Freitag, 23. Oktober 2020

19. bis 21.10. - Nationalpark “Les Calanques” - Teil 3

Serie "Les Calanques"

Klettern in Morgiou: Sektor „Crête St. Michel – Grand Dièdre“

Nach dem langen „Spaziergang“ durch die Calanques vom Tag zuvor wollten wie wieder an den Fels und dieses Mal wieder Mehrseillängen klettern. Die Wahl fiel wieder auf Morgiou, denn der Sektor war für uns gut zu erreichen, denn wir mussten nicht durch Marseille durch und konnten das Auto getrost am Parkplatz der Universität abstellen.

Los ging es also wieder von dort in Richtung Col de Sugiton. Unser Plan war es, im Sektor „Crête St. Michel“ zu klettern, welcher genau über dem Sportklettersektor „Shangri La“ ist. Wir sollten also den Zustieg dieses Mal deutlich leichter finden. Und so war es dann auch. Die Pfade zur Wand waren in diesem Falle gut und schon bald standen wir unter den Routen, wie auch schon zwei andere Kletterer. Wir suchten noch den Einstieg unserer Route, die wir klettern wollten. Dabei „half“ uns dann einer der Kletterer und meinte, die Route sei genau drei Linien rechts von ihrer Route. Wir zählten also und schauten noch kurz die Topo an, um die Route „La Chaloupée“ zu klettern.

Nach der Stärkung mit einem Biber ging es dann los. Doch irgendwie zog die Route entgegen der Zeichnungen in der Topo etwas nach rechts. Sie sollte aber gerade nach oben gehen. Abzweiger hatte ich keinen verpasst. Ich wunderte mich also am Stand darüber, dass von dort dann andere Routen wegführten – es sollte nur eine Linie nach oben sein. Also schauten wir mal genauer nach und siehe da, ich bin die falsche erste Länge geklettert. Also querte ich oben noch zum richtigen Stand und Manu kam dann nach. Wenigstens war die erste Seillänge dann schön zu klettern und kaum abgegriffen, wohl auch, weil sie etwas schwieriger ist also die richtige erste Seillänge. Die nächsten drei Seillängen waren dann durchaus schöne und lohnende Kletterei an leicht geschmiertem Fels. Vor allem die letzten zwei Seillängen hätten sie aber zusammenlegen können, da diese recht kurz sind.

Vom Ausstieg ging es dann zuerst nach oben auf das Plateau. Hier wird viel abgegangen von den einzelnen Routen, denn üblicherweise sind diese so stark frequentiert, dass abseilen kaum oder nur schwer möglich ist bzw. zu gefährlich wäre. Im linken Wandteil befindet sich eine Abseilroute, die alle verwenden sollen. Wir machten uns also auf die Suche danach und hatten anfangs so etwas unsere Mühe einen Abseilstand zu finden. Doch wer suchet der findet. Zwei Mal 40 Meter abseilen bis an den Wandfuß – den Rest kletterten wir sowieso schon oben durch leichtes Gelände ab.

Was bei guten Verhältnissen eigentlich ein Klacks ist – also das Abseilen über eine 40m 7a Route die überhängend ist – stellte sich hier als schwieriges Unterfangen heraus. Denn der Wind hat hier ein Wörtchen mitzureden. Ich ging als erster runter und hatte die Seile schön aufgeworfen wie immer dabei. Als ich die Kante erreichte warf ich diese dann ab und konnte dann nur noch leise fluchen. Genau in diesem Momente kam recht zügiger Wind und verwehte die Seile ums Eck, direkt in ein paar Sträucher. Also musste ich zuerst mal so weit wie möglich ab, dann frei hängend mich an den Seilen zum Busch ziehen und diese befreien. Die zwei Seile waren dann natürlich nicht mehr knotenfrei und so musste ich noch in Kleinstarbeit den „Sauhaufen“ zuerst lösen, bevor es weiter runter ging. Manu kam dafür dann zügig nach. Beim Abziehen warteten wir dann extra auf einen guten Moment und hofften auf keinen oder nur schwachen Wind und so ging es dann auch ganz gut. Wenig später standen wir endlich wieder am Wandfuß.

Da der Tag noch jung war und unsere Finger noch nicht müde, suchten wir beim Mittagessen eine neue Route, die wir klettern wollten. Die Wahl fiel dabei auf „Les Mordus“. Eine Route, deren erste Seillänge zwar nur eine 6a ist, aber mit 40 Meter sehr lang und somit der Seilzug gegen oben hin recht groß wird. Genau das bekam ich dann auch zu spüren. Die Kletterei war sehr schön in dieser Länge, doch je höher ich kam, desto mehr musste ich aufpassen, beim Klippen der Exen nicht aus der Wand gezogen zu werden, da das Seil so schwer wurde bzw. hing. Danach folgten noch weitere drei Seillängen, wobei die direkt anschließende 6a viel zu leicht war und die 5c+ danach viel zu leicht bewertet wurde. Vielleicht sind diese also vertauscht worden?

