Am Vorabend bei der Ankunft hier am Camping war alles irgendwie etwas verhext. Wir kamen zwar recht früh an, aber dann mussten wir noch länger wegen dem Stromanschluss umparken und eine Kabeltrommel organisieren, sodass wir dann erst recht spät zum Essen kamen – gegen 20 Uhr war es dann schon. Für die Tourenplanung war dann nicht mehr so viel Zeit übrig, wie eigentlich erhofft. Prinzipiell wussten wir ja, welche Gipfel wir gerne machen würden, aber dennoch mussten wir noch das Wetter genauer prüfen und die Anreise planen. Da wir beide recht kaputt von den Tagen davor waren und mal etwas länger schlafen wollten, fiel der Wanderbus früh morgens weg, für den wir noch abends um 21 Uhr alles hätten packen müssen. Zudem wollten wir nicht am Sonntag im Wanderbus mit hundert anderen Personen sitzen. Also planten wir spontan um und entschieden uns für etwas „Kleines“ – zumindest was die zeitliche Anforderung betrifft – wo wir auch direkt vom Camping aus starten konnten, ohne zuerst mühsam den Camper abfahrbereit zu machen. Es wurde dann ein Bike & Hike auf die Planai.
Erst etwas später als
normal klingelte nun der Wecker um 7:30 Uhr und wir beide waren nicht wirklich
bereit dafür. Gerne hätten wir noch etwas geschlafen, aber wir wollten auch mal
früher am Camping zurück sein, um gemütlich abends draußen ein Rummy zu spielen
oder einfach mal zu lesen.
Nach dem gemütlichen
Frühstück und dem Packen der Rucksäcke ging es dann erst gegen 9 Uhr los mit dem
Mountainbike. Wir strampelten anfangs durch das kleine Städtchen, vorbei an der
Planei-Bahn und in Richtung Talbachklamm „Wilde Wasser“, wo die Route der
Planai-Runde entlang ins Untertal führt. Reißende Wasser sind es dort, die man
bestaunen kann, und manchmal erwischt einen auch die Gischt, wenn noch ein wenig
Wind dazukommt.
Im Untertal angekommen
fuhren wir noch immer im Nebel, aber die Sonne blickte schon teils durch. Von
dort ging es dann bergauf in Richtung Planaistraße, die uns dann über die
Mautstraße zur Gipfelstation brachte. Schon bald fuhren wir in der Sonne und dank
der Mautstraße hatten wir kaum Autos, die die Schotterstraße bis zur Gipfelstation
befuhren. Auch waren keine anderen Biker unterwegs – bis zum Gipfel jedenfalls.
Dort angekommen war
die Hölle los. Das hatten wir aber schon gewusst. Dort starten einige der
Downhill Trails für Mountainbiker und von dort starten auch viele „Sonntagswanderer“
ihre Tour auf den eigentlichen Gipfel der Planai, was ein zirka 15 minütiger
Spaziergang ist.
Wir ketteten dort
unsere Bikes an und wanderten los in Richtung Gipfel der Planai, überschritten
diesen jedoch zügig und setzten unsere Wanderung fort in Richtung
Krahbergzinken (2.134m), der als Aussichtsberg ein beliebtes Ziel ist. Dort
angekommen setzten wir uns etwas unter den Gipfel abseits der Massen hin und
aßen unser Jausenbrot. Dabei waren wir beide irgendwie nicht so recht
zufrieden. Wir waren etwas überfordert mit den Menschenmassen und wollten etwas
einsamer sein und die Bergwelt genießen können. Obwohl wir schon ca. 1500
Höhenmeter in den Beinen hatten und wir ja prinzipiell etwas „Kleineres“
geplant hatten, entschieden wir uns spontan dazu, den nächsten Gipfel
anzusteuern.
Wir gingen ein kleines
Stückchen des Weges zurück und nahmen dann die Abzweigung in Richtung Seerieszinken
(2.221m), wohin ein schwarzer Weg führt – der Planai-Höhenweg. Teils sehr
ausgesetzt und seilversichert ging es dann etwa 40 Minuten in die Einsamkeit.
Der Weg war gut angelegt und sehr schön zu begehen und bot wunderschöne
Tiefblicke und Ausblicke auf den Hochgolling und den Höchstein. Am Gipfel
standen wir dann beide mit einem Lächeln im Gesicht und wir hatten den Gipfel
für uns – also beinahe. Manu hatte gleich Bekanntschaft mit einer Kreuzotter
geschlossen, die auch gerne am Gipfel in der Sonne liegen wollte. Nachdem es
auch Flugameisen dort gab, überließen wir dann dem Schuppenkriechtier den
Vortritt und stiegen wieder zügig ab und querten den Weg zurück zur Planai.
Wir waren raschen
Schrittes unterwegs, da wir kein Wasser mehr hatten. Unsere Trinkflaschen vom
Bike waren beide leer und wir beide aber nach fast 1850 Höhenmetern recht
durstig. Unser Ziel war also die Schladminger Hütte, wo etwas gegen den Durst
gemacht werden kann. Als wir dann so flott an manchen Wanderern vorbeizischten,
rief uns plötzlich einer nach (ein Schwabe, man muss sich das also im schwäbischen
Dialekt vorstellen): „Warum geht ihr denn so schnell? Gefällt es euch hier
nicht?“. Wir lachten nur und erklärten unsere Lage und schon bekamen wir als
Antwort, dass die dort sicher Bier hätten an der Hütte. Die ersten zwei Skiwasser
bzw. Holunderblütensirup gingen runter wie nichts, und das alkoholfreie Weizen
zum Essen schmeckte hervorragend.
Danach sausten wir die
Straße wieder ab zurück zum Camping. Ab dann war etwas der Wurm drin in unserem
Tag. Nachdem meine Bankomatkarte beim Versuch Geld zu beheben eingezogen wurde
und mich dann auch die Servicehotline im Stich ließ, mussten wir auch am
Camping unseren Bus umparken, da wir länger bleiben wollen, der Platz aber für
Dauercamper reserviert ist, die morgen anreisen. Also wurde wieder nichts aus
unserem gemütlichen Abend, denn viel Zeit ging am Telefon mit der Bank drauf
und mit dem Umparken des Busses.
Nun gab es aber doch
noch ein Kniffel und die Tourenplanung für morgen ist abgeschlossen, die
Rucksäcke sind gepackt und wir müde genug fürs Bett.
Gute Nacht,
Harald
| Bekanntes Spiel: Oben hui, unten pfui. |
| Links der Krahbergzinken, rechts der Seerieszinken, unser Alternativziel. |
| Rückblick auf den Krahbergzinken. |
| Das gefiel uns schon besser. Keine Leute und ein bisschen kraxreln. |
| Am Gipfel des Seerieszinken mit all den Bergen der letzten Tage vor uns. |
| Eine Kreuzotter am Gipfel. Sie war wenig erfreut über unseren Besuch. |
| Es wird Herbst. In der Mitte hinten der Höchstein. Rechts die zwei Gipfel des Tages: Krahbergzinken ganz rechts und Seerieszinken in der Mitte. |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen