Manu
Japan ist wirklich ein faszinierendes Land. Als wir uns entschieden, nach Japan zu fahren, wollten wir hauptsächlich in die Kultur eintauchen - Wandern bzw. die Natur stand an zweiter Stelle. Ziemlich schnell merkten wir aber, dass wir nach einem vollen Stadttag die Natur brauchten. Und auch, dass viele Japaner gerne der Grossstadt entfliehen und gut ausgebaute Wanderwege ebenfalls recht gefüllt sind.
Allgemein waren wir ein wenig gefordert oder teils auch überfordert von den Touristenmassen, die unterwegs waren. Unter der Woche waren zudem noch riesige Schulklassen unterwegs, der Rest waren zu 95% asiatische Reisende. Mit dem Ausmass hätte ich nicht gerechnet gehabt!
Ich hätte auch nie gedacht, dass ich um 06:50 Uhr aufstehe, um noch vor dem Frühstück einen Tempel anzuschauen, nur, um den Massen zuvorzukommen! Apropos Tempel - die machen ja einen grossen Teil der japanischen Kultur aus. Aber nach dem x-ten Tempel konnte und wollte ich auch keine mehr sehen!
Das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war ziemlich einfach. Für die ersten fünf Tage hatten wir den JR-West-Pass für 105€ pro Person gelöst gehabt. Damit konnten wir in Osaka mit den JR-Lines fahren, nach Hiroshima und Himeji mit dem Shinkansen und mit dem Local-Express nach Kyoto. Die Linien sind super angeschrieben, jede Station hat zusätzlich zum Namen noch eine Nummer.
Von Kyoto in die Fujikju-Highlands gings erst mit dem Shinkansen (ca. 65€ pro Person) und dann weiter mit dem Highland-Express-Bus (ca. 15€ p.P.). Von dort nach Tokyo gings wieder mit dem Highland-Express-Bus für 12€ pro Person. Die Regionalbusse/züge sind recht günstig, nur der Shinkansen ist teuer. Es ist aber ein Erlebnis, mit 300km/h durch die Landschaft zu sausen! Und teilweise brettert er mit 200km/h durch den Bahnhof durch. Die Gleise sind aber top gesichert!
In Tokyo selber haben wir uns ein U-Bahn-Ticket für 48h (ca. 7 € p.P.) gekauft. Damit sind wir super von A nach B gekommen und es war überhaupt nicht kompliziert!
Alles in allem haben wir aber auch zu Fuss viele Kilometer gemacht. Meistens waren es zwischen 20 und 25 Kilometer, die wir zurückgelegt haben. Das waren richtig anstrengende Tage, obwohl wir uns laufen ja gewohnt sind, aber eben nicht so! Erst in Tokyo wurde es dann ein bisschen weniger!
Mit dem Wetter hatten wir richtig Glück. Geregnet hat es nur am Ende in Tokyo. Zu Beginn war es hin und wieder bewölkt, aber immerhin trocken. Auch war es immer so um die 15 - 20°C.
Osaka, Hiroshima und Himeji würde ich wohl wieder so machen. Nach Kyoto würde ich einen Tagesausflug von Osaka aus machen. Dort hatte es mit Abstand am meisten Touristen! Die Region um Kawaguchiko ist wunderschön, aber das wissen auch alle anderen 🤪. Zwei Tage Sightseeing in Tokyo war für mich auch ausreichend!
Unsere Wanderungen waren eher ernüchternd - da die Berge, auf die wir gingen, nicht so hoch war, waren sie fast durchgehend bewaldet. Das heisst, Aussicht gabs praktisch keine, ausser es hatte eine Plattform. Immerhin waren wir im November und hatten schöne Herbstfarben!
Allgemein ist Japan ein sehr sauberes Land - und das, obwohl es keine öffentlichen Mülleimer gibt! Seinen Müll nimmt man mit nach Hause und entsorgt ihn dort. Erst in Tokyo waren die Strassen nicht mehr so sauber. Dort war es auch das erste Mal, dass wir Obdachlose gesehen haben. Wir haben uns aber immer sehr sicher gefühlt, auch abends.
Ich habe auch die Toiletten cool gefunden - erstens gibt es überall kostenlose Toiletten. Und viele haben Sitzheizung integriert und eine Po- bzw. Intimdusche 😄. Teilweise konnte man auch Toilettengeräusche (also Wasserspülung) dazuschalten, wenn man es diskret haben wollte 😅.