Oben angekommen entschieden wir uns dieses Mal für den Fußabstieg. Auch diesen mussten wir zuerst einmal finden, schafften es aber recht bald und so ging es doch zackig zurück zum Wandfuß, wo wir unsere sieben Sachen in die Rucksäcke packten und langsam zurück nach Auto wanderten, vorbei an einer riesigen Gruppe Pensionisten (ca. 25+), die im Gänsemarsch den gesamten Weg 6a blockierten und anscheinend schwerhörig waren, um uns von hinten kommen zu hören. Auch das freundliche „Bonjour“ von uns half dabei wenig, erst lautes Reden überzeugte sie dann doch auf die Seite zu gehen. Sonst würden wir jetzt wohl noch dort wandern :-P

Vom Parkplatz zurück ging es dann vorbei am großen Intermarché in Carnoux um unsere Vorräte wieder zu befüllen. Dabei entdeckten wir dann noch Manus geliebten „Muscat“ – ein süßlicher Dessertwein – aus Lunel und so wanderten auch ein paar Flaschen davon in den Einkaufswagen. Ob diese nun alle im Bus Platz finden werden, oder wir sie direkt trinken müssen … ?

Harald

Spezielles Feeling in den Calanques.

Die Schwierigkeiten bewegten sich vor allem in der ersten Route im Genussbereich. Einfach schön und abwechslungsreich.

Die zweite Route startete mit einer 40m 6a - Seilzug vorprogrammiert.

Obwohl sie kraftig und auch teils technisch war, kämpfte sich Manu super durch.

TOP!


Klettern in Morgiou: Sektor „Crête St. Michel – Polka“

Da uns das Kletterfieber dank des super Felsen vom Vortag so richtig gepackt hatte, beschlossen wir, auch am heutigen Tag wieder im Sektor Crête St. Michel klettern zu gehen – diesmal im ganz rechten Wandteil. Den Zustieg kannten wir ja schon und so waren wir recht zügig beim Einstieg.

Zum Starten wählten wir eine Route mit zwei Seillängen, von denen die erste rund 25m und mit 5c bewertet war und die zweite dann 35m und 6a. Die Felsqualität war toll und die Klettermeter ein Traum! Einziges Manko war, dass der Wind auffrischte und es vor allem im Stand recht zügig war. Abgeseilt haben wir dann über die Route – mit dem 60m Seil ging es sich bis auf den Boden aus! Und beim Abziehen des Seiles hatten wir Glück, da der Wind gerade eine Pause einlegte.

Wir beschlossen anschliessend, die Route „Les cheminées“ zu machen, die etwas vom Wind geschützt und weiter links gelagert war. Da die erste Seillänge nur eine 5a war, habe sogar ich mich mal in den Vorstieg gewagt :-D. Die Route war dann aber ziemlich beschissen, viel kreuz und quer und an Büschen vorbei. Der Stand war dann auch nicht dort, wo er laut Topo hätte sein sollen und so hatte ich am Ende einen ziemlichen Seilzug drauf. Nach gut 40m erreichte ich aber den Stand und beim Seilnachziehen kam ich so richtig ins Schwitzen! Gut, dass Harald anschliessend die 5c+ und die 6a wieder vorstieg! Die 5c+ war dann wohl der Namensgeber der Route, weil es einen Kamin hochging. Genau die Art von Kletterei, die ich so gerne mag… :-/  Nach dessen Ausstieg gabs eine Passage durchs Gebüsch. Auch die letzte Seillänge war nur kurz lustig, als es an grossen Löchern vorbei nach oben ging. Die zweite Hälfte der Seillänge bestand dann auch wieder durch Zickzack-Kletterei am Gebüsch vorbei. Da hier keine Abseilpiste eingerichtet war (was eigentlich verständlich ist), wollten wir erst versuchen, zu dem Stand zu gelangen, den wir bei den letzten zwei Seillängen genutzt hatten und wo wir wussten, dass wir mit einem Mal Abseilen bis auf den Boden kommen. Jedoch war es für mich zu scary, dorthin zu gelangen. Nach endlosem Hin und Her sind wir dann auf den Wanderweg und über diesen zurück zum Einstieg der Route gewandert.

Im Nachhinein gesehen, wären wir wohl besser dran gewesen, wenn wir bei der ersten Route noch die Nachbarrouten geklettert wären – zwar mit Wind, dafür aber ohne Gestrüpp! Zu diesem Schluss kam auch Harald, der dann den restlichen Tag ziemlich grumpy deswegen war. Doch immerhin waren wir in der zweiten Route windgeschützt :-)

Zum Abschluss des Tages gab es eine erste Probe des Muscat-Weines, der von mir das Prädikat ausgezeichnet bekommt, und Quenelles (eine Art Schupfnudel aus Kartoffel-Teig Natur, mit Käse oder Pesto gemacht) mit Burger-Patties.

Manu


35m 6a Genusskletterei! Die zweite Seillänge war wirklich wunderschön.

Da kommt Manu wieder runter. 60m am Stück abseilen macht Spaß.


