Samstag, 11. Oktober 2025

11.10.2025 – Punta di a Vacca: „Patrimoniu“ (VI+)

Für das Wochenende war wunderschönes Wetter gemeldet und angenehme Temperaturen, also wollten wir nochmals in ein paar Mehrseillängen einsteigen, ist es doch das erste Mal, dass wir am Bavellapass so wunderschönes Wetter haben. Also starteten wir morgens recht früh, um auf den Pass zu kommen und von dort den einstündigen Zustieg zu starten. Da es Samstag war, rechneten wir mit etwas mehr Andrang. So waren die Parkplätze dann um kurz von 9 Uhr schon recht gut gefüllt, hauptsächlich von Korsen, die wohl ebenfalls die Bergwelt am Pass genießen wollten.

Es wehte ein kühles Windchen, als wir unsere sieben Sachen packten und die Klettergurte anzogen. Manu konnte ich davon überzeugen, heute selbst mit Rucksack zu klettern – mit dem ganz kleinen, da wir erstens 10 Seillängen in einer Südwand geplant hatten und somit das Thema Getränke schlagend wurde und zweitens, weil wir 1h Zustieg hatten und nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückkehrten, da man vom Gipfel weg direkt über den alpinen GR20 (Wanderweg) wieder absteigen kann. Alleine konnte ich nicht so viel Sachen im kleinen Rucksack verstauen, wollten wir doch auch noch eine Jause mitnehmen, Windstopper, ein Shirt zum Wechseln etc. Letzten Endes war sie aber gar nicht so unfroh über ihren Rucksack und schulterte diesen und eines der Halbseile, als wir losgingen.

Der Aufstieg folgt anfangs dem normalen GR20 und zweigt später zum alpinen GR20 ab, um die Bocca di l’Acellu zu kommen. Von dort steigt man etwas ab, geht noch kurz dem Wanderweg entlang und folgt dann den Steinmännchen nach unten durch einen lichten Kiefernwald bis an den Wandfuß der Punta di a Vacca, den man von oben schon sehen kann. Auch sieht man schon den gesamten Routenverlauf. Nach 55 Minuten standen wir am Wandfuß, sogar 5 Minuten schneller, als im Führer angegeben, aber wir hatten einen kleinen Umweg drinnen, waren wir uns denn nicht so sicher, ob wirklich schon der erste Kiefernwald gemeint ist und nicht erst der zweite. Wir richteten uns aus, begutachteten nochmals den Einstieg, ob wir richtig sind, und dann ging der Spaß los.

Die erste Seillänge ist fast die Schlüsselstelle der ganzen Route (VI+), die aber an dieser Stelle gut mit 3 Bohrhaken gesichert ist. Der Rest der Seillänge ist dann clean und muss selbst abgesichert werden. Man kann aber Friends und Schlingen ohne Ende legen. Manu kam zügig nach und war froh, dass sie nun am ersten Stand in der Sonne war, unten wurde es schon wieder schattig, weil die Sonne so flach über dem Horizont stand. Vom ersten Stand aus folgt man ein paar Platten und schöne Wandklettereien in zwei 6er Seillängen, bis man dann kurz in Gehgelände kommt, welches zum zweiten Wandaufschwung leitet, wo nochmals 6 Seillängen auf einen warten. Dort machten wir kurz etwas Pause, bevor es ans Eingemachte ging.

Die ersten beiden verbleibenden Seillängen sind als VI+ bewertet und wunderschön zu klettern. Die wenigen Bohrhaken stecken wirklich nur dort, wo man mit mobilen Sicherungsmitteln nichts mehr machen kann, den Rest kann man einwandfrei selbst absichern. Ein Genuss dort hoch, vor allem die 6te Seillänge, welche über 45m hoch zum nächsten Stand ging. Manu stieg alle davon mit einem riesigen Grinser im Gesicht nach und hatte nirgends Probleme. Was für eine tolle Wandkletterei. Es folgte noch eine letzte 6er Länge mit einer Querung, die auch selbst abgesichert werden muss. An diesem Stand zogen wir uns beide dann die Windstopper an, wehte doch von Osten her ein zügiger Wind vom Meer herein. Danach steigt man im Prinzip aus der Wand aus, diese lehnt sich ab der 7ten Seillänge zurück und es folgen noch Längen im fünften bzw. vierten Grad, ehe man oben im leichten Blockgelände bzw. Gehgelände angekommen ist.

Nach ca. 3h20min waren wir durch die Wand geklettert und hatten nun einen ordentlichen Hunger. Gut hatten wir die Jause eingepackt. Wir schossen die Seile auf und suchten uns dann ein windstilles Plätzchen, wo wir mit Aussicht auf das gesamte Bavellagebiet und das Mittelmeer unseren Hunger stillten. Über den alpinen GR20 ging es dann in ca. einer Stunde wieder zurück zum Auto, welches wir fast wider Erwartens voll früh erreichten. Somit lagen noch mehr Runden Rummy vor dem Abendessen am Campingplatz drinnen.

Nach einem kurzen Stopp beim Utile Supermarkt um Brot zu kaufen, machten wir es uns am Camping gemütlich, genossen einen kalten Muscat und freuten uns über die gelungene Kletterei. Nun hatten wir aber alle „schwereren“ und auch lohnenden Mehrseillängen am Pass abgearbeitet. Für viele andere müsste man weit mehr als eine Stunde zusteigen, um dann nur 3 oder 4 Längen zu klettern. Somit planten wir einen Sportklettertag am Pass ein, der dann klettertechnisch wohl anstrengender wird, als so manche Mehrseillänge 😉

Harald

Zustieg am alpinen GR20 zur Bocca

Schon hier gibt es tolle Felsen

Und Sportklettersektoren

Die erste Länge der Route. Manu musste schon im Schatten losklettern.

Danach aber sonnig bis zum Gipfel

Tolles Ambiente: Klettern auf 1400m im Granit mit Blick zum Meer.

Manu stieg auch vor.

Die Schlüsselstellen in der Wand.


Eine lange VI+ Verschneidung, die aber sehr human und homogen war.

Plattiger, aber super griffiger Ausstieg, der selbst abzusichern ist.

Die letzten Längen voraus


Was für ein Ausblick :-)


Geschafft, 10 Seillängen durch die Südwand.


Nach der Jause wieder frisch gestärkt und voller Energie.

Der Baum hält hier schon einige Jahre Wind und Wetter stand.


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