Für den heutigen Tag
stand eine lange Tour an - und das wussten wir auch. Die „Super-Ferrata“ durch
die Dachstein-Südwand ist einer der längsten (wenn nicht der längste)
Klettersteig Österreichs. Anhaltend schwer im Grad C/D, teils E und mit fast
1200 Höhenmetern ziehen sich die drei Klettersteige Anna, Johann und
Schulteranstieg durch die wuchtige und steile Südwand des Dachsteins. Das
Unterfangen ist also kein Kindergeburtstag. Nicht ohne Grund steht wohl auch in
der Beschreibung, dass eine gute körperliche Verfassung und Ausdauer sowie
Kraft für drei (warum auch immer drei) Klimmzüge vorhanden sein müssen.
Unser Tag startete
entsprechend früh um 6 Uhr, damit wir noch vor allen Leuten am Einstieg sind,
die mit dem Linienbus nach oben zur Talstation Dachstein fahren. Um etwa 7:10
Uhr stapften wir schon in der Sonne los in Richtung Südwandhütte und überholten
dabei einige wenige Klettersteiggeher. Von der Südwandhütte, die wir in etwa 20
Minuten erreichten, ging es dann etwas runter, um zum Einstieg des ersten Teils
- dem Anna-Klettersteig - zu gelangen.
Dort zogen wir unsere
Ausrüstung an und stiegen munter und fröhlich in den Steig ein. Schon nach
kurzer Strecke jedoch holten zwei der vorher Überholten wieder auf. Da diese
die Bedeutung "Via Ferrata" (wörtlich: Eisenweg) wohl zu ernst nahmen
und sich eigentlich nur an den Stiften und am Seil nach oben zogen und sie
somit um einiges schneller waren als wir, ließen wir sie passieren. Wir wollten
doch im Fels klettern und somit den Berg bei halbwegs fairen Mitteln besteigen.
Der Anna Steig an sich
ist eigentlich als Zustieg zum Johann Steig gedacht, ist relativ kurz (ca. 1
Stunde Kletterzeit) und auch noch nicht so schwierig (C/D Grad). Am Ausstieg
des Steigs überholten wir dann einige andere Kletterer, die dort bereits eine
Pause einlegten. Wir setzten unseren Weg fort, der nun über einen Pfad zum
eigentlichen Einstieg des Johann Klettersteiges führt.
Am Einstieg angelangt,
aßen auch wir eine Kleinigkeit und bereiteten uns auf die Schlüsselstelle vor.
Der Einstiegsüberhang gilt als Schlüsselstelle des ganzen Steiges und ist im Schwierigkeitsgrad
E anzusiedeln. Also extrem schwer. Es sind wenige Züge im Überhang zu machen,
bis man steiles, ausgesetztes Gelände erreicht. Manu ging dabei souverän voran
und meisterte die Stelle einwandfrei. Also konnte ich mir keine Blöße geben.
Geschafft. Danach ist der Steig anhaltend schwer - immer so im Grad C-D, nur
selten leichter. Leitern sind hier nirgends verbaut, wenn dann nur einzelne
Stifte in der Wand, wenn diese zu plattig oder glatt ist.
Etwa nach 4 Stunden kamen
wir zum Ausstiegsband, welches nach rechts zur Seethalerhütte auf 2.740m leitet.
Als wir dort ankamen, hörten wir schon einige Stimmen. Wir konnten es kaum
fassen, als wir dann aber die Menschenmassen auf den Bänken, den Steinen, den
Mauern, ja überall sitzend, sahen. Kein freier Platz mehr. Unser Blick
schweifte weiter zum Schulteranstieg auf den Gipfel des Hohen Dachsteins. Stau!
Eine Menschenschlange. Kaum zu fassen. Es war Montag, keine Ferienzeit mehr,
die Schule hat angefangen, aber es war gerammelt voll. Ich kannte nur ein
ähnliches Bild vom Großglockner an einem Wochenende, wenn an der Engstelle
zwischen Klein- und Großglockner Stau ist.
Wir machten unterhalb
der Hütte kurz Pause und setzten unseren Weg dann fort in Richtung Schulter und
Gipfel des Hohen Dachsteins. Dabei muss man kurz einen Gletscher queren, der
aber im oberen Teil flach und ohne Spalten ist. Der Einstieg dann in den Steig
ist je nach Schnee und Firn etwas mehr oder weniger mühsam.
Im Steig an sich, der
nur ein A/B Steig ist, war entsprechend viel los. Laufend kamen Leute von oben
entgegen, die schon wieder im Abstieg waren. Und ausweichen, wenn jeder am
Stahlseil hängt, ist ja nicht so gut möglich. Nur mit Warten kommt man auch
nicht wirklich weiter, also muss man einfach klettern und halt so gut wie
möglich ausweichen oder die Karabiner umhängen. Ich bin dann teils auch
ungesichert geklettert, weil das mühsame Ausweichen und Umhängen gefährlicher
war als frei im Fels eine 1er Stelle zu klettern. Auch das ein oder andere unfreundliche
Wort fiel dabei, was man aber einfach ignorieren muss. Bedenkt man, dass
lediglich ca. 10 Leute den gesamten Anstieg von unten weg mit uns gemacht
hatten, weiß man, woher die anderen kamen. Alle von der Bahn. Diese fahren
locker auf den Hunerkogel und steigen auf 2.700m aus, spazieren zum
Klettersteig und machen die letzten Höhenmeter auf den Gipfel.
