Heute sollte es eine längere Wanderung werden, und zwar auf den Monte Rotondo. Im Wanderführer ist dieser Weg mit 8h30min angegeben, aber rauf und runter den gleichen Weg. Da wir mehr auf Rundwanderungen stehen, schauten wir auf der Wanderkarte nach und siehe da, es gibt einen "Rundweg" - perfekt, auch wenn mit 2000hm zu rechnen sind! Damit wir am Ende knapp 5km Wanderung der Strasse entlang sparen, kam Harald die gute Idee, unsere Bikes am Ende des Restonicatals zu deponieren.
Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Draussen war es bewölkt. Nichtsdestotrotz packten wir zusammen und wie am Vortag fuhren wir um 08:02 Uhr los - zuerst nach Corte und dann weiter ins Restonicatal. Harald konnte zügig fahren, sodass wir nicht mal eine Stunde bis zur Bergerie de Grottelle am Ende des Restonicatals brauchten. Dort ketteten wir unsere Bikes inklusive Helm an und fuhren 5km entlang der Strasse zurück. Vor uns fuhr ein Parkwärter, der auf diesem kurzen Streckenabschnitt 2x anhielt, um mit entgegenkommenden Leuten zu quatschen. Wir zeigten Geduld und warteten, bis es weiterging. Bei der Pont de Timozzu konnten wir das Auto in einer kleinen Parkbucht parken und kurz nach 9 Uhr gings dann auch los. Der Weg war gut und ging steil hinauf, so dass wir zügig vorwärtskamen. Die Bergerie de Timozzu liessen wir links von uns liegen und nach gut 1h30min hatten wir die ersten 1100hm überwunden und standen beim See Lavu del' Oriente. Das Wetter meinte es aber nicht gut mit uns, es hatte viele Wolken und der Gipfel lag im Nebel. Zudem hatten wir die Kälte des Nordanstiegs unterschätzt - ab dem See gab es immer wieder gefrorene Passagen. Vor allem die Anstiege über die Granitplatten waren heikel, wenn zu viel Eis darin war. Der Weg war nun auch schlechter markiert (wir waren immer wieder auf der Suche nach Steinmännchen) und der Nebel erschwerte die Sache noch mehr! So kamen wir nur langsam voran. Da das Gelände immer mehr mit Eis bedeckt war und wir teilweise durch die Nebel hindurch erblickten, dass unterhalb des Gipfels Schnee liegt, wandten wir uns nach links, da in der Wanderkarte sowohl ein Weg direkt als auch einer von links eingezeichnet ist. Wir hofften, dass, wenn wir die Exposition ändern, das Eis weniger wird. Entlang einer Rinne versuchten wir hinaufzusteigen, aber das Vorhaben beendeten wir alsbald, da das Gelände doch recht schwierig wurde. Laut der Tourenbeschreibung sollten Kletterstellen im maximal 1 Grad vorkommen. Wir setzten den Weg fort, den wenigen Steinmännchen, die wir hin und wieder ausmachen konnten, folgend. Über eine Steilstufe ging es in Kraxelei (was nicht mehr der erste Grad war...) hinauf auf ein weiteres Plateau. Immer mehr Schnee, Graupel und gefrorene Passagen erschwerten uns das Weiterkommen. Und der Gipfel war noch immer im Nebel! Wieder standen wir vor einer Rinne, unsicher, wo es weitergeht. Bei trockenen Verhältnissen kein Problem, aber bei Eis und nur mit unseren Trekking-Schuhen ausgestattet - heikel! Ich wollte schon w.o. geben, zu gross die Angst, dass wir uns versteigen und dann nicht mehr runterkommen. Andererseits hatte ich grossen Respekt vor dem Abstieg. Da machte Harald ein Steinmännchen aus - gutes Zeichen, dass die Rinne keine Sackgasse ist! Also dort nach oben, auch wenn hier die Kraxelei anspruchsvoll und noch immer grosse Vorsicht angesagt war. Dann wurde das Gelände wieder flacher und einfacher zu gehen und dann ENDLICH erreichten wir das Biwak einige Meter unterhalb des Gipfels. Ein Franzosenpärchen war auch dort. Ganz erstaunt waren die, woher wir gekommen seien und warum wir nur 3h30min anstelle der 5h gebraucht hätten (bei guten Bedingungen wären wir sicher unter 3h gewesen...hihi). Sie seien in 2h30min von der Südseite (also von der Refuge de Petra Piana) aufgestiegen und wollen nun nordseitig runter. Wo wir weitergehen würden. Ich habe dann gesagt, dass der Nordabstieg recht heikel sei und wir gen Süden absteigen und von dort über die Bocca Muzella und den Lac de Melo zurück ins Restonicatal wandern würden. Das konnten sie nicht verstehen, seien sie doch gestern vom Restonicatal in 6h bis zum Refuge de Petra Piana gewandert. Genug geplaudert, wir wollten ja noch auf den Gipfel und siehe da - Sonne! Leider ohne Aussicht, aber nach dem kalten Nordanstieg tat die Wärme sehr gut. Beim Biwak gabs eine schnelle Verpflegung und schon wollten wir los. Der Franzose fragte nochmals, wo der Einstieg in die Nordroute sei (später haben wir übigens herausgefunden, dass wir nicht den "Normalweg" gegangen sind...) und erklärte mir nochmals, dass wir von dem Refuge bis ins Restonicatal 6h brauchen würden. Ich meinte darauf nur: "Peut-être vous, mais pas nous". Damit wars für mich erledigt und wir stiegen ab. Eine Wohltat - südseitig war alles trocken, die Sonne kam durch und der Weg war mit vielen Steinmännchen gut ausgeschildert. Beim Lavu Bellebone (wieder ein See) legten wir eine kurze Jause-Pause ein. Dann zog wieder Nebel auf und wir stiegen weiter ab. Wir hielten uns an die Steinmännchen, aber leider an die, die in die falsche Richtung gingen. Irgendwann bemerkten wir, dass wir viel zu weit nach Osten gehen. Harald konnte uns auf seinem Handy orten und tatsächlich standen wir nicht dort, wo wir gerne gewesen wären. Also zurück, sprich gut 140hm hinauf... Reklamierende Oberschenkel! Dann den richtigen Steinmännchen folgend hinunter. Hat uns sicher wieder 20 Minuten gekostet! So brauchten wir für den Abstieg zum Refuge doch 1h50min. Von dort ging es gleich sehr steil hinauf in die Bocca Muzella. Anstrengend! Das Wetter war mittlerweile sehr schön geworden, vor allem Richtung Restonicatal hin! Wir wanderten weiter zur Bocca a Soglia und konnten von dort die steilen Grantittürme des Restonicatals bewundern! Wow, was für ein tolles Ambiente! Unter uns sahen wir den Lac de Melo, wohin unser Weg uns dann auch führe. Noch immer flotten Schrittes wanderten wir zurück zur Bergerie de Grottelle, wo unsere Bikes auf uns warteten. Entgegen der Vorhersage des Franzosen brauchten wir für diese Teiletappe nur 2h40min...hihi! Wir sattelten dann auf unsere Bikes um, froh, die letzten 5km und 400hm sitzend zurücklegen zu können. Immerhin waren wir nun 8h10min für 2200hm und fast 20km unterwegs. Und der Aufstieg war doch ziemlich fordernd!
Wir fuhren zurück nach Corte und erledigten dort einen Grosseinkauf, ehe es zum Camping ging und Harald für uns kochte.
Jetzt freue ich mich darauf, wenn ich bald alle Viere von mir strecken kann :)
Manu
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