23.10. Von Les Salles-sur-Verdon nach Moustiers-Sainte-Marie
Nach der unruhigen Nacht
vor zwei Tagen am Camping in Cassis beurteilten wir die Lage noch einmal neu
und verwarfen die Option mit Spanien und der Küste von Andalusien bzw. das
Landesinnere um Berga und Ripoll in den Pyrenäen. Die COVID Lage in Spanien
scheint noch schlimmer zu sein als in Frankreich und wir sind uns sehr unsicher
darüber, ob wir bei einer Rückkehr aus Spanien dann nicht direkt zurück nach
Liechtenstein in die Quarantäne müssten, wenn wir nicht mehr in Frankreich
bleiben dürften.
Unsere Entscheidung
fiel dann auf die Verdon-Schlucht, die nordöstlich von Marseille und Toulon
gelegen ist. Bekannt vor allem durch den tiefen Einschnitt im Fels, den der
Fluss hinterlassen hat, ist Verdon ein Kletter-Mekka. Kaum wo gibt es schwierigere
Routen als hier zu klettern. Etwas Leichtes für uns zu finden wird also gar
nicht so leicht sein.
Nachdem wir schon am
Vortag angereist sind, konnten wir morgens gut ausschlafen und den Tag gemütlich
beginnen. Das Wetter war nicht sonderlich gut, das wussten wir aber schon. Ich
hatte dann wenigstens Zeit mich wieder einmal um ein paar Firmenangelegenheiten
zu kümmern und Manu konnte ihrer Häkelsucht frönen. Gegen Mittag wurde das
Wetter dann besser und wir warfen unsere Pläne, mit dem Bus zum Einkaufen zu
fahren, über den Haufen und setzten auf die Fahrräder. Bevor es aber losging,
stärkten wir uns noch mit einer Suppe und einem Käffchen danach, wo wir noch
die letzten Kekse verputzten, die übrig waren.
Danach ging es entlang
der kaum befahrenen Straße nach Moustiers-Sainte-Marie, einem kleinen Dörfchen
etwa 10km von Les Salles-sur-Verdon entfernt. Dort gibt es zwei kleine Einkaufsmöglichkeiten,
die wir nutzen wollten. Schon beim Hinfahren waren wir vom See und den
Einblicken in die Verdon-Schlucht begeistert. Als wir dann noch das kleine
Städtchen vor uns sahen, waren wir beinahe verzaubert.
Richtig malerisch liegen
die Häuser am Hang, eng aneinandergebaut, enge Gassen dazwischen, ein schönes
französisches Bergdörfchen also. Dahinter erhebt sich die Felswand und im tiefen
Einschnitt der Schlucht ist eine kleine Kapelle in den Fels gebaut. Dort
wollten wir dann auch rauf und uns das aus der Nähe anschauen. Wir stiegen die
steilen Stufen nach oben und besichtigten die Kapelle und waren ganz hin und
weg von der schönen Lage und dem Charme, den dieses Städtchen ausstrahlt.
Zurück im Zentrum
gingen wir noch kurz zur Touristeninformation, um uns wegen ein paar
Kletterrouten zu erkundigen. Sie hatten sogar einen Führer dort, aber nur einen
der Südseite der Schlucht, das heißt, die Wände dort sind nordseitig
ausgerichtet. Zu kalt für diese Jahreszeit und wohl auch teilweise zu schwierig
für uns. Also zogen wir ohne Führer wieder ab. Danach ging es zum Einkaufen und
per Rad zurück zum Camping, wo wir dann am Ende des Ausflugs doch gut 400 Höhenmeter
und 25 Kilometer gemacht hatten. Das Essen war also durchaus verdient 😉
Harald
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| Kleines Dörfchen mit Charme und Kapelle dahinter. |
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| Die Kirche in Moustiers-Sainte-Marie. |
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| Schöne Stimmung über dem See. |
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| Ein erster Blick in die Verdon-Schlucht. |
24.10. Bike and Hike: Le
Grand Margès (1.577m)
Nach dem gestrigen
Regen- und Pausentag wollten wir uns heute wieder etwas auspowern. Ganz
gemütlich starteten wir in den Tag. Gemütlich deshalb, weil es morgens immer eine
Qual ist, sich aus dem warmen Schlafsack rauszuschälen. So fuhren wir auch erst
kurz vor 10 Uhr mit unseren Bikes los. Die Sonne blinzelte bereits ein wenig
hinter den Bergen hervor und wärmte uns auf, während wir die Strasse nach
Aiguines hochstrampelten. Aiguines ist ein kleines, liebliches Bergdörfchen
oberhalb unseres Campingplatzes. Von dort aus hatte man schon erste schöne
Ausblicke auf den Lac de Sainte Croix, also den See, an dem unser Camping
liegt.
