Samstag, 16. Oktober 2021

Tag 14: Sportklettern "Les Antennes"

Nach einer durchaus guten Nacht gab es rasch das Frühstück und dann brachen wir auch schon auf in Richtung Norden. Mehr oder weniger der Küste entlang ging es über Calvi und die Isla Rousse nach Saint Florent, von wo aus wir auf den Pass nach Bastia fuhren. Die Straßen sind auf dem Abschnitt meist gut und man könnte zügig fahren, aber wenn man langsame Korsen oder andere Touris vor einem hat, geht halt nichts weiter.

So erreichten wir erst kurz vor 11 Uhr unser Klettergebiet, aßen flott etwas und packten dann zusammen, um die 100m Zustieg zu machen. Im Führer steht sogar 0 Minuten Zustieg. 

Der Fels hoch über Bastia ist ein ganz anderer. Heller Granit und viel von Löchern, aber keinen Tafonis, durchsetzt. Wir starteten mit einer 6a zum Aufwärmen und gewöhneten uns schnell an den Fels. So folgten dann einige 6a+, 6b und 6b+. Als wir alle schönen Routen in diesem Sektor geklettert hatten, wechselten wir weiter in einen anderen, wo ich dann in eine 6c eingestiegen bin. Selten so geschwitzt, aber nicht wegen der Route alleine, sondern wegen der Sonne. Diese stand nun hoch über uns und die Wand war schön SW exponiert (und nicht wie ursprünglich gedacht SO ... naja ... französisch West = Oest ... SO ist also südwest, nicht südost). Die Schuhe fanden an den kleinen Leisten bzw in den Dellen schon fast keine Grip mehr und schmierten schon ab. Der Fels war einfach zu warm geworden. Aber die Route schafften wir dann beide noch :-) Danach gabs noch zwei Routen zum Ausklettern, bevor wir nach einem kurzen Spaziergang nach Bastia fuhren.

Dort erwartete uns der helle Wahnsinn. Chaotischer Verkehr, verstopfte Straßen und ein Supermarkt, in dem gefühlt tausende Leute wuselten. Froh waren wir, als wir unsere sieben Sachen hatten und wieder draußen waren. Nach einem Stopp an der Tankstelle gings dann zum Camping, auf dem wir weniger zahlten als die Nacht davor, obwohl es ein schöner 4* Camping ist ;-)

Leider gabs kein Restaurant in Gehnähe, das offen hatte. Gerne hätten wir noch einmal am Meer guten Fisch gegessen. Aber nochmals ins Auto steigen, wollten wir auch nicht mehr.
Übrigens hat Manu ihren Buff wiedergefunden - er steckte im Ärmel eines Merinoshirts, welches sie heute das erste Mal angezogen hat...

Die Fahrräder sind abmontiert und bereit für den Transport und alles andere ist auch schon größtenteils verstaut für die Fahrt mit der Fähre. Jetzt hoffen wir nur, dass diese morgen um 8 Uhr auch wirklich ablegt nach Nizza.

Harald

Tag 13: Paglia Orba (2.525m)

Der Tag heute startete wolkenlos und bitter kalt. Am Camping auf knapp 900m hatten wir am Morgen nur 3 Grad, etwas weiter im Dorf später gar nur 2 Grad. Brrrr. So war es gut, dass wir tags davor etwas Strom sparten, um die Standheizung noch aktivieren zu können. Diese läuft nur ab einer Mindestspannung von ca 12V auf der Zweitbatterie.

Nach dem Frühstück im Warmen machten wir uns rasch parat und fuhren los in Richtung Col de Vergio, wo wir bei der Kehre "Le Fer à Cheval" (ca. Das Eisen des Pferdes = Hufeisen) auf knapp 1330m parkten. Dort waren es schon ca. 6 Grad und die Sonne schien und wärmte. Wir stapften dann frohen Mutes los in Richtung Bergerie de Radule, welche wir nach etwa 20 Minuten erreichten. Von dort gingen wir dann ins Tal in Richtung Paglia Orba.

Vor uns weitete sich das Tal des "Le Golo", welches landschaftlich wunderschön und absolut sehenswert ist. Uralte große Kiefern, der Fluss mit dem glasklaren Wasser und all den kleinen Stromschnellen, dahinter die hohen Berge. Nach etwa 30 Minuten bogen wir dann um die Ecke und sahen unser Ziel des Tages das erste Mal: den Gipfel des Paglia Orba.

Weiter ging es durch das Tal bis es erst gegen Talschluss hin steiler nach oben zum Refuge Ciottulu di i Mori auf fast 2000m ging. Von dort sieht man dann in den Col des Maures, der als nächstes angesteuert wird.

Wir tranken am Refuge etwas und zogen unsere Windstopper an, denn oben zog vom Col ein kalter Wind herab. Flotten Schrittes ging es dann an die letzten 550 Höhenmeter. Vor dem Col schon wendeten wir uns nach Osten hin und folgten den vielen Steinmännern in die Südflanke des Paglia Orba, bevor es dann über Bänder und Stufen wieder nach Norden in eine Einsattelung ging. Von dort startete der lustige Teil. In leichter Kraxelei über unzählige Steilstufen und durch Rinnen und Kamine gelangten wir auf den Vorgipfel, wo wir von den Sonnenstrahlen empfangen wurden. In den westseitigen Rinnen war noch keine Sonne und der Fels war recht kalt.

Manu war erleichtert darüber, dass wir die schwierigen Passagen so einfach hinter uns ließen und konnte deswegen frohen Mutes die restlichen Höhenmeter in Angriff nehmen. Zuerst ging es wieder etwa 50 Höhenmeter bergab in den Sattel zwischen Vorgipfel und Gipfel. Danach folgten einige leichte Kraxeleien und zum Schluss ein einfacher Weg auf den Gipfel, welchen wir nach 3 Stunden erreichten und alleine für uns hatten. Zudem hatten wir an diesem Tag perfektes Wetter, noch immer war der Himmel klar und wir hatten super Fernsicht. Kurz unterhalb des Gipfels, in einer Mulde auf der Südseite und somit im Windschatten genossen wir dann die Aussicht und aßen unsere Jausenbrote. Herrlich! Rast am Gipfel.

Nach ausgiebiger Rast gingen wir an den Abstieg. Kurz unterhalb des Vorgipfels trafen wir auf die zwei deutschen Mädels, die wir im Aufstieg im Tal überholt hatten. Sie hatten sich in den Rinnen und Kaminen verstiegen und gerieten weit raus in schwieriges und abschüssiges Gelände. Aber sie fanden wieder gut durch und kamen also doch noch auf den Gipfel.

Recht flott meisterten wir die letzten Meter im Fels und standen alsbald am Wandfuß, wo wir dann zur Hütte zurück gingen und uns dort nach Westen wandten, um dem GR 20 zu folgen. Wir wollten nicht ganz den gleichen Weg zurück zum Pass nehmen, wie wir gekommen waren. So hatten wir dann noch lustige Wegsuche gepaart mit super Ausblicken in das Tal und auf die Gipfel ringsum vor uns. Erst kurz unter der Bocca di Guagnerola stiegen wir wieder ins Tal ab und gelangten dann auf den bereits bekannten Weg, welchen wir ins Tal folgten. Nach 6:30 Stunden standen wir wieder beim Auto.

Da wir morgen Sportklettern in der Nähe von Bastia wollen, entschieden wir uns dazu, schon einen Teil heute zu fahren. Und da wir noch Zeit hatten, wählten wir den Weg entlang der Westküste. So ging es zuerst vom Col ab nach Porto und dann von dort in unzähligen Kurven entlang der Küste nach Norden nach Galeria, wo wir heute unser Lager am Camping aufschlugen. Fast direkt am Meer, abends bei 18 Grad, also fast schön, wenn da nicht der Allgemeinzustand des Camping wäre. Recht alt und heruntergekommen das Ganze hier. Wenn wir nicht beide müde und hungrig gewesen wären, wir wären wohl nochmals weiter nach Norden gefahren, um einen schönen Camping zu finden. Naja, ist ja nur für eine Nacht.

Harald

Tag 12: Monte Cinto (2.706m)

Heute sollte es also der höchste Berg Korsikas werden! 
Um 7:30 Uhr klingelte der Wecker...brrr war das kalt ausserhalb des Schlafsacks! Gut, dass Harald geschwind die Standheizung einschaltete, sodass wir in wohliger Wärme frühstücken konnten! 

