Mittwoch, 9. September 2020

09.09. - Überschreitung Schwarzhorn (3.104m) via Gemmipass

Nachdem für den heutigen Tag wunderschönes, ja wenn nicht sogar besseres Wetter als gestern angesagt wurde, wollten wir eine längere Tour machen. Anfangs wollte ich ja noch eine Hochtour machen – also etwas in Schnee und Eis wühlen gehen, aber der Wildstrubelgletscher sah nicht gerade einladend aus, das Steghorn daneben hat gar keinen Gletscher mehr und das Rinderhorn würde wohl zu lange sein bzw. wir zu spät am Firn/Eis, also von den Verhältnissen her nicht optimal.

Am Vorabend saßen wir dann über der Karte und studierten Optionen für Aufstiege und Gipfel. Ein 3000er sollte es schon sein, wenn wir schon mal hier sind und die Möglichkeit für leichtere Wander-3000er haben. So fiel die Entscheidung letzten Endes auf das Schwarzhorn, welches mit 3.104m noch ein schöner Berg ist und vor allem eine traumhafte Aussicht versprach. Wie schon am Zustieg zum Klettersteig wollten wir wieder von unten zu Fuß los und dieses Mal bis zum Gemmipass durchgehen, um von dort aus dann den Weiterweg über die Flusslandschaft zur Lämmerenhütte zu nehmen und dann den Gipfel machen. Das alleine versprach uns schon eine lange Tour mit etwa 12km (ein Weg) und ca. 1800 Höhenmetern. Da wir uns aber die Option offenhalten wollten, nicht denselben Weg wieder retour zu müssen, suchten wir etwas im Internet, ob es denn eine Möglichkeit für einen südseitigen Abstieg vom Schwarzhorn gibt. Und siehe da, die gibt es. Wir machten uns schlau und wollten dann am Gipfel entscheiden, ob wir diese Varianten in Angriff nehmen oder nicht, je nach Verhältnissen, unserer Psyche und Kondition. Bald gings dann ins Bett und um 6:45 läutete der Wecker.

Aufbruch war um 8 Uhr. Wir gingen recht zügig los und erreichten so schon nach ca. 1h den Gemmipass, von wo aus wir dann den nordseitigen Seeweg zur Lämmerenhütte nahmen. Den südseitigen Weg kannten wir schon vom Rückweg am Vortag. Die Wanderung durch diese Fluss- und Seenlandschaft ist nicht sonderlich fordernd, aber landschaftlich sehr schön. Die Strecke ist aber nicht zu unterschätzen. Es zieht sich ewig, bis man den steilen Aufstieg zur Hütte in Angriff nehmen kann.

Dort gab es dann eine Pause und Stärkung. Ich hatte Hunger und brauchte Energie. Anscheinend forderte mein Körper etwas mehr Energie ein. Frisch gestärkt ging es dann weiter zur Hütte, an dieser vorbei und dann leicht absteigend bis zum Gletscherabfluss des Wildstrubelgletschers. Dieser Fluss ist mit einer sehr kriminellen Brücke zu überwinden, bevor es dann auf der anderen Seite die letzten 600 Höhenmeter nach oben zum Gipfel des Schwarzhorns geht.

Anfangs noch ein einfacher rot-weiß markierter Steig, sieht man sich bald in einem Mini-Klettersteig. Wir haben dies tags zuvor gelesen und deshalb auch Gurt, Helm und Selbstsicherung dabei, aber bis auf den Helm brauchte es nichts. Ein paar felsige Passagen gab es zu überwinden, bis man dann am langen schuttigen Grat dem Gipfel entgegen stiefelt.

Von ganz oben hat man eine wunderschöne Aussicht. Die gesamten hohen Walliser Berge, Teile der italienischen Alpen, der Mont Blanc, die verbaute und dicht besiedelte Landschaft des Wallis, das Skigebiet Crans Montana, … wunderschön. Wir aßen unser übergroßes Jausenbrot (wir hatten vorgesorgt 😉) und sahen uns mit dem Fernglas den weitern Abstieg an. Zurück über denselben Weg wollten wir nicht mehr. Wir entschieden uns für unsere „Alternative“ vom Vorabend.

Also stiegen wir südseitig ab. Wie schon beim Aufstieg war auch hier alles kleinschottrig und splittrig. Teils leicht abrutschend ging es dann bis auf ca. 2840m zum See, wo es südostseitig einen Durchschlupf auf die Hochebene der „Truble“ gab. Der Abstieg durch den Durchschlupf war nicht ganz ohne, weil es teils hart war und man nicht wirklich im Schotter abrutschen konnte. Wir fanden aber eine gute Route und schon bald standen wir unten auf ca. 2600m und konnten gemütlich durch diese Hochebene wandern, bis wir den Trubelstock (2.998m) hinter uns gelassen hatten. Weiter ging es dann wieder aufwärts auf den Grat zum Tschajetuhorn (2.775m). Diesen Weg sahen wir vom Gipfel des Schwarzhorn schon mit dem Fernglas. Zwar kein offizieller Weg, aber Wegspuren fanden sich hier schon zu genüge und im oberen Teil sogar fast ein Weg. Am Grat angekommen folgten wir diesem leicht aufwärts bis auf den Gipfel des Tschajetuhorns. Von dort ging es dann abwärts, endlich, denn mit dem Gegenanstieg von fast 170 Höhenmetern, einigem auf und ab davor waren die 2000 Höhenmeter schon geknackt.

Den Gipfel des Jägerchrüz auf 2.711m konnten wir aber nicht links liegen lassen, schließlich war da schon ein Kreuz drauf. Also kraxelten wir dort noch rauf und stärkten uns nochmals für den restlichen Abstieg. 16 Kilometer hatten wir schon und wir wussten, dass noch so der eine oder andere Kilometer dazukommen würde.

Anfangs etwas mühsam über Schutt und Geröll ging es dann ab zur Varneralp und nach Plammis. Ab dort waren wir wieder am Wanderweg unterwegs, der uns dann nach Chäller und an einer Kapelle vorbei tiefer führte. Dann galt es lediglich noch Kilometer zu fressen, denn wir waren quasi am Taleingang nach Leukerbad. Sehen konnten wir das Ziel schon, aber nahe ist etwas anderes. Der Wegweiser meinte 2:30h nach Leukerbad. So stapften wir also munter drauf los, schließlich wollten wir noch einkaufen und auch mal etwas essen. Und siehe da, auch so ein langer Weg hat etwas Gutes an sich: Manu fand am Rückweg gleich zwei vierblättrige Kleeblätter. Was für ein Glück!

Um 17 Uhr, etwa neun Stunden nach Aufbruch, trafen wir wieder am Campingplatz ein. Meine Uhr zeichnete 26,52km auf, ca. 2200 Höhenmeter und 45´000 Schritte. Das Bier ist auf alle Fälle verdient!

Nun freuen wir uns auf eine erholsame Nacht und einen noch schönen Donnerstag. Gestärkt sind wir wieder nach einem ordentlichen Abendessen inkl. Nachtisch (Nusstorte 😊). Wir haben noch Pläne 😉

So long,

Harald









Der Mont Blanc














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