Wandern in „Les Calanques“ rund um Sormiou

Der Mittwoch war angekündigt als sehr windiger Tag. Und wie der Wetterbericht damit recht hatte! Schon früh am Morgen hatte es so starke Böen dabei, dass ich dachte, Manu tanzt oben im Aufstelldach, so sehr wackelte der Bus. Wir frühstückten dann ganz gemütlich, richteten unsere Pausenbrote zusammen, und brachen auf in Richtung Luminy zu unserem schon bekannten Parkplatz.

Von dort ging es zuerst in Richtung Mont de Luminy und weiter zum Col de Morgiou, bevor wir quasi wieder abstiegen und auf der anderen Seite zum le Baou Rand aufstiegen. Viel Auf und Ab war es ja nicht, aber auch so summierten sich die Höhenmeter. Weiter ging es zum Col des Escourtines und dann ab in Richtung Sormiou. Oben noch teils vom Wind etwas geschützt, blies uns der Wind nun voll ins Gesicht. Die Bucht von Sormiou ist NW-SO ausgerichtet und der Wind kam heute aus SO. „In your face“ sagt man dazu auch 😉 In Sormiou gingen wir zum „Strand“, von dem eigentlich nichts zu sehen war, so stark war der Wellengang und die Flut zu diesem Zeitpunkt.

Wir setzten also recht zügig den Weg fort um auf der anderen Seite der Bucht auf die Crête de Morgiou zu kommen. Dort waren wir zumindest wieder teilweise vom Wind geschützt und so aßen wir dann auch zwischendurch einen Riegel und tranken etwas. Am Pass der Crête angekommen sahen wir dann in der Karte, dass es am Ende des Gratweges noch einen kleinen Abzweiger wieder runter nach Morgiou gibt – genau was wir suchten. Also gingen wir der Crête entlang, immer so auf einer Höhe von 200m über dem Meer in Richtung SO – genau gegen den Wind. Im vordersten Teil, wo man auf das offene Meer schaut, war der Wind dann recht stark. Glücklicherweise drehten wir dann aber nach links ab und stiegen fast bis auf Meereshöhe ab, um dann einem kleinen Pfad entlang zurück nach Morgiou und dessen Hafen zu gelangen.

Das kleine Fischerdörfchen ließen wir bald hinter uns und stiegen nun wieder auf in Richtung Col de Sugiton, um dann in den bereits bekannten Weg 6a zu kommen, der uns unter den Wänden der Crête St. Michel wieder zurück nach Luminy führte.

Alles in allem waren wir dann doch fast 4 Stunden unterwegs und legten 13 Kilometer und an die 1000 Höhenmeter zurück. Für diese Umgebung also keine schlechte Leistung. Aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist 😉

Es ging dann zurück zum Camping, wo wir uns umparkten. Wir wollten etwas näher am WLAN sein, da es auf unserem Stellplatz nicht funktionierte. Die nächsten Tage wollten geplant werden und das geht am besten doch mit dem Laptop bzw. dem Handy, wenn man Internet hat. Wetter prüfen, Fahrzeiten checken, Campingplätze und ob diese offen haben, Corona-News lesen, Einreisebestimmungen, Ausreisebestimmungen. Vor allem die letzteren Punkte nehmen mittlerweile recht viel Zeit in Anspruch. Nach Spanien dürften wir „vielleicht“ noch, aber auch vielleicht nicht. Ob wir dann zurück nach Frankreich ohne Quarantäne kommen, ist fraglich. Viele Dinge müssen jetzt berücksichtigt werden. Am Ende des Abends hatten wir einige Optionen erarbeitet und wollten noch eine Nacht darüber schlafen, um dann am Morgen beim Frühstück spontan zu entscheiden, wohin es weiter gehen soll.

Die Nacht war dann aber etwas kurz, da wir gegen 22 Uhr neue Nachbarn bekamen. Mit einem großen Wohnmobil stellten sich vier Franzosen neben uns, die abends noch lautstark diskutierten – außerhalb des Campers. Sie rauchten, tranken und schrien herum und nicht nur mir missfiel dies. Um 23:45 Uhr habe ich sie dann höflichst auf Englisch angesprochen und ihnen kurz – in meiner mitteilungsbedürftigen Art – erörtert, dass es auch noch andere Leute auf der Welt (= Camping) gibt, die schlafen wollen. Antwort gab es keine. Vielleicht haben sie mich also nicht verstanden, aber sie haben geschnallt, dass ich sauer war, zumindest war es danach ruhig … bis am frühen Morgen …

Harald

Stürmische See am Strand von Sormiou. Warum heute wohl keine Leute im Wasser sind?

Sie will schon wieder klettern und testet den Felsen.

Die Bucht von Sormiou mit der kleinen Siedlung. An den Klippen links draußen sind unzählige Routen eingebohrt, wo man sich aber zuvor abseilen muss. Im Führer steht: "auf Wind und Wellengang achten" :-D

Blick auf die Crête St. Michel und die Sektoren von den Tagen davor.

Die Bucht von Morgiou.

Das kleine Dörfchen Morgiou und die Crête St. Michel im Hintergrund.

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