Das Wetter
für den Tag war etwas unbeständig angesagt für den Nachmittag, zwar kaum Regen
bzw. Niederschlag, aber bewölkt und nur wenig Sonne am Pass. Da wir nicht nass
werden wollten und zur Not schnell flüchten wollten, entschieden wir uns dazu,
vom Pass aus ein paar Routen zu machen, die wenig Zustieg haben und „schnell
gemacht“ sind. So starteten wir heute etwas früher als sonst, waren doch alle
Routen in Süd- oder Südostwänden am Pass und somit schon vom Morgen an warm und
angenehm.
Wir fanden
den Zustieg zur Punta di Macao auf anhieb (was für ein Wunder?!) und standen
schon nach 20 Minuten am Einstieg der ersten Route „Aioli Bar“ (VI+). Die drei
Seillängen waren recht schön zu klettern und vor allem die ersten zwei Längen
sehr homogen. Nach nicht mal 55 Minuten standen wir schon am Gipfel und seilten
gleich wieder ab. Die Sache dauerte keine 15 Minuten und so standen wir nach 1h10min
wieder unten am Einstieg. Wir übersiedelten zur Nachbarroute, wo kurz davor
eine Schweizer Seilschaft in die Trad-Route rechts daneben eingestiegen war.
Die Route „Occitanista“ (VII) startet mit einem steilen Riss und einer kleinen
Verschneidung, alles im oberen 6ten Grad. Danach darf man fast pfeilgerade über
schönes Gelände, teils plattig hoch zur Schlüsselstelle, eine plattige, aber
gutgriffige Stelle im 7ten Grad. Danach musste ich überlegen, wie weiter, denn
mein Stand war von den „Trad-Kletterern“ belegt, die sich etwas verstiegen
hatten. So stieg ich halt etwas weiter links auf einem Pfeiler auf und war doch
noch froh um die Friends und zusätzlichen Schlingen. Am Schlingenstand holte
ich Manu dann nach, die die 7er Stelle einwandfrei meisterte.
Für den
Ausstieg mussten wir dann auch noch warten, denn die Schweizer blockierten quasi
die ganze Länge hoch und die Sanduhren. Naja, waren ja nur 20 Meter und wo die
Dame aus dem Stand loskletterte, eilte ich schon hinterher und überholte dann
rechts. Dann war warten angesagt. Zuerst, bis ich mal zum Stand durfte, um
zumindest einen Karabiner zu hängen und den Stand zu verlängern, damit Manu
nachkommen konnte, und später, bis sie endlich ihren Seilhaufen im Griff
hatten. Wir machten es uns gemütlich, ich wurde aber teilweise etwas nervös und
wollte ihnen schon zeigen, wie man Handgriffe einfach effizienter machen
könnte. Nach gut 20 Minuten warfen sie endlich das Seil aus und seilten ab. Da
es zwei Maillons gab, seilten wir gleich neben ihnen ab, wussten wir doch von
der Route davor, dass es etwa fünf Meter weiter unten einen weiteren
Abseilstand gab, was für uns mit dem 60m Halbseilen kein Problem war. So kamen
wir dann doch noch zu unserer Jause am Wandfuß.
Der Tag war
noch jung, es war erst 13:30 und wir waren noch voller Energie. So beschlossen
wir, zur Punta di l’Alba zu gehen und den Südostpfeiler über die „Compulu“ (VII-)
zu klettern. Klingt mal nicht schwer, aber die Beschreibung sagt „die paar
wenigen Bohr- und Normalhaken haben lediglich wegweisenden Charakter“. So packte
ich noch 3 weitere Friends, die Keile und auch die restlichen Schlingen ein.
Man muss hier festhalten: Manu wollte die Route auch klettern, obwohl sie über
weite Strecken vollkommen selbst abzusichern war. Die Einstiegslänge, ein
genussreicher 6er, brauchte schon etwas Mut beim Vorstieg und es mussten einige
Schlingen und Friends gelegt werden. Mit den 50 Metern und somit viel Seilzug
war sie dann auch anstrengend. Manu hatte dann aber ihren Spaß beim Nachsteigen
und so waren wir alsbald durch die erste Länge. Wir mussten nun vom Pfeiler
kurz abseilen in eine Scharte und von dort die zwei schwersten Längen, VII- und
VI, klettern.
