Samstag, 31. Oktober 2020

30.-31.10. - Biken im Juragebirge

 30.10. – Reise in die Schweiz (Juragebirge) – St. Cergue (Waadt)

Bereits um 06:15 Uhr starteten wir heute in den Tag. Eigentlich wäre der Wecker um 07 Uhr gestellt gewesen, doch wir waren beide schon früher wach. Wir frühstückten das letzte Mal für wahrscheinlich längere Zeit in Frankreich und kamen dann gegen 07:30 Uhr los. Zu Beginn waren die Strassen und die Ortschaften wie ausgestorben. So kamen wir zügig voran und erfreuten uns an den tollen Aussichten in die Berge und an den schönen Schluchten des Verdon-Nationalparks. Als wir dann Richtung Digne-les-Bains kamen, nahm der Verkehr immer mehr zu. Um Sisteron herum hatte man gar nicht das Gefühl, dass Frankreich einen zweiten Lockdown hat und die eigenen vier Wände nur mit einem driftigen Grund verlassen werden dürfen. Wir sind dann bei Sisteron auch noch in einen Intermarché gegangen – erstens einmal mussten unsere Nahrungsvorräte aufgefüllt werden und zweitens hatten wir noch Alkohol-Kapazität übrig. So kauften wir noch ein paar Flaschen Muscat und einen Rum.

Dann setzten wir die Fahrt fort. Wir hatten wunderschöne Einblicke in den Naturpark Baronnies Provençales und auch auf die hohen und verschneiten Berge des Ecrins-Nationalparks. Viele tolle Fleckchen, die wir gerne mal auskundschaften würden! Aber nicht mehr heute – heute hiess es erst einmal, Frankreich zu verlassen. Über Grenoble, Chambéry und Annecy wählten wir den schnellsten Weg zurück und ohne irgendwelche Probleme passierten wir die Grenze in die Schweiz.

Der nächste Halt machten wir in Saint-Cergue. Dort hatten wir uns eine kurze Bike-Tour herausgesucht, um wenigstens ein bisschen Bewegung am heutigen Tag zu haben. In Saint-Cergue war die Hölle los, jegliche Parkplätze überfüllt. Wir fanden dann etwas ausserhalb des Dörfchens einen Parkplatz und von dort ging die Runde dann gegen 14:30 Uhr los. Erst führte die Route gemütlich auf verschiedenen asphaltierten Wegen hoch und runter. Wenn grad kein Wald im Blickfeld war, konnten wir die verschneiten Berge des Mont Blanc Massivs ausmachen! Nachdem wir schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten, wurde der Weg dann etwas unangenehmer – wir mussten für mehrere Kilometer einem Wanderweg folgen. Unangenehm daran war, dass es die Tage davor ziemlich fest geregnet haben muss, denn der Boden war matschig und dreckig. Wir fuhren, wir spulten, wir rutschten und der Dreck fand seinen Weg nach oben! Nach 2h30min war die Runde dann beendet – knapp 700hm und 25 Kilometer. Wir waren froh, waren wir noch vor dem Einbruch der Dunkelheit zurück, denn Licht hatten wir keins dabei.

Wir sind dann direkt bei Saint-Cergue auf den Campingplatz gefahren (wo mir gesagt wurde, dass wir laut Kanton Waadt einen negativen Covid-Test hätten vorweisen müssen, weil wir aus Frankreich eingereist waren…uuuups!) und verbringen nun hier eine Nacht, ehe wir morgen weiter das Jura erkunden wollen!

Manu

Aussicht auf den Alpenbogen und dem Mont-Blanc (rechts der höchste).

Es wird langsam dunkler.


Und die Sonne steht irgendwie schon sehr tief.


