Der Fahrer des Jeeps war schon vor dem Hotel, als wir rauskamen. Alles tip top also. Rucksäcke verladen und los ging die Fahrt. Etwa 55km in 2 bis 2.5h sollten es werden. Der Fahrer war ein angenehmer Zeitgenosse, fuhr er doch für nepalesische Verhältnisse vorsichtig. So kamen wir gut voran, bis zur Teepause. Was als kurzer Stopp gedacht war, um Tee zu trinken und das letzte Mal den Everest zu bestaunen, dauerte länger. Der Fahrer hatte Hunger bekommen, nach einer Stunde Fahrzeit. Also musste er nochmals frühstücken. Aber okay, es war sonnig und schön.
Nachdem alle menschlichen Bedürfnisse befriedigt worden waren, fuhren wir weiter. Ohne große Zwischenfälle kamen wir dann um 10:30 Uhr in der Bezirkshauptstadt an. Da hier der Jeep gewechselt wurde, packten wir unser Zeugs aus und gingen in ein Restaurant. Pasang meinte am Vortag, wir machen ein "early lunch break" und fahren dann weiter, sodass wir gegen 15 oder 16 Uhr bei ihm sind. Seine Eltern hatten auch gerade in der Stadt zu tun - irgendwas wegen der Sozialversicherung - und so fragte er, ob es okay sei, wenn sie dann später mit uns im Jeep mitfahren könnten. Unser Plan war ja, ihn und seine Familie zu besuchen, nachdem er uns dazu eingeladen hat.
Geduld ist eine Tugend ...
Wir bestellten Dhal Bat zu Mittag und während wir aufs Essen warteten, meinte er, seine Eltern würden jetzt auch noch essen. Sie seien mit dem anderen Zeugs fertig. Für uns hieß das, dass sie dann bald hier sein würden und wir somit zeitnahe weiterfahren könnten. Die Fahrt zu ihm nach Hause dauert von Okhalunga immerhin noch ca. 4 Stunden bei 50km, aber halt wieder über Stock und Stein.
Wir aßen dann und dann meinte er, wir müssen noch etwas warten. Es war jetzt etwa 11:30 Uhr. Er wollte noch ein paar Sachen besorgen, ich ging etwas raus, Manu las. Ausgemacht war dann 12:15, damit wir aufbrechen konnten. Die Zeit verging, ich war zurück, kein Pasang da. Um 12:30 habe ich ihm mal geschrieben, wo er sei, da kam als Antwort, er säße beim Frisör und liesse sich die Haare schneiden, wir müssten noch 30 Minuten warten. Dann riss mein Geduldsfaden ... 😡
Manu und ich hatten uns seit dem letzten Pass Gedanken gemacht, wie und wann wir nach Kathmandu zurück wollten, da wir ja keine Rast- und Reservetage brauchten und diese übrig waren. Somit hatten wir ca. 6 Tage gewonnen. Eines war für uns aber fix: wir wollten Pasangs Familie kennenlernen, haben wir sie doch vor 4 Jahren schon finanziell unterstützt. Einen Einblick in ihr Zuhause bekommen, wie sie leben, ihr Dorf, usw. Hätten wir das nicht geplant gehabt, hätten wir schon am 24. nach Lukla gehen und am 25. oder 26. einfach in einer Stunde zurück nach Kathmandu fliegen können. Dann hätten wir uns über 10 Stunden im Jeep erspart und gleichzeitig 2 weitere Tage zur Vefügung gehabt, für was auch immer.
Nun gut. Er kam also um 13:15 etwa zurück und meinte dann, der Fahrer würde noch das Auto waschen und seine Eltern seien gleich hier, dann können wir los, so gegen 14 Uhr. Ich war auf 180. Manu und ich hatten dann die Schnauze voll, warteten wir doch schon 3 Stunden im Restaurant und nochmals eine halbe Stunde bei der Teepause. Weitere 4 oder 4.5h im Auto sitzen und durchgebeutelt werden, damit wir dann am späten Abend beim ihm ankommen, wo wir nichts mehr sehen und machen können, nur Abendessen und dann ins Bett gehen? Zudem hätten wir am nächsten Tag früh auf müssen, damit wir die lange Fahrt nach Kathmandu machen hätten können - etwa 8 bis 10 Stunden von ihm daheim. In Summe also etwa 12 bis 14 Stunden im Auto sitzen, dafür, dass wir nichts mehr sehen und keine Zeit haben, war uns zu viel.
Er meinte dann, es sei auch so schwer gewesen wegen des Fahrers usw., aber wo ich dann klar gesagt habe, es sei Schluss mit lustig und wir wollen direkt nach Kathmandu, war innert 10 Minuten alles organisiert. Um 13:30 fuhren wir dann ab nach Kathmandu.
