Das Frühstück an sich war dann okay und kurz vor 5:30 Uhr konnten wir schon ohne Stirnlampe loslaufen. Es war kühl, aber nicht sonderlich kalt, weshalb Manu bald mal unter der Daunenjacke etwas ausziehen musste. Bei mir wars genau recht, nur die Finger waren etwas kalt.
Nach gut 1.5h erreichten wir die erste Anhöhe auf ca. 5.150m. Von dort sieht man dann den Weiterweg, der durch gelbe Stangen markiert ist, und den eigentlichen Pass. Puh. Noch ein rechtes Stück. Erstmals mussten wir wieder gut 100Hm absteigen und uns dann durch ein paar Flussbette begeben, bevor der endgültige Anstieg kam.
Diesen zu bewältigen ist gar nicht so ohne. Der Weg führt steil entlang von Felsbändern und später im Fels und ist teils sogar mit Drahtseilen versichert. Wir hatten Schnee drinnen, der gut zu gehen war, aber eisig will man es hier nicht haben. Die Träger spazieren dort noch locker mit ihren Lasten von 30kg hoch und haben dabei teilweise etwas bessere Sneaker oder Turnschuhe an. Respekt!
Nach 2h55min kamen wir auf der Passhöhe an. Irgendwas bei 5.330m hätten wir gesagt. In der Karte steht 5.420m, aber das kann nicht sein. Uhren und GPS haben alle auf 5.330m getippt. Eine kurze Verschnaufspause gab es auch, aber eben nicht mehr so lange wie am Renjo La. Aber mittlerweile haben wir 3x auf über 4.700m geschlafen und waren auch 3x über 5.300m unterwegs. Zudem war die Aussicht gar nicht so spektakulär. Man kommt am Pass an, der in einen Kessel mündet, wo ein kleiner Rest eines Gletschers zu sehen ist.
Das spannenste dort sind schon all die Leute, die hochkommen. Teils komplett fertig, teils werden sie getragen (eine Asiatin Huckepack), Träger mit vollen Lasten und Turnschuhen am hart gefrorenen Neuschnee normal gehend, Touristen mit Grödel/Spikes am Herumrutschen, einfach herrlich.
Wir gaben uns diesen Zirkus nicht länger und stiegen ab nach Dzonglha, wo wir unser Mittagessen geplant hatten. Je weiter man in das Tal hinunterkommt, desto schöner wird es. Riesige Granitwände, die erklettert werden wollen zur Rechten, zur Linken die Kette des Lobuche East und West, zwei schöne 6.000er. Am Ende des Tales quasi der Wächter, der Cholatse. Mit 6.440m ein gewaltiger Berg, vor allem, weil seine Nordwand einfach fast 2000m über einem aufragt. Beeindruckend. Und zu guter Letzt: die Ama Dablam, mit freier Sicht in die Nordwestseite des Berges und Blick auf den gesamten Nordgrat. 🤩
Nach einer ausgiebigen Rast und einem guten Mittagessen überredeten wir Pasang dann, doch weiter nach Lobuche zu gehen. Wir waren erst 4h45min unterwegs, es war vor 12 Uhr und ca. 2 bis 3 Stunden lagen noch vor uns. Somit konnten wir die Ama Dablam im schönsten Licht noch näher sehen und auch gleichzeitig unseren Akklimatisationstag von Thameteng wieder einarbeiten, womit wir wieder im Zeitplan sind, sofern man davon reden kann, wir sind ja sowieso individuell unterwegs und können von Tag zu Tag entscheiden.
Der Weg nach Lobuche zog sich dann aber noch. Immer wieder leicht rauf, dann leicht runter usw. Aber die Aussicht wurde nie fad. Die Ama Dablam blieb unsere ständige Begleiterin und später kamen Lhotse, Nuptse und der Pumori dazu. Nach gut 7h10min Gehzeit und fast 1050hm kamen wir dann endlich in Lobuche an. Im Tal ein Klax, aber auf konstant 4.800m und mehr sowie mit einem 5.300m hohen Pass und dem schweren Rucksack noch ganz schön streng - auch für uns 🥵.
In der Lodge angekommem bekamen wir dann ein nettes Zimmer, so dachten wir anfangs. Ein jaulender Hund vorm Fenster wird uns wohl eine Nacht mit Ohrstöpseln beschehren. Zudem kam danach eine große Gruppe Südamerikanerinnen an, die im gleichen Flügel der Lodge sind. Die sind zusammen ein Volksfest! Ein leises Miteinander kennen sie nicht. Alles Frauen zwischen 40 und 50 würde ich schätzen. Lautstark am Schnattern, aber ohne Punkt und Komma. Viele davon sind anscheinend leicht verkühlt und schon am Husten, aber dennoch kommen die Damen auf 4.950m auf die Idee, sich mir kaltem Wasser die Haare zu waschen. 🤣
Es gab am Nachmittag eine Suppe und eine Partie Rummy mit Pasang. Danach wollte mein Kopf etwas Ruhe, vor allem von den Damen.
So erholen wir uns jetzt im Zimmer und warten auf das hoffentlich gute Abendessen.
Harald
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