11.01. – Hofmannspitze (3.113m) von
der Timmelsbrücke
Die Anreise ins
Passeiertal verlief problemlos und schon am Tag der Ankunft wurden wir hier
kulinarisch verwöhnt. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben und Essen kann
man besonders gut. Zudem steht man sicher nicht hungrig vom Tisch auf, was in
unserem Falle auch gut ist, denn Hunger bringen wir immer mit nach unseren
Touren. Unsere Gastgeber sind zudem selbst Tourengeher und konnten uns auch
gleich mit wertvollen Tipps weiterhelfen und so planten wir die Hoffmannspitze,
denn der Tag sollte noch einmal richtig schön werden, bevor eine kleine
Kaltfront kommt.
Gestartet wir die Tour
normalerweise von der Timmelsbrücke, doch die Straße war nicht bis dorthin
befahrbar – zu viele Verwehungen hat es über Nacht gegeben. So parkten wir
schon beim Gasthaus Schönau und wollten von dort die Ski zuerst tragen, als uns
ein „Jäger“ (seiner Auskunft nach Wilderer – was ich jetzt nicht hoffen will)
noch etwas des Weges im Auto mitnahm – natürlich Corona-konform mit offenem
Kofferraumdeckel – dort steckten die Ski drinnen.
Unten war es recht
windig und so gingen wir beide schon mit den Jacken los in Richtung Timmelsalm.
Doch schon beim Aufstieg dorthin legte sich der Wind (wir kamen wohl etwas ums
Eck und der Wind griff nicht mehr so an) und uns wurde warm, sodass wir die
Jacken wieder ausziehen konnten. Von der Alm weg gingen wir dann beide ohne
Jacken weiter, denn es war sonnig und deutlich wärmer als die Tage zuvor.
Wir folgten den alten Spuren
weiter nach hinten in Richtung Timmler Schwarzsee um dann festzustellen, dass
nur wenige Leute weiter in Richtung Hoffmannspitze gingen. Alle anderen gingen
auf andere Gipfel. Ist auch fast verständlich, denn unser Gipfel ist der
hinterste im Tal und besonders weit zu gehen. Landschaftlich dafür beeindruckend
– schon alleine der Anstieg durch die teils steileren Rinnen ins Hochtal über
dem Schwarzsee. Von dort weg mussten wir dann erneut selbst spuren, denn die
alte Aufstiegsspur war wieder eingeblasen und nur noch schemenhaft zu erkennen.
So kamen wir dann in
diesem Hochtal nur mühsam voran, denn die Spurarbeit war durch den Harsch sehr
anstrengend. Auf die Abfahrt hier konnten wir uns also auch nicht sonderlich
freuen, aber umso mehr freuten wir uns auf die Aussicht oben. Wenn da der Wind
nicht gewesen wäre. Vom Tal aus konnten wir weite Schneefahnen über den Gipfeln
erkennen und je näher wir an die Schwarzwandscharte kamen, desto mehr frischte
der Wind auf und wir mussten unsere Jacken anziehen.
Kurz unter der Scharte
machten wir dann im Windschatten Skidepot. Normal steigt man noch bis in die
Scharte auf, aber diese war so eingeblasen, dass sie mit Skiern kaum begehbar
war und da der Wind von oben permanent runterfegte, erschien uns das als
bessere Wahl. Einen Abstecher auf den Gipfel im Wind wollten wir aber trotzdem
wagen. So packten wir uns gut ein und stiegen entlang der Felsen zuerst in die
Scharte auf um von dort aus dann weiter entlang des Grates zum Gipfel zu gehen.
Ca. 10 Minuten braucht man normalerweise auf den Gipfel von hier – es sind ja
nur noch 60 oder 70 Höhenmeter zu überwinden. Mit dem Pickel bewaffnet ging es
für uns dann weiter nach oben. Zuerst waren wir noch etwas besser vor dem Wind
geschützt und der Schnee war gut griffig und fest zu gehen. Doch weiter oben,
wo der Grat schmaler wurde, waren auch wir mehr dem Wind ausgesetzt und vor
allem Manu hatte bei den Böen teilweise Mühe überhaupt noch zu gehen. Nachdem
auch die Sicht durch den Triebschnee extrem schlecht war und die Gipfelwechte
vor uns so massiv war, dass wir uns nicht trauten sie zu betreten oder zu
queren, entschlossen wir uns zur Umkehr etwa 20 Höhenmeter unter dem Gipfel.
