Dienstag, 9. April 2024

09.04.2024 - Madritschspitze (3.265m)

Unser letzter Tag im Martelltal sollte gemütlich werden. So wollten wir eigentlich wieder etwas später aufstehen und erst um 7 Uhr frühstücken. Leider war die Lawinensituation nicht wie erhofft. Es kam zwar in der Höhe eine Abkühlung, aber dies erst spät und es war leicht bewölkt in der Nacht mit viel Staub in der Luft - also keine Abstrahlung oder nur reduziert. Somit gab der Warndienst die Stufe "3 - erheblich" schon ab dem Morgen aus. Unsere nordseitige Tour auf die Nonnenspitze oder einen anderen Berg konnten wir somit nicht machen.

Wir hatten uns am Vorabend im Prinzip auf zwei Varianten geeinigt. Entweder die kleine Erhebung neben der Köllkuppe nordseitig oder die Madritschspitze südseitig. Nach dem Start beim Parkplatz in Hintermartell ging es dann wie gewohnt an der Zufallhütte vorbei und ins Tal hinein. Irgendwo dort dachte ich mir dann, dass ich eigentlich nicht schon wieder zur Martellerhütte aufsteigen wollte. Zudem war der Schnee deutlich besser durchgefroren als angekündigt. So besprachen wir uns und bogen dann nicht zur Hütte ab, sondern folgten dem Tal noch etwas, um später zur Madritschspitze aufzusteigen.

Die Verhältnisse im Anstieg waren derart gut, dass wir fast ohne Kehren immer schön leicht nach oben ziehend an Höhe gewannen. So kamen wir deutlich effizienter ins Butzental als normal, und das sparte Zeit und Kraft. Als wir dann den Gipfel sahen und der Höhenmesser sagte, dass es lediglich noch 550 verbleibende Höhenmeter sind, fragte ich Manu, ob wir nicht direkt vom Gipfel ins Madritschtal abfahren wollen - etwas, dass wir noch nie gemacht hatten bis jetzt. "Wenn es die Bedingungen erlauben, gerne" - also gaben wir etwas mehr Gas.

Zwar spielte uns nun der Wind und der milchige Himmel etwas in die Karten, denn es firnte nicht so schnell, aber wir wollten dennoch früh genug dran sein. Schließlich ist der Hang etwas steiler und es galt Warnstufe "erheblich". Als wir an der Einfahrt vorbeikamen, querte ich etwas in den Hang und buddelte ein Loch. Noch ca. 10cm harter, tragender Deckel. Darunter zwar weich, aber kompakt weich. Wir dürften also noch Glück haben.

Manu hatte dann noch ein kleines technisches Gebrechen etwa 120Hm vor dem Gipfel. Ihr Fell fiel ab, da es seitlich Nässe zog und somit einfach "davonschwamm". Dennoch schafften wir die 1250Hm in gut drei Stunden, was deutlich schneller war als normal. Am Gipfel hielten wir uns nicht lange auf, war es dennoch schon 11:30 Uhr und es zog auch mehr zu, was schlecht für die Sicht war.

Wir fuhren dann rasch ab. Die erste mögliche Einfahrt, wo ich das Loch gebuddelt hatte, nahmen wir dann nicht. Der Hang darunter war extrem verfahren und somit nicht mehr lohnend. Zudem war der Hang voll nach Osten ausgerichtet und hatte schon den ganzen Vormittag über Sonne bekommen. Wir querten etwas weiter dem Grat entlang und fuhren dann auf knapp 3.050m ein. Dieser Hang war etwas mehr nach Nordosten exponiert, somit noch härter und war weniger zerpflügt. 

Die Einfahrt war dann oben schon weich, fast zu weich. Aber die Schichten darunter waren kompakt. Weiter unten wurde es dann erstaunlicherweise besser. Man konnte gut runter carven. Zügig fuhren wir die Hänge einzeln ab und kamen dann glücklich im Talboden an, wo wir uns dann eine kleine Stärkung gönnten, waren es von dort aus doch nur noch flache Hänge bis zum Parkplatz zurück.

