Freitag, 6. November 2020

05.-06.11. – Freiburg – Biken in der Region Schwarzsee

 05.11. – Bike & Hike: Hohmattli (1.794m)

Obwohl das Coronavirus auch die Schweiz fest im Griff hat, haben viele der Kantone noch keine strikten Maßnahmen ergriffen wie zum Beispiel die Schließung der Hotels und Gastronomie. Da auch der Kanton Freiburg noch recht offen ist, entschlossen wir uns dazu, in die Region rund um den Schwarzsee bzw. Gastlosen zu gehen, um etwas mit dem Mountainbike und zu Fuß die Berge zu erleben. Und da die Region auch recht hoch liegt (der Schwarzsee zB auf 1045m), erhofften wir uns auch keinen Nebel.

Unsere Reise ging ganz gemütlich nach dem Frühstück los. Den Bus hatten wir schon am Vorabend soweit abreisebereit gepackt. Nach einem Einkauf im Land ging es dann weiter in Richtung Westen, nach Freiburg. Schon von Anfang an steckten wir unter einer dicken Nebeldecke, die sich nicht aufzulösen schien. Und selbst als wir näher an Freiburg waren und es nach oben ging, wurde der Nebel nicht weniger. Auch am Schwarzsee angekommen standen wir noch immer unter einer Nebelschicht. Nicht cool Für uns gab es aber vorerst mal ein Käffchen und dazu einen Nussgipfel – LECKER!

Kurz nach 13 Uhr stiegen wir dann trotz der Kälte etwas widerwillig auf unsere Bikes und strampelten los. Vom Schwarzsee ging es in Richtung Riggisalp und wie wir feststellten, ging es steil bergauf. Schon nach kurzem war uns warm und wir entledigten uns einiger Kleiderschichten. Wenig später standen wir vor einer Baustelle. Die Straße ist dort neu mit Beton gegossen worden und der Arbeiter meinte nur, wir können schon hoch, aber bitte nicht in den Beton.

Uns führte der nicht abflachen wollende Weg immer weiter nach oben, direkt in den Nebel rein. Die Höhenmeter verflogen und wir waren auf 1.300m, 1.400m und 1.500m. Bei der Alp am Hürlisboden über 1.500m war noch immer keine Sonne in Sicht. Unsere Hoffnungen schwanden dahin. Von der Alp weg mussten wir die Bikes kurz entlang eines Wanderwegs schieben, denn fahrbar war das nicht – zu nass, zu rutschig, zu steil. Aber das Schieben lohnte sich. Auf knapp 1.600m öffnete sich dann der Nebel und wir standen im Sonnenschein und wurden angenehm gewärmt. Unsere Laune wurde mit einem Schlag wieder besser und wir hatten ein Lachen im Gesicht.

Geplant war eine Rundtour, aber für diese hätten wir gleich danach schon wieder runter müssen und somit in die Nebelsuppe rein. Wir entschieden uns dann für eine kurze Wanderung auf das Hohmattli, denn dort schien die Sonne, es war windstill und schön warm. Oben genossen wir dann die super Aussicht auf die Berner Alpen und das Nebelmeer über dem Flachland. Schweren Herzens mussten wir dann aber wieder zu den Bikes und runter ins Tal, denn erstens wurde es bald dunkel und zweitens lief unser Parkticket aus.

Bei der Abfahrt waren wir im dichten Nebel unterwegs und dieser kondensierte auf uns. Von meinem Helm tropfte es weg und meine Jacke war triefend nass. Wir freuten uns somit auf eine warme Dusche am Campingplatz und auf den geheizten Bus. Aus der warmen Dusche wurde dann irgendwie nicht so viel, denn man musste CHF 1.- zahlen für 2 Minuten duschen und wir hatten nur noch einen Franken in Münzen und die Rezeption war nicht besetzt. Also teilten wir uns 2 Minuten duschen. Wenigstens war der Bus dann angenehm warm – was so eine Heizung alles kann 😊 – und das Essen am Abend schmeckte dank der knapp 900 Höhenmeter doppelt so gut.

Harald

Zeit wurde es: endlich raus aus dem Nebel.


Am Aufstieg zum Hohmattli. Im Hintergrund das Kaiseregg.

Siehe da, alte Bekannte ;-)

Schreckhorn, Lauteraarhorn, Eiger, Mönch und ein bisschen der Jungfrau sieht man .. und uns beide natürlich ;-)

 

06.11. – Bike & Hike: Chörblispitz (2.103m)

Oder: Ein Tag im Zeichen des Schweizer Nationalgerichts „Rösti“

Der Tag startete recht früh, denn am Campingplatz kamen Bauarbeiter und machten einigen Lärm. Also standen wir auch früher auf als geplant und ließen erstmals die Heizung etwas laufen, denn es war doch recht frisch – nicht so frisch wie erwartet aber frisch eben. Beim ersten Blick raus sahen wir nicht viel, nur Nebel Wir machten uns ans Frühstück und schon beim Suchen so mancher Utensilien im Schrank kam mir das Rösti entgegen, welches wir als Abendessen für heute geplant hatten. Doch das sollte nicht die letzte Begegnung mit dem „Rösti“ sein für heute.

Nach dem Frühstück erledigten wir den Abwasch und Manu zahlte den Campingplatz, denn die Rezeption war nur von 9-10 Uhr morgens besetzt. Wir plauderten recht nett mit dem Stellvertreter der Campingleitung und dieser fragte uns dann, ob wir aus der Nähe seien, aus dem Sense-Bezirk im Kanton Freiburg. Dort sei das Geschlecht der „Köstinger“ weit verbreitet und heimisch. So ein Zufall also auch. Davon wusste ich nichts. Bis jetzt dachten wir beide, dass der Familienname aus Österreich stamme. Tja, so kann man wieder etwas lernen.