Der Einstieg
in die 7er Länge war durch drei Bohrhaken „markiert“. Die unteren zwei waren
noch okay, der oberste war schon recht rostig. Ob dieser noch einen Sturz hält,
wollten wir nicht probieren. Ich besserte kurz danach mit Schlingen und einem
Friend nach, stieg dann einen kurzen Riss hoch und kam zu einem Schlaghaken,
der noch gut war. Dort habe ich dann blöderweise einen falschen Schlingenstand
gesehen und diesen angeklettert. Die Route dürfte vom Schlaghaken weg wohl eher
rechts führen, zumindest sahen wir später von oben mal eine alte blaue Schlinge
dort hängen. Jedenfalls kletterte ich links und musste noch ein paar Mal richtig
gut zupacken. Ob das dann der 6er war, weiß ich nicht so recht, eher oberes Ende
vom 6er. Am Schlingenstand angekommen war dann Ernüchterung angesagt. Alles
Material war grottenschlecht und alt, also musste ich mühsam nachbessern und
die Sanduhren fädeln, im leichten Überhang. Das dauerte dann ein wenig. Aber
ich wusste, wenn ich hier nicht ordnungsgemäß nachbessere, schaut es um die
Moral von Manu schlecht aus, wenn sie dann am Stand ankommt. Letzten Endes habe
ich 3 weitere Schlingen um Sanduhren verbaut und einen schönen Stand
hinbekommen. Als ich dann fertig war und das Sicherungsgerät vom Gurt holte, um
Manu nachzuholen, flog etwas vom Gurt runter. Ich wusste aber nicht was. Ich
habe aber den Aufprall am Boden gehört und auch, dass es „weich“ geflogen war,
also am Gras aufkam. Und ich sah noch, wie sich der Strauch etwas bewegte, der
unter mir war. Die Vermutung war also groß, dass „das Ding“ in den Strauch fiel.
Manu band sich nochmals aus (Die Scharte, in der sie stand, war kein
Absturzgelände. Dort führt ein Wanderweg zurück zum Einstieg.) und schaute
nach, ob sie etwas fand – negativ. Naja, also einbinden und dann hochklettern.
Mit Bravour meisterte sie die Stellen hoch und kam am Stand etwas außer Atem
an. Sie war dann durchaus froh, dass ich nachgebessert hatte und konnte sich
auch mit etwas mehr Zuversicht reinsetzen.
Flott wanderte
wieder alles Material von Manu zu mir an den Gurt und dann kletterte ich direkt
über den Stand los ins Tafoni-Meer. Wahnsinn. Dass die Natur so etwas formen
kann bzw. wie so etwas entstehen kann, sagenhaft. Mit einem riesigen Grinser im
Gesicht vergaß ich schon fast, dass ich nur mit Schlingen und Friends sicherte.
Legen konnte man aber Material ohne Ende. Ich ging dann noch die halbe nächste
Seillänge mit aus, da wir etwas Zeit gutmachen mussten, habe ich doch beim
Stand davor einiges an Zeit liegen lassen. Irgendwann war dann das Material
fast aufgebraucht und ich musste Stand machen. Zwei Friends mit Backup über
eine Köpfelschlinge – hielt Bombe 😉. Auch Manu hatte dann sichtlich Spaß
in dieser Länge. Ein Meer aus Tafonis und man kommt aus dem Staunen nicht raus.
Die letzte Länge
machte ich dann direkt durch bis zum Gipfel – mit viel Seilzug. Danach kam Manu
nun leider im Nebel nach und wir packten das Seil weg, um uns für den Abstieg
zu richten. In leichter Kraxelei gelangten wir noch bis zum Gipfel und stiegen
dann eine Schotterrinne entlang ab, immer wieder über Bänder leicht querend.
Nicht überall hatte Manu eine Freude, aber wir kamen gut unten an. Und so hatte
ich auch noch Zeit, nochmals zur Scharte aufzusteigen am Wanderweg und nach „dem
Ding“ zu suchen. Mittlerweile wusste ich, was es war: mein Maillon. Ich stieg
auf den Absatz mit dem Strauch hoch und suchte ein wenig und siehe da, ich fand
ihn! Was für ein Glück. Das Ding ist nicht glänzend und grau und keine 7cm lang
und 2cm breit. Glück gehabt 😊
So ging es
dann, nach einem ausgefüllten Klettertag, voller Freude und mit langsam schmerzenden
Fingern zurück zum Auto und dann nach Zonza zum Einkauf und später zum
Campingplatz, wo das Abendessen gut tat und das kalte Bier nicht nur die Finger
kühlte, sondern auch den Tag gut beendete.
Harald
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| Die Schlüsselseillänge der Punta di l'Alba mit der 7er Stelle im unteren Bereich. |
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| Blick zurück zum ersten Turm mit dem Stand am Baum |
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| Tafoni-Wahnsinn! |
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| Leider drückte dann der Nebel rein, und wir sahen nicht mehr viel von den Tafonis. |




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