Sonntag, 25. Oktober 2020

23.-25.10. - Verdon-Schlucht Südseite (Les Salles-sur-Verdon)

23.10. Von Les Salles-sur-Verdon nach Moustiers-Sainte-Marie

Nach der unruhigen Nacht vor zwei Tagen am Camping in Cassis beurteilten wir die Lage noch einmal neu und verwarfen die Option mit Spanien und der Küste von Andalusien bzw. das Landesinnere um Berga und Ripoll in den Pyrenäen. Die COVID Lage in Spanien scheint noch schlimmer zu sein als in Frankreich und wir sind uns sehr unsicher darüber, ob wir bei einer Rückkehr aus Spanien dann nicht direkt zurück nach Liechtenstein in die Quarantäne müssten, wenn wir nicht mehr in Frankreich bleiben dürften.

Unsere Entscheidung fiel dann auf die Verdon-Schlucht, die nordöstlich von Marseille und Toulon gelegen ist. Bekannt vor allem durch den tiefen Einschnitt im Fels, den der Fluss hinterlassen hat, ist Verdon ein Kletter-Mekka. Kaum wo gibt es schwierigere Routen als hier zu klettern. Etwas Leichtes für uns zu finden wird also gar nicht so leicht sein.

Nachdem wir schon am Vortag angereist sind, konnten wir morgens gut ausschlafen und den Tag gemütlich beginnen. Das Wetter war nicht sonderlich gut, das wussten wir aber schon. Ich hatte dann wenigstens Zeit mich wieder einmal um ein paar Firmenangelegenheiten zu kümmern und Manu konnte ihrer Häkelsucht frönen. Gegen Mittag wurde das Wetter dann besser und wir warfen unsere Pläne, mit dem Bus zum Einkaufen zu fahren, über den Haufen und setzten auf die Fahrräder. Bevor es aber losging, stärkten wir uns noch mit einer Suppe und einem Käffchen danach, wo wir noch die letzten Kekse verputzten, die übrig waren.

Danach ging es entlang der kaum befahrenen Straße nach Moustiers-Sainte-Marie, einem kleinen Dörfchen etwa 10km von Les Salles-sur-Verdon entfernt. Dort gibt es zwei kleine Einkaufsmöglichkeiten, die wir nutzen wollten. Schon beim Hinfahren waren wir vom See und den Einblicken in die Verdon-Schlucht begeistert. Als wir dann noch das kleine Städtchen vor uns sahen, waren wir beinahe verzaubert.

Richtig malerisch liegen die Häuser am Hang, eng aneinandergebaut, enge Gassen dazwischen, ein schönes französisches Bergdörfchen also. Dahinter erhebt sich die Felswand und im tiefen Einschnitt der Schlucht ist eine kleine Kapelle in den Fels gebaut. Dort wollten wir dann auch rauf und uns das aus der Nähe anschauen. Wir stiegen die steilen Stufen nach oben und besichtigten die Kapelle und waren ganz hin und weg von der schönen Lage und dem Charme, den dieses Städtchen ausstrahlt.

Zurück im Zentrum gingen wir noch kurz zur Touristeninformation, um uns wegen ein paar Kletterrouten zu erkundigen. Sie hatten sogar einen Führer dort, aber nur einen der Südseite der Schlucht, das heißt, die Wände dort sind nordseitig ausgerichtet. Zu kalt für diese Jahreszeit und wohl auch teilweise zu schwierig für uns. Also zogen wir ohne Führer wieder ab. Danach ging es zum Einkaufen und per Rad zurück zum Camping, wo wir dann am Ende des Ausflugs doch gut 400 Höhenmeter und 25 Kilometer gemacht hatten. Das Essen war also durchaus verdient 😉

Harald

Kleines Dörfchen mit Charme und Kapelle dahinter.

Die Kirche in Moustiers-Sainte-Marie.



Schöne Stimmung über dem See.

Ein erster Blick in die Verdon-Schlucht.


24.10. Bike and Hike: Le Grand Margès (1.577m)

Nach dem gestrigen Regen- und Pausentag wollten wir uns heute wieder etwas auspowern. Ganz gemütlich starteten wir in den Tag. Gemütlich deshalb, weil es morgens immer eine Qual ist, sich aus dem warmen Schlafsack rauszuschälen. So fuhren wir auch erst kurz vor 10 Uhr mit unseren Bikes los. Die Sonne blinzelte bereits ein wenig hinter den Bergen hervor und wärmte uns auf, während wir die Strasse nach Aiguines hochstrampelten. Aiguines ist ein kleines, liebliches Bergdörfchen oberhalb unseres Campingplatzes. Von dort aus hatte man schon erste schöne Ausblicke auf den Lac de Sainte Croix, also den See, an dem unser Camping liegt.

