Samstag, 31. Oktober 2020

30.-31.10. - Biken im Juragebirge

 30.10. – Reise in die Schweiz (Juragebirge) – St. Cergue (Waadt)

Bereits um 06:15 Uhr starteten wir heute in den Tag. Eigentlich wäre der Wecker um 07 Uhr gestellt gewesen, doch wir waren beide schon früher wach. Wir frühstückten das letzte Mal für wahrscheinlich längere Zeit in Frankreich und kamen dann gegen 07:30 Uhr los. Zu Beginn waren die Strassen und die Ortschaften wie ausgestorben. So kamen wir zügig voran und erfreuten uns an den tollen Aussichten in die Berge und an den schönen Schluchten des Verdon-Nationalparks. Als wir dann Richtung Digne-les-Bains kamen, nahm der Verkehr immer mehr zu. Um Sisteron herum hatte man gar nicht das Gefühl, dass Frankreich einen zweiten Lockdown hat und die eigenen vier Wände nur mit einem driftigen Grund verlassen werden dürfen. Wir sind dann bei Sisteron auch noch in einen Intermarché gegangen – erstens einmal mussten unsere Nahrungsvorräte aufgefüllt werden und zweitens hatten wir noch Alkohol-Kapazität übrig. So kauften wir noch ein paar Flaschen Muscat und einen Rum.

Dann setzten wir die Fahrt fort. Wir hatten wunderschöne Einblicke in den Naturpark Baronnies Provençales und auch auf die hohen und verschneiten Berge des Ecrins-Nationalparks. Viele tolle Fleckchen, die wir gerne mal auskundschaften würden! Aber nicht mehr heute – heute hiess es erst einmal, Frankreich zu verlassen. Über Grenoble, Chambéry und Annecy wählten wir den schnellsten Weg zurück und ohne irgendwelche Probleme passierten wir die Grenze in die Schweiz.

Der nächste Halt machten wir in Saint-Cergue. Dort hatten wir uns eine kurze Bike-Tour herausgesucht, um wenigstens ein bisschen Bewegung am heutigen Tag zu haben. In Saint-Cergue war die Hölle los, jegliche Parkplätze überfüllt. Wir fanden dann etwas ausserhalb des Dörfchens einen Parkplatz und von dort ging die Runde dann gegen 14:30 Uhr los. Erst führte die Route gemütlich auf verschiedenen asphaltierten Wegen hoch und runter. Wenn grad kein Wald im Blickfeld war, konnten wir die verschneiten Berge des Mont Blanc Massivs ausmachen! Nachdem wir schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten, wurde der Weg dann etwas unangenehmer – wir mussten für mehrere Kilometer einem Wanderweg folgen. Unangenehm daran war, dass es die Tage davor ziemlich fest geregnet haben muss, denn der Boden war matschig und dreckig. Wir fuhren, wir spulten, wir rutschten und der Dreck fand seinen Weg nach oben! Nach 2h30min war die Runde dann beendet – knapp 700hm und 25 Kilometer. Wir waren froh, waren wir noch vor dem Einbruch der Dunkelheit zurück, denn Licht hatten wir keins dabei.

Wir sind dann direkt bei Saint-Cergue auf den Campingplatz gefahren (wo mir gesagt wurde, dass wir laut Kanton Waadt einen negativen Covid-Test hätten vorweisen müssen, weil wir aus Frankreich eingereist waren…uuuups!) und verbringen nun hier eine Nacht, ehe wir morgen weiter das Jura erkunden wollen!

Manu

Aussicht auf den Alpenbogen und dem Mont-Blanc (rechts der höchste).

Es wird langsam dunkler.


Und die Sonne steht irgendwie schon sehr tief.


31.10. – Bike & Hike: Dent de Vaulion (1.482m)

Diese Nacht war die erste Nacht, die unangenehm war. Nicht unangenehm wegen der Kälte, aber wegen der Nässe und der Feuchtigkeit im und um den Bus. In Saint-Cergue hat es anscheinend tags zuvor stark geregnet und so war der Stellplatz schon bei der Ankunft sehr weich und noch nass. Schon abends beim Kochen liefen dann die Scheiben recht stark an. Wir zogen die Nässe immer mehr in den Bus und unsere nassen Handtücher trugen dann noch so das Ihre dazu bei, sodass gemeinsam mit dem Dampf der warmen Suppe unsere Scheiben ins Schwitzen kamen. Draußen hatte es aber auch nur noch knapp über null Grad muss man dazu sagen und wir hatten die Standheizung nicht an. Morgens war dann draußen alles gefroren und die Scheiben im Bus waren voller Nässe. Ich musste mit dem Geschirrtuch alles trockenwischen und erst die Standheizung beim Frühstück sorgte dann wieder für klare Sicht. Spätestens jetzt waren wir beide wirklich unglücklich darüber, dass wir tags zuvor aus den wärmeren Regionen in Frankreich rauskomplementiert worden sind. Dort war es morgens und abends noch angenehm war und vor allem nicht feucht und nass und man konnte chillig Zeit im Bus verbringen ohne die Standheizung laufen zu lassen.

