Nachdem für den
heutigen Tag wunderschönes, ja wenn nicht sogar besseres Wetter als gestern
angesagt wurde, wollten wir eine längere Tour machen. Anfangs wollte ich ja
noch eine Hochtour machen – also etwas in Schnee und Eis wühlen gehen, aber der
Wildstrubelgletscher sah nicht gerade einladend aus, das Steghorn daneben hat
gar keinen Gletscher mehr und das Rinderhorn würde wohl zu lange sein bzw. wir
zu spät am Firn/Eis, also von den Verhältnissen her nicht optimal.
Am Vorabend saßen wir
dann über der Karte und studierten Optionen für Aufstiege und Gipfel. Ein
3000er sollte es schon sein, wenn wir schon mal hier sind und die Möglichkeit
für leichtere Wander-3000er haben. So fiel die Entscheidung letzten Endes auf
das Schwarzhorn, welches mit 3.104m noch ein schöner Berg ist und vor allem eine
traumhafte Aussicht versprach. Wie schon am Zustieg zum Klettersteig wollten
wir wieder von unten zu Fuß los und dieses Mal bis zum Gemmipass durchgehen, um
von dort aus dann den Weiterweg über die Flusslandschaft zur Lämmerenhütte zu
nehmen und dann den Gipfel machen. Das alleine versprach uns schon eine lange
Tour mit etwa 12km (ein Weg) und ca. 1800 Höhenmetern. Da wir uns aber die Option
offenhalten wollten, nicht denselben Weg wieder retour zu müssen, suchten wir
etwas im Internet, ob es denn eine Möglichkeit für einen südseitigen Abstieg
vom Schwarzhorn gibt. Und siehe da, die gibt es. Wir machten uns schlau und
wollten dann am Gipfel entscheiden, ob wir diese Varianten in Angriff nehmen
oder nicht, je nach Verhältnissen, unserer Psyche und Kondition. Bald gings
dann ins Bett und um 6:45 läutete der Wecker.
Aufbruch war um 8 Uhr.
Wir gingen recht zügig los und erreichten so schon nach ca. 1h den Gemmipass,
von wo aus wir dann den nordseitigen Seeweg zur Lämmerenhütte nahmen. Den
südseitigen Weg kannten wir schon vom Rückweg am Vortag. Die Wanderung durch
diese Fluss- und Seenlandschaft ist nicht sonderlich fordernd, aber
landschaftlich sehr schön. Die Strecke ist aber nicht zu unterschätzen. Es
zieht sich ewig, bis man den steilen Aufstieg zur Hütte in Angriff nehmen kann.
Dort gab es dann eine Pause
und Stärkung. Ich hatte Hunger und brauchte Energie. Anscheinend forderte mein
Körper etwas mehr Energie ein. Frisch gestärkt ging es dann weiter zur Hütte,
an dieser vorbei und dann leicht absteigend bis zum Gletscherabfluss des
Wildstrubelgletschers. Dieser Fluss ist mit einer sehr kriminellen Brücke zu
überwinden, bevor es dann auf der anderen Seite die letzten 600 Höhenmeter nach
oben zum Gipfel des Schwarzhorns geht.
Anfangs noch ein
einfacher rot-weiß markierter Steig, sieht man sich bald in einem
Mini-Klettersteig. Wir haben dies tags zuvor gelesen und deshalb auch Gurt,
Helm und Selbstsicherung dabei, aber bis auf den Helm brauchte es nichts. Ein
paar felsige Passagen gab es zu überwinden, bis man dann am langen schuttigen
Grat dem Gipfel entgegen stiefelt.
Von ganz oben hat man
eine wunderschöne Aussicht. Die gesamten hohen Walliser Berge, Teile der italienischen
Alpen, der Mont Blanc, die verbaute und dicht besiedelte Landschaft des Wallis,
das Skigebiet Crans Montana, … wunderschön. Wir aßen unser übergroßes
Jausenbrot (wir hatten vorgesorgt 😉) und sahen uns mit dem Fernglas den weitern
Abstieg an. Zurück über denselben Weg wollten wir nicht mehr. Wir entschieden
uns für unsere „Alternative“ vom Vorabend.
Also stiegen wir
südseitig ab. Wie schon beim Aufstieg war auch hier alles kleinschottrig und
splittrig. Teils leicht abrutschend ging es dann bis auf ca. 2840m zum See, wo
es südostseitig einen Durchschlupf auf die Hochebene der „Truble“ gab. Der
Abstieg durch den Durchschlupf war nicht ganz ohne, weil es teils hart war und
man nicht wirklich im Schotter abrutschen konnte. Wir fanden aber eine gute
Route und schon bald standen wir unten auf ca. 2600m und konnten gemütlich
durch diese Hochebene wandern, bis wir den Trubelstock (2.998m) hinter uns gelassen
hatten. Weiter ging es dann wieder aufwärts auf den Grat zum Tschajetuhorn
(2.775m). Diesen Weg sahen wir vom Gipfel des Schwarzhorn schon mit dem
Fernglas. Zwar kein offizieller Weg, aber Wegspuren fanden sich hier schon zu
genüge und im oberen Teil sogar fast ein Weg. Am Grat angekommen folgten wir
diesem leicht aufwärts bis auf den Gipfel des Tschajetuhorns. Von dort ging es dann
abwärts, endlich, denn mit dem Gegenanstieg von fast 170 Höhenmetern, einigem
auf und ab davor waren die 2000 Höhenmeter schon geknackt.
Den Gipfel des
Jägerchrüz auf 2.711m konnten wir aber nicht links liegen lassen, schließlich
war da schon ein Kreuz drauf. Also kraxelten wir dort noch rauf und stärkten
uns nochmals für den restlichen Abstieg. 16 Kilometer hatten wir schon und wir
wussten, dass noch so der eine oder andere Kilometer dazukommen würde.
Anfangs etwas mühsam
über Schutt und Geröll ging es dann ab zur Varneralp und nach Plammis. Ab dort
waren wir wieder am Wanderweg unterwegs, der uns dann nach Chäller und an einer
Kapelle vorbei tiefer führte. Dann galt es lediglich noch Kilometer zu fressen,
denn wir waren quasi am Taleingang nach Leukerbad. Sehen konnten wir das Ziel
schon, aber nahe ist etwas anderes. Der Wegweiser meinte 2:30h nach Leukerbad. So
stapften wir also munter drauf los, schließlich wollten wir noch einkaufen und
auch mal etwas essen. Und siehe da, auch so ein langer Weg hat etwas Gutes an
sich: Manu fand am Rückweg gleich zwei vierblättrige Kleeblätter. Was für ein
Glück!
Um 17 Uhr, etwa neun
Stunden nach Aufbruch, trafen wir wieder am Campingplatz ein. Meine Uhr zeichnete
26,52km auf, ca. 2200 Höhenmeter und 45´000 Schritte. Das Bier ist auf alle
Fälle verdient!
Nun freuen wir uns auf
eine erholsame Nacht und einen noch schönen Donnerstag. Gestärkt sind wir wieder
nach einem ordentlichen Abendessen inkl. Nachtisch (Nusstorte 😊). Wir
haben noch Pläne 😉
So long,
Harald
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen