Dienstag, 17. Oktober 2023

17.10.2023 – Südliche Fanisspitze (2980m)

In der Früh war mal wieder alles vereist – aber dank Standheizung und Sonne, die bald schon die Luft erwärmte, tauten auch die Fenster des Busses wieder auf. Fleissig trockneten wir die Scheiben, aber eine Schmiererei war es dennoch. 

Kurz nach neun Uhr gings dann los zur Forcella Travenanzes. Die Oberschenkel waren schon müde und es ging entsprechend langsam (für uns) vorwärts. Wir querten weiter zur Forcella Gasser Depot und erreichten nach etwas mehr als einer Stunde den Einstieg des Klettersteigs Cesco Tomaselli, der uns auf die 2980m hohe Südliche Fanisspitze bringen sollte. 

Bereits beim Zustieg zum Klettersteig hatten wir gesehen, dass ein Hubschrauber mehrere Leute im Klettersteig absetzte, worüber wir uns ein wenig wunderten. Beim Einstieg des Steiges sahen wir, dass mehrere Verankerungen neu gesetzt worden sind. Wir waren uns dann unsicher, ob der Steig überhaupt begehbar ist, weil ja anscheinend Unterhaltsarbeiten gemacht werden. Kurz googelten wir, ob der Klettersteig gesperrt ist, aber wir fanden nichts. Also ging es los – gleich mal ziemlich steil und ausgesetzt. Ich war froh, hatte ich für den Quergang noch meine Selbstsicherung mit dabei, sind solche Passagen doch nicht so mein Ding! Dann wurde es allerdings besser (und auch weniger schwierig) und ich konnte mich am Fels erfreuen. Harald kletterte praktisch alles so und nutze das Seil wirklich nur zur Sicherung.

Relativ bald erreichten wir die Arbeiter, die einen Teil des Klettersteigs neu machten. Es waren aber alle sehr freundlich und liessen uns passieren. Nach einer kurzen ungesicherten Gehpassage befanden wir uns wieder im versicherten Steig und weiter gings hinauf, immer schön der Südkante entlang. Kurz unterhalb des Gipfels hörten die versicherten Stellen auf und es ging noch recht ausgesetzt auf den höchsten Punkt. Von dort wäre eigentlich der Plan gewesen, am Kamm entlang weiterzugehen – laut Wanderkarte hätte dort ein Weg sein müssen. Aber es war ausgesetzt, abschüssig und kein Weg zu erkennen. Harald hat noch ein wenig den Gipfel erkundet, während ich meine Atmung in den Griff zu kriegen versucht habe. Erst später haben wir herausgefunden, dass es auch keinen direkten Weiterweg gibt, sondern dass der Weg, der in der Karte eingezeichnet ist, durch ein Stollenloch weiter unten führt und als eigener Klettersteig gekennzeichnet ist (Via Ferrata Luigi Veronesi).

Wir sind dann über den versicherten Nordsteig in die Forcella die Quaire abgestiegen und von dort gings durch einen Schutthaufen zurück zum Wanderweg. Wir assen unsere Jause, genossen den Ausblick auf die Tofanen und wanderten dann den bereits bekannten Weg zurück zum Auto.

Gegen 14 Uhr waren wir dann zurück und überlegten hin und her, was wir jetzt noch tun könnten. Das Wetter für den kommenden Tag war noch einigermassen gut angesagt, wir wollten aber keine weitere Nacht am Pass verbringen – erstens waren unsere Lebensmittelvorräte aufgebraucht und zweitens war eine Dusche mal wieder dringend nötig!

Schlussendlich entschieden wir uns dann aber, nach Hause zu fahren, da ich am Mittwoch mit meinen Eltern liebe, alte Menschen besuchen wollte. Und man muss auch wissen, wann mal genug ist! Ich war sowohl physisch als auch psychisch recht am Anschlag und somit war die Heimreise eine gute Entscheidung – auch wenn es hiess, nochmals sechs Stunden im Auto zu sitzen! Immerhin war die Pizza in Goldrain noch ein schöner „italienischer“ Abschluss und auch der Lagrein vom Walch bekamen wir im vierten Einkaufsladen, den wir aufsuchten! 