Das japanische Essen hat uns ebenfalls gut geschmeckt. Wir haben mehrmals Sushi/Sashimi/Maki gegessen - ein absolutes Muss in Japan! Ebenfalls beliebt bei und war das Tempura (was von unterschiedlich guter Qualität war) oder dir Ramen-Nudeln. Top war natürlich das Kobe-Rind, welches wir uns einmal geleistet hatten! Die Portionsgrössen waren verschieden, teilweise waren die winzig, dann wieder riesig! Schlecht haben wir eigentlich nie gegessen, obwohl ich kein Fan vom japanischen Frühstück geworden bin!
Erstaunt hat mich auch, dass die Japaner kaum Englisch sprechen. Sie können ihre Standardsätze und ihre Lieblingswörter sind "Thank you", "Yes" und "Sorry". Wenn man die aber was fragt, bekommt man irgendeine Antwort oder einfach "Yes" und man weiss genau, dass der andere keine Ahnung hat. Harald war am Ende schon richtig genervt davon 🤪.
Den japanischen Style fand ich auch interessant. Japan ist ja bekannt für seine Manga-Figuren, aber ich hätte nicht gedacht, dass so viele Frauen in ihrer Freizeit so rumlaufen! Und Frauen wie auch Männer tragen Plateauschuhe! Es war das erste Mal, dass ich z.B. Converse-Schuhe mit 5 - 10cm hoher "Sohle" gesehen habe! Aber ja, die Japaner sind auch eher kleiner.
Aber auch die Männer haben teilweise einen interessanten Style. Im Fuji-Q Vergnügungspark haben wir einen gesehen, der hatte einen Nike-Badeanzug an und darüber dann irgendwelche weiten Schlabberhosen.
Die Hallen voller Gacha- oder Greifmaschinen waren irgendwie auch ein Highlight. So viel nutzloses Zeug, und obwohl es davon an jeder Ecke welche gibt, werden die rege genutzt. Wie auch die Spielehallen - die waren immer komplett gefüllt. Nicht nur Supermario und ähnliches, sondern auch die einarmigen Banditen.
Jetzt, am Ende der Reise angelangt, finde ich es ein wirklich tolles Erlebnis, Japan mal gesehen zu haben. Für mich haben die 12 Tage aber vollkommen gereicht. Die Reizüberflutungen und die vielen Menschen haben teilweise schon die Sehnsucht nach Liechtstein geweckt! Aber es war lohnend und vielleicht geht es irgendwann doch noch in den Norden Japans, wer weiss 🤷♀️.
Harald
Allgemein
Japan stand lange auf unserer Liste der Länder, die wir besuchen wollten. Aus vielen Gründen: das Land an sich, die Kultur, die Mega-Städte, auch die Natur an sich.
Ursprünglich hätte ich mir einen größeren Schock erwartet, was vor allem die Kultur betrifft. Dieser blieb aber irgendwie aus.
Was mich mehr überrascht hat, war das teilweise überkomplizierte Vorgehen bei so vielen Sachen des alltäglichen Lebens, oder ich habe dies so empfunden. Alles muss exakt nach Vorschrift laufen, vieles ist unnötig kompliziert digitalisiert, ohne einen Mehrwert zu bieten. Zudem ist alles einfach, wie man es auch aus Mangas kennt, extrem überladen. Leuchtreklamen, im Supermarkt die Angebote, vor allem in Tokio in den Elektronikmärkten erschlägt das einen fast.
Überrascht war ich auch von der Herausforderung, teilweise einfache Dinge zu kommunizieren. Die Leute sind sehr freundlich, hilfsbereit und auch entgegenkommend, sprechen aber kaum Englisch. Und wenn, dann vielleicht nur Phrasen - an eine Unterhaltung ist häufig nicht zu denken.
Vielleicht war es für uns leichter, da wir von Nepal nach Japan kamen und endlich alles wieder modern und "westlich" bzw. sauber und geordnet war und wir die vielen Leute aus Kathmandu gewohnt waren. Wenn man sonst direkt nach Tokio kommt, erschlagen einen sonst einfach die Menschenmassen.
Auf alle Fälle eine Reise wert, aber man muss sich vorab auch so seine Gedanken machen, was man sich anschauen will. Zudem muss man sich auch mental irgendwie auf das einstellen, wie die Leute dort ticken.
Kultur und Tempel
Japan hat eine sehr alte Kultur. Tempelanlagen sind teilweise über 1000 Jahre alt. Der dort verbreitete Shintoismus und Buddhismus haben das Land stark geprägt. Ich finde die Kultur und den Glauben der Leute sehr gut. Sie leben zufrieden, respektieren einander sehr, glauben an Kräfte der Natur und wenige Gottheiten.
Für uns schwer auseinanderzuhalten, sind aber viele der Tempel anderen Sekten oder Richtungen gewidmet. Was sie alle gemeinsam haben: wundervolle japanische Holzbaukunst, die Jahrhunderte überstanden hat. Wenn man fünf davon gesehen hat, sehen sie alle gleich aus, auch die Schreine.
