Unser heutiger Tag stand wieder einmal im Zeichen einer Akklimatisierung, schlafen wir doch ab jetzt bis zum Schluss des Treks immer knapp um die 5.000m und haben noch Pässe, Gipfel und Ausflüge vor uns, die auf 5.500m und höher gehen.
Wir starteten gegen 7 Uhr mit unserem kleinen Spaziergang, was sich später als veritable Wanderung herausstellen sollte. Anfangs ging es flach das Tal nach hinten in Richtung Cho Oyu, der uns den ganzen Tag über begleiten sollte. Nach etwa 1h kamen wir am 4. Gokyo See an, dem Thonak Tsho. Dieser liegt auf etwa 4.850m, also kaum höher, als wir zur Zeit schlafen. Somit schlenderten wir weiter, und man kann wirklich sagen "schlendern". Zackig war da heute gar nichts.
Nach ca. einer weitern Stunde kamen wir am 5. Gokyo See an, dem Ngozumpa Tsho auf knapp 4.950m. Von der Moräne aus hatten wir schon einen schönen Blick zum Everest und zum Lhotse, doch ein Hügel, der Ngozumpa Tse (Tse = Hügel auf Sherpa Nepali), versperrte uns den Blick zum Cho Oyu etwas. Nun stellte sich die Frage: drum herum und weiter zum Base Camp des 8000ers oder auf den Hügel hinauf. Manu und ich waren für rauf, Pasang war es egal, er war noch nie oben. Also rauf, ganz unter dem Motto "Climb high, sleep low".
Der Hügel hat dann mit einer Höhe von 5.553m (laut Outdooractive-Karte; ca. 5.500m laut GPS und Uhren) seine Zähne gezeigt. Wer Manu und mich kennt, weiß, dass wir nicht gerade kleine Touren machen und meist auch zügig unterwegs sind, aber auf dieser Höhe braucht alles so seine Zeit. So kamen wir in knapp 2 Stunden die 500hm nach oben, also 250 pro Stunde 🙈🤣. Manu hatte anfangs alle 100hm eine Trink- und Verschnaufspause eingeplant. Später ging der Intervall wohl auf 50hm oder weniger zurück, zumindest für mich.
Der anfangs steile Weg ging dann in Blockgelände über, mein Lieblings-Terrain eigentlich. Aber auf 5.400m ist da nicht mehr viel mit "locker von Block zu Block springen", zumindest noch nicht jetzt. In einer Woche vielleicht 😋.
Gegen oben hin legte sich das Blockgelände etwas zurück und wir umgingen einen Turm auf der linken Seite, mussten dann aber etwas im Schnee stapfen. Danach lag der letzte Teil des Aufstiegs auf den Vorgipfel vor uns, meist Gehgelände.
Am Vorgipfel, mit Gebetsfahnen und Steinmann markiert, angekommen, staunten wir erst einmal. WAS FÜR EIN PANORAMA! Nur der Hauptgipfel versperrte noch immer die Sicht zum Cho Oyu Base Camp, wodurch ich mich entschied, den Weg mal zu prüfen. T6 heißts in der Karte. Naja. Was ist schon T6 auf 5.500m? 🤣 Manu blieb sitzen. Sie war etwas zurückhaltend. Pasang meinte dann auch, dass er weitergehe. Und nachdem ich flott und fast im Gehgelände weiterkam, stieg auch Manu nochmals nach. Kurz brauchte man die Hände, aber von T6 weit entfernt, würde ich sagen. Blockkraxelei allerfeinster Art in herrlichem Granit in dieser Höhe 😍.
Wir erreichten alle also den Hauptgipfel und gingen wieder zum Staunen über. Vergessen waren die Schnauferei und die Anstrengung hier hoch. Was für eine Aussicht. Die gesamte Südflanke des Cho Oyu zum Greifen nahe, der Gipfel nur noch 2.700m über uns 😛. Weitere hohe 7000er, die um wenige Meter keine 8000er sind. Und dann noch der Mount Everest, sein Süd-Col, Lhotse und dahinter Makalu.
Auch wenn es nach abgedroschenen Phrasen klingt, aber "unbeschreiblich schön", "atemberaubende Aussicht" oder "traumhafte Aussicht" passen hier einfach. Selbst Pasang meinte, es sei einfach wunderschön.
Diese Aussicht bei so einem Wetter genießen zu können, war lange ein Traum, der nun verwirklicht wurde. Dies noch dazu gemeinsam mit der Person erleben zu können, die man liebt, macht das Ganze noch schöner. Danke 😘.
Nach unzähligen Fotos und Videos gings zurück zum Vorgipfel, wo ich den Rucksack deponiert hatte, wollte ich doch nur flott rauf und wieder runter. Wir aßen noch unser Snickers und machten uns dann, nachdem wir mit dem Fernglas die Normalroute am Everest inspiziert hatten, wieder an den Abstieg. Wie flott das auf einmal ging. Und so mühelos quasi 😋.
Am Fuß des Berges angekommen, kam irgendwie die Ernüchterung. 8km zurück nach Gokyo, und wir waren schon müde. Das Wandern in dieser Höhe schlaucht. Ich hatte am Morgen schon damit gerechnet, dass wir den Gipfel machen, also habe ich einen Extraliter Wasser eingepackt. Dieser musste dann für uns drei für den Rückweg reichen. Und dieser zog sich. Moräne rauf, Moräne runter, links, rechts, aber der blöde 4te See wollte nicht kommen. Dann aber endlich sahen wir diesen, und gleichzeitig auch in weiter Entfernung den Gokyo See beim Dorf. Ernüchternd 🙄. Also weiter.
Nach gut 7 Stunden, ca. 1050hm und 17km kamen wir wieder in Gokyo an. Um es mit Manus Worten zu sagen: "nudelfertig"! Es schlaucht extrem hier oben. Zudem ist es kühl und meist windig, das zehrt an den Kräften. Aber so können wir langsam, zumindest ansatzweise, nachvollziehen, was Höhenbergsteiger leisten und wie gut sie akklimatisiert sein müssen für die Touren.
Alle waren wir hungrig, also gings direkt zur Lodge und wir bestellten etwas. Eine Portion Nudel! Nach dem Essen gingen Manu und ich zur "German Bakery" und besorgten uns einen Nachtisch: Brownie hier oben, was für ein Luxus! Der war gar nicht mal schlecht und hat wohl mehr Energie als ein Snickers, kostet aber dafür auch weniger 🤣. Neue Tagesjause gefunden?
Nach ein paar Partien Rummy gings dann zum Abendessen und der Besprechung für den nächsten Tag.
Harald
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