31.10. – Bike & Hike: Dent de Vaulion (1.482m)

Diese Nacht war die erste Nacht, die unangenehm war. Nicht unangenehm wegen der Kälte, aber wegen der Nässe und der Feuchtigkeit im und um den Bus. In Saint-Cergue hat es anscheinend tags zuvor stark geregnet und so war der Stellplatz schon bei der Ankunft sehr weich und noch nass. Schon abends beim Kochen liefen dann die Scheiben recht stark an. Wir zogen die Nässe immer mehr in den Bus und unsere nassen Handtücher trugen dann noch so das Ihre dazu bei, sodass gemeinsam mit dem Dampf der warmen Suppe unsere Scheiben ins Schwitzen kamen. Draußen hatte es aber auch nur noch knapp über null Grad muss man dazu sagen und wir hatten die Standheizung nicht an. Morgens war dann draußen alles gefroren und die Scheiben im Bus waren voller Nässe. Ich musste mit dem Geschirrtuch alles trockenwischen und erst die Standheizung beim Frühstück sorgte dann wieder für klare Sicht. Spätestens jetzt waren wir beide wirklich unglücklich darüber, dass wir tags zuvor aus den wärmeren Regionen in Frankreich rauskomplementiert worden sind. Dort war es morgens und abends noch angenehm war und vor allem nicht feucht und nass und man konnte chillig Zeit im Bus verbringen ohne die Standheizung laufen zu lassen.

Nachdem es noch recht kühl war, kam es uns gerade recht, dass wir zum Ausgangspunkt der heutigen Tour zuerst noch ca. eine Stunde fahren mussten. Die Strecke war zwar nicht so lange, aber im Jura können die Straßen sehr kurvig sein. So gelangten wir etwas um 10 Uhr zum Ausgangspunkt in Vallorbe, einem kleinen Städtchen auf knapp 750m, das unter dem Lac Brenet und Lac de Joux gelegen ist. Hier machten wir uns dann abfahrbereit und stellten auch noch das Dach vom Bus auf, damit dieses gut austrocknen konnte. Es war nämlich strahlend sonnig und warm 😊

Los ging es dann zuerst in Richtung Premier, immer dem Mountainbikeweg 991 entlang. Anfangs schön gemächlich entlang von asphaltierten Zufahrtsstraßen zu Hütten oder Höfen, wandelte sich der Weg schon bald und wir fuhren auf Schotter weiter. Zudem ging es nicht mehr bergauf, sondern plötzlich schon wieder bergab, nach gut 300 Höhenmeter. Bei der Abfahrt sausten wir dann auch gleich an einem der Wegweiser im Wald vorbei und mussten kurz darauf eine andere Forststraße nehmen, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen.

Von Premier ging es dann entlang von schönen Forst- und Waldwegen runter nach Romainmôtier, das auf knapp 650m liegt und wo es noch fast Nebel hatte. Die Sonne lugte gerade so durch. Das kleine Dörfchen ist wirklich sehenswert und hat ein nettes Dorfzentrum mit einer Art Klosteranlage. Von dort ging es dann wieder bergauf in Richtung Vaulion. Die Aufstiege waren teils auf Schotterstraßen zu fahren, teils auf asphaltierten Wegen. An manchen Stellen waren die Forstwege im Wald dann so dick mit Laub bedeckt und so steil, dass man beinahe nicht mehr vom Fleck kam. Die Anstiege wurden also wirklich anstrengend schwer. Entweder man rutschte einfach am nassen Laub durch oder man sah den Untergrund darunter nicht so genau und lose Steine rollten weg. Kurz unter Vaulion hatten wir dann aber die strengen Anstiege geschafft und wir radelten wieder gemütlich auf Schotter- und Asphaltstraßen dahin.

Schon bald lag das Dorf Vaulion unter uns. Wir sahen in der Karte, dass es eine Straße bis zum Chalet de la Dent de Vaulion gibt, eine kleine Hütte auf ca. 1400m, direkt unter dem Gipfel. Diese nahmen wir also und radelten quasi bis zur Haustüre. Anfangs spotteten wir noch darüber, dass wir kaum Leute sahen, nicht auf dem Bike und auch nicht in den Dörfern oder auf den Wanderwegen. Nun wussten wir, wo die alle waren. Der Gipfel des Vaulion war überfüllt mit hunderten „Wanderen“, die mit dem Auto bis zur Hütte fuhren und dann die letzten 80 Höhenmeter zu Fuß zum Gipfel zurücklegten. Dort war alles zu finden. Vom super sportlichen Trailrunner über den Mountainbiker bis hin zur geschminkten Barbiepuppe – und das in jeglichen Altersgruppen.

