Samstag, 9. November 2024

09.11.2024 - Kyoto: Tag 1

Die Nacht war durchzogen, hörten wir doch durchgehend die Wasserpumpe - und das trotz Ohropax 🫣.

Frühstück gabs dann um 08:00 Uhr - diesmal typisch japanisch! Miso-Suppe mit schlatzigem Tofu auf einem Öfchen, dazu ein Schälchen Reis, ein Stückchen Lachs, Natto (fermentierte Sojasprossen), Tamago-Yaki (irgendwas mit Ei), Ohitashi (grünes Zeugs) und Otsukemono (pinkes Rettich). Dann noch eine Süssspeise, ähnlich wie eine Roulade, einfach quadratisch (und im Miniformat).
Es war speziell, jeden Tag müsste ich es nicht haben 🙈.

Nach dem gestrigen Touristenflash wollten wir heute etwas in die Natur raus. Ich hatte am Vortag was rausgesucht, was meiner Meinung nach sowohl einen kulturellen Aspekt als auch eine Wanderung beinhaltet. Es sollte zum Fushimi Inari-Taisha Schrein und dann weiter zum Mount Inari gehen. Was ich da allerdings noch nicht wusste, war, dass die Wanderung bis zum Gipfel ein Treppenweg durch abertausende Torbögen war. Dazu aber gleich mehr!

Wir sind zu Fuss von unserem Ryokan los - laut Google 3.8 Kilometer, das sollte ja gut machbar sein. Unterwegs gabs noch einen kurzen Stopp im Einkaufsladen - Verpflegung musste her (auch wir lernen dazu 🤪). Harald hat sich noch einen Toast gekauft und etwas später einen Kaffee - das japanische Frühstück ist wohl nur was für kleine Menschen mit kleinen Mägen... 😅

Nach über 75min standen wir endlich beim Hauptschrein - überall wuselte es von Menschen. Alsbald ging es in den Torii-Tunnel, bei dem man anscheinend durch 1'000 Torbögen geht. Es war ein Riesengedränge, man musste mit der Masse mitschwimmen, kam der Fluss ins Stocken, stand man auch. Spass ist was anderes! Der Weg zum Gipfel besteht aus 10'000 Torbögen und 12'000 Stufen (nachgezählt hab ich nicht 😆). Ich dachte eigentlich, dass es weniger Leute hat, wenn es erst mal nach oben geht. Falsch gedacht - gefühlt ein jeder wollte nach oben, auch wenn nach jeder zehnten Stufe die Luft weg war und Pause gemacht werden musste - also hauptsache im Weg stehen und alle anderen blockieren 🙈. Gegenverkehr gabs natürlich auch noch, das Vorwärtskommen richtig mühsam! Und dann standen wir endlich auf dem Mount Inari! Naja, es gab dort irgendwelche Läden und den x-ten Schrein, aber das wars dann auch - ernüchternd!

Wir stiegen einige Meter entlang des Aufstiegsweges ab und bogen dann in den Kyoto-Trail ab - das ist ein Wanderweg, der 70km weit um Kyoto rumführt.

In einer Kurve machten wir kurz Halt und setzten uns auf eine Art Bank - Harald liess seinem Frust freien Lauf und dann schauten wir auf der Onlinekarte, wo es genau weitergehen soll. Da kam von unten eine Gruppe Touris (Amis?) und wanderte an uns vorbei. Und eine davon begann, vor uns ihr Zeugs abzulegen und sich zwischen Harald und mich zu drängen. Manche Leute sind einfach eins zuviel!

Verärgert standen wir auf und weiter gings dem Weg entlang - zuerst runter, dann wieder hoch auf den 239m hohen namenlosen Gipfel. Also die Gipfel hier kann man sich als kleine Flächen vorstellen, die von Bäumen umgeben sind. Also nichts mit Gipfelaussicht oder so! Ab diesem Zeitpunkt waren wir für die nächsten zwei Stunden alleine unterwegs. Der Weg führte durch einen schönen Bambuswald, bis wir zu einer Kreuzung kamen. Ein Weg führte nach links weg, einer nach rechts. Nur blöd, wenn es laut Karte geradeaus gehen sollte!

Also ab durchs Gras! Etwas später waren wir dann wieder auf Wegspuren. Aber genutzt werden die wohl selten. Harald ging voraus, mit einem Stecken in der Hand, mit dem er sich den Weg freiputzte - von Spinnweben! Die Spinnen darin waren gelb...und riesig! Es sind Seidenspinnen und sie heissen Jorō-Gumo, was übersetzt soviel heisst wie Prostituiertenspinne 🙈.

Irgendwann war unser Weg zu Ende und wir mussten unter einem Stacheldrahtzaun durchkrabbeln. Auf der anderen Seite ging der Weg dann weiter, vorbei an einem Tennisplatz und dann... dann war einfach Schluss! Rechts unter uns sahen wir die Strasse, links und vor uns standen Häuser. Und dazwischen einfach Dickicht! Wir entschieden uns dann für die Strassenseite, wo wir eine steile Böschung runter mussten (ohne Haralds Hilfe würde ich wohl jetzt noch dort stehen 🙈 ), um anschliessend über ein Strassengatter zu klettern.

Schliesslich standen wir wieder am Kyoto Trail. Ab da waren wir auch nicht mehr ganz alleine, es waren aber nur einzelne Wanderer unterwegs. Unser nächster Gipfel stand an - der Mount Kiyomizu mit ganzen 242m!

Weiter gings zum Shogunzuka Mound. Wir beschlossen kurzerhand, den Eintrittspreis von je 600 Yen zu bezahlen, da praktisch keine Leute unterwegs waren. Zuerst gings in die Seiryuden-Tempelhalle, in der das Gemälde der furchterregenden buddhistischen Gottheit Fudo Myoo zu sehen ist. Naja, es ist nur eine Reproduktion und müsste mal dringend restauriert werden!

Anschliessend gings auf die beiden Aussichtsplattformen, von denen man auf Kyoto sieht bzw. bis nach Osaka schauen kann.
Der Garten war dann unspektakulär, die Herbstfarben lassen noch ein wenig auf sich warten.

Schliesslich gings runter in den Maruyama-Park, wo wieder einiges los war, zum Beispiel viele Touristen in ihren geliehenen Kimonos, die sich in jeglichen Posen fotografieren liessen 😅. Für uns ging es zügig zurück zum Ryokan. Heute 'nur' 19 Kilometer und 700 Höhenmeter.

Um 17 Uhr war Onsenzeit, gegen 18 Uhr stiefelten wir durchs Gion-Viertel. Abartig, wie viel dort los war. Wir konnten keine fünf Meter geradeaus machen, mussten ständig ausweichen und überholen - manche Leute schlendern echt langsam... 🐌

Wir hatten schon in der Unterkunft den Y's-Burger ausgesucht, da wir beide Lust auf Wagyu-Burger hatten. Den bestellten wir dann auch, mit Pommes und Bier. Der Burger war auch echt lecker, die Pommes leider teils nicht durch 🤷‍♀️.

Nach dem Essen schauten wir uns noch ein wenig die Läden im Viertel an (Orientierung lässt grüssen) und gegen 20:30 Uhr waren wir wieder zurück im Ryokan.

Gute Nacht 💫
Manu

Frühstück.















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