In teilweise schönem Firn fuhren wir dann in Richtung Zufallhütte bzw. Hintermartell. Mit viel Schwung ganz unten schafften wir es sogar fast über die kleine Kuppe ohne anzuschieben. Die letzten 200Hm zurück waren dann sehr weich. Man konnte mehr von Surfen als von Skifahren sprechen. So kamen wir bereits gegen 12 Uhr zurück zum Auto und waren glücklich über eine neue Variante der Abfahrt, die wir noch nie probiert hatten.

Zurück im Hotel konnten wir dann gemütlich unsere Sachen packen und noch zu Mittag essen, bevor es zurück in die Heimat ging.

Harald

Ein letztes Mal der Blick zur Zufallspitze für diesen Winter.

Der Saharastaub war auch heute unser Begleiter.

Die letzten Meter zum Gipfel. Im Hintergrund die Veneziaspitzen.

Ein etwas trüber Blick zum Cevedale.



Direkte Abfahrt ins Madritschtal. Auch das war neu für uns.

Unten schon fast etwas zu tief, aber noch okay zu fahren.

Montag, 8. April 2024

08.04.2024 - Überschreitung Veneziaspitzen (3.356m, 3.386m, 3.371m)

Für den heutigen Tag suchten wir uns eine nordseitige Tour aus - auf die Schranspitze. Wir wollten nämlich nicht wieder um 5 Uhr aufstehen, sondern gemütlich gegen 7 Uhr frühstücken und anschliessend aufbrechen. Es hat richtig gutgetan, mal wieder etwas länger zu schlafen! 

Mit schweren Beinen machten wir uns kurz nach acht Uhr auf den Weg. Der Weg entlang des Plimabaches war schon gut verspurt, aber auch etwas mühsam zu gehen. Erst als wir die Abzweigung erreichten, die zur Hängebrücke in Richtung Zufallhütte führt, wurde der Anstieg angenehmer, da wir unverspurte Passagen zum Aufsteigen nutzen konnten. Die erste Steilstufe legten wir ohne grössere Probleme zurück.

Nach der kurzen flachen Passage steilte der Hang dann auf, doch Harald legte eine gute Spur an, der Schnee war griffig und so stiegen wir mit etlichen Spitzkehren den Hang hinauf, bis wir eine weitere Ebene erreichten. Dort wartete auch die Sonne auf uns. Und die Sonne machte die Spur etwas glasig. Ich montierte kurzerhand die Harscheisen, weil für mich der Aufstieg so weniger kraftaufwendig ist. Harald spurte ohne Harscheisen weiter, was für ihn auch kein Problem war. Schon kurze Zeit später (mittlerweile waren gut zwei Stunden vergangen), erreichten wir den Schranferner. Die Harscheisen kamen wieder in den Rucksack und weiter gings über den gut eingeschneiten Gletscher. Harald hielt zielstrebig auf die Schranspitze zu, doch irgendwie liebäugelte ich schon den gesamten Aufstieg mit der Abfahrt über den Ultenmarktferner, dessen Einfahrt zwischen der Dritten und Zweiten Veneziaspitze liegt. 

Diese Gletscherabfahrt ist nicht häufig möglich, da meist zu wenig Schnee liegt - so aber nicht an diesem Tag. Kurzerhand sagte ich Harald, er solle doch mal warten und erzählte ihm von meiner Idee. Und schon änderte er die Richtung, spurte nun zur Östlichen (bzw. Dritten) Veneziaspitze, welche wir bereits am Freitag bestiegen haben, jedoch von der Südseite kommend. Der Aufstieg zog sich noch ziemlich in die Länge und ich musste mich den Hang hinaufkämpfen! Endlich standen wir beim Skidepot, trugen die Ski die kurze Felsstufe nach oben und anschliessend ging es mit den Ski noch zum Gipfel auf 3.356m. 