Manu


Die südliche Fanesspitze (links) ist schon im Blick.

Einstieg in den Klettersteig: anfangs recht schwer und auch kalt.

Blick nach Südwesten zur Marmolada und dem Piz Boe.

Piz Boe (links) und der Sellastock sowie rechts die Puez-Geisler Gruppe.

Blick zur Marmolada - ganz oben gab es ein wenig Neuschnee.

Die Tofanengipfel.


Zurück am Pass, bevor es wieder zum Auto geht.

Ein letzter Blick zum Monte Antelao (links) und den Cinque Torri (Vordergrund)


Montag, 16. Oktober 2023

16.10.2023 – Sas de Stria (2.477m): Südkante (4+/5-) / Col dei Bos (2.559m)

Die Nacht war kalt und lange. Sehr kalt um genau zu sein. Außentemperatur am Pass war bei ca. -3°C am Morgen und die Innentemperatur im Bus nicht viel höher. Unser Wasser war aber noch flüssig :-P Ich wollte eigentlich aus dem Fenster schauen um das Wetter zu prüfen, doch konnte nichts erkennen. Erst als ich mit dem Finger über die Scheibe fuhr, merkte ich, dass sie innen total vereist war. So kalt war es also. Etwas widerwillig schälte ich mich aus meinem warmen Schlafsack heraus, um die Standheizung zu aktivieren. Hätte ich doch die Fernbedienung mitgenommen. Naja.

Schon nach kurzer Zeit wurde es wohlig warm im Bus und Manu kroch auch aus ihrem warmen Schlafsack zu mir herunter und wir fingen an mit frühstücken. Alle paar Minuten griffen wir aber dann zu den alten Geschirrtüchern und wischten die Fenster innen trocken, denn langsam taute alles auf und wir sahen auch wieder ins Freie. Und schon nach kurzer Zeit war der Bus eigentlich wieder abgetaut und die Sonne kam auch schon über die Berge, sodass wir die Standheizung ausschalten konnten und von der Sonne gewärmt wurden. Ökoheizung quasi. Wir packten dann langsam zusammen und fuhren los in Richtung Passo Falzarego, wo unsere Tour für heute starten sollte.

Auf der Hinfahrt wurde reichlich an den Straßen gebaut und wir mussten ab und zu an Baustellen ausweichen. Bei einer fuhr ich gleich bei rot durch, hatte ich das irgendwie nicht so ganz verstanden, warum ich dort stehen bleiben sollte an der Ampel. Es waren ja auch zwei Spuren zu befahren. Naja, beim Gegenverkehr wartete ich aber dann doch brav, bis alle 3 Autos vorbei waren, dann fuhr ich wieder weiter.

Am Pass angekommen, zeigte das Thermometer draußen 2°C an. Die Sonne war stark und Wind gab es kaum. So entschieden wir uns für die südseitige Kletterei auf den Hexenstein – Sas de Stria. Wir parkten am Pass, richteten unser Zeug zusammen und packten noch jeweils eine zusätzliche Jacke ein. Zudem montierten wir die Stirnlampen am Helm. Komisch eigentlich bei strahlendem Sonnenschein. Doch unser Zustieg verlief heute etwas extravagant durch einen ca. 500m langen Kriegsstollen, der vor über 100 Jahren gegraben wurde. Quer durch den Berg. Einstieg auf der einen Seite, Ausstieg fast direkt bei der Route der Südwand.

Mir graut es eigentlich immer vor solchen Sachen. Ich mag enge Räume oder Stollen, Bergwerke oder Höhlen nicht, hatte ich wohl als Kind einmal eine schlechte Erfahrung damit gemacht. Deshalb war mein Adrenalinspiegel im Stollen extrem hoch und mein Puls gefühlt auf 180. Manu genoss das anscheinend etwas, dass ich etwas verängstigt durch dieses Loch im Berg lief. Sie machte dann aber Gott sei Dank einen Schritt schneller und so kamen wir doch bald aus dem Loch wieder raus. Endlich. Freier Himmel, Sonne, frische Luft. Und nach wenigen weiteren Metern standen wir direkt beim Einstieg zur Kletterroute.

