Unser Tag startete
etwas früher als normal, denn wir mussten heute von Gstaad im Saanetal nach
Lenk im Simmental fahren und davor unseren Bus enteisen und abreisebereit
machen. Was auf der Karte nur durch einen Bergrücken getrennt wird, erweist
sich im realen Leben dann als 45-minütige Autofahrt. Wir frühstückten erstmals
gemütlich und ließen der Heizung den Vortritt beim Enteisen der
Windschutzscheibe, was prima klappte. Ich musste am Ende nur noch
Trockenwischen 😊 Die anderen Scheiben waren ebenfalls alle
recht beschlagen, aber die wohlige Wärme im Inneren half kräftig dabei, wieder
klare Sicht zu bekommen.
Wir fuhren
anschließend nach Zweisimmen und zweigten dort nach Lenk ab. Vorbei am schönen
Dörfchen St. Stephan ging es immer weiter auf das Wildhorn zu, welches im
Talschluss hoch über der Iffigenalp zu sehen ist. In Lenk selbst mussten wir
dann noch eine Bergstraße nach oben düsen zur Talstation am Bühlberg. Heute
wollten wir es etwas gemütlicher nehmen mit den Höhenmetern und Distanzen,
deswegen starteten wir erst auf 1.665m.
Dort angekommen
stellten wir zuerst nochmals das Dach vom Bus auf, damit dieses ordentlich in
der Sonne austrocknen konnte. Wir zogen uns um und setzten uns dann ca. um 10
Uhr in Bewegung, schon in der wohligen Wärme der Sonne, ich gleich im T-Shirt!
Wir folgten zuerst dem
Weg in Richtung Tierberg, einem kleinen Vorgipfel in der Kette des
Albristhorns. Von dort weg führt der direkte Anstiegsweg über das Seewlehore
und den Vorgipfel des Albristhorns auf den Hauptgipfel von letzterem. Bis zum
Tierberg war es schön warm und windstill, doch kaum erreichten wir den Gipfel und
den Grat zum Seewlehore, wurde es kalt. Ein recht eisiger Wind zog dort oben
von West herein und da wir am Grat gingen, gab es nicht wirklich Schutz davor.
Wir zogen also unsere Windstopper an und wechselten die Handschuhe, bevor es
weiter zum Gipfel des Seewlehore ging. In einer Senke, etwas hinter dem Grat
versteckt, war es dann windstill und wir legten eine Biber-Pause ein.
Frisch gestärkt ging
es dann weiter dem Grat entlang zum Seewlehore. Auf dieser Passage überholte
uns dann ein Trailrunner, der nur in kurzer Hose und mit leichten Schuhen
unterwegs war. Brrrrr und hui, sagten wir da nur. Der Weg an sich führt steil
nach oben, doch ist nirgends ausgesetzt oder gefährlich. So erreichten wir
recht zügig den Gipfel und machten uns sogleich weiter auf den Weg zum
Albristhorn. Der Grat macht von dort weg einen kleinen Schwenk in Richtung
Norden und somit trafen wir vermehrt auf Schneereste und kleine eisige
Passagen. Absturzgefahr herrscht dort zwar nur gering, aber man muss dennoch
vorsichtig gehen, um nicht zu rutschen. Zum Glück waren schon teils gute Spuren
im hartgefrorenen Schnee, sodass wir die Stellen gut meistern konnten. Am
Vorgipfel des Albristhorns waren dann die Schwierigkeiten gemeistert und wir
gingen die letzten Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Was für eine Aussicht von dort
oben. Die hohen Berge des Berner Oberlandes sind dort zum Greifen nahe, vor
allem bei dieser klaren kalten Luft.
Der Wind war auch am
Gipfel noch lebhaft und so stieg ich etwas in Richtung Nordosten ab, von wo
eine Spur zum Gipfel heraufführte. Schon kurz unter dem Gipfel war es dann
windstill und ich konnte die Sonne genießen und Fotos machen. Manu zögerte
noch, meinte sie doch, die Stelle sei ihr zu steil und sie hätte keinen Halt im
Schnee. Nach guter Zusprache folgte sie dann doch und wir standen schön
windgeschützt dort und genossen die Aussicht. Die Jause wollte sie nicht hier
am Gipfel essen, denn erstens hatten wir keinen guten Platz zum Sitzen und
zweitens mussten wir noch den eisigen Grat zurück zum Seewlehore, und das
machte Manu etwas Angst. Wir besprachen uns am Gipfel lange, was wir nun tun
sollten. Vom NO-Grat rauf zieht ein Aufstiegsweg, in dessen Spuren wir gerade
standen. Und weiter unten am Grat sahen wir Leute, die gerade im Aufstieg
waren. Der Weg war also machbar. Nur war der Abstieg über den NO-Grat mit einem
Abstieg bis ins Tal bei Adelboden auf ca. 1500m verbunden und somit einem
Gegenanstieg von mehr als 450 Höhenmeter. Eigentlich wollten wir ja heute etwas
kürzer treten und nichts Großes machen, aber der Rückweg war anscheinend blöder
als der Abstieg über den NO-Grat, wo gute Spuren vorhanden waren. Und zum Glück
hatte ich am Morgen noch sicherheitshalber den Pickel auf den Rucksack montiert
und das kurze Seil mitgenommen. Ausgerüstet waren wir also – lediglich
Steigeisen hatten wir keine dabei, aber diese waren auch nicht wirklich
notwendig, kamen doch einige von unten auch ohne diese rauf, nur mit Pickel
„bewaffnet“.