Wir genossen vom Gipfel nur kurz die Aussicht (wir sahen es ja schon die ganze Zeit davor beim Biken auch) auf 250 Kilometer des Alpenbogens (so stehts in der Beschreibung der Tour) und auf unzählige Viertausender. Der Blick dort oben reicht von den Berner Alpen mit Eiger-Mönch-Jungfrau über so manche Walliser Berge (Weisshorn, Matterhorn, Dom, Täschhorn) bis hin zu all den hohen Bergen im Mont-Blanc Massiv wie die Grandes Jorasses (4208m) und dem Mont-Blanc an sich mit seinen 4.810m. Kurz unterhalb des Gipfels setzten wir uns dann abseits der Massen in den Windschatten und genossen die Aussicht auf den Mont-Blanc zu unserer Linken sowie den Lac de Joux und dem westlichen Jurabogen direkt vor uns. Dabei schmeckte die Jause auch sehr gut 😊

Ab ging es dann von der Hütte weg direkt über einen Wanderweg zuerst nach La Petite Dent, einer Alp auf der Nordseite des Berges. Von dort konnten wir dann der Zufahrtsstraße nach unten düsen, um schließlich wieder in die Normalroute 991 zu gelangen, die uns recht zügig zurück nach Vallorbe und unserem Bus brachte.

Dort angelangt machten wir uns Gedanken über den Einkauf und die weitere Planung. Im Jura sollte es schlecht und bewölkt werden am Sonntag, sogar mit Regen über die Mittagszeit. Direkt heim wollten wir noch nicht, also entschlossen wir uns kurzerhand dazu, etwas nach Süden ins Wallis zu fahren, um dort rund um Sion noch ein paar Touren zu machen und vielleicht etwas mehr Sonne zu tanken bzw. vor allem wärmere Nächte am Camping zu haben. Zumindest letzteres können wir jetzt schon bestätigten, es ist deutlich wärmer am Camping und vor allem schön trocken 😊 Nun schauen wir, was der morgige Tag so bringt.

Harald

Start in der Sonne.

Der Blick heute war leider etwas getrübt. Es war dunstig und unten neblig.

Schönes Dorf im Jura: Romainmôtier.

Blick zurück rauf nach Premier.

Da wollen wir auch hin.


Hallo Alpen!

Blick auf den Lac de Joux vom Gipfel.

Pausenaussicht.


Donnerstag, 29. Oktober 2020

26.-29.10. - Verdon-Schlucht Nord- und Ostseite (La Palud-sur-Verdon, Castellane)

 26.10. Regen- und Reisetag La Palud-sur-Verdon

Am Morgen prasselten die Regentropfen aufs Dach – damit hatten wir allerdings schon gerechnet. Ganz gemütlich frühstückten wir unsere Milchbrötli, da wir heute kein frisches Brot hatten. Dann packten wir unsere Sachen zusammen, bezahlten den Camping (sowohl WLAN als auch die Stromkosten wurden uns erlassen – sehr nett!) und fuhren dann ins nächstgrössere Städtchen Riez, um uns dort im Intermarché wieder mit dem Nötigsten einzudecken. Es hatte extrem viele Leute und als wir zur Kasse kamen, stand da hinter uns ein uraltes Fräueli, das nicht verstehen wollte, warum sie nach uns an der Reihe ist. Zudem hielt sie überhaupt nichts von einem Sicherheitsabstand und die Maske trug sie unten am Kinn. Aber lamentieren konnte sie gut!

Wir fuhren anschliessend weiter durch die engen Kurven der Verdon-Schlucht, nach La Palud-sur-Verdon. Dort angekommen sahen wir schon ein paar geschlossene Campingplätze, also fanden wir es am einfachsten, wenn wir in der Touristeninformation nachfragen, welche Campingplätze denn geöffnet hätten. Die dortige Dame brauchte eine halbe Ewigkeit, ehe sie mir zwei Campingplätze nennen konnte – einer davon 6km ausserhalb von La Palud und der andere (der Camping Bourras) ziemlich zentrumsnah. Den schauten wir uns dann auch gleich mal an. Eine kleine Sanitäranlage mit zwei Klos und zwei Duschen, ein paar wenige Rasenplätze, die aber abgesperrt waren und ein etwas längerer Schotterplatz, an dessen Ende ein uralter Bus stand. Die Rezeption war ebenfalls ein altes Holzhäuschen, das abgesperrt war, aber es stand ein Schild draussen, dass man sich einen Platz suchen sollte, wenn die Rezeption nicht besetzt sei und dass es sich um einen sehr ruhigen Campingplatz handle. Da weit und breit sonst keine anderen Camper zu sehen waren (und der Platz ist wirklich überschaubar…), waren wir uns auch nicht so sicher, ob wir da bleiben können bzw. wollen.