Wir richteten uns her und seilten uns an. Jacken usw. blieben erstmals im Rucksack, denn es war schön warm und so konnten wir die leichten Seillängen an der Südkante des Hexensteins richtig genießen. Auch Manu konnte das dann, nachdem ich ihr versprochen hatte, etwas mehr Sicherungen zu legen also nur 3 Stück auf 40 Meter. So arbeiteten wir uns zügig nach oben und schon bald standen wir beim „interessanten Durchschlupf“, einem riesigen verklemmten Block in einer Rinne, unter dem die Route durchging bzw. hinter dem sogar noch der Standplatz war.

Dort war es dann kalt und ich zog mir meinen Pulli an. Manu kam dann nach und ich stieg rasch weiter, damit sie nicht länger im kalten Loch stehen musste. Schon standen wir auch vor der letzten Seillänge, eine kurze steile Wand, leider nordseitig. Die Finger waren dann bald klamm und mit kalten Fingern kann man schlecht einschätzen, wie gut Griffe wirklich sind. So ist man sowieso schon etwas mehr angespannt als sonst und wenn dann noch ein „Idiot“ mit einer Drohne an einen heranfliegt und das Summen/Brummen der Drohne störend wirkt, zuckt man gleich mal aus. Hätte ich eine Schrotflinte dabei gehabt, das Ding wäre in 1000 Stücken vom Himmel gefallen. Ich fuchtelte mit den Armen und schrie ein paar Mal laut (der Pilot musste doch am Gipfel stehen), dass der Vollidiot doch abhauen sollte, dann verzog sich die Drohne.

Ich kletterte rasch weiter zum Gipfel. Erstens, weil ich kalte Finger hatte, und zweitens, weil ich vielleicht noch den Drohnenpiloten sehen wollte, um ein paar Höflichkeiten mit ihm auszutauschen. Leider war dort aber niemand. Schade irgendwie, vielleicht aber auch besser. Ich machte Stand an einem großen Block und Manu kam ebenfalls in die Sonne nach. Wir wärmten uns am Gipfel, genossen die Aussicht und schossen die Seile wieder auf, ehe wir wieder rasch den Abstieg in Angriff nahmen. Zurück ging es rasch über den Normalweg. So standen wir nach weniger als 4h wieder beim Auto.

Während wir unser Zeug verstauten und unsere Jause aßen, planten wir schon den Nachmittag. Wir fuhren noch auf die andere Seite des Passes zurück und stiegen dort dann zum Klettersteig de Alpini zu – quasi der Hochgebirgstruppe des italienischen Heeres. Der gesamte Steig bekommt viel Sonne ab und so konnten wir dort noch bis spät in den Abend hinein südwestseitig Sonne tanken.

Der Einstieg war etwas abgeschmiert und glattpoliert, was nicht gerade förderlich für die Laune von Manu war. Nach wenigen Metern aber wurde der Steig besser und man konnte fast alles frei klettern. So machten wir dann rasch Höhe und genossen die wärmende Sonne und die Aussicht auf die Cinque Torri auf der anderen Talseite. Nach ca. 1:25h standen wir dann am Col dei Bos und bestaunten die umliegenden Gipfel, ehe wir uns wieder an den Abstieg machten. Wir hatten beide langsam Hunger.

Zurück beim Auto fuhren wir rasch hoch zum Pass in der Hoffnung, die kleine Bar hätte noch offen und wir könnten noch ein paar Panini abstauben, vor allem für das Frühstück von Manu am nächsten Morgen, denn wir planten wieder eine Nacht am Pass, um eine letzte Tour von hier starten zu können. Leider hatte die Bar schon zu, wie auch alles andere drum herum. So stellten wir uns an ein ruhiges Plätzchen und fingen an, unser Zeug zu sortieren, bevor es eine gefinkelte Speisenfolge als Abendessen gab.

Ein leichtes Nudelsüppchen, gefolgt von Rösti mit Nichts, und als Nachtisch einen Kaiserschmarren. Mehr gab unsere Bordküche leider nicht mehr her. Und Reis mit Tomatensauce wäre nicht so der Hammer gewesen. Aber es hat satt gemacht und so können wir gestärkt in unsere Schlafsäcke kriechen. Wir hoffen auf eine nicht allzu kalte Nacht, wissen aber schon, wie wir den Bus am Morgen wieder abtauen können.