In ein paar Serpentinen
schlängelte sich die Strasse immer weiter hinauf, doch auf dem Col d´Illoire
auf 967m war dann nach gut 10km für uns Schluss. Also zumindest, was das Biken
betrifft. Wir ketteten unsere Bikes an und stiegen noch zum dortigen Aussichtspunkt
hoch, um bereits die ersten Einblicke in die Gorge de Verdon zu erhalten. Anschliessend
mussten wir kurz der Strasse entlangwandern, ehe ein schmaler Weg in den Wald
führte, der uns kurze Zeit später zum GR99 führte. Diesem wanderten wir dann
entlang in Richtung Gipfel (Le Grand Margès).
Unterwegs machten wir noch
einen kleinen Abstecher zum Vorgipfel des Clot de la Glacière, um noch einmal den
Ausblick auf den See zu haben. Mittlerweile waren einige Wolkenfelder aufgezogen
und auch der Gipfel verschwand kurzzeitig in den Wolken. Als wir dann auf dem
Gipfel, der immerhin 1577m hoch ist, ankamen, war es ziemlich kalt, windig und
noch immer etwas nebelig. So verschoben wir unsere Mittagspause und stiegen
erst einmal ein paar Meter ab, um ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Dies
war gar nicht so einfach, da alles rechterhand des Weges Militärsperrgebiet und
somit das Betreten verboten ist. Unsere Brötchen wurden aber trotzdem gegessen
und wir setzten unseren Weg fort. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen,
aber kalt war es wegen des Windes weiterhin.
Der Weg führte mal
links, mal rechts, mal hinauf, mal hinunter. Nach gut 10 Kilometern erreichten
wir die Strasse. Ab diesem Punkt ging es dann wieder zurück – natürlich nicht
den gleichen Weg, es sollte ja eine Rundwanderung werden! Wir wanderten einem
Pfad oberhalb der Schlucht entlang. Immer wieder konnte man die steilabfallenden
Felswände ausmachen. Mit den farbigen Herbstbäumen gab dies eine wunderschöne
Stimmung! Der Weg hatte es auch in sich, Vorsicht war geboten, an einigen
Stellen hätte ein Stolpern oder Rutschen fatale Folgen gehabt! Wir kamen aber
gut vorwärts und nach weiteren 5.5 Kilometern waren wir zurück bei unseren Bikes.
Die Füsse waren schon ziemlich schwer und wir waren froh, dass es mit den Bikes
nun nur noch runter ging! Frisch wars aber, der Wind pfiff durch die Kleidung.
Zurück beim Camping waren wir ziemlich durchfroren. Ich freute mich auf eine heisse Dusche, doch zu früh gefreut – irgendwie gab es nur lauwarmes Wasser. Mit einem Bierchen stiessen wir auf unsere schöne Tour an (36km und 1450hm) und sind nun voller Vorfreude auf die kommenden Tage in der Verdon-Schlucht. Zu sehen und zu erleben gibt es ja so einiges!
Manu
| Ersten "Gipfel" erreicht. Rückblick auf den See. |
| Ein Blick über die Schlucht nach La Palud-sur-Verdon und den Bergen des Mercantour Nationalparks im Hintergrund. |
| Blick zu den richtig hohen Bergen der Ecrins-Gruppe. |
| Ob man da hinten klettern kann? |
25.10. Bike and Hike: Sentier de l’Imbut et Sentier Vidal
Von der zusätzlichen Stunde in der Nacht auf heute haben wir nichts gemerkt. Unser Tag startete ganz normal mit dem Sonnenaufgang, wie schon die letzten Tage auch. Heute jedoch war etwas anders am Morgen. Ich versuchte mich in einer typisch französischen Betätigung am Sonntagmorgen. Um sieben Uhr stieg ich aufs Rad und fuhr bei noch kühlen Temperaturen die ca. 2,5km ins Dörfchen Les Salles-sur-Verdon um dort beim Bäcker Brot zu kaufen, da wir keines mehr hatten und die kleinen Supermärkte hier kein Brot verkaufen. Bewaffnet mit zwei frischen Baguettes und einem Brioche (so eine Art Hefe-Kringel mit Hagelzucker drauf) ging es dann zurück zum Camper, wo Manu schon das restliche Frühstück vorbereitet hatte.