Better safe than sorry!
Rasch stiegen wir dann
wieder zu unserem Depot ab und waren froh über die wärmende Sonne und den Windschatten.
Wir fellten ab und nahmen dann alsbald die Abfahrt in Angriff, die, wie schon
erwartet, nicht sonderlich gut war, vor allem oben. Ich steckte gleich anfangs
einmal massiv ein, als ein Ski sich dazu entschied unter dem Harschdeckel weiter
zu fahren, während der andere den Sonnenschein oberhalb des Deckels bevorzugte.
Nachdem ich mich allen Schnees entledigt hatte, der überall war (unter der
Jacke, im Genick, unter der Skibrille, im Mund, …) fuhr ich dann nur mehr
hinter Manu her in ihrer Spur. Ihr breiter Freeride-Ski hatte weniger Probleme
mit den Bedingungen – oder sie, weil sie besser fahren kann als ich (Anm. Manu: Das würde ich so nicht
unterschreiben!).
Einige schöne Hänge
hatten wir dann aber doch noch vor uns, die wir durchaus auch genießen konnten.
Vor der Timmelsalm gab es dann noch eine Rast und wir aßen unsere Jause, bevor
wir dann entlang des Winterweges zurück zur Timmelsbrücke sausten und auf der
Passstraße sogar bis zum Auto fahren konnten – sie war vor allem an den Rändern
schön eingeweht worden, sodass sie fahrbar wurde.
Zurück in der Pension
erfreuten wir uns über leckeren Kuchen und ließen die Tour bei einer Partie
Rummy Revue passieren. Und da der richtige Hunger auch nicht lange auf sich
warten ließ, freuten wir uns schon sehr auf das 5-Gänge Menü am Abend!
Harald
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| Anfangs geht es entlang des Winterweges zur Timmelsalm. |
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| Die Timmelsalm mit Langlaufloipe. |
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| Über zu wenig Schnee können die hier nicht klagen. |
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| Aufstieg durch eine der vielen Rinnen. |
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| In den Hochtälern erwartet uns eine traumhafte hochalpine Kulisse. |
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| Flach geht es durch das Hochtal entlang der Schwarzwand. |
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| Das Ziel vor Augen: links die Schwarzwandscharte und gleich rechts davon der Gipfel der Hoffmannspitze. |
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| Fußaufstieg zur Schwarzwandscharte bei Sturm. |
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| Wenn sich der Wind kurz legte, sah man sogar den Gipfel. |
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| Schluss mit lustig. Hier drehen wir um. Kaum Sicht und keine Ahnung, wo di eWechte anfängt und wieder aufhört. Absturzgefahr zu groß! |
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| Ein Windloch erwischt. Manu vor dem Hohen Freiger. |
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| Und somit wieder der Sonne entgegen. |
12.01. – Kolbenspitze (2.868m) von
Ulfas / Kratzegg Hof
Der Wetterbericht
kündigte eine Kaltfront von Norden her an, aber vormittags sollte das Wetter
noch einigermassen gut sein. So planten wir eine etwas kürzere Tour, um bereits
am frühen Nachmittag wieder zurück zu sein. Gestartet sind wir vom Kratzegg Hof
auf 1500m. Dieser befindet sich auf der anderen Talseite unserer Pension und
wir sehen ihn von unserem Zimmer aus. Mit dem Auto fährt man allerdings 20
Minuten bis dorthin. Zwei Autos parkten bereits beim Kratzegg Hof. Das Wetter war
noch ganz okay, Wolken trübten zwar den Himmel, aber es gab auch Auflockerungen
und die Sonne blinzelte teilweise durch. Gegen 9 Uhr starteten wir. Erst
mussten wir die Ski ca. 500m weit entlang der Strasse Richtung Ulfasalm tragen,
da diese gesandelt war. Dann ging unsere Aufstiegsspur dem Wanderweg entlang in
Richtung Kolbenspitze. Erst etwas mühsam durch den Wald, dann lichtete sich
dieser und an einigen Almhütten entlang ging es auf offene Wiesen. Wir wurden
dann von zwei Speedies überholt, zwei weitere Tourengeher waren vor uns. Darüber
waren wir nicht unfroh. Zwar gab es eine sehr gute Aufstiegsspur, aber kurz
bevor man auf die Schulter kommt, waren die alten Aufstiegsspuren eingeblasen.