Alsbald tauchte die Sonne unser heutiges Ziel in rotes Licht, aber auch zogen bereits die ersten Wölkchen auf! Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Büssli ein paar Minuten hinauf nach Lozzi, von wo aus wir starteten. Einer der zwei dortigen Campings ist sogar noch offen - hätten wir das eher gewusst, hätten wir gleich dort unsere Zelte aufgeschlagen! 

Um 08:50 Uhr gings dann los. Wieder einmal zügigen Schrittes, so dass wir in der ersten Stunde bereits 10 Wanderer hinter uns liessen. Nach 1h15min erreichten wir das Refuge de l'Ercu, wo wir eine erste Trinkpause einlegten. Danach ging der Pfad steil hinauf, teilweise mühsam zu gehen, da es recht schottrig war. Der Wind frischte auf, sodass wir unsere Windstopper anzogen. Da die Temperatur auch nur im einstelligen Plusbereich war, war der Chillfaktor eher auf der ungemütlichen Seite! Immer wieder wechselten einfache Kraxelpassagen mit  Pfadspuren ab. Plötzlich begann Harald zu schimpfen. Er habe keine Lust mehr, ständig den Berg raufzurennen und alle Leute zu überholen, er könne nicht mal die Aussicht geniessen und er brauche jetzt was zu essen. Nach einem Biber waren die Gemüter beruhigt und wir konnten die restlichen Höhenmeter gemütlich in Angriff nehmen - erst den Steinmännchen, dann den roten Punkten folgend auf den 2706m hohen Gipfel. Leider erreichten mit uns auch viele Nebelfetzen den Gipfel - der Wind liess diese um die Gipfel waben, sie lösten sich auf und neue entstanden. 
Mit uns waren noch zwei Südtiroler am Gipfel, mit denen wir uns kurz unterhielten. Sie erzählten, sie hätten am Sonntag den Monte Rotondo versucht, seien aber wegen den eisigen Verhältnissen kurz unterhalb des Gipfels wieder abgestiegen.
Da ein längerer Gipfelaufenthalt bei dem Wind und Nebel unangenehm war, machten wir uns bald wieder an den Abstieg - dieser führte uns über den Lac du Cinto. Bevor wir allerdings den See erreichten, mussten wir noch ein wenig nach Westen queren, immer mal wieder auf- und absteigen. Nun lichteten sich auch die Wolken und wir hatten einen schönen Ausblick auf den Monte Cinto und die Berge der Haut-Asco-Region. 

Wir wussten, dass unser Weg irgendwann nach links hinunter zum See führen musste. Wir folgten ein paar Steinmännchen und Pfadspuren und Harald verifizierte den Weg per GPS auf der Kompass-App. Lustigerweise war der Weg auf der Karte und im Rother-Führer anders eingezeichnet, als den, den wir nun gingen. Ehe wir eine breite Rinne runtergingen bzw. rutschten, assen wir noch unsere Brötchen. Frisch gestärkt nahmen wir den weiteren Abstieg in Angriff. In der Sonne war es schön warm, aber kaum waren wir im Schatten, war es eiskalt. Der Wind forcierte die Kälte noch! Vom See weg ging es über felsige Platten hinunter - da braucht man Vertrauen in den Schuh, dass dieser nicht wegrutscht! Es war aber lustig zu gehen! Endlich erreichten wir wieder das Refuge. Wir beschlossen, noch einen kurzen Bogen über die Bergerie de Oesta mitzunehmen, damit wir nicht den gleichen Weg zurück müssen. Es ging nochmals rauf und runter, ehe wir in den uns bekannten Weg stiessen und diesem entlang zurück zum Auto folgten. Dieses erreichten wir, nun doch schon ziemlich müde, um 16:10 Uhr nach gut 1900hm und 19km. 