Von dort hatten wir einen guten Einblick in die Einfahrt auf den Ultenmarktferner. Zügig fellten wir ab und fuhren südseitig in einen Kessel.. Es lagen dann gut 160 Höhenmeter vor uns, die wir zügig zurücklegten, da der Hang schon recht weich war. Mein Ziel und somit die Einfahrt auf den Ferner lag rechts von uns, Harald war aber der Meinung, wir sollten noch links auf den Gipfel hinauf. Er spurte voran, immer darauf achtend, nicht zu weit an den Grat zu kommen, da die Wechte ziemlich mächtig war! Der Hang steilt nach oben hin auf, was ich nicht besonders erfreulich fand. Ca. zwei Meter, bevor der Schnee zu Ende war, löste Harald seine Ski. Er war sich unsicher, wo genau der Gipfel war und ob die Wechte bis dahin reichte. Zu Fuss stapfte er die zwei Meter nach oben, nur um zu sehen, dass er direkt am Gipfel rausgekommen ist, das "Gipfelkreuz" aber etwa zwei Meter auf der anderen Seite weiter unten war. Also zog er sich die Ski wieder an und spurte noch die letzte Spitzkehre hinauf - ich nach. Am Gipfel angekommen, realisierte ich anhand der Fussstapfen, die von der anderen Seite her hochführten, dass wir uns ja auf der Ersten Veneziaspitze (3.386m) befinden (ich dachte bis dahin, dass es die zweite sei...). Da ich mich recht unwohl fühlte - erstens war es windig, zweitens war es für mich zu ausgesetzt - machten wir nur kurz Pause und ich fuhr ziemlich schnell den Hang wieder ab, bis ich mich zwischen den beiden Veneziaspitzen befand. Von dort spurten wir dann zu Fuss auf die Zweite Veneziaspitze (3.371m), da es nur noch etwa 50 Höhenmeter waren und wir dafür nicht nochmals auffellen wollten.

Auf der Zweiten Veneziaspitze fühlte ich mich dann schon besser, da das Gipfelplateau schön flach war. Trotzdem machten wir nicht lange Pause, da es schon spät war und wir wussten, dass der Schnee vor allem in tieferen Lagen schon recht weich sein musste. So fuhren wir in den Ultenmarktferner ein und konnten dort noch einige Schwünge in windgepresstem Pulver fahren. 

Uns links haltend ging es eine recht steile Rinne hinunter. Zum Glück hatte es bereits ein paar Spuren, an die wir uns halten konnten, denn eine falsche Rinne zu wählen, hätte bedeuten können, plötzlich vor einem Steilabbruch zu stehen. Aber so kamen wir gut hinunter und kamen in die Abfahrtsvariante, die viele wählten, die auf der Köllkuppe waren und dann über den Hohenferner hinunterfuhren. 

Wir mussten dann noch einen ziemlich steilen Hang hinunter, der schon extrem aufgeweicht war. Der Hang war zwar komplett verspurt, aber es lag so viel Schnee, dass wir komplett versanken. Zügig schauten wir, dass wir den Hang hinter uns lassen konnten, da wir uns beide nicht besonders wohl fühlten. Uns rechts haltend kamen wir schliesslich wieder in unsere Aufstiegsspur und entlang des Wanderwegs gings zurück zum Auto. 

Was für eine herrliche Tour - und wieder konnten wir zwei uns noch nicht bekannte Gipfel im Martelltal besteigen! 

Manu


Ewiger Hatscher über den Schranferner

Kurz vor dem Skidepot - Unser ursprüngliches Ziel (Schranspitze) im Hintergrund

Dritte Veneziaspitze

Gegenanstieg im kompletten Südhang

Steil gings hoch zur Ersten Veneziaspitze

Harald am Gipfel der Ersten Veneziaspitze

Fussaufstieg auf die Zweite Veneziaspitze

Auf der Zweiten Veneziaspitze - Rückblick auf die Erste Veneziaspitze

Auf dem Ultenmarktferner

Harald im Steilhang

Sonntag, 7. April 2024

07.04.2024 - Suldenspitze (3.376m) und Eisseespitze (3.230m)

Es war wieder ein warmer Tag angekündigt, also starteten wir wieder früher. 5 Uhr Frühstück im Dunkeln. Danach rascher Aufbruch nach Hintermartell - wir wollten einen Parkplatz ergattern, denn es war Sonntag. Wundersamerweise war der Parkplatz aber bei weitem nicht so überfüllt wie an den Tagen davor. Wir konnten also gut parken und dann gleich loslaufen.