Harald

Ca. 500m im Stollen.

Für mich war das dann nicht so spaßig.

Manu im Nachstieg an der Südkante.

Schöner, gestufter Fels. Genusskletterei.

Hallo! Traumhafte Kletterei.


Interessanter Durchschlupf.

Am Gipfel mit Blick zum Piz Boe (links) und der Puez-Geisler Gruppe (rechts).

Abstieg durch die oberen Stellungsgräben.

Vorbei am ehemaligen Militärspital zum Klettersteig.


Am Pass haben sie schon die Schneekanonen getestet. Dürften funktionieren.


Blick zur nächsten Tour: der Piza Sud.


Sonntag, 15. Oktober 2023

15.10.2023 – Monte Cernera (2.664m) / Nuvolau (2.574m) und Averau (2.649m)

Da die Touren in der Woche davor langsam ihre Spuren hinterließen, wollten wir es am Sonntag etwas ruhiger angehen. Auch das Wetter war nach einem kurzen Regenschauer in der Nacht nicht so sonderlich gut. Es sollte zwar schön werden, doch hingen am Morgen noch sehr viele Restwolken am Himmel. So hatten wir auch keinen Stress am Morgen am Campingplatz, ehe wir uns auf den Weg nach Norden in Richtung Passo Giau machten.

Am Weg dorthin machten wir auf der Passstraße einen Stop für eine Wanderung. Von einer Kehre der Passstraße wanderten wir hoch in Richtung Tabia die Zonia, einem kleinen Hochtal unter unserem Gipfel. Um unsere Rundtour machen zu können, folgten wir von dort dem Weg in Richtung Osten direkt zum Gipfel des Monte Verdai auf 2.492m. Der Weg dorthin war meist ein guter Wanderweg, nur selten lagen Steine am Weg. Für uns gerade eine Neuheit in den Ferien, da sonst alle Wanderungen eher steinlastig waren.

Vom Gipfel des Verdai folgten wir dem Grat und stiegen in die Scharte der Forcella Ciazza ab. Dort zweigt der Weg in Richtung Monte Cernera ab, der anfangs etwas durch den Fels geht. Dieser Teil ist mit ein paar Seilen versichert. So wunderten wir uns nicht schlecht, dass beim Einstieg ein Schild stand, der Weg sei gesperrt. Wir musterten den Weg und sahen, dass ein paar der Verankerungen ausgerissen waren. Aber das war auch kein Problem, denn auch ohne Seil kamen wir gut durch den Fels und mussten nur selten „Hand anlegen“. Weiter oben trifft man dann wieder auf ein gutes Weglein, welches direkt zum Gipfel führt.

Dort angekommen, genossen wir die Aussicht, denn mittlerweile hatten sich die Nebel und Restwolken gelockert und wir sahen zum Falzarego, den Tofanen und der Marmolada. Während wir unsere Jause aßen, schmiedeten wir den Plan, flott abzusteigen und zum Passo Giau zu fahren und dort noch eine kurze Wanderung anzuhängen. Das Wetter war jetzt einfach zu schön und die knapp 1000hm für den Tag zu wenig. So gingen wir rasch zurück zur Felswand, kraxelten diese wieder ab und stiegen dann mehr oder weniger direkt wieder in den Talkessel ab, um zum Wanderweg in Richtung Auto zu gelangen. Schon nach 3:30h waren wir wieder zurück beim Auto und fuhren in Richtung Passo Giau.

Auf der Passhöhe angekommen, schauten wir in den Karten nach und sahen, dass es einen kurzen Klettersteig auf den Nuvolau gab, einem kleinen Berg direkt über der Passhöhe. Von dort konnte man dann in eine Scharte absteigen und einen weiteren Steig auf den Averau (Anm.: für Manu immer Averna – sei auch Italienisch, meinte sie) anhängen, bevor man westseitig wieder zurück zum Pass queren konnte.