So fuhren wir nochmals zurück ins „Zentrum“ von La Palud, wo wir den Camper auf einen Parkplatz stellen, auf dem schon einige andere Camper standen. Dort bleiben wollten wir aber auch nicht, da man da Tür an Tür mit den anderen stand. Es gab dann erst einmal Käffchen und Tarte des Alpes und anschliessend, als der Regen endlich aufhörte, machten wir noch einen Spaziergang zu einem anderen Campingplatz, der aber auch geschlossen hatte. So fuhren wir dann wieder zurück zum Camping Bourras und blieben dort auf dem Schotterplatz stehen. Später kam dann noch ein Vater mit seinen zwei Mädchen dazu, die ihre Zelte aufstellten. Ebenfalls kam eine Horde Spanier, die aber nur die Anlage zum Kochen und Essen brauchten. Anschliessend fuhren sie wieder.

Da wir beide recht müde waren, gings schon vor 22 Uhr ins Bett. Mit Schlafen war allerdings nichts, der Wind hatte ziemlich stark angezogen und blies nur so um unser Büssli! Um 22:20 Uhr hörten wir ein Auto auf den Platz kommen. Jemand schrie rum und ich dachte, es handle sich um einen Streit zwischen zwei Personen. Jedoch war es nur ein Typ, der total wütete. Irgendwie suchte er etwas in seinem Auto, das er aber nicht finden konnte. Sein Kofferraum war auch total zugemüllt mit Kartons und leeren Glasflaschen. Während er alles auf den Boden warf, schrie, fluchte und tobte er rum. Mehrmals kickte er gegen sein Auto und irgendwann warf er sich ins Gras und hämmerte mit den Händen auf den Boden. Die Türen schlug er auf und zu, als gäbe es kein Morgen und von Zeit zu Zeit setzte er sich ins Auto, schloss die Tür und schrie sich die Seele aus dem Leib. Ich fand das alles ziemlich beunruhigend. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so ausgerastet ist. Er brüllte und brüllte und irgendwann setzte er sich ins Auto und fuhr wieder weg. Zum Glück ohne unseren Bus zu touchieren! Er muss dann Richtung La Palud gefahren sein, auf jeden Fall hörten wir ihn sicher weitere 30 Minuten rumbrüllen. Bei jedem Auto, das ich anschliessend gehört hatte, dachte ich, er komme zurück, aber das war zum Glück nicht der Fall. Trotzdem war an Schlaf nicht zu denken, zu unruhig war ich und auch der Wind zerrte und riss am Aufstelldach. Gegen 01:15 Uhr habe ich dann aufgegeben. Ich machte das Aufstelldach zu und krabbelte zu Harald – einen Stock tiefer war es dann doch um einiges angenehmer!

Manu


27.10. Biketour nach Le Chiron (1902m)

Nach dieser sehr kurzen Nacht war ich in der Früh überhaupt nicht ready zum Aufstehen. Trotzdem musste es sein, da wir uns für den heutigen Tag eine längere Biketour ausgesucht hatten. Wir frühstückten (mit einem extrastarken Kaffee) und packten dann zusammen. Wir wollten zwar am Abend wieder zurückkommen, jedoch den Bus nicht auf diesem abgelegenen Platz zurücklassen. Als wir losfuhren, wackelte eine alte Dame daher, die einkassieren wollte. Ich erklärte ihr, dass wir am Abend wieder zurückkommen würden und so liess sie uns fahren. Wir fuhren nur kurz nach La Palud rein und begannen von dort dann unsere Bikerunde. Los gings ziemlich steil, dann flachte es zum Glück ab und dann ging die Strasse mal hinauf, mal hinunter. In der Ferne konnten wir die Ruinenstadt Châteduneuf les Moustieres ausmachen, unser Weg führte aber hinunter und über den Fluss Le Bau, ehe es wieder hinaufging, bis zur Kapelle St. Pierre in Les Chauvets. Von dort führte ein Wanderweg in 6km auf den Gipfel. Wir entschieden uns aber, der Strasse mit den Bikes zu folgen, da wir wussten, dass die Strasse ebenfalls bis auf den Gipfel führt. Im Nachhinein gesehen wären wir wohl besser und schneller dran gewesen, wenn wir zu Fuss die 700 Höhenmeter bewältigt hätten!