Einige wichtige Tempelanlagen in Kyoto und Tokio sind so überlaufen, dass man diese besser extrem früh oder sehr spät besucht. Das trübt das Erlebnis etwas.
Essen
Wer nach Japan kommt, erwartet sich viel vom Essen. Und es ist meist sehr gut und günstig, außer Kobe-Rind. Das ist auch in Japan sehr teuer.
Sushi und Maki sind extrem gut und günstig. Klassische Tempura (so im Teig frittierte Fleisch, Fisch oder Gemüseteile) auf Reis sind geschmacklich gut.
Ramen (japanische Nudeln) mit der Suppe schmeckt vorzüglich.
Gyoza (gebratene Teigtaschen) ebenfalls.
Beim japanischen Frühstück und vielen anderen traditionell japanischen Speisen trifft unser Gaumen aber auf eher unbekannte Geschmäcker. Viel wird hier mit fermentiertem Gemüse gemacht, so wie Kimchi. Das schmeckt nicht immer toll.
Wenn man offen ist und vor allem seine Geschmackserwartung anfangs ausblendet, wird aber selten etwas nicht essbares vorfinden. Hungern muss keiner.
Reisen im Land
Wir waren nur öffentlich unterwegs, was vor allem in und zwischen den Städten toll ist. Mit dem Shinkansen kann man extrem große Strecken schnell überbrücken. Osaka - Hiroshima sind 350km ca., die der Shinkansen in 80min schafft.
Auch preislich okay sind die Tickets für Bus und U-Bahn.
Das Zurechtfinden geht sehr schnell. Es ist alles auch westlich angeschrieben und die Leitsysteme sind sehr gut. Da können sich viele Städte bzw. Staaten etwas abschauen. Ein durchdachtes System mit Nummern hilft auch dabei, die Haltestellen zu finden. Man merkt sich leichter eine Nummer bzw. Buchstaben und Nummern (zB E23) wie "Shinjuku Higoshima".
Wenn man weiter aufs Land will, muss man auf Busse ausweichen. Es gibt aber hier fast überall hin eine Verbindung. Es dauert dann halt länger. Die "Wanderungen", die wir gemacht haben, sind öffentlich gut zu erreichen. Wenns aber in die Berge gehn soll, wirds mühsam. Dann muss man wohl gleich mehrere Tage wo bleiben, damit es sich auszahlt.
Mit dem Auto wärs übrigens noch lustig, herrscht doch Linksverkehr, und vor allem in den Städten ist man verloren, denke ich.
Verständigung
Japaner sprechen kaum Englisch. Das muss einem bewusst sein. Da sind Franzosen noch besser. Selbst in Hotels oder Restaurants muss man davon ausgehen, dass die Leute kaum oder nur sehr wenig Englisch können.
Vielfach verstehen sie nicht, was man überhaupt sagt, oder sie können nur mit Phrasen antworten wie zB "Thank you for waiting". Man braucht teils Geduld oder einen Übersetzer.
Beispiele:
• Auf die Frage, ob wir mit dem Ticket mehrmals im FujiQ Park rein und raus können kam die Antwort, dass ich die Tickets von 8:00 bis 8:30 Uhr kaufen kann.
• In Tokio sah ich einen Stand auf so einem Wochenmarkt, wo Dinge aus Österreich verkauft wurden. Schlumberger Sekt. Wein aus Niederösterreich usw. Als der Verkäufer kam, sagte er, der Stand sei schon offen, ich könne was kaufen. Dann meinte ich, dass ich nur schaue, was er so habe und dass ich eben aus Österreich sei. Als Antwort kam einfach ein "thank you".
Wohl auch kulturell bedingt, können sie nicht nein sagen bzw. fragen nicht nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Sie sagen dann einfach irgendwas.
Ich habe gelesen, dass viele Experten den Englischunterricht in Japan als schlecht ansehen, weil dieser auf das Bestehen einer Multiple Choice Prüfung ausgelegt ist. Landesweit gleich. Es wird kaum freies Sprechen geübt oder eben das Verständnis. Nur Phrasen, die man beim Test braucht.
Reisezeit
Ob es eine bessere Zeit gibt als den November, kann ich nicht sagen. Bei uns war die Zeitspanne sowieso vorgegeben durch Nepal davor.
Es war aber sehr viel los, eigentlich überall. Aber meist japanische Touristen. Kaum andere. Und es gibt halt doch 125 Mio. Japaner 🙈.
Vom Wetter her hatten wir super Glück. Kein Tag Regen, meist schön. Im Sommer hat man sonst den Monsun und im Winter ist es oft trüb und nass. Außer man geht explizit zum Skifahren nach Hokkaido oder so. Dort will man dann den Schnee haben.
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