die uns mit etwas Umweg zurück nach Castellane führte.
Als „très difficile“
beschrieben, ging die Tour über noch verbleibende 400 Höhenmeter und 16
Kilometer zurück. Die Höhenmeter oder die Dauer der Tour konnten also nicht den
Schwierigkeitsgrad ausmachen. Anfangs war die Route größtenteils einfach und
verlief entlang von normalen Fahrstraßen und durch kleine, fast ausgestorbene
Dörfchen. Doch schon bald veränderte sich das Bild etwas und wir sahen, was „très
difficile“ bedeutet. Wir standen vor einem steilen Weg nach unten, der
unfahrbar war. Große Blöcke, loser Schotter, ausgewaschen, einfach nicht
fahrbar. Dort „bremsten“ wir unsere Bikes nach unten und mussten selbst
schauen, dass wir nicht gleich am Hintern landeten. Ironie an der Sache: wir
machten den Weg entgegen der eigentlich empfohlenen Fahrtrichtung – normal muss
man dort also RAUF – sprich man trägt die Bikes dort hoch.
Danach wurde es wieder
einfacher und wir konnte Forststraßen entlangfahren. Bald darauf hätten wir
beinahe noch die falsche Richtung eingeschlagen und wären auf der falschen Seite
des Sattels abgefahren und nicht nach Castellane. Doch Manu erkundigte sich
noch bei einem Wanderer, der ihr dann übermütig und sehr genau und ausführlich
erklärte, wohin wir mussten. Gut wars aber dennoch. So haben wir uns einigen
Ärger erspart. Wir sausten dann einer normalen Straße ab zurück nach
Castellane.
Hier angekommen fuhren
wir zum Camping. Alles soweit noch normal. Die Holländer sind noch hier, andere
Franzosen sind noch hier und unsere Wäsche hing auch noch 😊 Wir
duschten und setzten uns anschließend für ein Rummy und den Apéro ins Auto. Erst
danach gingen wir zur Rezeption und fragten nach der Lage der Nation. Dann
musste uns der Inhaber leider erklären, dass wir heute die letzte Nacht in
Frankreich verbringen werden – der Camping muss zusperren und wir sind quasi
nur noch geduldet. Alles macht zu und wir haben somit keine Möglichkeit mehr,
nach Korsika zu fahren, denn auch die Reisefreiheit innerhalb des Landes soll
eingeschränkt und kontrolliert werden. Klar könnten wir jetzt dennoch die Reise
antreten – wer soll uns schon kontrollieren – aber das widerstrebt uns auch,
wenn das ganze Land total still steht und man eigentlich nur aus dringenden
Gründen seine Wohnung verlassen soll. Wie sollen wir dann rechtfertigen, täglich
in den Bergen unterwegs zu sein?
Für uns geht also die
Reise in Frankreich hier zu Ende. Auf der einen Seite sind wir traurig darüber,
nicht noch die letzten Tage hier in Verdon verbringen zu können und anschließen
weiter nach Korsika zu können. Auf der anderen Seite sind wir aber auch froh
und glücklich darüber, dass wir in den letzten Tagen und Wochen so viele schöne
neue Plätze hier entdeckt haben, die wir sonst nie besucht hätten. Korsika haben
wir auf Ende Oktober verschoben, weil dann die Herbstferien der Franzosen zu
Ende gehen und wir es somit ruhiger dort gehabt hätten. Nun gehen auch unsere
Ferien hier zu Ende und wir werden den Rückweg antreten (müssen). Eine Flucht
nach vorne nach Spanien ist zurzeit auch wenig ratsam. Vorerst ist also die
Schweiz unser Ziel, zumindest mal über die Grenze und einreisen, solange wir es
noch dürfen. Was wir in der Schweiz nun genau machen werden, ist noch offen.
Au revoir et à
bientôt!
Harald
PS: Wenigstens erledigt
sich damit das Problem mit den Gaskartuschen. Unsere Campingaz CP 250
Ventilkartuschen sind hier nämlich durchaus schwer zu ergattern. Erst einmal
konnten wir eine Kartusche ergattert. Selbst in einem großen Casino-Supermarkt,
der alle Kartuschen von Campingaz führt, gab es genau unsere CP 250 nicht mehr.
Drei hätten wir aber noch auf Lager :-P
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Zuerst durch den schönen Wald.
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Dann über weite Wiesen und Hänge zum Gipfel.
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Für uns absolut unfahrbar, vor allem im oberen Teil.
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Hier sieht man so viele alte und löchrige Gebäude.
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Nein, nicht falsch am Platz. Der Weg zurück führte wieder durch eine Schlucht.
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Die Kirche hoch über Castellane.
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