Es liegt mir fern hier
zu urteilen. Jeder soll machen was er will. "Leben und leben lassen"
habe ich von einer Freundin einst gelernt. Aber um doch auch Stellung zu
ergreifen bzw. mich der Meinung von Reinhold Messner anzuschließen: nicht jeder
muss (mit technischen Hilfsmitteln) in die Berge gebracht werden. Wenn jemand
eine Bergtour nicht aus eigenen Stücken schafft, dann hat er oder sie dort einfach
nichts verloren. Wir haben Leute im Aufstieg an uns vorbei absteigen sehen, die
wir selbst im Abstieg wieder überholt haben, weil sie dermaßen schlecht und
unsicher unterwegs waren. Leute sind blindlings mit ihren Klettersteigschuhen
oder Zustiegsschuhen, ohne Steigeisen, Pickel oder Seil auf den
Gletscherabstieg und dort über die Randkluft gestapft - um 14 Uhr am
Nachmittag! Dort gibt es nur noch eine kleine Schneebrücke, zudem ist der
Gletscher oben sehr steil und hat einige Spalten. Ausrutschen und ab geht die wilde
Fahrt in die nächste freie Spalte. Ich habe tags zuvor sogar extra im
Bergführerbüro Auskunft eingeholt, ob wir Steigeisen für den Gletscherzustieg
zur Schulter brauchen würden, um uns besser vorzubereiten oder entsprechend
Ausrüstung mitzunehmen. Andere Leute marschieren einfach drauf los - im
hochalpinen Gelände! Es wird auch überall davor gewarnt, aber irgendwie nutzt
das wohl nicht viel.
Zurück zur Story. Wir haben
also noch so den ein oder anderen Klettersteiggeher passieren lassen und kamen
dann nach ca. 5 Stunden Kletterzeit am Gipfel des Hohen Dachsteins an. Die Gipfelrast
hielten wir aber recht kurz. Es war leicht windig und wir mussten ja noch
runter – mit Gegenverkehr – und wollten recht früh zurück zur Bergstation, um
dann mit der Gondel ins Tal zu schweben.
Der Abstieg ging problemlos.
Es waren auch nur noch wenige im Aufstieg und so kamen wir durchaus zügig vom
Berg. An der Seethalerhütte angekommen genossen wir noch ein
Erfrischungsgetränk, bevor uns dann der Gletscherwanderweg (eine präparierte Piste
über den Gletscher, die gesichert ist) zurück zur Bergstation der Gondelbahn
führte. Dort angekommen schauten wir uns gegenseitig an und schüttelten nur den
Kopf. Die Auskunft, die wir tags zuvor wegen der Reservierung eingeholt hatten,
war offensichtlich falsch. Es waren hunderte Menschen dort in der Schlange zur
Bahn.
Wir entschieden uns
dann für den Fußabstieg zurück zum Auto. Also gingen wir bis in die
Hunerscharte ab und kraxelten dann einen C/D Steig ab bis in die
Austriascharte. Von dort führte uns dann ein recht guter Wanderweg zurück zur Südwandhütte
und anschließend weiter zur Talstation, wo unser Auto schon sehnsüchtig auf uns
wartete. Es waren dann doch fast 10:30 Stunden vergangen, seitdem wir beim Auto
los sind. Zudem waren wir nach fast 1450 Höhenmetern (1200 davon kletternd) und
12 Kilometer Wegstrecke durchaus müde. Also rein ins Auto, zurück nach Ramsau,
einkaufen und dann etwas essen, was wir auf Grund der fortgeschrittenen
Tageszeit dann in der Ramsau Stub’n erledigten.
Harald
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| Im Zustieg zum Anna-Klettersteig. Der Hohe Dachstein ist schon in der Sonne. |
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Die ersten Meter im Fels machen Spaß.
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"Do kummt die Sunn ..."
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Die Schlüsselstelle des Johann-Klettersteigs: der Einstiegsüberhang (ca. E)
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Man lässt die Blicke schweifen ... die Schladminger Tauern im Hintergrund.
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Mitten in der Dachstein Südwand. Luft unter den Sohlen gibts genug.
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Leitern an sich wurden keine verbaut, nur Stifte gesetzt.
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Die steilsten Passagen sind geschafft, jetzt gehts zum Ausstieg.
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Die Ostschulter des Dachsteins. Dort müssen wir noch rauf.
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Da ist aber was los. Der Zustieg über den Gletscher zum Schulteranstieg.
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Stau am Berg.
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Der Hohe Dachstein und der restliche Gletscher. Gut zu erkennen die große Randkluft und die Steilheit des Firns. Ausrutschen und ab geht die Fahrt.
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Geschafft. Manu am Hohen Dachstein. Im Hintergrund der Große Priel.
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Der Hallstätter Gletscher. Rechts vorne das Hohe Dirndl. Rechts hinten der Große Koppenkarstein. Links in der Sonne der Gjaidstein.
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