Eigentlich sind wir Reisen gewohnt, auch in südlichen Ländern oder zB in Südamerika. Ich war ja auch schon hier in Nepal. Vieles dauert einfach länger. Aber das war zu viel des Guten, vor allem, weil er ja unser Guide ist und wir mit ihm ausgemacht haben, dass wir zügig zu ihm fahren. Das hier soll nicht wertend klingen, aber die Leute hier haben einfach kein Gespür für Zeit und Arbeit. Wenn man durch Dörfer geht oder fährt, stehen dort vor jedem Haus ein paar Seelen, die einfach in die Luft schauen, oder Autos zählen. Klar gibt es Regionen, wo sie durch harte Feldarbeit den ganzen Tag beschäftigt sind, aber meist schlägt der Großteil der Bevölkerung einfach Zeit tot. Zeit ist etwas, dass alle haben. Auch ist es ihnen egal im Dreck zu leben. Da liegt Müll bis zur Haustür hin, Flaschen, Folien, ... keiner würde das aufräumen. Egal?
Auf den Straßen liegen Steine, Schutt, sie sind verlegt etc. Anstatt zB das ordentlich wegzuschieben, stecken sie lieber einen Stecken hin als Warnung. Aber Zeit hätten sie ja, es zu tun. Es würde nur nicht bezahlt werden. Schwierige Sache. 😒
Adrenalinkick auf der NH-20
Unsere Rückfahrt war dann mit einem Tata Golo Jeep entlang der Hauptstraße, also eigentlich ganz gut zu fahren. Lediglich der Fahrer gab uns etwas zu denken. Manu schätzte ihn auf 14, ich auf 15 bis 16, laut Pasang wäre er 25. Er reichte mir kaum bis zur Brust 🤣. Der Fahrstil war sportlich agil, geprägt von jugendlichem Leichtsinn. Ich denke, das triffts ganz gut und ist diplomatisch gesagt 😛.
Beim Einsteigen in den Jeep habe ich mal die Reifen angeschaut. Vier Stück waren montiert, fahrtauglich (laut unseren Normen) vielleicht zwei. Naja. So eine Lauffläche mit Profil wird ja auch überbewertet 😂. Rechts hinten löste sich diese nicht nur, sondern es schaute an mehreren Handflächen großen Stellen das Metallgewebe, also der Radialbegurtung des Reifens, heraus. Man konnte die einzelnen Fäden so rausziehen. Naja. Sind ja nur 240km oder so. Und der Reifen wird ja nicht genau dann platzen, wenn wir mit 80 bis 100 km/h entlang vom Sunkoshi brettern.🤞
Anfangs war die Straße noch ganz gut, doch später wurden die Schäden der großen Überschwemmung von vor einem Monat sichtbar. Innert 30 Stunden hat es damals an die 700 Liter Niederschlag gegeben. Zu viel für so ziemlich jeden Fluss. Und so hat sich der Sunkoshi sein Flussbett wieder zurückgeholt und große Teile der Fahrbahn mit sich gerissen. Über weite Strecken fährt man dort entweder auf provisorisch ausgeschobenen Trassen am Hang im Erdrutschgebiet, oder man fährt überhaupt im Flussbett, welches einfach mit all dem Erdrutschmaterial aufgefüllt und planiert wurde. Wenigstens musste der Fahrer dann langsam fahren, was uns etwas beruhigte, was den Reifen anging. Mit der einbrechenden Dunkelheit sahen wir dann zumindest weniger, wie weit es auf der einen Seite runter zum Fluss ging.
Nach einer Pause etwas vor Kathmandu kamen wir dann etwa um 21 Uhr hier an. Recht geschlaucht vom vielen Fahren. Also ab ins Hotel. Dort wurden wir dann ins Nachbarhotel ausquartiert, da kein Zimmer mehr frei war. Auch egal. Hauptsache ein Bett. Wir bekamen dann Zimmer Nr. 103. Der Hotelmitarbeiter brachte uns hoch, öffnete die Tür, zeigte das Zimmer usw. Alles okay. Als wir zum Abendessen gingen stellte ich fest, dass sich die Tür mit dem Schlüssel nicht sperren liess. Er hatte uns das falsche Zimmer gezeigt 😝. Was für eine Aufregung bei ihnen. Ich sagte, sie sollen uns einfach den anderen Schlüssel geben, da wir ja schon etwas ausgepackt haben. Aber das dauerte dann länger, bis sie das überrissen hatten.
Hungrig gings dann zum Abendessen. Es war schon 21:30 Uhr und wir hatten seit 11 Uhr nichts gegessen. Manu nahm Kathi Rolls, so eine Art Wraps gefüllt mit Gemüse. Ich dachte, ich machs schnell: Spaghetti Aglio e Olio. Mein Magen war auch etwas angeschlagen von der Chilli am Vortag und vertrug nichts Würziges.
So kam Manus Essen, Pasangs Essen, und so nach weiteren 15 Minuten mein Essen. Klar. Dauert auch so lange, das Gericht zu machen. Egal. Hungrig wie ich war, stürzte ich mich drauf. Wie um alles auf dieser Welt kann man ein Gericht, welches aus drei Hauptzutaten (Spaghetti, Öl, Knoblauch) besteht, so verhauen. Es waren Oliven drinnen, gut bin ich nicht heikel. Die Nudel waren gebraten und trocken, dass es staubte beim Kauen 🤣. Naja. Irgendwann waren sie auch weg.
Zurück im Hotel ging es dann geradewegs ins Bett. Duschen wollten wir nicht mehr. Das würde zu lange dauern.
Gute Nacht
Harald





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