Die vier Tourengeher vor uns wählten eine Alternativroute zur alten
Aufstiegsspur, was von den Verhältnissen her auch viel sicherer war. Wir
mussten also ausnahmsweise mal nur den Spuren folgen und nicht selber spuren!
Somit kamen wir auch zügig voran und nach gut drei Stunden standen wir auf dem
Gipfel der 2868m hohen Kolbenspitze.
Von Norden her
drückten bereits die Wolken rein, die Berge waren verhangen und die
Schlechtwetterfront schob sich immer näher. Gegen Süden hin war es noch
aufgelockerter und es herrschte eine ganz spezielle Föhnstimmung. Die Aussicht Richtung
Dolomiten war ebenfalls wunderbar. Nichtsdestotrotz verplemperten wir nicht
allzu viel Zeit, sondern machten uns ready fürs Abfahren. Der Gipfelhang war
etwas mühsam, da er recht harschig und windbearbeitet war. Dann aber, als wir
in die Nordhänge kamen, ging der Spass so richtig los! Gut 1000 Höhenmeter
gings in feinstem Powder hinunter! Zwar waren schon einige Spuren gezogen
worden, aber die Hänge sind so grosszügig und es hat Platz für noch viele
weitere Spuren! Im Talboden angekommen, mussten wir dann noch einmal kräftig
anschieben, bis wir zurück beim Auto waren. Die Sicht hatte sich mittlerweile
verschlechtert, doch das war uns egal, denn wir hatten schon eine tolle Tour
hinter uns!
Kaffee und Kuchen
warteten dann bereits in der Pension auf uns und nun freuen wir uns wieder auf
ein leckeres Abendessen!
Manu
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| An Schnee mangelt es hier im Passeiertal nicht wirklich. |
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| Schöne und weite Skihänge erwarten uns :-) |
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| Nordföhnstimmung in Südtirol |
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| Die Schlüsselstelle geschafft - von nun an geht es angenehm weiter bis zum Gipfelgrat. |
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| Blick in Richtung Dolomiten: man kann die Kreuzkofelgruppe erkennen, Puez und Geisslerspitzen, den Langkofel und die Sellagruppe mit dem Piz Boè sowie die Rosengartengruppe. |
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| Am Gipfel der Kolbenspitze |
13.01. – Rossgruben (2.437m) und
Sonnenweg in Stuls
Der heutige Tag war
als „So-So-Tag“ angekündigt. Morgens noch viele Wolken von Norden her, über Mittag
vielleicht etwas besser, abends wieder Schneefall. Naja, wir sind eines Besseren
belehrt worden. Nachdem wir ausgeschlafen hatten, erwartete uns draußen recht
freundliches Wetter. Aus unserem geplanten Pausentag konnte also nichts werden,
denn bei Sonnenschein auf der faulen Haut zu liegen ist nicht so unser Ding.
Also frühstückten wir ordentlich und holten noch Auskünfte von Jürgen (dem Chef
hier) ein, welche Touren denn machbar sind. Was uns nämlich Sorgen machte, war der
angekündigte Nordföhn. Die Wahl fiel dann auf das Ulfastal und den Rossgruben.
Dieses Tal scheint etwas windgeschützt zu sein und die Tour ist mit knapp 1000
Höhenmetern auch nicht so lange.