In ein paar Serpentinen schlängelte sich die Strasse immer weiter hinauf, doch auf dem Col d´Illoire auf 967m war dann nach gut 10km für uns Schluss. Also zumindest, was das Biken betrifft. Wir ketteten unsere Bikes an und stiegen noch zum dortigen Aussichtspunkt hoch, um bereits die ersten Einblicke in die Gorge de Verdon zu erhalten. Anschliessend mussten wir kurz der Strasse entlangwandern, ehe ein schmaler Weg in den Wald führte, der uns kurze Zeit später zum GR99 führte. Diesem wanderten wir dann entlang in Richtung Gipfel (Le Grand Margès).

Unterwegs machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Vorgipfel des Clot de la Glacière, um noch einmal den Ausblick auf den See zu haben. Mittlerweile waren einige Wolkenfelder aufgezogen und auch der Gipfel verschwand kurzzeitig in den Wolken. Als wir dann auf dem Gipfel, der immerhin 1577m hoch ist, ankamen, war es ziemlich kalt, windig und noch immer etwas nebelig. So verschoben wir unsere Mittagspause und stiegen erst einmal ein paar Meter ab, um ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Dies war gar nicht so einfach, da alles rechterhand des Weges Militärsperrgebiet und somit das Betreten verboten ist. Unsere Brötchen wurden aber trotzdem gegessen und wir setzten unseren Weg fort. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen, aber kalt war es wegen des Windes weiterhin.

Der Weg führte mal links, mal rechts, mal hinauf, mal hinunter. Nach gut 10 Kilometern erreichten wir die Strasse. Ab diesem Punkt ging es dann wieder zurück – natürlich nicht den gleichen Weg, es sollte ja eine Rundwanderung werden! Wir wanderten einem Pfad oberhalb der Schlucht entlang. Immer wieder konnte man die steilabfallenden Felswände ausmachen. Mit den farbigen Herbstbäumen gab dies eine wunderschöne Stimmung! Der Weg hatte es auch in sich, Vorsicht war geboten, an einigen Stellen hätte ein Stolpern oder Rutschen fatale Folgen gehabt! Wir kamen aber gut vorwärts und nach weiteren 5.5 Kilometern waren wir zurück bei unseren Bikes. Die Füsse waren schon ziemlich schwer und wir waren froh, dass es mit den Bikes nun nur noch runter ging! Frisch wars aber, der Wind pfiff durch die Kleidung.

Zurück beim Camping waren wir ziemlich durchfroren. Ich freute mich auf eine heisse Dusche, doch zu früh gefreut – irgendwie gab es nur lauwarmes Wasser. Mit einem Bierchen stiessen wir auf unsere schöne Tour an (36km und 1450hm) und sind nun voller Vorfreude auf die kommenden Tage in der Verdon-Schlucht. Zu sehen und zu erleben gibt es ja so einiges!

Manu

Ersten "Gipfel" erreicht. Rückblick auf den See.

Ein Blick über die Schlucht nach La Palud-sur-Verdon und den Bergen des Mercantour Nationalparks im Hintergrund.

Blick zu den richtig hohen Bergen der Ecrins-Gruppe.

Ob man da hinten klettern kann?


25.10. Bike and Hike: Sentier de l’Imbut et Sentier Vidal

Von der zusätzlichen Stunde in der Nacht auf heute haben wir nichts gemerkt. Unser Tag startete ganz normal mit dem Sonnenaufgang, wie schon die letzten Tage auch. Heute jedoch war etwas anders am Morgen. Ich versuchte mich in einer typisch französischen Betätigung am Sonntagmorgen. Um sieben Uhr stieg ich aufs Rad und fuhr bei noch kühlen Temperaturen die ca. 2,5km ins Dörfchen Les Salles-sur-Verdon um dort beim Bäcker Brot zu kaufen, da wir keines mehr hatten und die kleinen Supermärkte hier kein Brot verkaufen. Bewaffnet mit zwei frischen Baguettes und einem Brioche (so eine Art Hefe-Kringel mit Hagelzucker drauf) ging es dann zurück zum Camper, wo Manu schon das restliche Frühstück vorbereitet hatte.