Kurz packten wir unsere Rucksäcke um. Für den A/B Steig nahmen wir den Helm mit und unsere Gurte sowie eine kurze Selbstsicherung. So schwer können die ja nicht sein. Wir stapften alsbald los in Richtung Nuvolau und suchten dort einmal den Einstieg in den richtigen Klettersteig, fanden wir doch zwei Zustiege und auch Klettersteige in der Karte. Nach ein paar Minuten setzten wir unseren Weg aber zielgerichtet fort zum Steig, der uns nach oben führen sollte.

Der leichte Steig forderte etwas Trittsicherheit, aber Klettersteig konnte man dazu nicht sagen. Am Gipfel des Nuvolau machten wir kurz Rast und genossen die mittlerweile grandiose und fast wolkenlose Aussicht auf die Berge rundum. Mit dem Fernglas konnten wir auch ausmachen, dass es auf der Civetta und der Marmolada ganz oben Schnee gegeben hat. Wohl gut für den Gletscher und den Abstieg über den Normalweg der Marmolada, dachten wir uns.

Wir setzten unseren Weg fort und stiegen ab zum Rifugio Averau, welches zwischen den beiden Gipfel steht. Von dort zieht sich nordostseitig ein Steiglein zum Einstieg des kurzen Steiges hoch zum Gipfel. Dort angekommen, legten wir unsere Gurte an und setzen die Helme auf. Manu stieg dann ein, hänge sich im Seil ein fing an zu fluchen. Der Steig war recht abgegriffen und poliert und da ihre Nerven in den letzten Tagen sowieso schon überbeansprucht wurden, war das für sie zu viel. Obwohl es nur ca. 20m hoch gewesen wären, machte ihr Kopf an dieser Stelle nicht mehr mit. Mit dem ganzen Klettersteigset wäre es wohl kein Problem gewesen, aber nur mit der Schlinge eingehängt, fühlte sie sich zu unsicher.

Wir diskutierten dort noch und ich bot an, ihr meine Schlinge zu geben, da für mich diese paar Meter auch so zu klettern waren oder ich mich einfach am Seil hochziehen konnte. Schwer war es ja wirklich nicht. Aber sie verneinte. Ihr Kopf brauchte Pause. So ging ich noch alleine rasch auf den Gipfel. Schon nach ca. 30m im Steig konnte man wieder alles verstauen, denn es war Gehgelände angesagt. Schade, dass ich Manu nicht dazu überreden konnte, es zu versuchen. Geschafft hätte sie es locker. Ich ging zügigen Schrittes hoch zum Gipfel, machte ein paar Fotos und drehte wieder um.

Oben war alles Gehgelände, wo ich flott ging. Unten durch den Steig entsprechend wieder vorsichtig und mit der Schlinge eingehängt. Nur wenig später traf ich Manu dann beim Rifugio. Sie wartete im Sessellift in der Sonne auf mich (Anmerkung: der Lift ist nicht in Betrieb 😉). Gemeinsam gingen wir dann den Weg zurück zum Auto.

Und so war es dann wieder ein langer Tag geworden: 1750 Höhenmeter standen auf der Uhr am Ende des Tages. Obwohl wir etwas Kleines machen wollten, wurden es dann doch ein paar Meter mehr. Aber bei diesem Wetter! Was für ein wunderschönes Herbstwetter es doch war. Zwar kalt, aber traumhaft schöne Fernsichten.

Da es am Pass keine Campingplätze gibt, alle Unterkünfte zu hatten und wir nächsten Tag aber sowieso am Falzaregopass klettern wollten, blieben wir gleich am Passo Giau stehen und genossen die letzten Sonnenstrahlen, bevor es dann das Abendessen gab. Und da es abends auch schon kalt wurde, testeten wir gleich wieder einmal unsere Standheizung. Fazit: sie funktioniert noch.

Harald


Blick zu den Zielen am Nachmittag: links der Averau, rechts der Nuvolau.

Blick nach Süden vom Monte Cernera.


Naja, wir hätten nicht gehen dürfen.

Nuvolau vom Passo Giau aus gesehen.

Die Tofanengipfel.


Blick zum Monte Pelmo.


Rechts der Averau. Links hinten die Geislerspitzen und die Puezgruppe.


Im Abstieg vom Averau.


