Der Tag startete wieder etwas früher. Wir wollten schon mit dem ersten Wanderbus los, um früh in Katharinaberg zu starten. Es stand unsere anstrengenste Etappe vor uns, denn nur der Übergang über das Ginggljoch alleine waren 1700hm und das mit den schweren Rucksäcken.
Zum Glück haben wir am Vorabend gezahlt, denn das wäre wohl am Morgen nicht mehr möglich gewesen, so lange brauchte die Inhaberin für die Rechnung. Das Frühstück bereitete sie uns etwas widerwillig früher zu, aber es war dann alles da. So kamen wir dann zügig los und konnten pünktlich in Katharinaberg bei Sonnenschein (= Schönwetter!) starten.
Steil ging es los in Richtung Moaralm, welche wir nach ca. 1h45min erreichten. Von dort aus folgten wir nun dem Weg Nummer 9 zum Ginggljoch. Im Kessel darunter auf ca 2500m machten wir eine längere Pause und stärkten uns. Knapp 1200hm lagen schon hinter uns, mindestens weitere 500 vor uns.
So stapften wir voller Elan wieder los den steilen Weg nach oben ins Joch. Endlos viel kurze und sehr steile Spitzkehren winden sich dort rauf. Teils musste man auch noch aufpassen, da der Weg abschüssig war.
Endlich am Joch angekommen, empfing uns eine steife Brise. Über der Texelgruppe hatte es deutlich mehr Wolken als über dem Schnalstal und dem Vinschgau. Auch die hohen Marteller Berge waren langsam in Wolken gehüllt. Aber das Wetter sollte gut bleiben und halten. Wir aßen ein paar Nüsse und entschlossen uns dann, die Tour etwas auszudehnen.
Vom Joch kann man unschwierig über den breiten Geröllrücken den Blaulackenkopf erreichen, mit seinen 3.162m ein schöner 3000er. Wir holten drei Tageswanderer ein und gingen mit diesen dann gemeinsam auf den Gipfel, welcher leicht zu erklimmen war. Da wir nicht direkt in Falllinie zur Hütte absteigen konnten und auch den selben Weg nicht wieder zurück machen wollten, entschieden wir uns, am Grat weiter zu gehen.
So folgten wir dem breiten Rücken ins Joch "Auf dem Kreuz" auf ca 3.070m. Von dort aus stiegen wir dann zum zweiten 3000er des Tages auf: der Kreuzspitze (3.173m). Schön entlang des Grates, teils etwas im Fels. Dort legten wir dann eine längere Pause ein, waren wir doch nach 2000hm und 4h30min doch etwas müde. Wir genossen die Aussicht auf die Texelspitze und das Rotegg, zwei stattliche 3000er.
Wir machten uns an den Abstieg. Zuerst ein wenig des Weges zurück und dann direkt ab zur Blauen Lacke, über den ehemaligen Gletscher. Im breiten Hochtal folgten wir dann dem Weg des geringsten Widerstandes, bis wir kurz vor der Kälberalm etwas steiler absteigen mussten, um wieder auf den Wanderweg zu treffen.
Am Bach füllten wir dann noch unsere Wasserflaschen auf und tranken einen Eistee, bevor wir die letzten Kilometer und knapp 250hm zur Hütte in Angriff nahmen. Dort angekommen gönnten wir uns eine Suppe und einen Lärchensirup, dann ein kleines "Bad" und ein paar Partien Rummy, bevor es Abendessen gab.
Mit fast 8 Stunden, 2000hm im Austieg und ca. 1000 im Abstieg war dies ein langer Tag. Zum Glück hatten wir gutes Wetter.
Harald
Tag 8 - Lodnerhütte > Lazinser Rötelspitz > Tschigat > Oberkaser Alm
Die Nacht war für mich eine typische Hüttennacht - wenig Schlaf und wenn, dann sehr unruhig. Stickig wars auch, waren wir doch zu sechst im Achterzimmer und das Fenster nur gekippt. Schon dafür musste Harald sich am Vorabend noch stark machen! Wie dem auch sei, traurig war ich nicht, als es um 7 Uhr zum Frühstück ging. Beim Blick aus dem Fenster sahen wir, dass wir nichts sahen - Nebel bis fast vor die Haustür! Nichtsdestotrotz stiefelten wir um kurz nach 8 Uhr los Richtung Halsljoch. Gut 1h15min ging es hinauf - in einem gemütlichen Tempo, da die Füsse vom Vortag doch noch recht schwer waren! Vorbei ging es an den Tablander Lacken, aber viel davon konnten wir wegen des Nebels nicht ausmachen!