Wir entschlossen uns
also für die Überschreitung und stiegen ab. Etwa 100m unter dem Gipfel fragten
wir dann den ersten Aufsteiger nach den Bedingungen: gut machbar, vor allem mit
Pickel, kein Problem im Abstieg. Wir setzten also den Abstieg fort und trafen
noch auf ca. zehn andere Bergsteiger, die uns entgegenkamen, nur manche davon überhaupt
mit Pickel. Der Abstieg war dann problemlos machbar und wirklich deutlich
weniger gefährlich als der Rückweg über den Grat zum Seewlehore. Im Sattel des
Furggeli, wo sich der Wanderweg dann gen Süden wendet, machten wir Pause,
versorgten das Seil und den Pickel und genossen die wärmende Sonne und die
Aussicht.
Von dort führte dann
ein normaler Wanderweg ab ins Tal bis nach Aebi auf ca. 1500m. Diesen Weg
meisterten wir flott und standen schon bald unten an den Liftstationen, nur
Lifte fuhren heute keine. Wir mussten den Gegenanstieg selbst machen, doch
bevor dies geschah, aßen wir das zweite Jausenbrot (warum auch immer wir genau
heute pro Person zwei Brote dabei hatten :-P). Der Gegenanstieg war dann etwas
mühsam – zumindest für mich – zog er sich doch ewig dahin bis auf über 2000m.
Von der Bergstation der Lifte dort mussten wir dann noch dem Wanderweg bzw. der
Piste entlang wieder ab auf die andere Seite zum Bühlberg, wo wir beide
geschafft aber glücklich um 16:30 wieder beim Bus eintrafen. Anstatt der ca.
1200 Höhenmeter sind es dann doch 1780 Höhenmeter und 20,5km geworden. Was für
eine Tour! Anders als geplant, aber definitiv lohnend. Beide waren wir
glücklich, dass wir nicht den Weg zurück über den Grat genommen, sondern die
Überschreitung gewählt hatten.
Da es schon etwas
später war entschlossen wir uns, wieder auf den bekannten Camping nach
Zweisimmen zu fahren. Während Manu telefonisch nachfragte, ob noch Platz
vorhanden sei, packte ich unser Zeug ein und los ging es wieder nach Zweisimmen
– zum Abendessen, denn hungrig waren wir beide!
Harald
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Start bei traumhaft schönem Wetter und Ausblick auf die Wildstrubel-Gruppe.
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Der Grat noch vor uns: Blick vom Tierberg auf das Seewlehore und das Albristhorn.
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Hier war es windgeschützt und wir nutzten die Gelegenheit gleich für einen Biber ;-)
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Das Seewlehore (2.467m)
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Der weitere Grat vom Seewlehore zum Albristhorn. Hinter dem Vorgipfel war dann auch noch Schnee und Eis zu finden.
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Am Gipfel angekommen und eine traumhafte Aussicht vorgefunden :-)
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Rückblick auf den Grat vom Seewlehore zum Vorgipfel des Albristhorns. Dort war es teils eisig.
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Auch wenn schon so oft gesehen in den letzten Tage, fad wird das nie :-)
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Der Abstieg vom Albristhorn war gut machbar, dank der guten Spur.
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Blick vom NO-Grat zum SW-Grat des Albristhorns.
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Im Schatten lag einiges an Schnee, der aber gut gehbar war.
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Rückblick auf den NO-Grat.
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Blick aus dem Sattel auf die hohen Berner Alpen. Ciao für heute!
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Im Abstieg schon fast im Talboden bei Aebi.
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In der Mitte das Albristhorn. Links der gesamte Grat des Aufstiegs, rechts alles runter, um den kleinen Gipfel herum und bis ins Tal.
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Endlich am Pass angekommen. Ein letzter Blick zurück auf die hohen Berge, bevor die Sonne ganz weg ist.
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