Dienstag, 12. Oktober 2021

Tag 10: "Voie Abert" im Restonicatal

Nach der gestrigen strengen Tour sollte es heute eher gemütlich angegangen werden - um 8 Uhr standen wir auf und frühstückten gemütlich. Draussen strahlend blauer Himmel, obwohl heute bewölkt sein sollte... soll mal einer den Wetterbericht von Korsika verstehen! 

Nach dem Frühstück checkte Harald unsere Fährverbindung von Samstag, um vor bösen Überraschungen verschont zu bleiben - und siehe da, die Fähre wurde tatsächlich um 4.5h nach hinten verschoben. Wir hatten mal wieder keine Benachrichtigung bekommen... 

Da wir beschlossen, heute in einer Südwand zu klettern, sind wir gemütlich um 10 Uhr losgefahren - Destination Restonicatal Talschluss. Heute war schon recht viel los, weshalb wir etwas weiter unten parken mussten. Den ersten Teil des Zustiegs kannten wir bereits, es war der Wanderweg, den wir gestern zurückgewandert waren. Kurz vor der Bergerie du Melo wandten wir uns nach rechts und folgtem dem Alternativ-Wanderweg zum Lac de Goria. Den verliessen wir alsbald auch, unseren "Berg" hatten wir schon vor Augen. Im Kletterführer stand geschrieben, dass man vor einem Erlendickicht über Schrofen hinauf zum Einstieg gelangt. Wir kletterten dann über eine Rinne hinauf, aber der Fels war schlecht und in der Südwand konnten wir keine Routen bzw. Haken erkennen. Mir gefiel das überhaupt nicht mehr und auch Harald sah ein, dass wir uns einmal mehr beim Zustieg verstiegen hatten. Also wieder runter - puh, da war ich froh, als wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten! Schliesslich gings durch bzw. entlang des Erlenwaldes zum Wandfuss. Wir fanden ziemlich schnell die von uns auserwählte Route (Voie Albert, VII). Noch war die Wand in der Sonne, aber Südwand ist etwas anderes - die Wand ist eher Südost ausgerichtet, was wir später auch zu spüren bekamen! Wären wir doch eine Stunde früher los... aber wer kann schon wissen, dass die Angaben in einem Kletterführer nicht stimmen? 

Um 12 Uhr stiegen wir in die Wand ein. Über eine Platte gings hinauf - abgesichert war die Route so-so, Harald musste hin und wieder einen Friend legen. Für mich wäre das im Vorstieg viel zu scary gewesen!
Die Kletterei war diesmal ganz anders als die letzten, viel auf Reibung und eben halt Granit! In der zweiten Seillänge wartete schon die erste Schlüsselstelle, ein kleiner Überhang, den Harald problemlos meisterte, ich jedoch zwei Anläufe brauchte. Ab der dritten Seillänge verschwand die Sonne bereits und ein leichter Wind kam auf. Es wurde richtig kalt und mein ganzer Körper schlotterte beim Sichern. In der vierten Seillänge kam dann die zweite Schlüsselstelle, ein etwas längerer Überhang. Auch hier stieg Harald souverän voraus. Ich brauchte viele Anläufe, meine Finger waren mittlerweile eiskalt und fanden kaum Halt! Erst in der letzten Seillänge konnten wir wieder etwas Sonne tanken! Zügig seilten wir uns ab, die letzten beiden 30m Abseilstellen meisterten wir in einem Mal - aber einen Meter mehr hätte es nicht mehr vertragen! Ich musste sogar die Endknoten lösen, um wieder festen Boden zu erreichen! 

Schnell packten wir zusammen, suchten uns noch ein Plätzchen, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen und unser Brötchen zu essen. Mittlerweile waren viele Wolken aufgezogen, aber allgemein wäre das Wetter heute um einiges besser gewesen für unsere Rotondo-Besteigung. 

Um 16:30 Uhr waren wir zurück beim Auto und fuhren zurück zum Camping - die heisse Dusche hat sehr gut getan. Heute wird wieder im Büssli gekocht und ein Gläschen Muscat dazu getrunken! 

Manu

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