Gestärkt ging es dann wieder mit dem Rad los in Richtung Aiguines. Kurz vor dem Dorf wurden wir dann von einem Jagdhund verfolgt, der anscheinend bei einer Treibjagd in der Nähe abhandengekommen sein muss, denn er trug ein oranges Halsband und einen Funksender (oder sowas ähnliches). Nach fast einem Kilometer wurde mir dann die Sache zu blöd und ich verjagte den Hund, der dann auch recht zackig den Reißaus nahm. Das Dorf ließen wir wie auch schon gestern hinter uns und fuhren weiter der Passstraße entlang, bis wir den höchsten Punkt auf etwa 1200 Meter erreichten. Dort zogen wir unsere Pullover über und sausten etwa 6 Kilometer und 350 Höhenmeter auf der anderen Seite runter, um den Ausgangspunkt unserer Wanderung zu erreichen, die übrigens ein Tipp von Manus Mama war.

Wir stellten unsere Bikes direkt an der Straße ab, wo der GR-99 diese schneidet. Denn an dieser Stelle kamen wir auch wieder zurück. Danach ging es zuerst kurz bergauf um dann oberhalb der Straße etwa 2,5 Kilometer weiter zu wandern bis zum eigentlichen Ausgangspunkt der Wanderung in die Verdon-Schlucht und dem „Sentier de l’Imbut“ bzw. anschließend dem „Sentier Vidal“.

Am großen Parkplatz angekommen stiegen wir zuerst einmal ca. 300 Höhenmeter in die Schlucht ab, bis auf fast 550m. Bis zu dieser Höhe/Tiefe hat sich der Fluss Verdon schon in die Schlucht gegraben und erstaunliche Arbeit geleistet. Der Wanderweg folgt dann immer dem linken „Flussufer“, mal rauf, mal runter, mal im Fels, mal durch den Fels. Beeindruckende Ausblicke und Blicke auf die steilen und überhängenden Wände aus Kalkgestein sind hier garantiert. Vor allem das Herz eines Kletterers schlägt hier höher, auch wenn ich nie eine 8a+ klettern werde können.

Ganz zum Schluss, wenn einen die Schlucht schon beinahe erdrücken will, weil sich der Fluss seitlich in eine Höhle eingegraben hat, öffnet sich diese wieder leicht und ermöglicht dann einen extrem steilen Aufstieg über den „Sentier Vidal“. Teils in den Fels gehauen schlängelt sich dann der Weg vom Grund der Schlucht bis zur Straße nach oben, etwa 300 Höhenmeter.

Bei unseren Bikes angekommen war die Freude über den Anblick dieser eher getrübt. Wir wussten, dass nun nicht einfach 1000 Höhenmeter Abfahrt vor uns lagen, sondern zuerst einmal noch 6 Kilometer und 350 Höhenmeter zurück bis auf die Passhöhe. Die Motivation ließ also durchaus zu Wünschen übrig. Aber wir kämpften uns durch und hatten dann umso mehr Spaß bei der Abfahrt zurück zum Camping, die dann zügig ging. Und da wir heute gleich auch noch die Primaloft-Jacken und die langen Windstopper anhatten, war es auch nicht kalt am Rad.

Hungrig wie wir waren gab es eine flotte Dusche um danach direkt zum Apero überzugehen, der heute aber nicht von Bier oder Wein, sondern von Tee begleitet wurde. Es war dann mit dem Wind am Campingplatz doch schon recht kühl. Aber die gute Laune kam zurück, schließlich hatten wir wunderschöne Einblicke in die Verdon-Schlucht erlebt und konnten stolz auf die ca. 46 Kilometer und 1650 Höhenmeter sein.

Harald



Tiefblicke bevor es ab in die Schlucht geht.

Viele sehr schöne alte Eichen gibt es hier zu bewundern.

Und andere Bäume in allen Farben im Herbst.


Ab gehts, immer tiefer runter.

Atemberaubend schön ist die Schlucht ganz unten, vor allem jetzt im Herbst.


Es nagt der Zahn der Zeit am Fels.



Wo ist Manu?

Wieder oben angekommen, noch ein letzter Blick in die Tiefe.

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