Samstag, 14. Oktober 2023

14.10.2023 – San Sebastiano Nord (2.488m) und Monte Tamer (2.547m)

Nach der großen Tour auf die Civetta am Vortag wollten wir etwas weniger machen und suchten uns eine vorgelagerte Gruppe im Süden aus: die San Sebastiano Gruppe. Von dort hat man einen traumhaften Blick in Richtung Monte Civetta und Monte Pelmo.

So packten wir am Morgen zusammen und fuhren zum Passo Duràn auf 1.605m. Von dort startete unsere Wanderung. Wir nahmen sicherheitshalber einen Helm mit, da man einige steile Schuttfelder queren muss und man hier nie weiß, wer über einem geht – ob Mensch oder Tier. Sicher ist sicher. Anfangs folgten wir dem Wanderweg, um in den großen Kessel des Van de Caleda zu kommen, von wo aus man schon einen Blick auf die Aufstiegsrouten erhaschen konnte.

Dort kamen wir dann auch in die Sonne und folgten dem Steiglein in die Ostflanke des San Sebastiano Nord. Dort konnte man sich entscheiden, ob man quasi link oder rechts herum auf den Gipfel geht. Wir wollten den Gipfel überschreiten, also gingen wir links. Anfangs noch recht einfach, etwas über Felsbänder absteigen, dann folgten wir einem Steig bis an eine Wand, die mit Stiften gesichert war. Wir kletterten drüber und folgten dem Weg weiter. Das Weglein wurde aber immer schmäler und ausgesetzter. Man musste Querungen an Bändern machen, wo es links von einem einfach steil abfällt und man den Boden gar nicht mehr sieht. Das war nach den Vortagen etwas zu viel für uns und wir kehrten um. Die Stelle mit den Stiften mussten wir dann etwas blöd abklettern, aber das war wohl das geringere Übel.

So standen wir nach etwa 40 Minuten wieder an der Abzweigung und folgten nun dem Weglein nach rechts, um in die Cresta Sud des Gipfels zu kommen. Von dort gelangten wir in lockerer Kletterei zum Gipfel des San Sebastiano Nord auf 2.488m. Leider hatten sich nun schon Nebel gebildet und wir hatten keinen freien Blick mehr auf die Civetta und den Pelmo, aber wir kannten die Berge ja schon.

Nach kurzer Rast machten wir uns an den Abstieg und peilten dann die Forcella La Porta an, was mit einem mühsamen Gegenanstieg in Schutt und Geröll einherging. Auf der Forcella machten wir kurz Halt und berieten uns einmal. Wir hatten schon wieder um die 1200 Höhenmeter gemacht und der Aufstieg zum Monte Tamer waren nochmals mindestens 250Hm. Zudem musste man einige Bänder queren und später etwas klettern. Manu ging dann einfach mal los, sie wollte noch auf den Gipfel und gleichzeitig etwas ihre Höhenangst auskurieren.

Der Aufstieg folgt anfangs einem sehr langen Band, welches rechts steil abfällt. Man kann dort aber gut gehen, ist es denn breit genug und bietet links auch immer guten Halt. Später folgten ein paar Querungen in steilen Rinnen, bevor wir dann vor den eigentlichen Schwierigkeiten standen: einem kurzen Felsriegel, gesichert mit einem Seil, der überwunden werden wollte. Manu war gar nicht mehr erfreut, kämpfte sich aber weiter durch.

In kurzer Kletterei ging es zuerst die Wand hoch, dann folgte eine weitere Querung, an der wir warten mussten, denn unter uns waren drei Italiener im Abstieg genau im Steinschlag von uns. Dort geht man sowieso schon wie auf rohen Eiern und dann noch so vorsichtig gehen, dass ja kein Steinchen wegrollt, … wir warteten ein paar Minuten. Danach gab es noch ein paar kleine Felsabsätze zu überklettern und schon standen bzw. saßen wir am Gipfel des Monte Tamer auf 2.547m. Das Wetter war wieder etwas besser als zuvor und so aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir uns an den Abstieg machten.