Wieder gab es einige Cevedale/Zufallspitzen-Aspiranten, die schon am Parkplatz mit all dem Gletscherzeugs bewaffnet (Gurt, Karabiner, Eisschrauben, Schlingen, Reepschnüre, ...) losliefen. Warum auch immer man das ganze Zeugs 3-4h lang am Gurt baumeln haben will, bis man auf den Gletscher kommt (also in ihrem Tempo). Zudem bringen Eisschrauben wohl kaum etwas, wenn das Eis des Gletschers mehrere Meter tief eingeschneit ist.

So zogen wir an diesen vorbei und wunderten uns wieder, warum denn eigentlich alle mit Stirnlampen liefen. Es war kurz nach 6 Uhr morgens und es war schon recht hell. Naja, leere Batterien sind vielleicht leichter auf den Gipfel zu tragen wie volle. Wir zweigten bald nach rechts ab und stiegen steil empor ins Madritschtal, wo wir alsbald auf unsere fünf Tiroler Kollegen treffen sollten. Sie haben sich als Abschlusstour die Hintere Schöntaufspitze ausgesucht. Vielleicht nicht gerade die schönste Tour im Tal. 

Der angekündigte ungetrübte Sonnenschein ließ sehr lange auf sich warten. War am Morgen doch sehr viel Saharastaub in der Luft, trübte dieser gemeinsam mit Schleierwolken die Sonne recht. Zum ersten Mal musste ich mir sogar meinen Windstopper anziehen, denn der Wind machte es kalt. 

Gut 2:35h brauchten wir ins Madritschjoch auf 3.125m, wo wir uns stärkten und dann zum ersten Mal abfellten und nach Sulden abfuhren - also in Richtung Schaubachhütte. Die Pisten in Sulden waren hervorragend - auch sehr gut durchgefroren. Die Rippen der Pistenrauben waren so hart gefroren, dass es laut ratterte, wenn wir genau darüberfuhren. Zudem gab dies eine ungewollte Fußreflexzonenmassage, die schon beinahe schmerzte. Nach wenigen Minuten kamen wir auf Höhe der Schaubachhütte an, wo schon die ersten Leute von der Seilbahn heranströmten, um ebenfalls auf die Suldenspitze (oder weiter) zu gehen.

Wir fellten auf und reihten uns anfangs in den Entenmarsch ein. Am Gletscher angekommen zogen wir dann aber etwas davon und überholten so einige Gruppen. Zudem gingen wir nicht entlang der "Autobahn", sondern zogen etwas weiter rechts entlang nach oben, weg von all den Gruppen. So kamen wir recht gut durch und hatten eigentlich ein recht einsames Erlebnis am Ferner. Die Ausblicke zur Königspitze entschädigten sowieso für alles. Der Gletscher an sich war so gut eingeschneit, dass man eigentlich überall gehen konnte - keine Spalte zu sehen, auch nicht mal ansatzweise.

Oben hin mussten wir noch kurz auf den Grat aussteigen und dann etwas steiler zum Gipfel hoch, doch auch dies war kein Problem. So kamen wir dann in unter zwei Stunden auf den Gipfel, von wo aus wir einen traumhaften Blick hatten. Geplant war der Gipfel ca. um 12 Uhr - es war gerade mal 11 Uhr. Wir waren viel zu schnell. Und das Wetter am Morgen spielte uns in die Karten. Da es weniger Sonne gab und diffus war, firnten die Hänge nicht so schnell. Somit war für Manu klar: wir könnten doch noch die Eisseespitze anhängen, wenn wir schon mal dort oben sind.