Wir packten unsere sieben
Sachen, fellten auf und fuhren dann wieder zum Ausgangspunkt am Kratzegg Hof in
Ulfas, den wir schon kannten. Heute ging es aber dann in ein anderes Tal hinein
und über schöne Wiesenhänge immer weiter nach oben zu den Gampenwiesen. Von
dort aus sahen wir dann schon den Gipfel und das Skitourenziel: die
Rossgrubenscharte, die von den meisten Tourengehern angesteuert wird.
Der Aufstieg zur
Scharte war gut gespurt und so kamen wir flott hinauf. Oben angekommen
begutachtete ich noch den restlichen Grataufschwung zum eigentlichen Gipfel.
Nur wenige Tourengeher machen noch diesen Abstecher und so war keine Spur mehr
dort, man konnte aber noch die alte Spur ausmachen. Ich versuchte mich also und
spurte in recht engen Spitzkehren nach oben, im Zick-Zack durch die Felsen.
Irgendwann wurde es mir dann zu blöd, denn abfahren konnte man nicht wirklich
in diesem Labyrinth aus Steinen, manche davon noch ganz fies unter wenig Schnee
versteckt. Und weiter in den Hang hinausqueren wollte ich nicht, denn dieser
war dick eingeblasen. Ich konnte zumindest meinen Stock komplett im Triebschnee
versenken, bis ich die harte Schicht darunter erreichte – 130cm also. Das war
mir dann zu viel, denn abfahren konnte man gezwungenermaßen nur dort im Hang –
zu gefährlich.
Ich kehrte also um und
rutschte zu Manu ab, die schon nachgekommen war. Dort angekommen wechselte ich
den Fortbewegungsmodus, rammte die Ski in den Schnee und stapfte im harten
Schnee entlang des Grates die letzten Meter hoch zum Gipfel – Manu folgte dann
gleich. Während wir die Aussicht oben genossen, klarte es plötzlich recht gut
auf und wir standen sogar in der Sonne. Damit verbunden war aber auch ein
Auffrischen des Windes. Wir machten noch ein paar Fotos, gingen zu den Skiern
ab und packten rasch zusammen, um dann in gutem Licht abfahren zu können. Erstaunlicherweise
fanden wir dann sogar noch recht gute Pulverhänge, die unverspurt waren, und so
konnten wir die Abfahrt auch noch genießen. Am Auto angekommen waren gerade mal
3 Stunden vergangen, es war schön warm und windstill.
Zurück in der Pension
stillten wir den ersten Hunger mit einem riesigen Stück Sacher- bzw.
Buchweizentorte, begleitet von einem Latte-Macchiato, ehe wir dann am
Nachmittag noch zu einem Spaziergang hier in Stuls aufbrachen – dem Sonnenweg
entlang. Gut 1,5h waren wir dann nochmals unterwegs und genossen die Sonne und
die herrliche Aussicht auf das Passeiertal.
Nun sind wir hungrig
und freuen uns auf das leckere Abendessen – der Hauptgang heute wird ein Kaiserschmarren
sein 😊
Harald
Rossgruben
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| Im Aufstieg hatten wir nicht so wirklich gutes Licht. |
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| Aber am Gipfelgrat klarte es dann langsam auf. |
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| Manu kommt die letzten Meter hoch zum Gipfel - zu Fuß. |
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| Langsam wurde es schöner - und windiger. Links sieht man unsere Pension in Stuls und dahinter den Stulser Hochwart - den Hausberg von Stuls. |
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| Blick zum Hirzer. |
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| Powderski sind ready für die Abfahrt. |
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| Wir hatten dann echt noch gute Sicht in der Abfahrt und konnten einige Hänge richtig gut befahren. |
"Kaffee und Kuchen"

Sacher- und Buchweizentorte à la Pension Widmann. Die Bäckermeister in diesem Hause sind wahre Künstler.
Stulser Sonnenweg
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| Blick von Stuls in die Texelgruppe bei Pfelders. |
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| Die Sonne am Sonnenweg. |
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| Unsere Aussicht von Stuls in die schönen Berge hoch über dem Passeiertal. |
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