Hochkonzentriert kletterte Manu alles wieder ab und schnaufte nicht nur einmal tief durch. So waren wir alsbald wieder in der Scharte angekommen und konnten dann endlich unsere Jausenbrote verspeisen. Manu isst nicht gerne am Gipfel, wenn sie weiß, dass der Abstieg noch so herausfordernd sein wird.

Da wir nicht wieder denselben Weg zurück wollten, wie wir gekommen sind, stiegen wir nun auf der anderen Seite der Forcella ins Val Baranca ab, nicht ahnend, was uns genau erwarten würde. Zu unserer Verteidigung sei zu sagen, dass wir die Tour nur mittels einer kleinen Karte geplant haben, die die Höhenschichtlinien nicht genau zeigt :-P

Anfangs durch Schotter abrutschend, gelangten wir dann auf den Wanderweg in Richtung Baita V. Angelini, einer kleinen Hütte. Von dort quert dann der Wanderweg immer in Richtung Westen um den Bergstock zurück zum Passo Duràn. Wir gaben etwas Gas und standen schon bald bei diesem kleinen Hüttchen, wo auch ein paar Wanderer waren. Ich machte mir noch die Mühe und ging die paar Meter zurück zum Wegweiser, um zu sehen, was so alles angeschrieben ist. Ich hätte es nicht machen sollen.

Passo Duràn, 2:20h. Was? Das war für uns etwas viel. Wir waren schon wieder an die 6 Stunden unterwegs und hatten gute 1.550hm hinter uns. Wieso soll jetzt der Rückweg so lange dauern? Nach einigen Minuten gehen, wussten wir wieso: rauf, runter, rauf, runter, …. So ging es endlos weiter. Immer wieder folgte eine kleine Lücke oder Übergang mit einem Abstieg danach. Es dauerte Ewigkeiten, bis wir an der Forcella Val Baranca ankamen, der für uns laut Karte zumindest höchste Punkt, bevor es nur noch bergab zum Pass gehen sollte. Getäuscht. Rauf, runter, … so ging es weiter. Und so wurden es am Ende wieder 1700hm und einige Kilometer, ehe wir am Pass ankamen und das Auto wiedersahen.

Da es nun schon spät war, änderten wir unsere Pläne. Wir fuhren nicht wie geplant nach Süden in die Palagruppe, sondern wieder zurück zum Camping in Pecol, der noch den letzten Tag offen hatte. Am Weg dorthin versorgten wir uns noch mit ein paar Lebensmitteln und genossen dann eine heiße Dusche und das Abendessen am Campingplatz, ehe wir uns müde in die Schlafsäcke verkrochen.

Harald



Ein schönes Brockengespenst.

Am Weg zum Monte Tamer.

Schlüsselstelle im Aufstieg.



Einige Bänder zum Queren beim Abstieg.





Freitag, 13. Oktober 2023

13.10.2023 - Civetta (3.220m)

Die Civetta (3.220m) wollte heute von uns bestiegen werden :-) Unabhängig fanden Harald und ich diese Gipfeltour im Internet und so war es schnell beschlossene Sache, dass wir diese 1900 Höhenmeter in Angriff nehmen wollten. Der Campingplatz war der ideale Ausgangsort für diese Tour, da wir direkt von hier aus starten konnten. 

Gestartet sind wir um 08:40 Uhr. Erst ging es kurz einer breiten Forststrasse entlang, ehe der Wanderweg schmal und steil wurde. Durch den Wald ging es zügig hinauf in Richtung Rifugio Coldai. Wir folgten dann aber nicht dem Wanderweg zum Rifugio, sondern querten unterhalb der Torrione delle Zioliere auf einem mit Steinmännchen markierten Pfad aufwärts. Wir mussten zuerst ein wenig querfeldein, bis wir diesen Pfad gefunden hatten. Dann ging es aber recht zügig aufwärts, bis wir schliesslich wieder auf den markierten Wanderweg trafen. Dem folgen wir dann und querten unterhalb der Torre di Coldai, der Torre die Alleghe, der Torre die Valgrande und dem Pan di Zucchero, bis wir schliesslich nach 2h20min den Einstieg des Klettersteiges "Alleghesi" auf 2365m erreichten. 