Nachdem es noch recht kühl war, kam es uns gerade recht, dass wir zum Ausgangspunkt der heutigen Tour zuerst noch ca. eine Stunde fahren mussten. Die Strecke war zwar nicht so lange, aber im Jura können die Straßen sehr kurvig sein. So gelangten wir etwas um 10 Uhr zum Ausgangspunkt in Vallorbe, einem kleinen Städtchen auf knapp 750m, das unter dem Lac Brenet und Lac de Joux gelegen ist. Hier machten wir uns dann abfahrbereit und stellten auch noch das Dach vom Bus auf, damit dieses gut austrocknen konnte. Es war nämlich strahlend sonnig und warm 😊

Los ging es dann zuerst in Richtung Premier, immer dem Mountainbikeweg 991 entlang. Anfangs schön gemächlich entlang von asphaltierten Zufahrtsstraßen zu Hütten oder Höfen, wandelte sich der Weg schon bald und wir fuhren auf Schotter weiter. Zudem ging es nicht mehr bergauf, sondern plötzlich schon wieder bergab, nach gut 300 Höhenmeter. Bei der Abfahrt sausten wir dann auch gleich an einem der Wegweiser im Wald vorbei und mussten kurz darauf eine andere Forststraße nehmen, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen.

Von Premier ging es dann entlang von schönen Forst- und Waldwegen runter nach Romainmôtier, das auf knapp 650m liegt und wo es noch fast Nebel hatte. Die Sonne lugte gerade so durch. Das kleine Dörfchen ist wirklich sehenswert und hat ein nettes Dorfzentrum mit einer Art Klosteranlage. Von dort ging es dann wieder bergauf in Richtung Vaulion. Die Aufstiege waren teils auf Schotterstraßen zu fahren, teils auf asphaltierten Wegen. An manchen Stellen waren die Forstwege im Wald dann so dick mit Laub bedeckt und so steil, dass man beinahe nicht mehr vom Fleck kam. Die Anstiege wurden also wirklich anstrengend schwer. Entweder man rutschte einfach am nassen Laub durch oder man sah den Untergrund darunter nicht so genau und lose Steine rollten weg. Kurz unter Vaulion hatten wir dann aber die strengen Anstiege geschafft und wir radelten wieder gemütlich auf Schotter- und Asphaltstraßen dahin.

Schon bald lag das Dorf Vaulion unter uns. Wir sahen in der Karte, dass es eine Straße bis zum Chalet de la Dent de Vaulion gibt, eine kleine Hütte auf ca. 1400m, direkt unter dem Gipfel. Diese nahmen wir also und radelten quasi bis zur Haustüre. Anfangs spotteten wir noch darüber, dass wir kaum Leute sahen, nicht auf dem Bike und auch nicht in den Dörfern oder auf den Wanderwegen. Nun wussten wir, wo die alle waren. Der Gipfel des Vaulion war überfüllt mit hunderten „Wanderen“, die mit dem Auto bis zur Hütte fuhren und dann die letzten 80 Höhenmeter zu Fuß zum Gipfel zurücklegten. Dort war alles zu finden. Vom super sportlichen Trailrunner über den Mountainbiker bis hin zur geschminkten Barbiepuppe – und das in jeglichen Altersgruppen.

Wir genossen vom Gipfel nur kurz die Aussicht (wir sahen es ja schon die ganze Zeit davor beim Biken auch) auf 250 Kilometer des Alpenbogens (so stehts in der Beschreibung der Tour) und auf unzählige Viertausender. Der Blick dort oben reicht von den Berner Alpen mit Eiger-Mönch-Jungfrau über so manche Walliser Berge (Weisshorn, Matterhorn, Dom, Täschhorn) bis hin zu all den hohen Bergen im Mont-Blanc Massiv wie die Grandes Jorasses (4208m) und dem Mont-Blanc an sich mit seinen 4.810m. Kurz unterhalb des Gipfels setzten wir uns dann abseits der Massen in den Windschatten und genossen die Aussicht auf den Mont-Blanc zu unserer Linken sowie den Lac de Joux und dem westlichen Jurabogen direkt vor uns. Dabei schmeckte die Jause auch sehr gut 😊

Ab ging es dann von der Hütte weg direkt über einen Wanderweg zuerst nach La Petite Dent, einer Alp auf der Nordseite des Berges. Von dort konnten wir dann der Zufahrtsstraße nach unten düsen, um schließlich wieder in die Normalroute 991 zu gelangen, die uns recht zügig zurück nach Vallorbe und unserem Bus brachte.

Dort angelangt machten wir uns Gedanken über den Einkauf und die weitere Planung. Im Jura sollte es schlecht und bewölkt werden am Sonntag, sogar mit Regen über die Mittagszeit. Direkt heim wollten wir noch nicht, also entschlossen wir uns kurzerhand dazu, etwas nach Süden ins Wallis zu fahren, um dort rund um Sion noch ein paar Touren zu machen und vielleicht etwas mehr Sonne zu tanken bzw. vor allem wärmere Nächte am Camping zu haben. Zumindest letzteres können wir jetzt schon bestätigten, es ist deutlich wärmer am Camping und vor allem schön trocken 😊 Nun schauen wir, was der morgige Tag so bringt.

Harald

Start in der Sonne.

Der Blick heute war leider etwas getrübt. Es war dunstig und unten neblig.

Schönes Dorf im Jura: Romainmôtier.

Blick zurück rauf nach Premier.

Da wollen wir auch hin.


Hallo Alpen!

Blick auf den Lac de Joux vom Gipfel.

Pausenaussicht.


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