Also fellten wir rasch ab, aßen und tranken etwas und fuhren dann über den Rücken in Richtung Casatihütte ab, um dann recht scharf nach links direkt auf den Langenferner abzubiegen. Diesen fuhren wir in recht gutem Schnee bis ca. 3.000m ab, wo wir dann querten und uns unter die Eisseespitze navigierten. 

Noch ein Mal fellten wir auf und stiegen die 200Hm nach oben zum Gipfel der Eisseespitze. Eigentlich wollte Manu dies ja nur, damit wir die 2000Hm vollmachten, denn auf der Suldenspitze hatten wir ja "nur" 1.820Hm gemacht. Wir kamen recht fertig am Gipfel an - die Sonne und Hitze machten uns extrem müde. So genossen wir nur kurz die Aussicht, tranken unsere letzten Getränke und machten uns parat für die Abfahrt durch das lange Tal in Richtung Zufallhütte, wussten wir doch, dass dort einige flache Passagen auf uns warten würden, die wir wohl schieben müssten bei diesen Temperaturen.

Unterhalb des Langenferners querte ich dann recht hoch rechts in den Hang unter den Inner Kofel und blieb so etwas in den Schattenhängen, wodurch ich recht gut höhehaltend bis weit raus ins Tal kam und später mit viel Schuss sogar fast ohne Anschieben bis an die Kuppe kam, von wo weg es wieder steiler nach unten ging. Manu wählte die Variante "5 Schwünge im Firn mehr" und musste dafür unten im Tal länger anschieben, bis sie bei mir war. Danach zogen wir gemeinsam durch das restliche Tal nach vorne und mussten wieder den kleinen Gegenanstieg vor der Zufallhütte machen.

An dieser angekommen, gönnten wir uns ein alkoholfreies Weizenbier und eine Nudelsuppe bzw. einen Kaiserschmarren. Das tat gut nach dieser Tour. Nach ca. sieben Stunden standen wir dann wieder beim Auto, mehr als 2.050Hm in den Beinen. So war dann der Kuchen im Hotel verdient und die Sauna lockerte später die Muskeln etwas auf.

Harald

Start um kurz nach 6 Uhr: der Morgen grüßt in Rot.

Und durch den Staub in der Luft war die Stimmung ganz speziell.

Die Madritschspitze strahlt schon in der Sonne für uns.

Aber am Himmel zeigen sich noch viele Schleierwolken und Staub.

Am Madritschjoch angekommen.

Abfahrt auf den harten Pisten von Sulden zur Schaubachhütte.

Klein aber fein. Das Skigebiet von Sulden hat einen Bonuspunkt: die Aussicht :-)

Wieder aufgefellt geht es los zur Suldenspitze.

Immer unter der Königspitze vorbei.


Suldenspitze (3.376m) mit der Königspitze im Hintergrund.

Wiederaufstieg zur Eisseespitze. Im Hintergrund Zufallspitzen und Cevedale.

Gipfel der Eisseespitze auf 3.230m.


Blick von der Eisseespitze zu Königspitze, Zebru und Ortler.

Samstag, 6. April 2024

06.04.2024 - Cevedale (3.769m) und Zufallspitze (3.757m)

Mit der Zufallspitze haben wir schon lange geliebäugelt. Jedoch waren meistens die Bedingungen am Gletscher nicht besonders einladend, sodass wir es bis anhin nicht geschafft hatten, diesen schönen Gipfel zu besteigen! 

Heute sollte sich dies aber ändern! Bereits um 04:50 Uhr war Tagwacht. Nachdem wir das "Thermo-Frühstück" zu uns genommen hatten, welches uns das Waldheim-Team dankenderweise zur Verfügung gestellt hatte, gings mit dem Auto nach Hintermartell. Harald hatte die Ski bereits am Vorabend aufgefellt, sodass wir uns noch ein paar Minuten sparen konnten. Wir wussten, dass es eine lange Tour mit gut 1700hm werden würde - Aufstiegszeit laut Führer zwischen sechs und sieben Stunden. Da es ausserordentlich warm werden sollte, wollten wir frühzeitig unterwegs sein.