Wir montierten unsere Klettersteigausrüstung und los gings - wow! Was für ein genialer Klettersteig! Zwar teilweise etwas abgegriffen, aber 95% kletterbar, das heisst, das Seil dient wirklich nur der Sicherung und geklettert wird im Fels! Nach circa zwanzig Minuten feinster Kletterei kamen wir auf eine ungesicherte Querung. Ich ging schon mal über das Band und sicherte mich am nächsten Stahlseil, als ich plötzlich Harald rufen hörte: "Nein! Nein! Nein!" Ich schaute zurück und sah nur, wie er nach unten schaute. Er fluchte und sagte mir, er müsse zurück, die Kamera holen. Die Kamera hat er immer am Rucksack über einen Klettverschluss fixiert. Nun war er mit der Kamera hängen geblieben und somit hatte es den Reissverschluss geöffnet und die Kamera machte einen Abflug! Harald versuchte noch, die Kamera aufzufangen, aber da er in dem Moment bereits ungesichert war, musste er das mit Vorsicht machen. Er hörte, wie es "plopp, plopp, plopp" machte - dann war Stille. Somit also die Annahme, dass die Kamera nicht bis an den Wandfuss gefallen ist! Harald kletterte also wieder ab, meinte allerdings zu mir, ich solle schon einmal weitergehen, was ich aber nicht gemacht habe. Erst hörte ich Harald schimpfen, weil die Kamera nicht dort war, wo er sie vermutet hatte, aber dann hatten wir doch Glück im Unglück und die Kamera lag auf einem Vorsprung - noch etwas weiter, und sie wäre wahrscheinlich endgültig weg gewesen! Und wundersamerweise funktionierte sie sogar noch! Das Gehäuse hat zwar einen leichten Schaden, aber sonst geht alles einwandfrei - und das nach einem Sturz von circa 20 Metern! 

Nachdem dieser "Schock" überwunden war, setzten wir unseren Weg fort. Immer weiter ging es hinauf - erst noch in der Sonne, gegen oben hin dann im Schatten. Wir brauchten fast die angegebene Zeit (3h15min), aber auch nur, weil wir praktisch alles frei kletterten, was natürlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Nach 5h30min waren wir dann am Gipfel. Die Aussicht war auch von hier wieder gewaltig! Den Gipfel teilten wir mit einem weiteren Via-Ferrata-Begeher, der etwas vor uns eingestiegen war. 

Nach der verdienten Jause und einigen Fotos ging es dann an den Abstieg. Erst ging es über ein paar steile Schrofen zum Rifugio Torrani auf 2984m. Von dort ging es dann weiter in Richtung Tal - teils Passagen waren versichert und ich war gar nicht einmal so traurig, dass ich mein Klettersteigset noch anhatte und auch benutzen konnte! Konzentration war angesagt! Wir sprachen dann noch mit zwei Einheimischen, die an uns vorbeizogen (ohne Ausrüstung - nicht einmal einen Helm hatten sie auf...) und ich war froh, als wir dann auf einer Höhe von 2440m die Klettersteigausrüstung in den Rucksack packen konnten Dann ging es mühsame 200 Höhenmeter im Geröll hinunter, ehe wir auf den normalen Wanderweg trafen.

Dem entlang folgten wir dann zurück ins Tal und auf den Campingplatz. Zurück beim Bus zeigte meiner Uhr 8h35min an, 16 Kilometer und 1910 Höhenmeter. Eine äusserst schöne Tour! Ich stellte mich dann auch gleich unter eine heisse Dusche (die am Vortag nur lauwarm war) und Harald ging noch einkaufen, damit wir ein Abendessen und ein Frühstück hatten :-) Dann stiessen wir mit einem Tegernsee-Bier auf den Tag an fielen dann abends "hundsnudelfertig" ins Bett!

Manu

Die mächtige Ostwand der Civetta. Über den rechten Pfeiler zieht der Klettersteig nach oben.


Kurz vor dem Einstieg. Jetzt sieht man den Pfeiler schön frei, über welchen der Steig nach oben zieht.


Klettergenuss pur!


Blick zum Monte Pelmo (Vordergrund). Hinten links der Monte Cristallo.


Blick zum Falzarego und den Tofanengipfel.





Der Monte Pelmo im Abendlicht.


17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...