Donnerstag, 9. Oktober 2025

09.10.2025 – Punta di Macao und Punta di l’Alba

Das Wetter für den Tag war etwas unbeständig angesagt für den Nachmittag, zwar kaum Regen bzw. Niederschlag, aber bewölkt und nur wenig Sonne am Pass. Da wir nicht nass werden wollten und zur Not schnell flüchten wollten, entschieden wir uns dazu, vom Pass aus ein paar Routen zu machen, die wenig Zustieg haben und „schnell gemacht“ sind. So starteten wir heute etwas früher als sonst, waren doch alle Routen in Süd- oder Südostwänden am Pass und somit schon vom Morgen an warm und angenehm.

Wir fanden den Zustieg zur Punta di Macao auf anhieb (was für ein Wunder?!) und standen schon nach 20 Minuten am Einstieg der ersten Route „Aioli Bar“ (VI+). Die drei Seillängen waren recht schön zu klettern und vor allem die ersten zwei Längen sehr homogen. Nach nicht mal 55 Minuten standen wir schon am Gipfel und seilten gleich wieder ab. Die Sache dauerte keine 15 Minuten und so standen wir nach 1h10min wieder unten am Einstieg. Wir übersiedelten zur Nachbarroute, wo kurz davor eine Schweizer Seilschaft in die Trad-Route rechts daneben eingestiegen war. Die Route „Occitanista“ (VII) startet mit einem steilen Riss und einer kleinen Verschneidung, alles im oberen 6ten Grad. Danach darf man fast pfeilgerade über schönes Gelände, teils plattig hoch zur Schlüsselstelle, eine plattige, aber gutgriffige Stelle im 7ten Grad. Danach musste ich überlegen, wie weiter, denn mein Stand war von den „Trad-Kletterern“ belegt, die sich etwas verstiegen hatten. So stieg ich halt etwas weiter links auf einem Pfeiler auf und war doch noch froh um die Friends und zusätzlichen Schlingen. Am Schlingenstand holte ich Manu dann nach, die die 7er Stelle einwandfrei meisterte.

Für den Ausstieg mussten wir dann auch noch warten, denn die Schweizer blockierten quasi die ganze Länge hoch und die Sanduhren. Naja, waren ja nur 20 Meter und wo die Dame aus dem Stand loskletterte, eilte ich schon hinterher und überholte dann rechts. Dann war warten angesagt. Zuerst, bis ich mal zum Stand durfte, um zumindest einen Karabiner zu hängen und den Stand zu verlängern, damit Manu nachkommen konnte, und später, bis sie endlich ihren Seilhaufen im Griff hatten. Wir machten es uns gemütlich, ich wurde aber teilweise etwas nervös und wollte ihnen schon zeigen, wie man Handgriffe einfach effizienter machen könnte. Nach gut 20 Minuten warfen sie endlich das Seil aus und seilten ab. Da es zwei Maillons gab, seilten wir gleich neben ihnen ab, wussten wir doch von der Route davor, dass es etwa fünf Meter weiter unten einen weiteren Abseilstand gab, was für uns mit dem 60m Halbseilen kein Problem war. So kamen wir dann doch noch zu unserer Jause am Wandfuß.

Der Tag war noch jung, es war erst 13:30 und wir waren noch voller Energie. So beschlossen wir, zur Punta di l’Alba zu gehen und den Südostpfeiler über die „Compulu“ (VII-) zu klettern. Klingt mal nicht schwer, aber die Beschreibung sagt „die paar wenigen Bohr- und Normalhaken haben lediglich wegweisenden Charakter“. So packte ich noch 3 weitere Friends, die Keile und auch die restlichen Schlingen ein. Man muss hier festhalten: Manu wollte die Route auch klettern, obwohl sie über weite Strecken vollkommen selbst abzusichern war. Die Einstiegslänge, ein genussreicher 6er, brauchte schon etwas Mut beim Vorstieg und es mussten einige Schlingen und Friends gelegt werden. Mit den 50 Metern und somit viel Seilzug war sie dann auch anstrengend. Manu hatte dann aber ihren Spaß beim Nachsteigen und so waren wir alsbald durch die erste Länge. Wir mussten nun vom Pfeiler kurz abseilen in eine Scharte und von dort die zwei schwersten Längen, VII- und VI, klettern.

