Nach der großen Tour auf die Civetta am Vortag wollten wir
etwas weniger machen und suchten uns eine vorgelagerte Gruppe im Süden aus: die
San Sebastiano Gruppe. Von dort hat man einen traumhaften Blick in Richtung Monte
Civetta und Monte Pelmo.
So packten wir am Morgen zusammen und fuhren zum Passo Duràn
auf 1.605m. Von dort startete unsere Wanderung. Wir nahmen sicherheitshalber
einen Helm mit, da man einige steile Schuttfelder queren muss und man hier nie
weiß, wer über einem geht – ob Mensch oder Tier. Sicher ist sicher. Anfangs
folgten wir dem Wanderweg, um in den großen Kessel des Van de Caleda zu kommen,
von wo aus man schon einen Blick auf die Aufstiegsrouten erhaschen konnte.
Dort kamen wir dann auch in die Sonne und folgten dem Steiglein
in die Ostflanke des San Sebastiano Nord. Dort konnte man sich entscheiden, ob
man quasi link oder rechts herum auf den Gipfel geht. Wir wollten den Gipfel überschreiten,
also gingen wir links. Anfangs noch recht einfach, etwas über Felsbänder
absteigen, dann folgten wir einem Steig bis an eine Wand, die mit Stiften
gesichert war. Wir kletterten drüber und folgten dem Weg weiter. Das Weglein wurde
aber immer schmäler und ausgesetzter. Man musste Querungen an Bändern machen,
wo es links von einem einfach steil abfällt und man den Boden gar nicht mehr
sieht. Das war nach den Vortagen etwas zu viel für uns und wir kehrten um. Die Stelle
mit den Stiften mussten wir dann etwas blöd abklettern, aber das war wohl das
geringere Übel.
So standen wir nach etwa 40 Minuten wieder an der Abzweigung
und folgten nun dem Weglein nach rechts, um in die Cresta Sud des Gipfels zu
kommen. Von dort gelangten wir in lockerer Kletterei zum Gipfel des San
Sebastiano Nord auf 2.488m. Leider hatten sich nun schon Nebel gebildet und wir
hatten keinen freien Blick mehr auf die Civetta und den Pelmo, aber wir kannten
die Berge ja schon.
Nach kurzer Rast machten wir uns an den Abstieg und peilten
dann die Forcella La Porta an, was mit einem mühsamen Gegenanstieg in Schutt und
Geröll einherging. Auf der Forcella machten wir kurz Halt und berieten uns
einmal. Wir hatten schon wieder um die 1200 Höhenmeter gemacht und der Aufstieg
zum Monte Tamer waren nochmals mindestens 250Hm. Zudem musste man einige Bänder
queren und später etwas klettern. Manu ging dann einfach mal los, sie wollte
noch auf den Gipfel und gleichzeitig etwas ihre Höhenangst auskurieren.
Der Aufstieg folgt anfangs einem sehr langen Band, welches
rechts steil abfällt. Man kann dort aber gut gehen, ist es denn breit genug und
bietet links auch immer guten Halt. Später folgten ein paar Querungen in steilen
Rinnen, bevor wir dann vor den eigentlichen Schwierigkeiten standen: einem
kurzen Felsriegel, gesichert mit einem Seil, der überwunden werden wollte. Manu
war gar nicht mehr erfreut, kämpfte sich aber weiter durch.
In kurzer Kletterei ging es zuerst die Wand hoch, dann
folgte eine weitere Querung, an der wir warten mussten, denn unter uns waren drei
Italiener im Abstieg genau im Steinschlag von uns. Dort geht man sowieso schon
wie auf rohen Eiern und dann noch so vorsichtig gehen, dass ja kein Steinchen
wegrollt, … wir warteten ein paar Minuten. Danach gab es noch ein paar kleine
Felsabsätze zu überklettern und schon standen bzw. saßen wir am Gipfel des
Monte Tamer auf 2.547m. Das Wetter war wieder etwas besser als zuvor und so
aßen wir eine Kleinigkeit, bevor wir uns an den Abstieg machten.
Hochkonzentriert kletterte Manu alles wieder ab und schnaufte
nicht nur einmal tief durch. So waren wir alsbald wieder in der Scharte
angekommen und konnten dann endlich unsere Jausenbrote verspeisen. Manu isst
nicht gerne am Gipfel, wenn sie weiß, dass der Abstieg noch so herausfordernd
sein wird.
Da wir nicht wieder denselben Weg zurück wollten, wie wir
gekommen sind, stiegen wir nun auf der anderen Seite der Forcella ins Val Baranca
ab, nicht ahnend, was uns genau erwarten würde. Zu unserer Verteidigung sei zu
sagen, dass wir die Tour nur mittels einer kleinen Karte geplant haben, die die
Höhenschichtlinien nicht genau zeigt :-P
Anfangs durch Schotter abrutschend, gelangten wir dann auf
den Wanderweg in Richtung Baita V. Angelini, einer kleinen Hütte. Von dort
quert dann der Wanderweg immer in Richtung Westen um den Bergstock zurück zum
Passo Duràn. Wir gaben etwas Gas und standen schon bald bei diesem kleinen
Hüttchen, wo auch ein paar Wanderer waren. Ich machte mir noch die Mühe und
ging die paar Meter zurück zum Wegweiser, um zu sehen, was so alles
angeschrieben ist. Ich hätte es nicht machen sollen.
Passo Duràn, 2:20h. Was? Das war für uns etwas viel. Wir
waren schon wieder an die 6 Stunden unterwegs und hatten gute 1.550hm hinter
uns. Wieso soll jetzt der Rückweg so lange dauern? Nach einigen Minuten gehen,
wussten wir wieso: rauf, runter, rauf, runter, …. So ging es endlos weiter.
Immer wieder folgte eine kleine Lücke oder Übergang mit einem Abstieg danach.
Es dauerte Ewigkeiten, bis wir an der Forcella Val Baranca ankamen, der für uns
laut Karte zumindest höchste Punkt, bevor es nur noch bergab zum Pass gehen sollte.
Getäuscht. Rauf, runter, … so ging es weiter. Und so wurden es am Ende wieder
1700hm und einige Kilometer, ehe wir am Pass ankamen und das Auto wiedersahen.
Da es nun schon spät war, änderten wir unsere Pläne. Wir
fuhren nicht wie geplant nach Süden in die Palagruppe, sondern wieder zurück zum
Camping in Pecol, der noch den letzten Tag offen hatte. Am Weg dorthin
versorgten wir uns noch mit ein paar Lebensmitteln und genossen dann eine heiße
Dusche und das Abendessen am Campingplatz, ehe wir uns müde in die Schlafsäcke
verkrochen.
Harald
 |
| Ein schönes Brockengespenst. |
 |
| Am Weg zum Monte Tamer. |
 |
| Schlüsselstelle im Aufstieg. |
 |
| Einige Bänder zum Queren beim Abstieg. |