Nach dem Frühstück im Warmen machten wir uns rasch parat und fuhren los in Richtung Col de Vergio, wo wir bei der Kehre "Le Fer à Cheval" (ca. Das Eisen des Pferdes = Hufeisen) auf knapp 1330m parkten. Dort waren es schon ca. 6 Grad und die Sonne schien und wärmte. Wir stapften dann frohen Mutes los in Richtung Bergerie de Radule, welche wir nach etwa 20 Minuten erreichten. Von dort gingen wir dann ins Tal in Richtung Paglia Orba.
Vor uns weitete sich das Tal des "Le Golo", welches landschaftlich wunderschön und absolut sehenswert ist. Uralte große Kiefern, der Fluss mit dem glasklaren Wasser und all den kleinen Stromschnellen, dahinter die hohen Berge. Nach etwa 30 Minuten bogen wir dann um die Ecke und sahen unser Ziel des Tages das erste Mal: den Gipfel des Paglia Orba.
Weiter ging es durch das Tal bis es erst gegen Talschluss hin steiler nach oben zum Refuge Ciottulu di i Mori auf fast 2000m ging. Von dort sieht man dann in den Col des Maures, der als nächstes angesteuert wird.
Wir tranken am Refuge etwas und zogen unsere Windstopper an, denn oben zog vom Col ein kalter Wind herab. Flotten Schrittes ging es dann an die letzten 550 Höhenmeter. Vor dem Col schon wendeten wir uns nach Osten hin und folgten den vielen Steinmännern in die Südflanke des Paglia Orba, bevor es dann über Bänder und Stufen wieder nach Norden in eine Einsattelung ging. Von dort startete der lustige Teil. In leichter Kraxelei über unzählige Steilstufen und durch Rinnen und Kamine gelangten wir auf den Vorgipfel, wo wir von den Sonnenstrahlen empfangen wurden. In den westseitigen Rinnen war noch keine Sonne und der Fels war recht kalt.
Manu war erleichtert darüber, dass wir die schwierigen Passagen so einfach hinter uns ließen und konnte deswegen frohen Mutes die restlichen Höhenmeter in Angriff nehmen. Zuerst ging es wieder etwa 50 Höhenmeter bergab in den Sattel zwischen Vorgipfel und Gipfel. Danach folgten einige leichte Kraxeleien und zum Schluss ein einfacher Weg auf den Gipfel, welchen wir nach 3 Stunden erreichten und alleine für uns hatten. Zudem hatten wir an diesem Tag perfektes Wetter, noch immer war der Himmel klar und wir hatten super Fernsicht. Kurz unterhalb des Gipfels, in einer Mulde auf der Südseite und somit im Windschatten genossen wir dann die Aussicht und aßen unsere Jausenbrote. Herrlich! Rast am Gipfel.
Nach ausgiebiger Rast gingen wir an den Abstieg. Kurz unterhalb des Vorgipfels trafen wir auf die zwei deutschen Mädels, die wir im Aufstieg im Tal überholt hatten. Sie hatten sich in den Rinnen und Kaminen verstiegen und gerieten weit raus in schwieriges und abschüssiges Gelände. Aber sie fanden wieder gut durch und kamen also doch noch auf den Gipfel.
Recht flott meisterten wir die letzten Meter im Fels und standen alsbald am Wandfuß, wo wir dann zur Hütte zurück gingen und uns dort nach Westen wandten, um dem GR 20 zu folgen. Wir wollten nicht ganz den gleichen Weg zurück zum Pass nehmen, wie wir gekommen waren. So hatten wir dann noch lustige Wegsuche gepaart mit super Ausblicken in das Tal und auf die Gipfel ringsum vor uns. Erst kurz unter der Bocca di Guagnerola stiegen wir wieder ins Tal ab und gelangten dann auf den bereits bekannten Weg, welchen wir ins Tal folgten. Nach 6:30 Stunden standen wir wieder beim Auto.
Da wir morgen Sportklettern in der Nähe von Bastia wollen, entschieden wir uns dazu, schon einen Teil heute zu fahren. Und da wir noch Zeit hatten, wählten wir den Weg entlang der Westküste. So ging es zuerst vom Col ab nach Porto und dann von dort in unzähligen Kurven entlang der Küste nach Norden nach Galeria, wo wir heute unser Lager am Camping aufschlugen. Fast direkt am Meer, abends bei 18 Grad, also fast schön, wenn da nicht der Allgemeinzustand des Camping wäre. Recht alt und heruntergekommen das Ganze hier. Wenn wir nicht beide müde und hungrig gewesen wären, wir wären wohl nochmals weiter nach Norden gefahren, um einen schönen Camping zu finden. Naja, ist ja nur für eine Nacht.
Harald
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