Die Strasse wandelte sich von Asphalt zu Schotter und es war etwas mühsam zum Treten. Hoch gings bis zum Col des Abbes, um anschliessend nochmals 100 Höhenmeter runterzudüsen, bis dann der Weg zum Gipfel abzweigte. Von dort aus waren es dann aber noch weitere 10 Kilometer, die sich der Weg nach oben schlängelte. Teilweise gut zu befahren, teilweise einfach nur kräfteraubend und mühsam. Und nicht nur der Weg zehrte an unseren Kräften, sondern der teils starke und eisige Wind! Die Zehen waren kalt, die Finger fast taub, so kämpfen wir uns Meter für Meter hinauf! Dafür war die Landschaft wunderschön in all ihren Herbstfarben!

Nach 3h20min erreichten wir den 1902m hohen Chiran. Obwohl es nur 1300 Höhenmeter waren, war ich total erschöpft. Immerhin waren es bis dahin bereits 27km. Auf dem Gipfel steht ein Observatorium, in dessen Windschatten wir dann kurz rasteten und unsere Jause assen. Wir hatten einen wunderbaren Ausblick auf die schneebedeckten Bergen des Nationalparks Mercantour und auch auf die Italienischen Alpen! Wir zogen dann an, was wir dabeihatten und dann gings wieder den Berg hinunter. Anstrengend wars und durchgerüttelt wurden wir. So war ich froh, als wir dann endlich die asphaltiere Strasse erreicht hatten. An der gings dann wunderschön und auch gemütlich entlang bis kurz vor Rougon. Von dort aus gings dann zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Nochmals 200 Höhenmeter hiess es den Berg hinaufzustrampeln. Die Erleichterung war gross, als wir zurück beim Auto waren – gut 62.5km und 1750 Höhenmeter lagen hinter uns! Froh waren wir dann auch über die heisse Dusche auf dem Campingplatz. Nach uns kamen übrigens einige andere „Camper“, die sich einfach eine Gratisdusche gönnten und dann wieder fuhren. Muss anscheinend dafür bekannt sein, dass es hier Klos und Duschen gibt und kaum je jemand hier ist, der einkassiert…

So stehen wir wieder alleine auf dem Platz, ausser der anderen Familie mit dem Zelt, die sind auch noch da.

Wir sind nun gespannt, wie sich die Lage in Frankreich weiterentwickelt, da wir heute von einem möglichen Lockdown gelesen haben. Das würde natürlich unsere ganzen Pläne über den Haufen werfen. Wir hoffen das Beste und werden morgen nochmals eine ausgiebige Tour machen!

Manu

Unser Ziel: der Gipfel des Le Chiron

Wunderschöne Herbstfarben überall.


Nach dem Sattel überraschte uns diese Aussicht in Richtung Mercantour.

Manu kämpft sich die letzten Meter hoch über die teils sehr steile und ruppige Straße.


Oben lag noch Reif am Boden. Unten der See von den Tagen davor.

Das Mini-Observatorium.


28.10. – Hike & Bike: Sentier Blanc Martel

Da unsere geplante Tour recht lange ist, also zumindest auf der Karte so scheint, starteten wir etwas früher in den Tag. Schon um 6:30 Uhr klingelte heute der Wecker, denn wir mussten den Bus abreisebereit machen und dann erstmals die Bikes zu jenem Punkt bringen, wo unsere Wanderung endet, um dann mit dem Auto zum eigentlichen Ausgangspunkt zu fahren. Erstmals war es morgens so kalt, dass wir beim Frühstück die Standheizung laufen ließen, damit wir es wohlig warm hatten.

