Lange schon hatte ich
davon gesprochen, einmal die imposante Felsgestalt der Großen Bischofsmütze zu
besteigen. Angeregt durch unzählige Berichte und die Fernsehserie „Die
Bergretter“, die beinahe in jeder Folge die Bischofsmütze zeigen, wollte ich da
einfach rauf. Der charakteristische Doppelgipfel der Mütze sieht von unten aus
wie eine unbezwingbare Felsbastion, doch gibt es einen recht einfachen
Normalweg zum Gipfel, der durch die sogenannte Mützenschlucht verläuft. Gut
abgesichert und auch teils markiert, verläuft der Anstieg dort in ca. 7
Seillängen im maximal vierten Grad zum Gipfel. Nachdem auch Manu durch Bilder
und die Routenbeschreibung besänftigt war, ging es los.
Die Tour an sich ist
mit ca. 7 Stunden nicht sonderlich lange, auch gilt es nur ungefähr 1200
Höhenmeter zu überwinden, weswegen wir es etwas lockerer angingen und
entsprechend erst später starteten. Auch das Wetter war stabil, uns drohte also
kein Gewitter. So ging es erst um 9:30 Uhr vom Parkplatz der Oberhofalm hoch
über Filzmoos los. Anfangs führt ein Wanderweg zur Hofpürglhütte, die man in
etwa 45 Minuten erreicht. Von dort verlässt man die markierten Wege und steigt
über einen guten Pfad zur Mützenschlucht zu.
Der Zustieg ist
anfangs noch ein einfacher Wanderweg, wird aber gegen Ende hin steiler. Die
Mützenschlucht erreicht man, indem man zuvor drei Vorbauten überwinden muss.
Diese sind zwar allesamt leichte Klettereien im ersten bis zweiten Grat, wir
gingen aber dort auch schon angeseilt und vor allem mit Helm. So legten wir den
Weg bis zum eigentlichen Einstieg in die Schlucht recht zackig zurück und
wurden dabei wohl auch noch gefilmt. (Wie wir später an der Hofpürglhütte
erfuhren, war es ein Hubschrauber von Servus TV, der Aufnahmen für eine Sendung
„Bergwelten“ drehte)
Als wir die
Mützenschlucht erreichten, war die Seilschaft, die wir zuvor vom ersten Vorbau
aus sehen konnten, schon aus dieser draußen. Das war sehr recht, denn in der
Beschreibung steht explizit, dass man in der Schlucht keinen Steinschlag
auslösen soll, da dieser die nachfolgenden Seilschaften treffen könnte. Man
muss aber hierzu sagen, dass die Standplätze gut durchdacht gebohrt sind, immer
an geschützten Stellen! Ein Lob an die Routenbohrer!
Die Schlüsselstelle
der Tour ist der erste Pfeiler, der überwunden werden muss. Etwa im vierten Grad
und an teils abgespeckten Griffen geht es vielleicht fünf Meter senkrecht
empor, bevor man dann im gemäßigten Zweiergelände den ersten Stand erreicht.
Während ich mit Bergschuhen kletterte, tat Manu dies mit ihren Zustiegsschuhen,
die deutlich mehr Freiheiten ließen und das machte ihr sichtlich Spaß. So viel
Spaß, dass sie dann auch schon die Führung übernahm und die zweite Seillänge
vorstieg. Weg waren ihre Zweifel über den Anstieg, sie hatte wirklich Freude an
der Tour.
Abwechselnd
vorankletternd ging es zügig nach oben und wir erreichten alsbald die
Mützenscharte, die markante Einkerbung zwischen der großen und kleinen Mütze.
Dort befindet man sich für kurze Zeit im Gehgelände, bevor es dann noch zwei
anspruchsvollere Seillängen nach oben geht, um dann im Einsergelände den Gipfel
zu erreichen.
Am Gipfel angekommen
plauderten wir dann mit der Seilschaft vor uns etwas. Eine Ausbildungstour für
die Alpinpolizei Salzburg. Während sie dann bereits den Abstieg antraten,
hielten wir uns noch lange am Gipfel auf und genossen die wunderschöne und
fabelhafte Aussicht. Die Jause schmeckt einfach besser, wenn man einen
Rundumblick auf so viele Berge hat. Der Blick dort schweift vom Traunstein über
den Untersberg bei Salzburg hin zum Watzmann, Hochkönig, Großvenediger,
Großglockner, Ankogel, Hochalmspitze, die ganzen Schladminger Tauern sieht man,
den mächtigen Torstein vor dem Gipfel des Hohen Dachsteins, den Großen Priel,
um nur einige zu nennen.
Nach fast einer Stunde
Gipfelrast machten wir uns auch noch auf den Weg nach unten. Das sollte genug
Zeit für die Seilschaft vor uns gewesen sein, damit diese durch die
Mützenschlucht abseilen konnten, ohne von unserem etwaigen Steinschlag
getroffen zu werden. Auch wenn man noch so vorsichtig die Schritte wählt, vor
allem beim Abziehen des Seils lösen sich einfach immer wieder kleine Steine,
die dann wie Geschoße nach unten pfeifen. Wir kamen gut voran und seilten dann
auch noch über den zweiten Vorbau ab, da dieser etwas mühsam zum Abklettern
ist. Und wenn man schon das Seil dabei hat, warum nicht?
Der Fußweg zurück zur
Hütte war dann kurzweilig und auf der Hütte genossen wir noch einen frischen
Topfenstrudel und einen Zwetschgenkuchen. Wir stiefelten dann zurück zum Auto
und aßen noch gleich auf der Unterhofalm zu Abend, bevor es dann zurück zum
Campingplatz ging.
Beide sehr erfreut
über diese wunderschöne und abwechslungsreiche Tour genossen wir dann abends
noch ein Bierchen, bevor es dann ins Bettchen ging.
Harald
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Start an der Oberhofalm. Strahlend blauer Himmel und eine schöne Bischofsmütze :-)
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Von der Hofpürglhütte aus sieht man schon etwas mehr, zB die tiefe Mützenschlucht zwischen kleiner und großer Mütze.
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Manu im Nachstieg der ersten Seillänge, gerade nach der Schlüsselstelle.
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Manu im Vorstieg der zweiten Seillänge.
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Nach dem Ausstieg aus der Mützenscharte, kurz vor dem Gipfel der Bischofsmütze, sieht man die Kleine Bischofsmütze auch ganz gut.
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Blick auf den Torstein (rechts)
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Blick zum Großen Priel.
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Wir grüßen Salzburg und den Untersberg.
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Hallo Großvenediger (rechts) und Großglockner (links).
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Blick zum Ankogel (rechts) und zur Hochalmspitze (links).
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Und ab gehts. Beim Abseilen kurz vor der Mützenscharte.
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Die Mützenschlucht von oben. Manu ist schon am Weg zum geschützten Stand links ums Eck.
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Abseilen über den Pfeiler, kurz vor dem Geröllband, das man queren muss.
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Draußen aus der Mützenschlucht. Abklettern mit Panorama.
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Panorama von der Hofpürglhütte aus aufgenommen.
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Abendstimmung am Campingplatz: die Kette des Gamsfeldspitz und Scheichenspitz in den letzten Sonnenstrahlen.
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