Wie schon so oft planten wir für den heutigen Tag eine etwas weniger anstrengende Tour – laut unseren Berechnungen ca. 1100 Höhenmeter mit dem Bike und dann noch weitere 350 Höhenmeter zu Fuss auf einen Gipfel. Wir wollten sogar etwas später starten, doch ein gewisser Drang scheuchte uns beide um 07:30 Uhr aus dem warmen Schlafsack!
Draussen war es noch
neblig – so hatten wir überhaupt keinen Stress und um 09:15 Uhr starteten wir mit
unseren Bikes. Zu Beginn war es mal wieder eisig kalt, vor allem, da die ersten
Kilometer in der Ebene und im Kaltluftsee unterhalb der Nebeldecke zurückgelegt
werden mussten! Es ging erst einmal in Richtung Grund, aber circa auf halber
Strecke zwischen Gstaad und Grund führte uns die Route ostseitig den Hang
hinauf – ostseitig ist darum erwähnenswert, da wir nun in der Sonne strampelten
und uns ziemlich schnell sehr warm wurde! Über Flüemad und die Alp Tschaanere
ging es hoch bis auf 1546m, zur Talstation des Liftes Vorders Eggli. Dann ging
es ziemlich steil einem Feldweg der Piste entlang hinunter. Gut, dass unsere
Bremsen wieder einwandfrei funktionierten!
Auf 1255m kamen wir
dann wieder auf eine asphaltierte Strasse und dann ging es auch schon wieder
aufwärts. Zum Glück ganz gemütlich. Doch mit dem gemütlichen Aufwärts war es
nach einer Weile vorbei, denn unsere Route führte rechts weg in eine Schotterstrasse,
die mehr oder weniger steil nach oben führte. Meistens war es mehr steil als
weniger. Ich gab ziemlich schnell w/o und schob mein Bike die steilen Stellen
nach oben. Harald kämpfte sich tapfer durch, aber unter der Alp Les Praz war es
dann auch für ihn zu steil. Also es war eine Kombination aus Steilheit,
Untergrund und Oberschenkeln, die nicht mehr wollten, die ihn dann auch zum
Aufgeben zwangen! So waren wir beide froh, als wir endlich die Alp Pra Cluen
auf 1813m erreichte, ab wo wir dann zu Fuss weitergingen!
Auch zu Fuss ging es
erst einmal zügig nach oben. Wir kamen an den Les Gouilles vorbei, zwei oder
drei Tümpel, die es eigentlich nicht verdient haben, See genannt zu werden :-D.
Unter der Seilbahn La Videmanette querten wir auf einen Pass auf 2129m und von
dort ging es noch einige Meter nach oben auf den Gipfel La Videmanette auf
2186m. Die Aussicht war mal wieder überwältigend! Und heute störten auch keine
Wolkenfetzen! Gegenüber von La Videmanette sahen wir noch einen weiteren
Gipfel, der mehr nach Gipfel und nicht nach Hügel aussah. So entschlossen wir
kurzerhand, den auch noch mitzunehmen. Wir stiegen nochmals ein paar Höhenmeter
ab, erschreckten unfreiwillig eine Horde von Steinböcken, die sich dann aber
doch nicht stören liessen, da wir einen Umweg um sie nahmen. Mehr gestört
fühlten sich dann die Gämsen, die natürlich direkt in die Richtung davonliefen,
in die wir wanderten! Schnell überwanden wir die restlichen Höhenmeter und
kamen auf den 2257m hohen Rocher Plat. Ganz zum Schluss gab es sogar noch eine kurze
Kraxelstelle. Wie erhofft, war die Aussicht von hier noch viel überwältigender!
Nördlich von uns war Le
Rubli, auf den mehrere Klettersteige führen. Im Süden dann die Gummfluh und die
steilen Nordwände der Pointes de Sur Combe. Und im Osten die hohen Berner und
Walliser Berge! Wir genossen die Aussicht, assen unsere Brötchen und verliessen
dann schweren Herzens den Gipfel, da noch ein längerer Abstieg und die Fahrt mit
den Bikes vor uns lag. Es war auch schon wieder nach 13 Uhr. Runter gings über
den Col de la Videman. Um nicht zu tief abzusteigen und dann wieder aufsteigen
zu müssen, querten wir den Hang so, dass wir etwa auf gleicher Höhe bleiben
konnten. Die Querung war recht mühsam und wahrscheinlich wären wir auf dem
Wanderweg schneller gewesen, aber schliesslich erreichten wir dann doch noch
unsere Bikes.
Nun stand eine sehr
steile Abfahrt durch das Ruble-Tal bevor. Für mich teilweise zu steil, und da
ich kein Fan von unkontrollierten Rutschpartien bin oder davon, immer schneller
zu werden, obwohl ich voll die Bremsen ziehe, nahm ich auch hier hin und wieder
den Fussweg in Kauf. Froh war ich, als wir dann Les Planards auf 1354m
erreicht, von wo aus eine asphaltierte Strasse ins Tal führte. Bei Rougemont
erreichten wir den Talboden und dann gings dem Fahrradweg entlang zurück zum
Campingplatz. Gemütliches Strampeln sieht aber anders aus! Kaum bogen wir in den
Fahrradweg, wurde es wieder mehrmals so richtig steil! Immerhin war der
Untergrund gut und so kämpfte auch ich mich durch. Der Saane entlang ging es
bis nach Saanen. Dort gibt es sogar einen Flugplatz und wir konnten einer
kleinen Propellermaschine beim Start zusehen. Keine 100m brauchte die Maschine,
bis sie vom Boden abhob!
In Saanen gings noch
schnell zum Beck, Brot für morgen und eine Nachspeise holen. Dann waren es auch
nur noch fünf Minuten, bis wir wieder beim Camping waren – ziemlich fertig!
Zumindest ich! Es waren doch wieder 1800 Höhenmeter und 36 Kilometer. Und 16
Uhr war es auch schon! Aber die Tour hat sich wieder gelohnt! Die Region hier
gefällt uns sehr gut und es gibt immer wieder neue Juwelen zu entdecken! Nun
sind wir gespannt, was die nächsten Tage bringen… 😊
Manu
| Der letzte Aufstieg ist geschafft. Ab jetzt gehts nur noch eben oder leicht bergauf bis zur Alp Pra Cluen. |
| Einer der Tümpel unter dem "Rüeblihorn" (Le Rubli) |
| Kraxelei bis auf den Gipfel des Rocher Plat. |
| Aussicht geniessen! |
| Mit müden Oberschenkeln am Gipfel, aber glücklich ob der guten Aussicht. |
| Rückblick auf den Gipfel des Rocher Plat. |
| Die Nordwände der Gummfluh (rechts) und des Pointe de Sur Combe (links) |
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