Von der Hütte ging es zuerst wenige Meter bergab, bevor wir dann schon den ersten Anstieg vor uns hatten. Unter der Gürtelwand vorbei ging es ca. 300hm hinauf in die Karlscharte auf 2666m, die den Übergang ins Timmler Tal bildet.
Von dort stiegen wir dann einige Höhenmeter ab in den Talboden, bevor es dann wieder nach oben zum Großen Timmler Schwarzsee ging. Bis dort waren wir gemütlich in 1:50h unterwegs. Wir pausierten etwas und machten Fotos vom wunderschönen See mit den hohen 3000ern der Schwarzwand und der Hofmannspitze dahinter.
Wir umrundeten den See und setzten dann nicht direkt den Weg zur Windachscharte fort, sondern hielten uns rechts zur Schwarzwandscharte auf 3059m.
Eine offene Rechnung begleichen
Das Ziel der Begierde lag vor uns: die Hofmannspitze. Im Winter hat uns dieser Berg seine kalte und windige Schulter gezeigt und wir mussten auf ca. 3080m abbrechen, kurz unter dem Gipfel. Starker Wind, Kälte und die Wechten hatten uns zum Umdrehen bewegt. Heute war nichts davon zu sehen. Nur langsam zogen Wolken auf, leichte Quellungen.
Deswegen zog Manu das Tempo an. Davor gingen wir gemütlich, jetzt im "Angriffmodus" etwas schneller. Woher sie jetzt die Kraft nahm war mir schleierhaft. Die Idee den Rucksack unten zu lassen und leicht zu gehen wurde verworfen. Manu zog durch. Schon nach kurzer Zeit holten wir 2 Wanderer ein und kamen alsbald ins Schneefeld unter der Scharte. Der Schnee war weich und gut zu gehen. Die Grödel blieben im Rucksack. Von der Scharte ging Manu gleich zügig weiter zum Gipfel. Und so erreichten wir kurz darauf den Gipfel der 3113m hohen Hofmannspitze.
Wir genossen die Aussicht und konnten zum ersten Mal das Gipfelkreuz bewundern, welches wir nur schon zu gut vom riesen Wandfoto in der Pension Widmann kannten. Gipfelfotos folgten und wir aßen eine Kleinigkeit.
Am Gipfel blödelte ein Südtiroler etwas und fragte nach Schuhgröße 43.5. Er würde gerne zur Müllerhütte gehen und ein Bier trinken. Selbst war er nur mit leichten Trekkern "bewaffnet". Ich sagte dann, dass ich etwa 44 hätte und sogar Grödel dabei. Er meinte dann, dass der Weiterweg leicht wäre über den Übelferner und ja sogar markiert bzw. der normale Hüttenzustieg.
Zur "Hochtour" wie die Jungfrau zum Kind
Wir entschlossen uns dann, zumindest mal den Weg zur Müllerhütte zu probieren. Mit Grödel bewaffnet stapften wir über den tief eingeschneiten Gletscher. Auf etwa 3100m kamen uns zwei Bergsteiger im Abstieg entgegen. Diese ermutigten uns weiterzugehen. Das Gelände ist unschwierig und der Gletscher kein Problem.
Der Spur folgend ging es dann bis fast 3200m rauf, bis wir die Grödel abzogen und in den Fels auswichen. Dort improvisierten wir die Klettergurte (120cm Bandschlingen als Sitzgurt ;-)) und seilten uns an. Ich hatte ein 5m Seil für alle Fälle dabei. In leichter Kraxelei im max. 2. Grat folgten wir den Markierungen in Richtung Gipfel. Kurz davor mussten wir nochmals in den Schnee ausweichen. Wenige Minuten später standen wir auf der 3.449m hohen Sonklarspitze und waren beide von der Aussicht überwältigt. Zuckerhüttl, Wilder Pfaff und Wilder Freiger liegen vor einem, in der Ferne schweift der Blick zur Wildspitze und zur Weißkugel. Dahinter Piz Bernina, links davon Ortler und Zufallspitze. Im Norden das Karwendel. Wir stärkten uns kurz, machten ein paar Fotos und genossen einfach die Aussicht.
Als Abstieg wählten wir den Weg über das Hohe Eis (3.392m). Der Grat dort sagte uns aber nicht so zu, weswegen wir einen Teil zurück gingen und dann den Grat im Firnfeld umgingen. Danach folgten noch ein zwei Schneefelder, die wir abrutschen konnten, bevor der Weg in den Fels ging.
Meist ganz gut, teilweise etwas mühsam schlängelte sich der Weg dann meist am Rücken hinab. Die Schlüsselstelle ist sogar mit einem Stahlseil gesichert. Konzentration war aber dennoch gefordert. Schon bald danach bog der Weg nach rechts in großes Blockgelände ab. Für mich war das lustig, für Manu nicht so. Sie konnte kaum so hohe Schritte machen. Aber auch das meisterten wir gut und kamen bald in den normalen Weg runter zur Hütte.
Nach gut 7:30h kamen wir an der Hütte an und checkten ein. Wir hatten wieder großes Glück: ein Zweierzimmer für uns alleine :-)
Wir machten uns frisch und genossen eine Linzertorte am Balkon bei schöner Aussicht. Danach gabs bis zum Essen ein paar Runden Rummy, welches jetzt auch schon auf x Dreitausender war.
Nach dem Abendessen wurde noch gekniffelt und wir schauten uns den Sonnenuntergang an, der schon fast kitschig war. Nebenbei lauschten wir noch den Erzählungen von sechs älteren Damen und Herren, die auch schon so einige witzige Bergerlebnisse hatten - oder sie erzählten nur Witze und es lag am Liter Wein, den sie tranken.
Harald
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