Am Halsljoch angekommen, redeten wir mit zwei Wanderern, die ebenfalls von der Lodnerhütte aufgebrochen waren und immer ein paar Minuten vor uns waren. Wir und auch sie beschlossen, trotz des Nebels auf den Lazinser Rötelspitz aufzusteigen. Ich liess meinen schweren Rucksack im Joch zurück und konnte mich so viel freier bewegen. Einige Passagen waren versichert, immer wieder gab es leichte Kraxeleien, bevor wir dann nach circa 25min den 3037m hohen Gipfel erreichten. Und auch die Sonne lugte hinter dem Nebel hervor und wir konnten einen Blick auf den 3228m hohen Lodner und auf den eben hochgekraxelten Grat erhaschen. Es dauerte aber nicht lange, ehe der Nebel wieder die Oberhand gewann und wir teils durch kräftigen Wind wieder ins Joch abstiegen.
Dort musste ich dann wohl oder übel wieder meinen Rucksack aufschnallen, ehe wir unseren Weg Richtung Tschigat fortsetzten - ich nicht mehr so locker flockig wie davor! Erst führte der Weg gemütlich hinauf, hin und wieder brauchten wir die Hände, um ein paar Steinplatten zu überwinden. Es wurde dann immer steiler und auch ausgesetzter. Einige Passagen waren auch gesichert - zum Glück, denn querend über abschüssige Steinplatten zu kraxeln, unter denen es 200m in die Tiefe geht, gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen!
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den Gipfel auf 3000m Höhe! Leider lichtete sich der Nebel diesmal nicht. Nach einer Biberpause fragten wir drei Südtiroler, die mit uns am Gipfel waren, wo denn der Ostabstieg beginnt. So genau war die Auskunft nicht und der Nebel erschwerte die Orientierung! Zwei weitere Gipfelstürmer konnten uns dann genauer sagen, wie wir weitermussten: Erst kurz den Weg entlang zurück und dann durch den Kamin runter. Und wir sollten darauf achten, den richtigen Kamin zu erwischen! Haben wir dann auch gemacht, war ja auch markiert! Der Einstieg in den Kamin war gesichert, dann ging es teils kraxelnd und teils über lose Steine rutschend ziemlich steil hinunter. Aufmerksamkeit war gefordert, denn die Steine waren recht rutschig und immer wieder mal lose.
Nach gut 400 Höhenmetern wurde der Weg wieder einfacher. Nun galt es sich aber erneut zu konzentrieren, um den Weg im dichten Nebel nicht zu verlieren! So gings von Markierung zu Markierung. Irgendwann lag zu unserer Linken der Milchsee, aber viel gesehen haben wir nicht. Schade, die Spronser Seenplatte ist bekannt für ihre Schönheit und mitunter der Grund, warum wir diese Route gewählt hatten! Weiter gings dem Langsee entlang, bei dem sich eimmal kurz für 20 Sekunden der Nebel lichtete, bevor es weiter im Whiteout in Richtung Oberkaseralm ging.
Obwohl es heute eine eher kurze Etappe war (knapp 1000hm hinauf und 1100hm ab und das bei nur 9.5km), war es eine anstrengende Tour, vor allem mental fordernd! Nach 5h40min erreichten wir die Oberkaseralm auf 2131m. Wir bezogen gleich das kleine 4-Bett-Zimmer und nach einer Katzenwäsche gabs eine Stärkung in der warmen Stube.
Nach ein paar Rummys unterhielten wir uns noch länger mit Maja und Gianna, die einzeln unterwegs sind und heute auch von der Lodnerhütte gestartet waren (unsere Zimmergenossinnen).
Nun ist Zeit fürs Abendessen und ich freue mich auf Suppe, Knödel und Bier und später auf eine hoffentliche geruhsame Nacht!
Manu
PS: Das Abendessen, das Bier und der Schnaps waren sehr lecker!
Auf der Alm war wohl eine Ausgabe von Wanderer sucht Wanderin - eine Gruppe Männer baggerte eine Gruppe Frauen an (die zurückbaggerten) und es wurde bei denen ein feucht-fröhlicher und sehr lauter Abend! Von der Nachtruhe um 22Uhr wollten sie nichts wissen...
PPS: um 5:20 Uhr in der Früh musste Harald eine Katze aus dem Zimmer buxieren, die sich auf das Bett der Nachbarin fallen gelassen hat. Und da diese Dame etwas ängstlich war, musste geholfen werden.
Tag 9 - Oberkaser Alm > Schwarzkopf > Grünjoch > Faltmarjoch > Pfelders
Unsere Nacht war etwas durchwachsen. Die besoffenen Wanderer lärmten um ca. 1 Uhr recht lange durch die Gegend und schnarchten dann auch großzügig. Um 5:20 Uhr am Morgen gabs dann den Katzenrausschmiss und danach war die Nacht eh fast gelaufen. So standen wir schon früh auf saßen um 7 Uhr beim Frühstück, welches etwas spärlich ausfiel.