Kurz darauf waren wir zurück beim Camping, wo ich eine lauwarme Dusche nahm und mich schliesslich in der Sonne vor dem Büssli bei einer Partie Rummy wieder aufwärmte! Kaum war die Sonne weg, wurde es kalt und wir verzogen uns ins Auto, wo uns Harald bekochte! Nun gibt es noch eine Kniffel-Runde und dann wartet auch schon bald der warme Schlafsack :) 

Manu

Tag 11: Verschneidungen in der "Bella Ciao"

Für unseren nächsten Klettertag auf Korsika haben wir eine der Plaisirtouren ausgewählt, da wir nochmals im Restonicatal voller Genuss klettern wollten. Gemütliche acht Seillängen in der Westwand des Monte Leonardo mit der Route "Bella Ciao" sollten es werden.

Da es sich um eine Westwand handelt (dieses Mal stimmte es auch) wollten wir etwas später einsteigen, damit uns dann die Sonne bald wärmen kann. Und so entschieden wir uns dazu, den Einkauf halt schon am Vormittag, gleich nach der Abfahrt vom Camping, zu erledigen. Das war auch deutlich entspannter, denn der riesige Laden war dann weniger prall mit Leuten gefüllt. Am Weg ins Restonicatal gönnten wir dann unserem Bus auch noch einen "Schluck", denn die Bergstraßen hier fordern etwas mehr Leistung.

Gegen 10:30 Uhr parkten wir dann kurz vor der Brücke "Pont de Tragone" und packten unsere Sachen zusammen. Der Zustieg war mit 15 Minuten sehr kurz und angenehm. Wir kamen sogar ohne Verhauer direkt zum Einstieg. Dieser war noch im Schatten, doch es wurde schon warm und der Wind war quasi nicht zu spüren. Nur die Finger waren noch kalt.

Die erste Seillänge war dann deswegen gleich eine Herausforderung, denn in der Verschneidung war es im Riss recht kalt und somit die Finger noch kälter. Aber es ging gut zu klettern und Manu kam zügig nach. Darauf folgte eine interessante Querung nach rechts bevor es steil nach oben und über eine Kante zum nächsten Stand ging. Diese zwei Seillängen sind wirklich lohnend.

Seillänge drei ist ein recht kurzer 6er, der dann im Gehgelände endet, welches dann auch "Seillänge" vier bildet, bis man am Fuß der Gipfelwand steht.
Die darauf folgende fünfte Seillänge ist dann die Schlüsselstelle der Route, ein schöner 7er, der aber richtig gelesen werden will. Die ersten paar Haken sind allesamt an "Brotlaiben" zu erklettern, also so rundliche grobkörnige Granitklumpen. Danach wir es überhängend und es drückt einen recht raus, vor allem mit Rucksack hinten drauf und Schuhen für den Abstieg am Gurt.

So kam es dann auch, dass ich mich ins Seil setzen musste, weil ich blöderweise den Chalkspuren der Vorgänger direkt nach rechts oben gefolgt bin, anstatt mich davor am Henkel kurz zu besinnen und die Route richtig zu lesen. So einfach war dann die Lösung über links und eine folgende Schuppe, dass ich mich richtig deswegen ärgerte, in einer 7er Stelle reinzusitzen. Danach kamen noch ein paar anstrengende Züge über die Kante hinweg, bevor man den nächsten Stand erreicht.

Im leichten 5er Gelände kreuzt man dann einen "Acker" in der Wand. Keine Ahnung was dort passiert ist, ob Steinschlag von oben den Boden zertrümmert hat oder ob es zB Wildschweine waren, die das so aufgewühlt haben (und ja, an diese Stelle kann man normal zusteigen vom Sattel herein). Durch den vielen Dreck musste man deshalb recht aufpassen, nicht zu rutschen.

Die letzten zwei Seillängen sind dann wunderschöne Genusskletterei an teilweise Tafonis im festem roten Granit. Die Schlusslänge stieg dann zu meinem Staunen sogar Manu vor. Chapeau!

Am Austieg hatten wir dann eigentlich unsere Pause geplant, um unsere Jausenbrote zu essen, doch oben zog es vom Osten her recht kalt und so entschieden wir uns, gleich bis in den Sattel abzuseilen und unten zu essen, bevor wir mit dem Fußabstieg anfingen. Der Abseiler ist dann auch noch speziell, muss man sagen, denn der startet bei einem Baum, wo die Schlingen und der Ring aber nicht in Bodennähe sind, sondern auf ca. 1m Höhe an einer Astgabel. Hebelwirkung lässt grüßen! Aber der Baum ist stark genug und gesund, sodass unsere Fliegengewichte dort nicht viel ausmachten.

Unten angekommen, aßen wir unsere Brote, packten zusammen und stiegen dann zügig ab zum Auto, denn abends ging es noch ca. 45 Minuten zum Campingplatz unterhalb des Monte Cinto, den wir nun angehen wollen, sollte uns das Wetter morgen hold sein. Der höchste Korse wäre das dann, mit 2.706m.

Abends gab es noch eine Runde Rummy und den Apero vor dem Bus in der Sonne, bevor wir uns dann aber doch in die Wärme verkrochen. Sobald die Sonne hier weg ist, wirds halt gleich kalt.

Harald

Dienstag, 12. Oktober 2021

Tag 10: "Voie Abert" im Restonicatal

Nach der gestrigen strengen Tour sollte es heute eher gemütlich angegangen werden - um 8 Uhr standen wir auf und frühstückten gemütlich. Draussen strahlend blauer Himmel, obwohl heute bewölkt sein sollte... soll mal einer den Wetterbericht von Korsika verstehen! 

Nach dem Frühstück checkte Harald unsere Fährverbindung von Samstag, um vor bösen Überraschungen verschont zu bleiben - und siehe da, die Fähre wurde tatsächlich um 4.5h nach hinten verschoben. Wir hatten mal wieder keine Benachrichtigung bekommen... 

Da wir beschlossen, heute in einer Südwand zu klettern, sind wir gemütlich um 10 Uhr losgefahren - Destination Restonicatal Talschluss. Heute war schon recht viel los, weshalb wir etwas weiter unten parken mussten. Den ersten Teil des Zustiegs kannten wir bereits, es war der Wanderweg, den wir gestern zurückgewandert waren. Kurz vor der Bergerie du Melo wandten wir uns nach rechts und folgtem dem Alternativ-Wanderweg zum Lac de Goria. Den verliessen wir alsbald auch, unseren "Berg" hatten wir schon vor Augen. Im Kletterführer stand geschrieben, dass man vor einem Erlendickicht über Schrofen hinauf zum Einstieg gelangt. Wir kletterten dann über eine Rinne hinauf, aber der Fels war schlecht und in der Südwand konnten wir keine Routen bzw. Haken erkennen. Mir gefiel das überhaupt nicht mehr und auch Harald sah ein, dass wir uns einmal mehr beim Zustieg verstiegen hatten. Also wieder runter - puh, da war ich froh, als wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten! Schliesslich gings durch bzw. entlang des Erlenwaldes zum Wandfuss. Wir fanden ziemlich schnell die von uns auserwählte Route (Voie Albert, VII). Noch war die Wand in der Sonne, aber Südwand ist etwas anderes - die Wand ist eher Südost ausgerichtet, was wir später auch zu spüren bekamen! Wären wir doch eine Stunde früher los... aber wer kann schon wissen, dass die Angaben in einem Kletterführer nicht stimmen? 

Um 12 Uhr stiegen wir in die Wand ein. Über eine Platte gings hinauf - abgesichert war die Route so-so, Harald musste hin und wieder einen Friend legen. Für mich wäre das im Vorstieg viel zu scary gewesen!
Die Kletterei war diesmal ganz anders als die letzten, viel auf Reibung und eben halt Granit! In der zweiten Seillänge wartete schon die erste Schlüsselstelle, ein kleiner Überhang, den Harald problemlos meisterte, ich jedoch zwei Anläufe brauchte. Ab der dritten Seillänge verschwand die Sonne bereits und ein leichter Wind kam auf. Es wurde richtig kalt und mein ganzer Körper schlotterte beim Sichern. In der vierten Seillänge kam dann die zweite Schlüsselstelle, ein etwas längerer Überhang. Auch hier stieg Harald souverän voraus. Ich brauchte viele Anläufe, meine Finger waren mittlerweile eiskalt und fanden kaum Halt! Erst in der letzten Seillänge konnten wir wieder etwas Sonne tanken! Zügig seilten wir uns ab, die letzten beiden 30m Abseilstellen meisterten wir in einem Mal - aber einen Meter mehr hätte es nicht mehr vertragen! Ich musste sogar die Endknoten lösen, um wieder festen Boden zu erreichen! 

Schnell packten wir zusammen, suchten uns noch ein Plätzchen, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen und unser Brötchen zu essen. Mittlerweile waren viele Wolken aufgezogen, aber allgemein wäre das Wetter heute um einiges besser gewesen für unsere Rotondo-Besteigung. 

Um 16:30 Uhr waren wir zurück beim Auto und fuhren zurück zum Camping - die heisse Dusche hat sehr gut getan. Heute wird wieder im Büssli gekocht und ein Gläschen Muscat dazu getrunken! 

Manu

Tag 9: Monte Rotondo (2.622m)

Heute sollte es eine längere Wanderung werden, und zwar auf den Monte Rotondo. Im Wanderführer ist dieser Weg mit 8h30min angegeben, aber rauf und runter den gleichen Weg. Da wir mehr auf Rundwanderungen stehen, schauten wir auf der Wanderkarte nach und siehe da, es gibt einen "Rundweg" - perfekt, auch wenn mit 2000hm zu rechnen sind! Damit wir am Ende knapp 5km Wanderung der Strasse entlang sparen, kam Harald die gute Idee, unsere Bikes am Ende des Restonicatals zu deponieren. 

Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Draussen war es bewölkt. Nichtsdestotrotz packten wir zusammen und wie am Vortag fuhren wir um 08:02 Uhr los - zuerst nach Corte und dann weiter ins Restonicatal. Harald konnte zügig fahren, sodass wir nicht mal eine Stunde bis zur Bergerie de Grottelle am Ende des Restonicatals brauchten. Dort ketteten wir unsere Bikes inklusive Helm an und fuhren 5km entlang der Strasse zurück. Vor uns fuhr ein Parkwärter, der auf diesem kurzen Streckenabschnitt 2x anhielt, um mit entgegenkommenden Leuten zu quatschen. Wir zeigten Geduld und warteten, bis es weiterging. Bei der Pont de Timozzu konnten wir das Auto in einer kleinen Parkbucht parken und kurz nach 9 Uhr gings dann auch los. Der Weg war gut und ging steil hinauf, so dass wir zügig vorwärtskamen. Die Bergerie de Timozzu liessen wir links von uns liegen und nach gut 1h30min hatten wir die ersten 1100hm überwunden und standen beim See Lavu del' Oriente. Das Wetter meinte es aber nicht gut mit uns, es hatte viele Wolken und der Gipfel lag im Nebel. Zudem hatten wir die Kälte des Nordanstiegs unterschätzt - ab dem See gab es immer wieder gefrorene Passagen. Vor allem die Anstiege über die Granitplatten waren heikel, wenn zu viel Eis darin war. Der Weg war nun auch schlechter markiert (wir waren immer wieder auf der Suche nach Steinmännchen) und der Nebel erschwerte die Sache noch mehr! So kamen wir nur langsam voran. Da das Gelände immer mehr mit Eis bedeckt war und wir teilweise durch die Nebel hindurch erblickten, dass unterhalb des Gipfels Schnee liegt, wandten wir uns nach links, da in der Wanderkarte sowohl ein Weg direkt als auch einer von links eingezeichnet ist. Wir hofften, dass, wenn wir die Exposition ändern, das Eis weniger wird. Entlang einer Rinne versuchten wir hinaufzusteigen, aber das Vorhaben beendeten wir alsbald, da das Gelände doch recht schwierig wurde. Laut der Tourenbeschreibung sollten Kletterstellen im maximal 1 Grad vorkommen. Wir setzten den Weg fort, den wenigen Steinmännchen, die wir hin und wieder ausmachen konnten, folgend. Über eine Steilstufe ging es in Kraxelei (was nicht mehr der erste Grad war...) hinauf auf ein weiteres Plateau. Immer mehr Schnee, Graupel und gefrorene Passagen erschwerten uns das Weiterkommen. Und der Gipfel war noch immer im Nebel! Wieder standen wir vor einer Rinne, unsicher, wo es weitergeht. Bei trockenen Verhältnissen kein Problem, aber bei Eis und nur mit unseren Trekking-Schuhen ausgestattet - heikel! Ich wollte schon w.o. geben, zu gross die Angst, dass wir uns versteigen und dann nicht mehr