Der Parkplatz war um diese Uhrzeit schon gut gefüllt, wir ergatterten grad noch so einen der letzten Plätze. Aber kein Wunder, es war Samstag und die Bedingungen ja prinzipiell gut!

Für uns ging es um 5:50 Uhr los - es war aber bereits so hell, dass wir die Stirnlampen im Auto lassen konnten. Als wir die Zufallhütte passierten, war es bereits hell. Dort starteten erste Gruppen auf dem Weg zu ihren Gipfeln. Für uns ging es den altbekannten Weg (von gestern) weiter Richtung Marteller Hütte. In der Ebene konnten wir den einen oder anderen Skitourengänger hinter uns lassen. Der Anstieg zum Fürkeleferner zog sich dahin. Dort teilten sich die Gipfelstürmer dann auf - die einen, die über den Fürkeleferner direkt zur Zufallspitze anstiegen und die anderen, die den etwas weiteren Weg über den Zufallferner zum Cevedale wählten. 

Wir hatten uns für den direkten Weg entschieden - waren wir ja vor ein paar Jahren bereits auf dem Cevedale und froren uns dort fast die Nasenspitzen ab!
Die erste Steilstufe bewältigten wir auf der linken Seite. Es war ziemlich eingeblasen und hart und ich schimpfte schon das erste (aber auch einzige) Mal auf dieser Tour 🙈. Zusätzlich nervte mich, dass die Sonne sich hinter einem Wolkenschirm versteckte, ein leichter Wind wehte und mir so ziemlich kalt war. Nach der Steilstufe ging es flach weiter zur zweiten Steilstufe, der Wind liess nach, die Sonne zeigte sich und ich war wieder glücklich. Wieder waren wir gleichzeitig wie unsere fünf Tiroler Kollegen unterwegs, mit denen wir noch ein paar Worte wechselten, ehe sie Pause machten und wir weiterzogen.

Die zweite Steilstufe war dann viel einfacher zu gehen und nach gut vier Stunden standen wir am Übergang auf knapp 3600m zur Vedretta de la Mare. Dort mussten wir die Ski kurz ausziehen und hatten dann zwei Möglichkeiten - entweder zu Fuss dem Grat entlang hoch zum Gipfel oder südseitig eine kurze Querung zu machen und dann mit den Ski bis kurz unterhalb des Gipfels. 

Wir entschieden uns für die Querung und da wir gut in der Zeit waren, meinte ich zu Harald, wir könnten ja noch schnell auf den Cevedale, da er praktisch "auf dem Weg liegt". Meine Beine waren zwar über die Entscheidung nicht so glücklich, aber Harald war schon auf und davon und so folgte ich ihm in eher gemächlichem Tempo. Für die letzten paar Höhenmeter montierten wir noch die Harscheisen, da hier ein Ausrutschen nicht unbedingt angenehme Folgen hätte. 

So standen wir noch vor 11 Uhr auf 3.769m! Diesmal bei angenehmeren Temperaturen. Zwar wehte ebenfalls ein Wind, aber hinter den Resten der ehemaligen militärischen Stellung war es angenehm windstill. Dort verweilten wir kurz und redeten noch mit einem Einheimischen, der über den Suldenferner und die Suldenspitze bis auf den Cevedale aufgestiegen war. Er meinte, die Bedingungen seien so gut wie schon lange nicht mehr, auf dem Suldenferner sei keine einzige Spalte offen und er sei sogar ohne Harscheisen bis auf den Cevedale gekommen. 

Wir fuhren dann mit den Ski in die Lücke zwischen Cevedale und Zufallspitze ab. Für mich ging es dann zu Fuss weiter, Harald fellte nochmals auf und spurte mit den Ski bis zum Skidepot kurz unterhalb des Gipfels. Gemeinsam gingen wir die letzten Meter bis zum Gipfel hoch. Viel Platz gibt es dort nicht, zum Glück war grad nicht so viel los. Wir liessen schnell ein Gipfelfoto von uns machen und stiegen dann bereits wieder ab, da eine grosse Gruppe den Grat entlang nach oben stapfte und wir Platz machen wollten. 