Danach packten wir die Rucksäcke und brachen gleich um 8 Uhr auf, noch im dicken Nebel. Der Wetterbericht war nicht schlüssig. Eventuell um 10 nochmals kurz Regen und dann trocken oder davor trocken und ab 15 Uhr Regen. Wir hofften auf zweiteres.
Wir stiegen gemütlich entlang des Weges Nummer 6 zurück auf in Richtung Spronser Joch. Je nach Lage dort oben wollten wir entscheiden, ob wir die flotte Variante nach Pfelders machen oder doch noch wie geplant über das Grün- und Faltmarjoch gingen.
Am ersten See am Joch angekommen (wir merkten nicht mal, dass wir am See waren weil der Nebel so dick war) sahen wir den Abzweiger zum Schwarzkopf (2.805m). Daneben stand "schwierig". Bis auf den Nebel war das Wetter ok und wir wagten den Aufstieg. Schon kurz danach verstauten wir unsere Stöcke, denn die Hände wurden zum Kraxeln benötigt. Mit den nassen Felsen war das gar nicht so ohne, aber Absturzgefahr herrschte nirgends. Es waren immer so kleine Podeste, die überklettert werden mussten. Es ging zügig voran und so standen wir alsbald am Gipfel und hatten keine Sicht. Null. Nada. Nur das Gipfelkreuz sahen wir ... und eine andere Markierung, die nach Nordosten dem Grat entlang folgte. Waren wir falsch?
Auf der Karte sahen wir dann, dass der schwierige Weg gar nicht eingezeichnet war, sondern nur der leichte. Da wir aber den See gar nicht sahen, haben wir nicht gemerkt, dass der leichte Weg erst am Ende des Sees startet. Naja. War ja lustig und uns auch recht, denn nochmals dort wieder runterkraxeln war eh nicht so toll.
Also folgten wir dem leichten Weg, einem normalen Wanderweg, bis ins Grünjoch. Dort sahen wir dann, dass der Abstieg zum Weg Nummer 5 gut markiert und auch im Nebel erkennbar war. Wir entschieden uns dann zum Abstieg und somit unserem ursprünglichen Plan. Das Wetter war ja "gut" ... wir sahen halt nicht viel von den Bergen.
Im Abstieg lichtete sich dann unter 2300m der Nebel bald uns über dem breiten Tal kam die Sonne durch. Welch ein Traum! Wir stiegen dann zum offiziellen Weg 5 ab und nahmen dabei noch etwa 20 Schafe und 30 Ziegen mit, die es auf Manus Hose abgesehen hatten. Eine Ziege knabberte sogar daran.
Dem Weg Nummer 5 folgten wir dann in Richtung Faltmarjoch, dem Übergang hin nach Pfelders. Obwohl es ein offizieller Weg ist und sogar dick gezeichnet und markiert in der Karte ist, war der Weg kaum begangen und teils schwer zu finden, da er überwachsen war. Steil durch einen Kamin im nassen Gelände ging es dann auf ein Podest, welchem wir folgten. Dort sind teils Ketten und Seile drinnen, was bei der Nässe ganz hilfreich war. Danach zieht der Weg unschwierig hoch ins Joch. Dort angekommen sahen wir, dass es in Pfelders auch nicht sonderlich schön war.
Rasch stiegen wir dann zur Distelgruberalm ab und folgten dann dem Weg weiter nach Pfelders. Auch hier war der Weg teils schlecht. Viel Wasser kam überall aus den Hängen, alles war matschig und nass. Man musste aufpassen, denn der Weg zog noch einige Male durch Felspassagen nach oben, die allesamt nass waren, aber immer mit Ketten gesichert.
Nach mehr als einer Stunde erreichten wir dann einfacheres Gelände und konnten dann schnellen Schrittes nach Pfelders abstiegen, wo wir nach gut 6 Stunden Gehzeit ankamen. Beide waren wie hungrig und vor allem mental müde, hatte uns der Weg heute doch einiges abgefordert, vor allem war ständige Konzentration notwendig.
Schon im Bus nach Stuls schwärmten wir beide vom guten Kaffee und den tollen Torten und Kuchen in der Pension Widmann, welche nun 3 Nächte unsere Unterkunft ist. Und wir wurden nicht enttäuscht: Hadentorte (Buchweizen) gabs :-)
Jetzt werden die Füße hochgelegt und das Wetter überprüft. Unsere weitere Reise erfodert noch ein paar schöne Tage.
Harald






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen