Samstag, 16. Oktober 2021

Tag 11: Verschneidungen in der "Bella Ciao"

Für unseren nächsten Klettertag auf Korsika haben wir eine der Plaisirtouren ausgewählt, da wir nochmals im Restonicatal voller Genuss klettern wollten. Gemütliche acht Seillängen in der Westwand des Monte Leonardo mit der Route "Bella Ciao" sollten es werden.

Da es sich um eine Westwand handelt (dieses Mal stimmte es auch) wollten wir etwas später einsteigen, damit uns dann die Sonne bald wärmen kann. Und so entschieden wir uns dazu, den Einkauf halt schon am Vormittag, gleich nach der Abfahrt vom Camping, zu erledigen. Das war auch deutlich entspannter, denn der riesige Laden war dann weniger prall mit Leuten gefüllt. Am Weg ins Restonicatal gönnten wir dann unserem Bus auch noch einen "Schluck", denn die Bergstraßen hier fordern etwas mehr Leistung.

Gegen 10:30 Uhr parkten wir dann kurz vor der Brücke "Pont de Tragone" und packten unsere Sachen zusammen. Der Zustieg war mit 15 Minuten sehr kurz und angenehm. Wir kamen sogar ohne Verhauer direkt zum Einstieg. Dieser war noch im Schatten, doch es wurde schon warm und der Wind war quasi nicht zu spüren. Nur die Finger waren noch kalt.

Die erste Seillänge war dann deswegen gleich eine Herausforderung, denn in der Verschneidung war es im Riss recht kalt und somit die Finger noch kälter. Aber es ging gut zu klettern und Manu kam zügig nach. Darauf folgte eine interessante Querung nach rechts bevor es steil nach oben und über eine Kante zum nächsten Stand ging. Diese zwei Seillängen sind wirklich lohnend.

Seillänge drei ist ein recht kurzer 6er, der dann im Gehgelände endet, welches dann auch "Seillänge" vier bildet, bis man am Fuß der Gipfelwand steht.
Die darauf folgende fünfte Seillänge ist dann die Schlüsselstelle der Route, ein schöner 7er, der aber richtig gelesen werden will. Die ersten paar Haken sind allesamt an "Brotlaiben" zu erklettern, also so rundliche grobkörnige Granitklumpen. Danach wir es überhängend und es drückt einen recht raus, vor allem mit Rucksack hinten drauf und Schuhen für den Abstieg am Gurt.

So kam es dann auch, dass ich mich ins Seil setzen musste, weil ich blöderweise den Chalkspuren der Vorgänger direkt nach rechts oben gefolgt bin, anstatt mich davor am Henkel kurz zu besinnen und die Route richtig zu lesen. So einfach war dann die Lösung über links und eine folgende Schuppe, dass ich mich richtig deswegen ärgerte, in einer 7er Stelle reinzusitzen. Danach kamen noch ein paar anstrengende Züge über die Kante hinweg, bevor man den nächsten Stand erreicht.

Im leichten 5er Gelände kreuzt man dann einen "Acker" in der Wand. Keine Ahnung was dort passiert ist, ob Steinschlag von oben den Boden zertrümmert hat oder ob es zB Wildschweine waren, die das so aufgewühlt haben (und ja, an diese Stelle kann man normal zusteigen vom Sattel herein). Durch den vielen Dreck musste man deshalb recht aufpassen, nicht zu rutschen.

Die letzten zwei Seillängen sind dann wunderschöne Genusskletterei an teilweise Tafonis im festem roten Granit. Die Schlusslänge stieg dann zu meinem Staunen sogar Manu vor. Chapeau!

Am Austieg hatten wir dann eigentlich unsere Pause geplant, um unsere Jausenbrote zu essen, doch oben zog es vom Osten her recht kalt und so entschieden wir uns, gleich bis in den Sattel abzuseilen und unten zu essen, bevor wir mit dem Fußabstieg anfingen. Der Abseiler ist dann auch noch speziell, muss man sagen, denn der startet bei einem Baum, wo die Schlingen und der Ring aber nicht in Bodennähe sind, sondern auf ca. 1m Höhe an einer Astgabel. Hebelwirkung lässt grüßen! Aber der Baum ist stark genug und gesund, sodass unsere Fliegengewichte dort nicht viel ausmachten.

Unten angekommen, aßen wir unsere Brote, packten zusammen und stiegen dann zügig ab zum Auto, denn abends ging es noch ca. 45 Minuten zum Campingplatz unterhalb des Monte Cinto, den wir nun angehen wollen, sollte uns das Wetter morgen hold sein. Der höchste Korse wäre das dann, mit 2.706m.

Abends gab es noch eine Runde Rummy und den Apero vor dem Bus in der Sonne, bevor wir uns dann aber doch in die Wärme verkrochen. Sobald die Sonne hier weg ist, wirds halt gleich kalt.

Harald

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