So brachen wir nach den morgendlichen Ritualen schon vor 8 Uhr auf und fuhren die Passstraße von La Palud-sur-Verdon in Richtung Castellane, bis wir den großen Parkplatz auf der Höhe des Aussichtspunkts „Point Sublime“ erreichten. Da dort gerade eine größere Baustelle ist, fuhren wir etwas weiter und ketteten unsere Bikes inkl. Helme etwas weiter unten an einen Baum. Bei frischen 0,5°C auf der Passhöhe stiegen wir dann wieder ins wohlig warme Auto und fuhren wieder zurück nach La Palud, um dort auf die Aussichtsstraße „Route des Crêtes“ abzuzweigen. Kurvig ging es dahin bis wir das „Chalet de la Maline“ erreichten, den Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Dort zogen wir uns um und ab gings in den Canyon runter. Zuerst mussten wir einige hundert Meter absteigen, bevor wir am Flusslauf des Verdon angekommen waren. Dort ging dann der landschaftlich wunderschöne „Sentier Blanc Martel“ los, immer flussaufwärts in Richtung unserer Bikes. Mal rauf, mal runter, immer in schönen Wäldern oder entlang des Flusslaufes ging es dahin. Angegeben ist die ganze Wanderung mit etwa 15km und einer Gehzeit von ca. 6 Stunden. Deswegen planten wir auch etwas mehr Zeit ein. Aber der Weg ist größtenteils gut zu gehen und so kamen wir ob der vielen Fotopausen doch gut voran und waren schon bald am Aussichtspunkt über „la Mescla“ angekommen. Von dort sieht man in die enge Kehre, die der Fluss macht und hat sowohl nach Norden als auch nach Westen einen guten Blick in den Canyon.

Von diesem Aussichtspunkt ging es dann recht spektakulär abwärts über unzählige Stiegen, die dort in den steilen Fels gebaut wurden. Im Tal unten angekommen machten wir eine Rast und genossen die Sonne und die Windstille. Richtig angenehme Temperaturen waren es hier im Canyon, nicht so wie tags zuvor am Gipfel des Le Chiran, wo uns der kalte Wind um die Ohren pfiff.

Von nun an folgte der Weg dem Flusslauf nach Norden. An dieser Stelle ist der Canyon recht breit und somit auch links und rechts teils bewaldet, was sich nun im Herbst in einem wunderschönen Farbenspiel abzeichnet. Doch nicht nur für Herbstfreunde gab es hier allerhand zu sehen. Als sich dann links über uns die ersten massiven Felstürme erhoben, an denen so manche Top-Kletterer Geschichte geschrieben haben (Güllich etc.), sahen wir auch 3 gespannte Slacklines (Highlines), auf denen sich die Akrobaten versuchten. Ab und zu drang auch ein Schrei nach unten, oder es war wohl mehr ein Fluchen, wenn sie von der Line gefallen waren.

Vorbei an mächtigen Felswänden, die gespickt sind mit Kletterrouten jenseits der Schwierigkeitsgrade, die ich zu klettern vermag, schlängelte sich der Weg weiter gen Norden. Fast gegen Ende der Wanderung kam dann noch ein kleines Highlight auf uns zu: ein ca. 650m langer Tunnel, der in den Fels geschlagen wurde. Durch diesen stockfinsteren Tunnel geht der Weg weiter, es gibt keine andere Möglichkeit. Eine Stirnlampe ist also durchaus von Vorteil und eine Jacke tut auch so ihre Dienste. Am Ende des Tunnels, wo der Canyon extrem schmal ist, schlängelt sich dann ein kleiner Weg wieder nach oben zum Parkplatz am „Source du Merlet“.

Dort angekommen machten wir nochmals eine größere Pause und aßen unsere Pausenbrote, denn auf uns wartete nun noch ein kurzer Aufstieg zu den Bikes und dann eine kleine Fahrradtour zurück zum Auto – etwa 16 Kilometer und 400 Höhenmeter auf und ab. Wir setzten uns auf die Bikes und genossen zuerst einmal die drei Kilometer Abfahrt vom Pass in Richtung La Palud, bevor es von dort wieder aufwärts ging. Den Teil der Strecke kannten wir ja schon vom Vortag. Danach ging es wie am Morgen über die Aussichtsstraße zurück zum Auto. Obwohl es noch einige Kilometer und Höhenmeter waren, verging die Zeit schnell, denn die Aussicht und das Panorama dort sind grandios.