Los ging es dann noch im Nebel, doch wir sahen schon wenig über uns die Bäume in der Sonne. Hoffnung also. In der Kälte des Morgens ging es entlang des Sees zurück ins Dörfchen, um von dort dann die Straße zum Euschelspass zu nehmen. Diese führte anfangs wieder extrem steil nach oben und so schafften wir in kurzer Zeit viele Höhenmeter und warm wurde uns auch. Schon bald hatten wir die Ritzlialp beim Euschelspass erreicht und wunderten uns noch, wie schnell wir waren. Dann ging es etwa 100 Höhenmeter runter, bis wir unsere Bikes stehen ließen und auf Fußantrieb umstellten.

Unser Ziel war der 2.103m hohe Chörblispitz, den man über einen steilen Wanderweg, der südseitig verläuft, erreicht. Bis zur kleinen Alp Chörbli unter dem Gipfel kamen wir zügig voran und dann fiel dieser Satz, wie wir ihn schon öfters gesagt hatten in letzter Zeit: „wenn wir dann mal früher zurück sind …“. Wir kamen ja zügig voran und wussten noch nichts von der weiteren Tour, also war der Satz ja legitim. Von der Alp ging es dann recht steil in engen Serpentinen oder direkt durch kleine Kraxelpassagen nach oben zum Gipfel. Dort saß sogar schon jemand und grüßte nur widerwillig. Wir beide waren aber sowieso baff, denn die Aussicht dort oben ist grandios. Auf der einen Seite sah man ins Nebelmeer und zu unserem Campingplatz und dem Schwarzsee, wo jetzt die Sonne schien. Auf der anderen Seite hatte man einen wundervollen Ausblick auf die Berner Alpen, die Walliser 4000er und den Mont-Blanc. Einfach großartig. Wir setzten uns dort hin und machten ausgiebig Pause und aßen unser Pausenbrot, denn wir hatten schon ca. 1250Hm hinter uns gebracht.

Etwas demotiviert traten wir dann den Rückweg an. Oben war es wunderschön warm und sonnig, ein schöner Platz zum Verweilen also. Abwärts ging es recht flott und schon bald standen wir bei den Bikes und sattelten wieder um. Wir sausten dann die Straße auf der anderen Seite nach Jaun ab. Hier wurde es dann immer kühler, denn im Tal war es deutlich kälter. Von Jaun aus ging es dann dem Radweg entlang nach Charmey auf ca. 860m. Dort erwartete uns dann ein neuerlicher Aufstieg nach La Balisaz, der Alp am höchsten Punkt, bevor es wieder auf der anderen Seite runter zum Schwarzsee und somit unserem Bus ging.

Der Weg war anfangs schon recht mühsam, weswegen wir uns dann entschieden, auf der Straße zu fahren, die sowieso kaum Autos zählte. Etwas weiter oben dann folgten wir dem GPX Trail der Tour und nicht den Schildern, was sich doch irgendwie als Reinfall raustellen sollte. Der Weg wurde zunehmend schlechter und vor allem war es matschig und nass. Als der Weg kaum mehr fahrbar war, stiegen wir dann von den Rädern ab und schoben diese – anfangs. Später trugen wir sie sogar noch ein Stückchen, denn es wurde extrem steil. Erst als wir wieder auf den „normalen“ Weg trafen, konnten wir sie wieder entspannt schieben, denn an fahren war auch dort nicht zu denken – viel zu steil und zu rutschig. Bis zur Alp hinauf steilte sich der Weg dann nochmals ordentlich auf und wir beide kamen nach fast 1800 Höhenmeter etwas ins Fluchen.

Am Pass angekommen waren wir aber doch froh über die schöne Tour und freuten uns auf die Abfahrt, nicht aber auf den kalten Campingplatz, denn der lag um 16 Uhr schon im Schatten. Wir fuhren zügig ab und mussten auch hier feststellen, dass die Wege extrem steil sind. Die Bremsen der Bikes leiden hier extrem! Also auch umgekehrt wäre der Weg kaum weniger anstrengend gewesen, obwohl ich das anfangs noch angenommen habe.

Zurück zum „Tag des Röstis“: die Tour heute (ohne den Chörblispitz) ist auf vielen Portalen im Internet und auf Seiten der Gemeinden hier als die „Röstigrabentour“ bekannt. Der Röstigraben bezeichnet die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch in der Schweiz. Man startet im deutschsprachigen Teil von Freiburg, kommt nach Jaun, wo man noch Deutsch spricht und fährt dann nach Charmey, wo Französisch gesprochen wird. Bis hinauf zum Pass bei La Balisaz ist alles französisch angeschrieben, bis es dann wieder wechselt. War also quasi ein Kulturausflug für uns.

Harald

Unser Ziel vor Augen: links der Chörblispitz.

Der südseitige Aufstieg war trocken und wunderschön.

Aussicht auf den Schwarzsee und das Nebelmeer im Flachland.

Aussicht in Richtung Berner Oberland und Wallis. Unzählige Berge, die wir heuer schon selbst bestiegen oder aus nächster Nähe erlebt haben.

Nebelmeer auch in Richtung Genf und Jurabogen.



Die Kirche von Jaun.

Fertig mit schieben. Ab hier gehts wieder auf dem Bike weiter. Unter uns Charmey.
Geschafft. Der höchste Punkt ist wieder erreicht, jetzt gehts nur noch abwärts. Und die Sonne stand auch schon tief, es war 16 Uhr.


Rösti mit Speck und Spiegelei nach der ausgedehnten Röstigrabentour. Zusammen mit dem Bier durchaus verdient würde ich sagen.


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