runterkommen. Andererseits hatte ich grossen Respekt vor dem Abstieg. Da machte Harald ein Steinmännchen aus - gutes Zeichen, dass die Rinne keine Sackgasse ist! Also dort nach oben, auch wenn hier die Kraxelei anspruchsvoll und noch immer grosse Vorsicht angesagt war. Dann wurde das Gelände wieder flacher und einfacher zu gehen und dann ENDLICH erreichten wir das Biwak einige Meter unterhalb des Gipfels. Ein Franzosenpärchen war auch dort. Ganz erstaunt waren die, woher wir gekommen seien und warum wir nur 3h30min anstelle der 5h gebraucht hätten (bei guten Bedingungen wären wir sicher unter 3h gewesen...hihi). Sie seien in 2h30min von der Südseite (also von der Refuge de Petra Piana) aufgestiegen und wollen nun nordseitig runter. Wo wir weitergehen würden. Ich habe dann gesagt, dass der Nordabstieg recht heikel sei und wir gen Süden absteigen und von dort über die Bocca Muzella und den Lac de Melo zurück ins Restonicatal wandern würden. Das konnten sie nicht verstehen, seien sie doch gestern vom Restonicatal in 6h bis zum Refuge de Petra Piana gewandert. Genug geplaudert, wir wollten ja noch auf den Gipfel und siehe da - Sonne! Leider ohne Aussicht, aber nach dem kalten Nordanstieg tat die Wärme sehr gut. Beim Biwak gabs eine schnelle Verpflegung und schon wollten wir los. Der Franzose fragte nochmals, wo der Einstieg in die Nordroute sei (später haben wir übigens herausgefunden, dass wir nicht den "Normalweg" gegangen sind...) und erklärte mir nochmals, dass wir von dem Refuge bis ins Restonicatal 6h brauchen würden. Ich meinte darauf nur: "Peut-être vous, mais pas nous". Damit wars für mich erledigt und wir stiegen ab. Eine Wohltat - südseitig war alles trocken, die Sonne kam durch und der Weg war mit vielen Steinmännchen gut ausgeschildert. Beim Lavu Bellebone (wieder ein See) legten wir eine kurze Jause-Pause ein. Dann zog wieder Nebel auf und wir stiegen weiter ab. Wir hielten uns an die Steinmännchen, aber leider an die, die in die falsche Richtung gingen. Irgendwann bemerkten wir, dass wir viel zu weit nach Osten gehen. Harald konnte uns auf seinem Handy orten und tatsächlich standen wir nicht dort, wo wir gerne gewesen wären. Also zurück, sprich gut 140hm hinauf... Reklamierende Oberschenkel! Dann den richtigen Steinmännchen folgend hinunter. Hat uns sicher wieder 20 Minuten gekostet! So brauchten wir für den Abstieg zum Refuge doch 1h50min. Von dort ging es gleich sehr steil hinauf in die Bocca Muzella. Anstrengend! Das Wetter war mittlerweile sehr schön geworden, vor allem Richtung Restonicatal hin! Wir wanderten weiter zur Bocca a Soglia und konnten von dort die steilen Grantittürme des Restonicatals bewundern! Wow, was für ein tolles Ambiente! Unter uns sahen wir den Lac de Melo, wohin unser Weg uns dann auch führe. Noch immer flotten Schrittes wanderten wir zurück zur Bergerie de Grottelle, wo unsere Bikes auf uns warteten. Entgegen der Vorhersage des Franzosen brauchten wir für diese Teiletappe nur 2h40min...hihi! Wir sattelten dann auf unsere Bikes um, froh, die letzten 5km und 400hm sitzend zurücklegen zu können. Immerhin waren wir nun 8h10min für 2200hm und fast 20km unterwegs. Und der Aufstieg war doch ziemlich fordernd! 

Wir fuhren zurück nach Corte und erledigten dort einen Grosseinkauf, ehe es zum Camping ging und Harald für uns kochte. 

Jetzt freue ich mich darauf, wenn ich bald alle Viere von mir strecken kann :) 

Manu

17.10.2015 - Sportklettern Restonicatal: Candite e Martin

Nach einer guten und erholsamen Nacht wachten wir am Morgen bei wenigen Grad über Null auf. Kalt wars geworden, war doch die Nacht sternenkl...