Gestärkt ging es dann
wieder mit dem Rad los in Richtung Aiguines. Kurz vor dem Dorf wurden wir dann
von einem Jagdhund verfolgt, der anscheinend bei einer Treibjagd in der Nähe abhandengekommen
sein muss, denn er trug ein oranges Halsband und einen Funksender (oder sowas
ähnliches). Nach fast einem Kilometer wurde mir dann die Sache zu blöd und ich
verjagte den Hund, der dann auch recht zackig den Reißaus nahm. Das Dorf ließen
wir wie auch schon gestern hinter uns und fuhren weiter der Passstraße entlang,
bis wir den höchsten Punkt auf etwa 1200 Meter erreichten. Dort zogen wir
unsere Pullover über und sausten etwa 6 Kilometer und 350 Höhenmeter auf der
anderen Seite runter, um den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu erreichen, die übrigens
ein Tipp von Manus Mama war.
Wir stellten unsere Bikes
direkt an der Straße ab, wo der GR-99 diese schneidet. Denn an dieser Stelle kamen
wir auch wieder zurück. Danach ging es zuerst kurz bergauf um dann oberhalb der
Straße etwa 2,5 Kilometer weiter zu wandern bis zum eigentlichen Ausgangspunkt
der Wanderung in die Verdon-Schlucht und dem „Sentier de l’Imbut“ bzw.
anschließend dem „Sentier Vidal“.
Am großen Parkplatz
angekommen stiegen wir zuerst einmal ca. 300 Höhenmeter in die Schlucht ab, bis
auf fast 550m. Bis zu dieser Höhe/Tiefe hat sich der Fluss Verdon schon in die
Schlucht gegraben und erstaunliche Arbeit geleistet. Der Wanderweg folgt dann
immer dem linken „Flussufer“, mal rauf, mal runter, mal im Fels, mal durch den
Fels. Beeindruckende Ausblicke und Blicke auf die steilen und überhängenden
Wände aus Kalkgestein sind hier garantiert. Vor allem das Herz eines Kletterers
schlägt hier höher, auch wenn ich nie eine 8a+ klettern werde können.
Ganz zum Schluss, wenn
einen die Schlucht schon beinahe erdrücken will, weil sich der Fluss seitlich
in eine Höhle eingegraben hat, öffnet sich diese wieder leicht und ermöglicht
dann einen extrem steilen Aufstieg über den „Sentier Vidal“. Teils in den Fels
gehauen schlängelt sich dann der Weg vom Grund der Schlucht bis zur Straße nach
oben, etwa 300 Höhenmeter.
Bei unseren Bikes
angekommen war die Freude über den Anblick dieser eher getrübt. Wir wussten,
dass nun nicht einfach 1000 Höhenmeter Abfahrt vor uns lagen, sondern zuerst
einmal noch 6 Kilometer und 350 Höhenmeter zurück bis auf die Passhöhe. Die
Motivation ließ also durchaus zu Wünschen übrig. Aber wir kämpften uns durch und
hatten dann umso mehr Spaß bei der Abfahrt zurück zum Camping, die dann zügig
ging. Und da wir heute gleich auch noch die Primaloft-Jacken und die langen
Windstopper anhatten, war es auch nicht kalt am Rad.
Hungrig wie wir waren
gab es eine flotte Dusche um danach direkt zum Apero überzugehen, der heute
aber nicht von Bier oder Wein, sondern von Tee begleitet wurde. Es war dann mit
dem Wind am Campingplatz doch schon recht kühl. Aber die gute Laune kam zurück,
schließlich hatten wir wunderschöne Einblicke in die Verdon-Schlucht erlebt und
konnten stolz auf die ca. 46 Kilometer und 1650 Höhenmeter sein.
Harald
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| Tiefblicke bevor es ab in die Schlucht geht. |
| Viele sehr schöne alte Eichen gibt es hier zu bewundern. |
| Und andere Bäume in allen Farben im Herbst. |
| Ab gehts, immer tiefer runter. |
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| Atemberaubend schön ist die Schlucht ganz unten, vor allem jetzt im Herbst. |
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| Es nagt der Zahn der Zeit am Fels. |
| Wo ist Manu? |
| Wieder oben angekommen, noch ein letzter Blick in die Tiefe. |










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