Am Auto angekommen packten wir die Bikes auf den Fahrradträger und zogen uns um, um danach zur Touristeninformation in La Palud zu fahren, denn dort gab es Internet. Wir wollten die Lage prüfen. Vorerst mussten wir uns damit vertrösten, dass die Rede von Macron erst am Abend um 20 Uhr über die Bühne gehen wird, und erst dann genau bekannt sein wird, welche weiteren Maßnahmen Frankreich im Kampf gegen das Virus setzen wird. Wir packten also unsere Sachen zusammen, hofften das Beste und setzten unsere Reise fort nach Castellane, etwas weiter im Osten des Nationalparks. Von dort wollen wir in den nächsten zwei Tagen Touren machen, um dann am Samstag weiter nach Nizza fahren zu können.

Harald

PS: Am Camping in Castellane hatten wir kein Internet und wir haben kein Radio gehört. Wir wollten die Nachrichten auch nicht hören.





Unzählige Treppenstufen.



Kletterwände wohin das Auge reicht.





Im 650m langen Tunnel: finster wars.




Angekommen am Ende der Schlucht. Hier gehts rechts rauf zum Aussichtspunkt und dem Parkplatz.



29.10. – Bike & Hike: Sommet du Teillon (1.893m)

Nach einer sehr guten und langen Nacht (wir schliefen richtig aus), erwartete uns ein schöner Morgen, der nicht allzu kalt war. Wie am Vorabend noch geplant, packten wir unsere Sachen für eine Bike & Hike Tour zusammen und starteten direkt am Campingplatz. Zuerst ging es aber zur Touristeninformation hier in Castellane, denn auch dort gab es gratis Internet. Wir wollten nun doch wissen, was „Mr. President“ am Vorabend so erzählt hat. Das Internet dort war aber so dermaßen langsam und die Verbindung so schlecht, dass wir nur die wichtigsten Dinge prüften und lasen: Lockdown per 29.10. um Mitternacht, alles macht zu, komplexe Ausgangsbeschränkungen. Somit war unsere Stimmung etwas getrübt. Wir prüften dann noch die Seiten der Schweizer Behörden und sahen dann, dass auch diese aktualisiert worden sind. Neue Einreiseregeln, neue Maßnahmen auch in der Schweiz. Auch die Nachrichten vom Süden machten keinen guten Eindruck: Spanien ruft den Notstand aus, um sich die Option für einen Lockdown offen zu halten.

Viel konnten wir dann in dieser Situation sowieso nicht machen. Um uns nicht den ganzen Tag vermiesen zu lassen, strampelten wir dann los mit den Bikes in Richtung „La Garde“, einem kleinen Dörfchen ca. 5 Kilometer von Castellane entfernt. Von dort startete unsere geplante Wanderung auf den 1.893m hohen „Sommet du Teillon“, der eine wunderschöne Aussicht haben soll. Ironischerweise sieht man von dort bei guter Sicht und dem Mistral-Wind bis nach Korsika.

Die wenigen Kilometer mit dem Bike hatten wir gleich hinter uns gebracht und so sattelten wir um auf die Wandersachen. Ca. 5 Kilometer und 980 Höhenmeter sind es von La Garde auf den Gipfel. Der Weg verläuft schön in Wäldern oder über Wiesen und führt unter imposanten Felswänden vorbei. Je höher wir kamen, desto frischer wurde es und der Wind kam dazu. Schon bald mussten wir dann die Windstopper anziehen und vom Sattel bis zum Gipfel kam dann wirklich ein zügig kalter Wind entgegen. So waren wir dann froh, dass wir am Gipfel einen windarmen Platz gefunden hatten, wo wir eine Pause einlegen konnten und die Aussicht bis nach Italien genossen. Korsika sahen wir heute nicht, dafür war es zu dunstig.

Im Abstieg nahmen wir dann eine andere Route zurück nach La Garde, um nicht zwei Mal denselben Weg gehen zu müssen. Da es bei unserer Ankunft in La Garde noch recht früh war, entschlossen wir uns, eine Mountainbike-Route von La Garde aus weiter zu machen, die uns mit etwas Umweg zurück nach Castellane führte.