Runter gings dann südseitig auf dem Vedretta de la Mare, und da es grad so viel Spass machte und wir nicht die Querung machen wollten bzw. die Ski ausziehen, um über die Felsen zu kommen, beschlossen wir kurzerhand, noch ein paar Höhenmeter mehr mitzunehmen. Beim Gegenanstieg (ca. 150 Höhenmeter), der komplett südseitig und recht steil war, kam ich ziemlich an meine Grenzen. Es war abartig warm und mein Kreislauf wollte nicht mehr so, wie ich es gerne gehabt hätte. Harald nahm auch keine Rücksicht und lief einfach davon 🙄. Aber schliesslich hatte auch ich es geschafft. 

Nun ging es nur noch runter. Die Abfahrt machte richtig viel Spass, es war firnig und teilweise sogar noch pulvrig. Auf dem Weg Richtung Marteller Hütte fand Harald noch ein Seil inkl. Exen auf dem Boden. Kurzerhand blieb er stehen, packte es auf seinen Rucksack und übergab es ein wenig später einem Holländer, der auf dem Weg zur Marteller Hütte war - vielleicht vermisste es dort bereits jemand?

Für uns ging es zurück zur Zufallhütte, wo wir Bergretter-Freunde inkl. Anhang von Harald trafen und mit ihnen noch gemütlich beisammensassen, ehe es dann zurück zum Auto und ins Waldheim ging, wo wir abends wieder hervorragend verköstigt wurden!

Manu


Morgenstimmung bei der Zufallhütte

Unser heutiges Ziel

Die ersten Leute überholt


Kurz vor dem Übergang

Unterwegs zum Cevedale - Zufallspitze im Hintergrund

Die letzten Meter...



Fussaufstieg zur Zufallspitze


Südseitiger Firnhang unterhalb des Gipfels

Auf dem Fürkeleferner

Powder!

Kaputt, aber happy!

Freitag, 5. April 2024

05.04.2024 - Überschreitung Köllkuppe (3.330m) und Dritte Veneziaspitze (3.356m)

Durch die Tage davor waren wir schon recht gut akklimatisiert und fühlten uns bereit für größere Sachen. Schon lange auf der Liste der Skitouren im Martelltal stand die Überschreitung der Köllkuppe. Der Plan war, die Köllkuppe in südlicher Richtung ins Trento abzufahren und unter den Veneziaspitzen zu queren, um über die Dritte Veneziaspitze wieder anzusteigen und auf deren Nordseite wieder ins Martelltal abzufahren.

Da dies eine längere Tour ist, planten wir einen etwas früheren Start und konnten so leider nicht mehr das tolle Frühstück im Hotel genießen. Wir bekamen aber ein Thermosfrühstück und konnten uns so ganz gut verpflegen. Zum Schluss kam sogar Hermann und brachte uns noch frische Sachen an den Tisch. 

Um 7:34 Uhr starteten wir vom Parkplatz in Hintermartell, wo wir noch so knapp einen Parkplatz ergatterten. Es war Freitag und der erste richtig schöne Tag nach dem Schlechtwetter. Zudem war die Lawinenwarnstufe recht gering und so pilgerten hunderte Leute in Richtung Cevedale und Zufallspitzen oder anderen Gipfeln.

Wir gingen unser Tempo und erreichten nach gut 1:35h die Martellerhütte, welche wir links liegen ließen. Von dort weg sahen wir riesige Gruppen am Fürkeleferner unter der Zufallspitzen und auch auf den Anstiegen zu den Drei Kanonen. Es waren hunderte, die dort nach oben zogen. Zum Glück waren wir recht alleine unterwegs am Weg zur Köllkuppe. Wir hatten zwar hier und da kleinere Gruppen am Weg, aber nie große Menschenmengen.