Der Einstieg in die 7er Länge war durch drei Bohrhaken „markiert“. Die unteren zwei waren noch okay, der oberste war schon recht rostig. Ob dieser noch einen Sturz hält, wollten wir nicht probieren. Ich besserte kurz danach mit Schlingen und einem Friend nach, stieg dann einen kurzen Riss hoch und kam zu einem Schlaghaken, der noch gut war. Dort habe ich dann blöderweise einen falschen Schlingenstand gesehen und diesen angeklettert. Die Route dürfte vom Schlaghaken weg wohl eher rechts führen, zumindest sahen wir später von oben mal eine alte blaue Schlinge dort hängen. Jedenfalls kletterte ich links und musste noch ein paar Mal richtig gut zupacken. Ob das dann der 6er war, weiß ich nicht so recht, eher oberes Ende vom 6er. Am Schlingenstand angekommen war dann Ernüchterung angesagt. Alles Material war grottenschlecht und alt, also musste ich mühsam nachbessern und die Sanduhren fädeln, im leichten Überhang. Das dauerte dann ein wenig. Aber ich wusste, wenn ich hier nicht ordnungsgemäß nachbessere, schaut es um die Moral von Manu schlecht aus, wenn sie dann am Stand ankommt. Letzten Endes habe ich 3 weitere Schlingen um Sanduhren verbaut und einen schönen Stand hinbekommen. Als ich dann fertig war und das Sicherungsgerät vom Gurt holte, um Manu nachzuholen, flog etwas vom Gurt runter. Ich wusste aber nicht was. Ich habe aber den Aufprall am Boden gehört und auch, dass es „weich“ geflogen war, also am Gras aufkam. Und ich sah noch, wie sich der Strauch etwas bewegte, der unter mir war. Die Vermutung war also groß, dass „das Ding“ in den Strauch fiel. Manu band sich nochmals aus (Die Scharte, in der sie stand, war kein Absturzgelände. Dort führt ein Wanderweg zurück zum Einstieg.) und schaute nach, ob sie etwas fand – negativ. Naja, also einbinden und dann hochklettern. Mit Bravour meisterte sie die Stellen hoch und kam am Stand etwas außer Atem an. Sie war dann durchaus froh, dass ich nachgebessert hatte und konnte sich auch mit etwas mehr Zuversicht reinsetzen.

Flott wanderte wieder alles Material von Manu zu mir an den Gurt und dann kletterte ich direkt über den Stand los ins Tafoni-Meer. Wahnsinn. Dass die Natur so etwas formen kann bzw. wie so etwas entstehen kann, sagenhaft. Mit einem riesigen Grinser im Gesicht vergaß ich schon fast, dass ich nur mit Schlingen und Friends sicherte. Legen konnte man aber Material ohne Ende. Ich ging dann noch die halbe nächste Seillänge mit aus, da wir etwas Zeit gutmachen mussten, habe ich doch beim Stand davor einiges an Zeit liegen lassen. Irgendwann war dann das Material fast aufgebraucht und ich musste Stand machen. Zwei Friends mit Backup über eine Köpfelschlinge – hielt Bombe 😉. Auch Manu hatte dann sichtlich Spaß in dieser Länge. Ein Meer aus Tafonis und man kommt aus dem Staunen nicht raus.

Die letzte Länge machte ich dann direkt durch bis zum Gipfel – mit viel Seilzug. Danach kam Manu nun leider im Nebel nach und wir packten das Seil weg, um uns für den Abstieg zu richten. In leichter Kraxelei gelangten wir noch bis zum Gipfel und stiegen dann eine Schotterrinne entlang ab, immer wieder über Bänder leicht querend. Nicht überall hatte Manu eine Freude, aber wir kamen gut unten an. Und so hatte ich auch noch Zeit, nochmals zur Scharte aufzusteigen am Wanderweg und nach „dem Ding“ zu suchen. Mittlerweile wusste ich, was es war: mein Maillon. Ich stieg auf den Absatz mit dem Strauch hoch und suchte ein wenig und siehe da, ich fand ihn! Was für ein Glück. Das Ding ist nicht glänzend und grau und keine 7cm lang und 2cm breit. Glück gehabt 😊

So ging es dann, nach einem ausgefüllten Klettertag, voller Freude und mit langsam schmerzenden Fingern zurück zum Auto und dann nach Zonza zum Einkauf und später zum Campingplatz, wo das Abendessen gut tat und das kalte Bier nicht nur die Finger kühlte, sondern auch den Tag gut beendete.

Harald

Die Schlüsselseillänge der Punta di l'Alba mit der 7er Stelle im unteren Bereich.

Blick zurück zum ersten Turm mit dem Stand am Baum

Tafoni-Wahnsinn!

Leider drückte dann der Nebel rein, und wir sahen nicht mehr viel von den Tafonis.


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