Als „très difficile“ beschrieben, ging die Tour über noch verbleibende 400 Höhenmeter und 16 Kilometer zurück. Die Höhenmeter oder die Dauer der Tour konnten also nicht den Schwierigkeitsgrad ausmachen. Anfangs war die Route größtenteils einfach und verlief entlang von normalen Fahrstraßen und durch kleine, fast ausgestorbene Dörfchen. Doch schon bald veränderte sich das Bild etwas und wir sahen, was „très difficile“ bedeutet. Wir standen vor einem steilen Weg nach unten, der unfahrbar war. Große Blöcke, loser Schotter, ausgewaschen, einfach nicht fahrbar. Dort „bremsten“ wir unsere Bikes nach unten und mussten selbst schauen, dass wir nicht gleich am Hintern landeten. Ironie an der Sache: wir machten den Weg entgegen der eigentlich empfohlenen Fahrtrichtung – normal muss man dort also RAUF – sprich man trägt die Bikes dort hoch.

Danach wurde es wieder einfacher und wir konnte Forststraßen entlangfahren. Bald darauf hätten wir beinahe noch die falsche Richtung eingeschlagen und wären auf der falschen Seite des Sattels abgefahren und nicht nach Castellane. Doch Manu erkundigte sich noch bei einem Wanderer, der ihr dann übermütig und sehr genau und ausführlich erklärte, wohin wir mussten. Gut wars aber dennoch. So haben wir uns einigen Ärger erspart. Wir sausten dann einer normalen Straße ab zurück nach Castellane.

Hier angekommen fuhren wir zum Camping. Alles soweit noch normal. Die Holländer sind noch hier, andere Franzosen sind noch hier und unsere Wäsche hing auch noch 😊 Wir duschten und setzten uns anschließend für ein Rummy und den Apéro ins Auto. Erst danach gingen wir zur Rezeption und fragten nach der Lage der Nation. Dann musste uns der Inhaber leider erklären, dass wir heute die letzte Nacht in Frankreich verbringen werden – der Camping muss zusperren und wir sind quasi nur noch geduldet. Alles macht zu und wir haben somit keine Möglichkeit mehr, nach Korsika zu fahren, denn auch die Reisefreiheit innerhalb des Landes soll eingeschränkt und kontrolliert werden. Klar könnten wir jetzt dennoch die Reise antreten – wer soll uns schon kontrollieren – aber das widerstrebt uns auch, wenn das ganze Land total still steht und man eigentlich nur aus dringenden Gründen seine Wohnung verlassen soll. Wie sollen wir dann rechtfertigen, täglich in den Bergen unterwegs zu sein?

Für uns geht also die Reise in Frankreich hier zu Ende. Auf der einen Seite sind wir traurig darüber, nicht noch die letzten Tage hier in Verdon verbringen zu können und anschließen weiter nach Korsika zu können. Auf der anderen Seite sind wir aber auch froh und glücklich darüber, dass wir in den letzten Tagen und Wochen so viele schöne neue Plätze hier entdeckt haben, die wir sonst nie besucht hätten. Korsika haben wir auf Ende Oktober verschoben, weil dann die Herbstferien der Franzosen zu Ende gehen und wir es somit ruhiger dort gehabt hätten. Nun gehen auch unsere Ferien hier zu Ende und wir werden den Rückweg antreten (müssen). Eine Flucht nach vorne nach Spanien ist zurzeit auch wenig ratsam. Vorerst ist also die Schweiz unser Ziel, zumindest mal über die Grenze und einreisen, solange wir es noch dürfen. Was wir in der Schweiz nun genau machen werden, ist noch offen.

Au revoir et à bientôt!
Harald

PS: Wenigstens erledigt sich damit das Problem mit den Gaskartuschen. Unsere Campingaz CP 250 Ventilkartuschen sind hier nämlich durchaus schwer zu ergattern. Erst einmal konnten wir eine Kartusche ergattert. Selbst in einem großen Casino-Supermarkt, der alle Kartuschen von Campingaz führt, gab es genau unsere CP 250 nicht mehr. Drei hätten wir aber noch auf Lager :-P


Zuerst durch den schönen Wald.

Dann über weite Wiesen und Hänge zum Gipfel.






Für uns absolut unfahrbar, vor allem im oberen Teil.

Hier sieht man so viele alte und löchrige Gebäude.

Nein, nicht falsch am Platz. Der Weg zurück führte wieder durch eine Schlucht.

Die Kirche hoch über Castellane.


17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...