Am Hohenferner angelangt machten wir etwas Pause und genossen die Aussicht zum Cevedale und den Zufallspitzen sowie dem Dreigestirn Königspitze-Zebru-Ortler. Dann liefen wir wieder weiter in Richtung der Scharte, die uns auf den ersten Gipfel führen sollte.

Der Gletscher war so gut eingeschneit, wie wir es noch nie gesehen hatten. Keine Spalte, kein blankes Eis. Auch die anderen Ferner in der Umgebung sahen gleich aus. Die Steilstufe unter der Zufallspitze, die sonst häufig blank ist, war dick eingeschneit. Was für Bedingungen! Wir kamen sogar mit den Skiern bis auf den Gipfel der Köllkuppe. Ansonsten muss man normal am Ende des Gletschers die Ski kurz abnehmen und über Geröll tragen, um auf den Grat zu gelangen, der zum Gipfel führt. Nicht so heuer.

Nach 3:25h standen wir am Gipfel der Köllkuppe und genossen eine traumhafte Rundumsicht ins Martelltal, auf den Ortler, in die Dolomiten sowie in die Brentagruppe und die Adamellogruppe. Was für eine Aussicht! Da es aber schon sehr warm war am Gipfel und wir südseitig abfahren und wieder aufsteigen mussten, packten wir rasch unsere sieben Sachen und machten uns für die Abfahrt parat.

Manu fuhr dann als erstes die steile Rinne ab, die schon sehr weich war. Unten zogen wir dann etwas weiter als notwendig ins Tal und stoppten auf knapp 3.050m, wo wir einen sicheren Platz hatten und wieder auffellten. Zudem konnten wir uns stärken, bevor es los in Richtung Dritte Veneziaspitze ging. 

Die Sonne war erbarmungslos und brannte vom Himmel. Nur mehr mit dem Shirt ging es weiter nach oben. Nach gefühlt einer Ewigkeit kamen wir dann endlich auf der 3.356m hohen Dritten Veneziaspitze an. Gemeinsam dort oben mit uns war eine Gruppe von 5 Tirolern, die wir an den folgenden Tagen auch noch öfters sehen sollten. 

Bei Windstille und Plusgraden auf über 3.300m genossen wir die Aussicht etwas länger und stärkten uns nochmals, bevor es dann anfangs über einen kurzen Felsgrat und später nordseitig auf den Schranferner ging. Von dort konnten wir endlich mit den Skiern runtersausen. Die Bedingungen am Gletscher waren sogar durchaus gut. Gepresster Pulver, der gut zu fahren war.

Wir folgten dem Schranferner und fuhren dann den steilen Durchschlupf direkt in Richtung eh. Hotel Paradiso ab. Weiter unten wurde der Schnee dann entsprechend tief und unsere Skier bremsten höllisch. Durch die Plimaschlucht zurück ging es dann zum Auto, welches wir total fertig aber glücklich und sicher erreichten. Was für eine Tour! Landschaftlich sehr zu empfehlen.

Harald

Im Anstieg zur Martellerhütte: die Zufallspitzen in der Sonne.

Am Hohenferner angekommen eröffnet sich das Panorama zum Ortler.

Fürkeleferner unter der Zufallspitze. Heute gut besucht.

Der Dunst trübt die Sicht zwar etwas, aber dennoch schön. vlnr: Königspitze, Zebru, Ortler.

Manu am Gipfel der Köllkuppe am Tanzen.


Ein kleines Gipfelkreuz gibt es auch auf der Köllkuppe (3.330m)

Gegenanstieg zur Dritten Veneziaspitze mit der Brentagruppe und der Cima Presanella im Hintergrund.

Steil war die Flanke und wir froh, als wir draußen waren bei der Hitze.

Nochmals eröffnet sich das Panorama.

Dritte Veneziaspitze (3.356m)

Im Abstieg zum Schranferner.


Abfahrt am Ferner mit dieser Aussicht, was für ein Traum!

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...